Frieda Stoppenbrink-Buchholz (* 28. April 1897 in Breslau; † 25. März 1993 in Hamburg) war eine deutsche Hilfsschullehrerin, Heilpädagogin, Vertreterin der Jenaplan-Pädagogik in der Hilfsschule, Reformerin der Hilfsschulpädagogik. Mit ihrer Reformpädagogik demonstrierte sie ein alternatives Hilfsschulmodell, das das Kind und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellte, nicht den Unterricht, das ferner das Kind in seiner Ganzheit sah, mit seiner ihm spezifischen Eigenart.

Leben und Wirken Klara Ida Frieda war das einzige Kind des Schriftgießers Adolf Buchholz und dessen Ehefrau Klara. In ihrer Heimatstadt besuchte sie die Volks- und Mädchenmittelschule, anschließend das Lyzeum und danach das Oberlyzeum. Nach einem weiteren Seminarjahr am Oberlyzeum erhielt Frieda Buchholz die Lehrbefähigung. Am 1. April 1917 trat sie in den Hamburger Schuldienst ein, um dann nach zwei Jahren als Hilfsschullehrerin in Bergedorf bei Hamburg zu arbeiten:

Zusätzlich zu ihrer Unterrichtstätigkeit studierte sie von 1919 bis 1925 Pädagogik, Psychologie und Philosophie an der Universität in Hamburg. Angeregt durch Peter Petersen versuchte sie Elemente des Jena-Plans in ihrer Hilfsschule einzuführen, den Gruppenunterricht und Gesprächskreis, die Gestaltung des gesamten Schullebens u. a. durch Fest und Feier. Schließlich promovierte sie 1939 bei Peter Petersen in Jena über ihre Erfahrungen mit dem Jena-Plan. Ihr Fazit:

Ihre Dissertation – „Das brauchbare Hilfsschulkind – ein Normalkind“ –, die als erster Band der von Peter Petersen neu begonnenen Schriftenreihe „Neue Forschungen zur Erziehungswissenschaft“ erschien, wird in der einschlägigen Sekundärliteratur ambivalent bewertet. Hein Retter ist der Ansicht:

Sieglind Ellger-Rüttgardt schreibt:

Und Robert Döpp ist der Ansicht:

Trotz stilistischer Anpassungsversuche ihrer Dissertation an den „neuen Zeitgeist“ forderte der Leiter des Hamburger Erbgesundheitsgerichts bei der Schulbehörde ihre Entlassung, „da sie sich offen gegen die geplante Sterilisation einer ehemaligen Schülerin ausgesprochen hatte und auch in ihrer Dissertation eine deutliche Ablehnung der NS-Behindertenpolitik erkennen ließ“ (Ellger-Rüttgardt 2008, S. 236).

Frieda Buchholz, die trotz mehrmaliger Aufforderungen nicht der NSDAP beigetreten war und bis zu ihrem Verbot Mitglied der SPD war (jedoch wurde sie 1935 Mitglied der NSV und 1937 des NSLBs), konnte 1941 in der Kinderlandverschickung untertauchen.

Nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur übernahm Frieda Stoppenbrink-Buchholz, die 1943 den Volksschulrektor Hermann Stoppenbrink heiratete, zuerst die kommissarische, später die Leitung der Bergedorfer Hilfsschule. 1947 wurde sie Dozentin am Pädagogischen Institut der Universität Hamburg. Sie setzte sich weiterhin für die Jenaplan-Pädagogik in der Hilfsschule ein, wobei sie mit großer Skepsis den Strukturwandel der Hilfsschule registrierte, der zu einer großen Aufnahmetoleranz gegenüber normalintelligenten jedoch erziehungsschwierigen Schulversagern geführt hatte. Diesbezüglich plädierte die Pädagogin für eine pädagogische Förderung dieser Kinder innerhalb der Regelschule – einer Regelschule allerdings, die nach Art des Jenaplans arbeitet. Dazu konstatierte Frieda Stoppenbrink-Buchholz:

mini|Eingang zur Frieda-Stoppenbrink-Schule in Hamburg-Neugraben-Fischbek (2021) Anlässlich ihres 90. Geburtstages wurde eine Hamburger Förderschule nach ihr benannt.Für Kinder kämpfte sie gegen die Nazis. (PDF; 1,5 MB). In: Hamburger Abendblatt. 29. April 1987, S. 10. Ihre letzten Lebensjahre lebte sie sehr zurückgezogen und "weltentrückt" in ihrem Haus in Hamburg. 1993 verstorben, wurde sie auf dem Bergedorfer Friedhof beigesetzt.Abbildung und Lage Grabstein Stoppenbrink bei garten-der-frauen.de

Die Bedeutung der pädagogischen Erkenntnisse Frieda Stoppenbrink-Buchholz für die heutige Zeit fasst Sieglind Ellger-Rüttgardt wie folgt zusammen:

Werke (Auswahl) Versuch einer kritischen Betrachtung des Montessori-Systems. In: Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, experimentelle Pädagogik und jugendkundliche Forschung. 1925/H. 10, S. 442 ff. Die erziehliche Bedeutung des Schullandheims für Hilfsschulkinder. In: Die Hilfsschule. 1931, S. 485 ff. Den tyske Hjaelpeskoles betydning i den nye stat. In: Hjälpskolan. 1937/H. 1, S. 31 ff. Das brauchbare Hilfsschulkind – ein Normalkind. Weimar 1939. Bunte Bilder für Schule, Haus und Kindergarten. Arbeitsmittelmappe, Hannover 1952. Gedanken und Vorschläge zur Verwendung des Arbeitsmittels Bunte Bilder für Schule, Haus und Kindergarten als Begleitschrift zur Arbeitsmittelmappe. Hannover 1955. Frühes Erkennen und Sonderbetreuung debiler Kinder. In: Georg Geißler, Hans Wenke (Hrsg.): Erziehung und Schule in Theorie und Praxis. Weinheim 1960, S. 312 ff. Jenaplan und Hilfsschule. In: Hans Mieskens (Hrsg.): Jenaplan. Aufruf und Antwort. Oberursel 1965, S. 227 ff. Beitrag zur unterrichtlichen Führung des geistig behinderten Kindes. In: Zeitschrift für Heilpädagogik. 1966/17. Jhg., S. 187 ff. Deutschunterricht in der Hilfsschule (So-Sch für Lernbehinderte). In: Gerhard Hesse, Hermann Wegener (Hrsg.): Enzyklopädisches Handbuch der Sonderpädagogik und ihrer Grenzgebiete. Berlin 1969, Sp. 488 ff. Gruppenunterricht in der Hilfsschule (So-Sch für Lernbehinderte). In: Gerhard Hesse, Hermann Wegener (Hrsg.): Enzyklopädisches Handbuch der Sonderpädagogik und ihrer Grenzgebiete. Band 1, Berlin 1969, Sp. 1210 ff. Jena-Plan und Hilfsschule (So-Sch für Lernbehinderte). In: Gerhard Hesse, Hermann Wegener (Hrsg.): Enzyklopädisches Handbuch der Sonderpädagogik und ihrer Grenzgebiete. Band 1, Berlin 1969, Sp. 1563 ff.

Literatur Manfred Berger: Frieda Stoppenbrink-Buchholz. Eine biographische Skizze zu einer Reformerin der Hilfsschulpädagogik. In: Zeitschrift für Erlebnispädagogik. 1999/H. 8, S. 81 ff. Manfred Berger: Frieda Stoppenbrink-Buchholz. Eine Wegbereiterin der modernen Erlebnispädagogik? Ed. Erlebnispädagogik, Lüneburg 2001, ISBN 3-89569-055-4. Robert Döpp: Jenaplan-Pädagogik im Nationalsozialismus. Lit-Verlag, Münster/Hamburg/London 2003, ISBN 3-8258-6496-0. Sieglind Ellger-Rüttgardt: Weibliche Identität als aufrechter Gang – Das Beispiel der Heilpädagogin Frieda Stoppenbrink-Buchholz. In: Astrid Kaiser, Monika Qubaid (Hrsg.): Deutsche Pädagoginnen der Gegenwart. Böhlau, Köln 1986, ISBN 3-412-03586-6, S. 27 ff. Sieglind Ellger-Rüttgardt: „Die Kinder, die waren alle so lieb...“. Frieda Stoppenbrink-Buchholz: Hilfsschulpädagogin, Anwältin der Schwachen, Soziale Demokratin. Dt. Studien-Verlag, Weinheim 1987, ISBN 3-89271-038-4. Sieglind Ellger-Rüttgardt: Frieda Stoppenbrink-Buchholz. In: Maximilian Buchka, Rüdiger Grimm, Ferdinand Klein: Lebensbilder bedeutender Heilpädagoginnen und Heilpädagogen im 20. Jahrhundert. Reinhardt, München/Basel 2003, ISBN 3-497-01611-X, S. 321 ff. Sieglind Luise Ellger-Rüttgardt: Geschichte der Sonderpädagogik. Eine Einführung. Reinhardt, München/Basel 2008, ISBN 978-3-8252-8362-9. Uwe-Karsten Petersen: Der Jena-Plan. Die integrative Schulwirklichkeit im Bilde von Briefen und Dokumenten aus dem Nachlaß Peter Petersens. Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-42547-3, S. 93 ff. Hein Retter: Reformpädagogik und Protestantismus im Übergang zur Demokratie. Studien zur Pädagogik Peter Petersens. Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56794-4.

Weblinks

Kirsten Knaack: Die Hilfsschule im Nationalsozialismus: Die Hilfsschule Bergedorf im deutschen Faschismus. Universität Hamburg, Hamburg 2001.

Einzelnachweise

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