Eidengesäß ist neben Altenhaßlau, Großenhausen (mit Waldrode), Geislitz (mit Hof Eich und Eichermühle) und Lützelhausen einer der fünf Ortsteile der Gemeinde Linsengericht im hessischen Main-Kinzig-Kreis.
Geografie Geografische Lage Eidengesäß liegt im nördlichen Sandsteinspessart 220 m über NHN und 4,2 km südöstlich von Gelnhausen an dem im Ort entspringenden Haßelbach, einem linken Nebenfluss der Kinzig.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn: die Ortsteile der Gemeinde Biebergemünd Kassel im Nord-Osten, Lanzingen im Osten, Breitenborn im Süd-Osten, die Gemeindeortsteile Geislitz und Großenhausen im Süd-Westen. Es folgen der Ortsteil Altenhaßlau und die Stadt Gelnhausen im Nord-Westen und der Gelnhäuser Stadtteil Höchst im Norden.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ytzengesesse erfolgte im Jahr 1288 in einer Urkunde der Grafschaft Hanau. In erhaltenen Urkunden wurde der Ort später unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Idengesesze (1377) und Eidengeses (1556).
Das Dorf gehörte im Mittelalter zum Gericht Altenhaßlau, aus dem sich das Amt Altenhaßlau entwickelte, das zur Herrschaft Hanau, später zur Grafschaft Hanau und letztendlich zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte. 1349 wurde in Eidengesäß eine Marienkapelle geweiht und 1370 Besitz des Klosters Selbold erwähnt. Vor und nach der Reformation war das Dorf in Altenhaßlau eingepfarrt, wobei das Kirchenpatronat bei den Herren und Grafen von Hanau lag. Die Reformation schlug hier – wie in der gesamten Grafschaft Hanau-Münzenberg – nach 1597 die reformierte Richtung ein.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Dorf Eidengesäß. 1821 kam das Dorf, nunmehr im Kurfürstentum Hessen genannten Hessen-Kassel gelegen, bei einer dort durchgeführten grundlegenden Verwaltungsreform zu dem neu gebildeten Kreis Gelnhausen.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Die Gemeinde Linsengericht wurde zum 1. September 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der vier bis dahin selbständigen Gemeinden Altenhaßlau, Eidengesäß, Geislitz und Großenhausen gegründet. Seit 1974 gehört Linsengericht-Lützelhausen zum durch die Gebietsreform neu entstandenen Main-Kinzig-Kreis. Für alle fünf Ortsteile von Linsengericht wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eidengesäß angehört(e):
vor 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau ab 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Altenhaßlau ab 1643: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel (als Pfand), Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Altenhaßlau ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt AltenhaßlauDurch den Reichsdeputationshauptschluss. 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Altenhaßlau (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Gelnhausen ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Hanau, Amt Altenhaßlau ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis GelnhausenVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 76.Trennung von Justiz (Justizamt Gelnhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Amt Altenhaßlau ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Hessen-Nassau#Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1970: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen, Gemeinde LinsengerichtAm 1. September 1970 als Ortsbezirk zur Gemeinde Linsengericht. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Linsengericht
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Eidengesäß 2355 Einwohner. Darunter waren 48 (2,0 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 384 Einwohner unter 18 Jahren, 839 zwischen 18 und 49, 555 zwischen 50 und 64 und 477 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1026 Haushalten. Davon waren 282 Singlehaushalte, 318 Paare ohne Kinder und 345 Paare mit Kindern, sowie 75 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 234 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 675 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1587: 41 Schützen, 10 Spießer, 1 Zimmerer 1632: 43 Haushaltungen 1753: 50 Haushaltungen mit 199 Personen 1812: 58 Feuerstellen, 364 Seelen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 463 evangelische (= 95,86 %), 20 katholische (= 4,14 %) Einwohner • 1961: 1104 evangelische (= 84,21 %), 202 katholische (= 15,41 %) Einwohner
Politik Für Eidengesäß besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Eidengesäß) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus acht Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,05 %. Dabei wurden gewählt: fünf Mitglieder der SPD, ein Mitglied der CDU und zwei Mitglieder der „Freien Wähler Linsengericht“ (FWG). Der Ortsbeirat wählte Andreas Millot (SPD) zum Ortsvorsteher.
Öffentliche Einrichtungen Kindertagesstätte In Eidengesäß befindet sich die Kindertagesstätte Lummerland. Fünf Gruppen mit insgesamt bis zu 95 Kindern können hier betreut werdenKita Lummerland, aufgerufen am 12. Dezember 2021.
Schulen 1963 wurde in Eidengesäß eine Gemeinschaftsschule Eidengesäß-Geislitz, eingeweiht. Diese Geisbergschule ist heute eine reine Grundschule für Kinder aus beiden OrtsteilenGeisbergschule.
Weitere Schulen in der Gemeinde sind: Grund- und Hauptschule Altenhaßlau, die heutige Haselaschule Martinsschule, eine Förderschule für den Schwerpunkt geistiger Entwicklung, seit 1980Martinsschule Linsengericht, aufgerufen am 10. Dezember 2021 Montessori-SchuleMontessori-Schule mit Kindergarten, aufgerufen am 10. Dezember 2021
Weiterführende Schulen in der Region sind: Kopernikusschule im Freigericht, eine Kooperative Gesamtschule, Käthe-Kollwitz-Schule Langenselbold, eine Integrierte Gesamtschule, Alteburg-Schule in Kassel, eine Haupt- und Realschule, Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen, ein Gymnasium mit Mittagsbetreuung.
Freiwillige Feuerwehr Eidengesäß Die Freiwillige Feuerwehr Eidengesäß wurde 1879 gegründet. 1968 folgte die Gründung einer Jugendfeuerwehr. Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte sind: Ölwehr, Messungen an Einsatzstellen, Logistik für Linsengericht. Die Einsatzabteilung besteht (Stand 2023) aus 27 Frauen und Männern. Die Jugendfeuerwehr Eidengesäß zählt 8 Einsatzkräfte Freiwillige Feuerwehr Eidengesäß, aufgerufen am 17. Januar 2023.
Persönlichkeiten Karl Glöckner (1845–1953), letzter lebender Veteran des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 und zum Zeitpunkt seines Todes der älteste Mann Deutschlands.
Kulturdenkmäler Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Linsengericht (Hessen)#Eidengesäß
Literatur Ludwig Bickell: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Band 1: Alhard von Drach: Kreis Gelnhausen. Marburg 1901, S. 142 f. Walter Engel: Die urkundlichen Ersterwähnungen der Linsengerichter Ortsteile in einer kurzen Zusammenfassung – Altenhaßlau – Eidengesäß – Geislitz mit Hof Eich, Großenhausen mit Waldrode – Lützelhausen. In: Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte 30 (2005), S. 5 f. Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926., S. 107.
Weblinks
Ortsteil Eidengesäß In: Webauftritt der Gemeinde Linsengericht.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Main-Kinzig-Kreis Kategorie:Geographie (Linsengericht, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Main-Kinzig-Kreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970 Kategorie:Ersterwähnung 1288