Die 90. leichte Afrika-Division später 90. Panzergrenadier-Division war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht der im Zweiten Weltkrieg aufgestellt und eingesetzt wurde.
90. leichte Afrika-Division
Aufstellung als Afrika-Division z. b. V. Die Division wurde am 26. Juni 1941 in Nordafrika mit dem Stab Divisions-Kommando z. b. V. Afrika aus bereits dort befindlichen Einheiten des Deutschen Afrikakorps aufgestellt.
Hierbei wurden folgende Einheiten unterstellt:Tessin: Die Landstreitkräfte Bd. 6 1972 S. 111
Schützen-Regiment 155 (aufgestellt am 7. Juni 1941) Infanterie-Regiment 361 (Afrika-Regiment 361) (mit zwei Bataillonen ehemaliger Fremdenlegionäre) gemischte Aufklärungskompanie 580 Pionier-Bataillon 900 Nachrichten-Kompanie 190 Aus der Marsa-El Brega-Stellung heraus, war die Division am Gegenangriff im Sommer 1942 zur Wiedereroberung der Cyrenaika eingesetzt. Die Angriffsroute führte die Division entlang der Küstenlinie über Tripolis, Derna bis in den Raum von Tmimi, westlich von Tobruk.
Am 26. November 1941 änderte sich die Bezeichnung in 90. leichte Afrika-Division.
Die Aufstellung des Verbandes erfolgte zwischen Dezember 1941 und Februar 1942 im Raum Tunis in der Reserve der Panzerarmee Afrika. In diesem Zug waren aus dem Schützen-Regiment 155 durch die Abgabe eines Bataillons an das für die Division neu aufgestellte leichte Infanterie-Regiment 200 das leichte Infanterie Regiment 155 mit zwei Bataillonen gebildet worden. Aus dem Infanterie-Regiment 361 wurde das Schützen-Regiment 361.
Im März 1942 wurde der Verband dem Deutschen Afrika-Korps unterstellt, obwohl die Ausrüstung noch nicht abgeschlossen war und nach Libyen an die Front verlegt.
90. leichte Infanterie-Division Am 1. April 1942 wurde sie formal in 90. leichte Infanterie-Division umbenannt.
Von Mai bis Juli 1942 war der Verband dem italienischen XXI. (21.) Armee-Korps der deutschen Panzer-Armee Afrika unterstellt.
90. Afrika-Division Nach dem 26. Juli 1942 wurde die Division mit weiteren Divisionstruppenteilen zu einer vollständigen Panzergrenadier-Division ausgebaut. Die neuen Bezeichnungen der Truppenteile waren danach:
Panzergrenadier-Regiment 155 (zwei Bataillone) Panzergrenadier-Regiment 200 (zwei Bataillone) Panzergrenadier-Regiment 361 (zwei Bataillone) Panzer-Abteilung 190 (faktisch wurde Anfang 1943 nur eine Kompanie unterstellt) Panzer-Aufklärungs-Abteilung 90 (1943 Ersatz für die an die als neue Pz.Aufkl.Abt. 21 an die 21. Pz.Div. abgegebene Aufkl.Abt. 580) Artillerie-Abteilung 190 (Regiment? / 1943 zwei Abteilungen durch Umbenennung Artillerie-Abteilung 361) Pionier-Bataillon 900 Divisionseinheiten Nr. 190 zeitweise Unterstellung: Sonderverband 288 (mot.) mit 2 Gebirgsjäger-Kompanien, 1 Schützen-Kompanie, 1 Maschinengewehr-Kompanie, 1 schwere Panzerjäger-Kompanie (mit Sturmgeschütz-Zug), eine Fla-Kompanie (Sfl.), eine Pionier-Kompanie (mot.) und eine Nachrichten-Kompanie - Verband im Dezember 1942 umbenannt in Panzergrenadier-Regiment Afrika
El Alamein Der weite Vorstoß der Achsentruppen nach Osten führte in den Monaten August bis Oktober 1942 zu den zwei Schlachten von El-Alamein, bei denen die 90. leichte Infanterie in der Reserve der Panzerarmee Afrika stand. Ende September bis Anfang Oktober 1942 wurde der Verband mit Beutefahrzeugen vollständig motorisiert.Rolf Stoves: Die gepanzerten und motorisierten deutschen Großverbände 2003 S. 188–189
Ab dem 23. Oktober begannen die Zweite Schlacht von El Alamein und Abwehrkämpfe der Panzerarmee Afrika bei El Alamein. Dies umfasste Gegenangriffe zur Rückeroberung verlorener Stellungen, die Verteidigung hinter den Minenfeldern nordwestlich von Alamein und einen Entsatzangriff, um das nördlich der Küstenstraße eingeschlossene Panzergrenadier-Regiment 125 freizukämpfen.
Ab 4. November kam es zu Rückzugskämpfen der Deutsch-Italienischen Panzerarmee durch Libyen. Aus der Alamein-Stellung kommend zog sich die Division zuerst auf den Fuka-Pass zurück. Dann bis zum 7. November wurde eine Verteidigungslinie im Raum Marsa Matruk gesichert. Immer wieder Nachhut-Riegel bei Sidi Barrani bildend ging die Division durch die Cyrenaika auf die Marsa-el-Brega-Stellung zurück. Vom 24. November bis Mitte Dezember 1942 wurden im weiteren Verlauf des Rückzugs immer wieder Kämpfe im Raum Agedabia-El Agheila geführt.
Ab 16. Dezember zog sich die Division 300 km weiter nach Westen zurück. Zuerst am 26. Dezember in die Buerat-Stellung östlich von Tripolis. Dann setze sich Division in Richtung Tunesien in den Raum um Crispi ab und richtete sich dort bis Mitte Januar 1943 zur Verteidigung ein.Landkarte (pdf) bei bpb.de
Mareth Nach Nachhutgefechten um Homs marschierte die Division über Zuara westlich von Tripolis in die Mareth-Stellung im italienisch-französischen Grenzraum. Die Verteidigung des sogenannten Mareth-Riegels in Südtunesien dauerte bis März 1943. Nach dem 20. März zog sich der Verband über die Akarit-Stützpunkte im Raum Sfax-Sousse. Die Division bildete am Eingang zur Halbinsel Cap Bon eine Abwehrlinie, die Enfidaville-Front, die vom 11. April bis Mitte Mai 1943 verteidigt wurde.
Kapitulation Nach der Teilnahme an mehreren wichtigen Schlachten des Afrikafeldzuges kapitulierte die Division in Tunis im Mai 1943 vor den Westalliierten. Die formelle Auflösung auf deutscher Seite erfolgte am 30. Juni 1943. Nur geringe Reste der Division konnte aus Nordafrika nach Italien überführt werden.
90. Panzergrenadier-Division mini|Panzer IV der 90. Panzergrenadier-Division in Palau bei ihrem Abzug von Sardinien
Aufstellung Am 6. Juli 1943 erfolgte auf Sardinien die Neuaufstellung als 90. Panzergrenadier-Division, durch die Umbenennung des zuvor auf Sardinien gebildeten Divisions-Kommando Sardinien. Die nunmehr wieder aufzustellenden Verbände erhielten die Nummern der in Afrika untergegangenen Verbände. Geplant waren:
Panzergrenadier-Regiment 155 (mit drei Bataillonen aus dem Grenadier-Regiment 1 Sardinien) Panzergrenadier-Regiment 200 (mit drei Bataillonen aus dem Grenadier-Regiment 2 Sardinien) Panzergrenadier-Regiment 361 (mit drei Bataillonen aus Sturm-Regiment 853) Panzer-Abteilung 190 (aus Panzer-Abteilung Sardinien) Sturmgeschütz-Abteilung 242 (zuvor Heerestruppe) Panzerjäger-Kompanie I./190 (aus bisheriger Panzerjäger-Kompanie Sardinien) Artillerie-Regiment 190 (mit drei Abteilungen aus Artillerie-Regiment Sardinien) Pionier-Bataillon 190 Divisionstruppen Nr. 190
Für die Panzergrenadiere war nur eine teilweise Motorisierung möglich und es fehlte an Personal für die Aufstellung der III. Bataillone der Regimenter, so dass diese nicht gebildet wurden. Auch fehlte eine III. Abteilung für das Artillerie-Regiment, an dessen Stelle trat die Sturmgeschütz-Abteilung 247. Bei der Aufstellung auf dem Kommandoweg war anstelle einer Aufklärungs-Abteilung die Bildung einer Gebirgsjäger-Kompanie 190 befohlen worden und statt eines II. Bataillons für das Panzergrenadier-Regiment 381 ein Panzergrenadier-Bataillon 61.Tessin: Die Landstreitkräfte Bd. 6 1972 S. 112
Während der Aufstellungsphase stiftete sich die Division den Sardinienschild als Traditionsabzeichen.
Räumung von Sardinien Nach der Unterzeichnung des italienischen Waffenstillstandes von Cassibile mit den Alliierten, waren die deutschen Truppen auf Sardinien in der Minderzahl gegenüber den italienischen Verbänden, so dass der Abzug des deutschen Kontingents beschlossen wurde. Eine Vereinbarung zwischen dem Divisionskommandeur Generalleutnant Lungershausen und dem italienischen General Antonio Basso vom Oberkommando der italienischen Streitkräfte auf Sardinien ermöglichte den fast kampflosen Abzug zwischen dem 8. und 16. September 1943. Von Palau im Nordosten Sardiniens wurde die 90. Panzergrenadier-Division nach Bonifacio auf Korsika überschifft.Francesco Ledda: I tedeschi in Sardegna: movimentazione dei reparti dopo l’8 settembre e il fatto di sangue di Oniferi. In: Daniele Sanna (Hrsg.): La Sardegna e la guerra di Liberazione. Studi di storia militare. Franco Angeli, Mailand 2018, ISBN 978-88-917-6958-9, S. 67–70
Korsika Nachdem am 9. September 1943 auf Korsika der Aufstand gegen die italienischen und deutschen Besatzer ausgerufen worden war, wurde die Division entlang der östlichen Küstenstraße von Bonifacio nach Bastia abgezogen. Über den umkämpften Brückenkopf Bastia wurde die Division unter Verlusten bis Anfang Oktober auf das italienische Festland evakuiert.
Verlegung auf das italienische Festland Anschließend war die Division zunächst in der Toskana bei Pisa stationiert. Hier erfolgte die Umgliederung in einen Verband mit der Gliederung Panzergrenadier-Division 43. Die Möglichkeiten auf der deutschen Seite waren grundsätzlich begrenzt. So wurde letztendlich am 23. Oktober in neuer Aufstellung umstrukturiert:
Grenadier-Regiment (mot.) 200 (mit drei Bataillonen) Grenadier-Regiment (mot.) 361 (mit drei Bataillonen) Panzer-Abteilung 190 Panzer-Aufklärungs-Abteilung 190 Panzerjäger-Abteilung 190 Divisionstruppen Nr. 190
Hierbei war das Panzergrenadier-Regiment 155 aufgelöst worden und die vorhandenen beiden Bataillone gingen als III. Bataillon zu den beiden verbliebenen Regimentern der Division. Die Gebirgsjäger-Kompanie 190 wurde für die Aufstellung einer Panzer-Aufklärungs-Abteilung 190 verwendet. Die Panzerjäger-Kompanie I./ 190 wurde zum Rahmen für eine nunmehr aufgestellte Heerestruppe, die Panzerjäger-Abteilung 590 und wurde nunmehr eine Abteilung für die Division neu gebildet.
Später war die Division dann an der Adriaküste bei Gatteo a Mare stationiert.
Gustav-Linie Mitte November 1943 wurde sie in die Region Abruzzen hinter die Gustav-Linie verlegt. Anfang Dezember war sie in heftige Abwehrkämpfe südlich von Ortona gegen die 1. kanadische Infanterie-Division der 8. britischen Armee verwickelt.
Auffrischung südlich von Rom Nach der erbitterten Schlacht um Ortona (20. bis 28. Dezember 1943) befand sie sich zur Erholung südlich von Rom. Im Januar 1944 stand der Verband erneut an der Gustav-Linie zwischen Cassino und der tyrrhenischen Küste.
Cassino Ab Anfang Februar 1944 kämpfte sie in der Ersten und Zweiten Schlacht um Monte Cassino am Monte Maiola und Monte Castellone. Nach Ende der Zweiten Schlacht wurde sie Anfang März als Heeresgruppenreserve in den Raum Rom–Ostia verlegt. Mitte Mai stand sie südlich vom Cassino im Liri-Tal in der Nähe von Pignataro–Pontecorvo und nahm an der Vierten Schlacht um Monte Cassino teil.
Rückzug nach Umbrien Nach dem Durchbruch der Alliierten zog sich die Division bis nach Umbrien zurück und wurde dann in den Raum Grosseto (südliche Toskana) verlegt wurde. In der Toskana wurde Einheiten der Division zur „Bandenbekämpfung“ eingesetzt und waren in Abwehrkämpfe gegen die vorrückenden Truppen der 5. US-Armee unter anderem am Monte Amiata und bei Volterra verwickelt, bevor sich die Division in das Arno-Tal zwischen Pisa und Florenz zurückzog.Carlo Gentile: Itinerari di guerra: La presenza delle truppe tedesche nel Lazio occupato 1943–1944. Online-Publikationen des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Rom o. J. S. 29 PDF
Auffrischung in der Po-Ebene Ende Juli 1944 wurde die Division zur Auffrischung zunächst in die Po-Ebene zwischen Modena und Parma und anschließend nach Ligurien nördlich von Genua verlegt. Mitte August wurde sie nach der Landung der Alliierten in Südfrankreich zur Grenzsicherung der Alpenübergänge nach Piemont verlegt. Von Ende September 1944 an stand sie erneut in der Emilia-Romagna. Mitte Dezember 1944 verteidigte die zunächst als Armeereserve zurückgehaltene Division unter hohen Verlusten Faenza vor dem angreifenden V. britischen und dem II. polnischen Korps, mussten die Stadt aber schließlich räumen.Gilbert Alan Shepperd: La campagna d’Italia 1943–1945. Garzanti, Mailand 1970. S. 411–412
Reserve