Dieser Artikel gibt einen Überblick über die technischen Einsatzmöglichkeiten des Betriebssystems Linux. Aufgrund der freien Lizenz können sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen Linux nutzen. Sammlungen von Software gibt es in verschiedenen Linux-Distributionen, welche sich maßgeblich durch ihre Installation, die vorinstallierte Software sowie den Paketmanager unterscheiden.

Desktop mini|Gnome-Desktop (Version 3.32) mini|Desktopoberfläche des KDE-Projektes Eine anspruchsvolle Computerinstallation ist der PC als Schreibtischgerät. Der Benutzer soll mit ihm arbeiten können, ohne sich des technischen Hintergrunds des Systems bewusst sein zu müssen. Eine typische Installation einer Linux-Distribution enthält einen Displayserver (X11 oder Wayland) sowie eine Desktop-Umgebung und Anwenderprogramme. Dazu gehören sowohl Office-Programme wie LibreOffice als auch Programme zur Bildbearbeitung (häufig GIMP), Browser und E-Mail-Software. Bei Installationen für Firmen und Büros kommen meistens noch andere Programme wie zum Beispiel Software zur Unternehmensplanung hinzu. Für Entwickler gibt es Entwicklerwerkzeuge wie Eclipse, KDevelop und die GNU Compiler Collection.

Marktanteile In der Praxis wird Linux eher zögerlich im Desktop-Bereich eingesetzt. Die Verbreitung kann wegen der kostenlosen und dezentralen Verfügbarkeit nur schwer abgeschätzt werden. 2002 lief Linux auf 2,8 % aller in diesem Jahr verkauften Rechner (Schätzwert).Dominic White: Connected comment auf Telegraph.co.uk. 2. April 2004. Im Jahr 2011 lag der Wert ungefähr im 1-%-Bereich, die Quelle nutzt zur Bestimmung des Marktanteils die „User Agent-Information“ des Webbrowsers. Bei den Netbook-Betriebssystemen, einer ursprünglich reinen Linux-Domäne, hat sich der Anteil bei Verkäufen mit vorinstalliertem Linux-Betriebssystem mit der Verfügbarkeit von Windows XP als Option bis 2009 auf unter 10 % verringert. Von Sommer 2011 bis Anfang 2012 konnte ein starker Anstieg (ca. 40 %) der Zugriffszahlen auf Webseiten durch Linux-Desktop-Systeme verzeichnet werden. Somit belief sich der Marktanteil im Dezember 2011 auf 1,4 %.Linux, netmarketshare, zugegriffen: 11. September 2012 Ob der Anstieg mit den Chromebooks oder dem 20-jährigen Jubiläum von Linux im Zusammenhang steht, ist unklar.Immer mehr Linux auf dem Desktop, heise online, zugegriffen: 11. September 2012 Bis zum Jahr 2015 war ein weiterer Anstieg auf rund 1,6 % festzustellen.

Grafische Oberflächen Nicht zwingend, aber üblich werden die grafischen Oberflächen auf einem der verfügbaren Fenstersysteme eingesetzt. Als Alternative zum allgemein üblichen X Window System zeichnet sich Wayland ab. Auf dem bekannten Linux-Abkömmling Android kommt wiederum eine eigene, nicht X-Window-basierte GUI zum Einsatz. mini|Fenstermanager i3, welcher geöffnete Anwendungen standardmäßig kachelartig anordnet Heutzutage sind viele übliche Funktionen des Systems über intuitive grafische Benutzeroberflächen erreichbar. Weiterhin wird bei der Weiterentwicklung der direkten Schnittstelle mit dem Nutzer, der Desktop-Umgebung, immer mehr Wert auf eine benutzer- und einsteigerfreundliche Gestaltung gelegt.

Die beiden größten Desktop-Umgebungen für Linux, Gnome und KDE, haben dafür Richtlinien erstellt, die von jedem Programm und jeder Funktion eingehalten werden sollten, um dem Benutzer ein einheitliches Erscheinungsbild und Bedienkonzept (Look and Feel) zu bieten. Gnome setzt dabei auf GTK, KDE auf Qt.

Ende 2020 war laut der Arch-Linux-Statistiken KDE Plasma mit 33,29 % die beliebteste Oberfläche, gefolgt von Gnome mit 26,92 %.

Da die Richtlinien beider Desktops voneinander abweichen, erscheinen Programme der einen Umgebung in der anderen Umgebung uneinheitlich. Diesem Problem soll durch Standardisierung und Zusammenarbeit der Projekte begegnet werden. Am bekanntesten ist hier die Initiative freedesktop.org. Auch die Linux Standard Base hat eine eigene Projektgruppe in den späten 1990ern, die LSB Workgroup, ins Leben gerufen. Ziel ist Schaffung verlässlicher Standards für Entwickler von Anwendungsprogrammen und Linux-Distributionen, um eine weitreichendere Kompatibilität zwischen diesen zu erreichen, ein Ziel, das noch nicht erreicht ist. Andere Projekte kümmern sich auch um Einzelbereiche, dazu gehört z. B. das Tango!-Projekt, das ein einheitliches Aussehen durch Gestaltungsrichtlinien und die Verwendung einheitlicher Icons (Schaltflächen) zu erreichen versucht.

Composition-Manager ermöglichen hardwarebeschleunigte 3D-Effekte auf dem Desktop, zum Beispiel Schlagschatten, Transparenz und Animationen.

Um die Entwicklung und auch die Verbreitung von Linux auf dem Desktop voranzubringen, hat sich in der Linux Foundation die The Desktop Linux Working Group gebildet, die alle Kräfte bündeln und koordinieren soll, die sich mit der Thematik beschäftigen.

Multimedia Die Multimediaunterstützung wird je nach Nutzerbedarf und -verhalten unterschiedlich bewertet. Der Umgang mit den meisten gängigen Audio- sowie Videoformaten ist kein Problem. Allerdings bieten einige Distributionen aus lizenzrechtlichen Gründen von Haus aus keine Möglichkeit, proprietäre Formate wie H.265 abzuspielen, obwohl teilweise freie Software für den Umgang mit diesen verfügbar ist. Grund hierfür sind die Lizenzgebühren, welche in einigen Ländern für die Verbreitung der entsprechenden Programme fällig würden, da verschiedene Firmen Patentansprüche auf diese Formate erheben. Diese werden jedoch nicht in allen Ländern anerkannt. Die entsprechenden De- und Encoder müssen daher teilweise vom Endbenutzer erst nachinstalliert werden, zum Beispiel über FFmpeg. Bei erloschenen Patentansprüchen ist dies in der Regel unproblematisch, ein Beispiel für einen solchen Fall ist das Audioformat MP3, dessen letzte Patente 2017 in den USA ausliefen. mini|VLC media player unter Gnome: eine portable, freie Mediaplayer-Software für Audio- sowie Videodateien Das Abspielen und Umkodieren von Videodateien und Videostreams für eine Vielzahl von verbreiteten, aber auch ungewöhnlichen Formaten ist unter Linux beispielsweise mit den Programmen HandBrake und VLC möglich. Diese Programme können auch DVDs und Blu-rays abspielen und rippen, für verschlüsselte Medien sind allerdings Programmbibliotheken wie libdvdcss oder libaacs nötig, die wegen unklarer Rechtslage in vielen Ländern auch wieder vom Benutzer selbst nachinstalliert werden müssen. Kommerzielle DVD-Abspielsoftware wie PowerDVD existiert, hat aber aufgrund der hohen Bedeutung von freier Software nie große Popularität erlangt.

Ebenso gibt es auch keine Linux-Version der beiden weit verbreiteten Multimediaprogramme QuickTime Player und Windows Media Player, deren eigene Videoformate aber inzwischen durch Reverse Engineering verstanden und die Unterstützung dafür in die freien Abspielprogramme und teilweise auch in die freie Umkodiersoftware eingeflossen ist. Ähnlich sieht es mit proprietären Audioformaten wie AC3 aus, welche jedoch teilweise auch wie beim MP3-Format durch Ablauf der Patente frei verfügbar sind. Auf x86-basierten Systemen können zudem die für MS-Windows geschaffenen originalen Codec-Bibliotheken der Hersteller verwendet werden, sofern kein nativer Codec existiert.

Das Abspielen von DRM-geschützten Audio- und Videodateien (zum Beispiel bei Netflix) ist mit Googles Widevine in Chrome und Firefox möglich. In einigen Fällen sind Inhalte jedoch an nicht portierte anbieterspezifische Playeranwendungen gekoppelt, welche unter Linux nicht genutzt werden können.

Eine deutlich andere Situation zeigt sich im Bereich professioneller Multimedia-Bearbeitung. Mit dem JACK Audio Connection Kit steht unter Linux eine spezielle Sound-Architektur zur Verfügung, die besonders niedrige Latenzzeiten bietet. Sie wird von Programmen wie Ardour genutzt. In der Filmbranche erfreut sich Linux besonderer Beliebtheit: die Spezialeffekte vieler Filme wurden mit Hilfe von Linux-Rechnerverbünden gerendert. So hat beispielsweise das häufig unter Linux eingesetzte Programm CinePaint bei der Erstellung von Filmen wie den Harry-Potter-Verfilmungen geholfen.

Zwischen diesen verschiedenen Situationen ist der Übergang aber fließend. Mit der zunehmenden Entwicklung proprietärer Lösungen auch für Linux ist aber davon auszugehen, dass die vorhandenen Lücken in naher Zukunft geschlossen werden. Ein Beispiel ist der Bereich des Videoschnitts, bei dem es sowohl proprietäre Lösungen wie das Programm MainActor der Firma MainConcept gibt als auch Lösungen der Freie-Software-Bewegung wie z. B. die Software Kino oder Cinelerra, das für professionelle Hardware ausgelegt ist.

Computerspiele

mini|Das freie Spiel 0 A.D. mini|OpenTTD, ein quelloffener Klon des 1994 erschienenen Wirtschafts-Simulationsspieles Transport Tycoon Deluxe Als Programmierschnittstelle für hardwarebeschleunigtes Rendering sind OpenGL und Vulkan verfügbar und auch geeignet, obwohl das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung von OpenGL eher CAD-Anwendungen als Computerspiele waren. Aufgrund dieser Prioritätensetzung galt und gilt OpenGL in einigen Kreisen als den neusten Versionen von Direct3D nicht ebenbürtig. Vulkan ist als Nachfolger von OpenGL gedacht und ermöglicht durch hardwarenahe Programmierung bessere Leistung sowie neuartige Features wie Raytracing, welche sonst nur in DirectX verfügbar sind. Die teilweise proprietären Linux-Treiber der Hersteller implementieren jeweils die neueste Version der Grafikschnittstellen und sind bezüglich ihrer Leistung mit ihren Windows-Pendants vergleichbar. Die verfügbaren freien Implementierungen von OpenGL sowie weiterer APIs werden im Mesa-3D-Projekt entwickelt.

Der Linux-Kernel ist sehr leistungsfähig, wie sein Einsatz auf Supercomputern, Servern oder mobilen Geräten zeigt, und der Umstand, dass er frei verfügbar ist, ist grundsätzlich als Vorteil anzusehen. Die geringe Verbreitung von Linux auf Heimcomputern sowie einige der geschilderten Probleme sind daher als Hauptgrund für die Vernachlässigung seitens der Spieleindustrie zu nennen. Trotz allem sind durchaus kommerzielle Spiele für Linux verfügbar. Der amerikanische Spieleentwickler und -publisher Valve verbreitet seit 2013 die Vertriebsplattform Steam und eigene bekannte Titel wie Counter-Strike: Global Offensive oder Dota 2 unter anderem auch für Linux.

Außerdem gibt es eine Reihe von freien Spielen, siehe Liste quelloffener Computerspiele.

Manche Befürworter von Linux als Spieleplattform sind der Ansicht, klassische Spiele wie Quake III Arena oder Unreal Tournament seien der Beginn des Umdenkens der Spielehersteller. Spiele wie Doom 3, Wolfensten: Enemy Territory und andere gibt es seit Release auch als Linux-Version.

Dank Bemühungen der Open-Source-Community und starker finanzieller Unterstützung durch Valve sind inzwischen auch viele ursprünglich exklusiv auf Windows nutzbare DirectX-Spiele auf Linux lauffähig. Proton, eine Abspaltung des Wine-Projektes welche verschiedene Komponenten wie DXVK (einer auf Vulkan aufbauenden Implementierung mit Unterstützung von D3D8 bis D3D11Linux News der Woche: […] #DXVK Verbessert DirectX-8-Implementierung […], ComputerBase, am 29.9.2024; Weiteres dazu ggf. auch bei GitHub, (dort allein amerikanisch) unter …/doitsujin/dxvk, ebenda zudem auch mit „“ (hier zuletzt gesichtet am 30. September 2024)) oder VKD3D (Vulkan-basierte Grafikbibliothek mit einer zu D3D12 kompatiblen API) vereint, ermöglicht das Ausführen von PC-Spielen für Windows unter Linux, teilweise mit nahezu nativer Performance. Laut der Datenbank ProtonDB, welche Nutzerberichte sammelt und aggregiert, sind Ende 2020 79 % der 100 beliebtesten Spiele auf Steam unter Linux spielbar. Ein prominentes Beispiel ist das Spiel CyberPunk 2077, welches bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung unter Linux ausführbar war.

Vorhandene Ressourcen für Computerspiele Der Linux-Kernel ist effizient und stellt leistungsfähige Mechanismen für die Interprozesskommunikation zur Verfügung