mini|hochkant=1.5|Südlicher Kremlmauer-Abschnitt an der Moskwa Die Mauer und die Türme des Moskauer Kremls gehören zu den ältesten erhaltenen Bauwerken in Moskau. Ursprünglich waren sie als Befestigungsanlage errichtet, um den Kern der Stadt vor Angriffen zu schützen. Der heutige Komplex dieser Stadtbefestigung wurde größtenteils im späten 15. Jahrhundert von italienischen Architekten erbaut. Erhalten sind heute eine durchgehende Stadtmauer, 20 Wachtürme und eine ehemals hochklappbare Zugangsbrücke zu einem der Türme.
Allgemeine Beschreibung Die heutige Mauer mit ihren Türmen stellt den Kern der einstigen Befestigungsanlage dar, welche noch bis ins 19. Jahrhundert hinein zusätzlich aus einem künstlichen Wassergraben, zwei natürlichen Flüssen (die südlich des Kremls fließende Moskwa und die inzwischen nur noch unterirdische Neglinnaja am Westabschnitt der Mauer) und mehreren Klappbrücken über den Graben und die Neglinnaja bestand. Der Kreml bildete damals somit eine künstliche Insel und galt als schwer einnehmbar. In seiner Form diente der Moskauer Kreml einer Reihe weiterer Zitadellen in altrussischen Städten als architektonisches Vorbild. Einige dieser Kremls sind bis heute gut erhalten (siehe etwa Tulaer Kreml, Nischni Nowgoroder Kreml u. a.).
Unmittelbar in die Mauer sind 19 Türme eingebaut, von denen wiederum 18 gleichzeitig mit der heutigen Mauer, in den Jahren 1485 bis 1499, errichtet wurden. Der rein dekorative Zarenturm kam erst 1680 hinzu, und der 20. Turm aus dem Ensemble – der Kutafja-Turm – stellt den einzigen erhaltenen Turm außerhalb der Mauer dar. Er ist mit dem in gleicher Höhe stehenden Dreifaltigkeitsturm durch eine Brücke verbunden, die ehemals über die Neglinnaja führte, und diente als Vorbrückenturm dem zusätzlichen Schutz dieses Kremleingangs. Die Mauer und alle ihre Türme wurden aus Backstein errichtet, was ihnen (mit Ausnahme des weiß gestrichenen Kutafja-Turms) bis heute ihre dunkelrote Färbung verleiht.
Vier von den 19 in die Mauer eingebauten Türmen verfügen im 21. Jahrhundert über Durchgangs- bzw. Durchfahrtstore in den Kreml. Für Touristen sind nur zwei von ihnen – das Tor des Dreifaltigkeits- und das des Borowizki-Turms – geöffnet, die übrigen zwei dienen ausschließlich als Personaleingang und -ausgang. Weder die Mauer noch ihre Türme können bestiegen werden, auch wenn ihre Öffnung für Touristen mehrmals von Archäologen und Stadthistorikern angeregt wurde., izvestia.ru, 29. September 2006.
Geschichte → Siehe auch: Geschichte des Moskauer Kremls
Die genaue Entstehungszeit der ersten Festung auf dem Borowizki-Hügel, auf dem sich der heutige Moskauer Kreml erhebt, ist nicht bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung einer solchen Zitadelle stammt aus dem Jahr 1156, weswegen dieses Jahr vielfach als Gründungsdatum des Kremls an der Moskwa angenommen wird. Die Bauwerke jener Zeit, von denen heute nichts mehr erhalten ist, waren aus Holz errichtet, so auch die erste Umfriedung, die spätestens 1179 beim Angriff eines verfeindeten Rjasaner Fürsten den Flammen zum Opfer fiel.
1339 bis 1340 ließ der Moskauer Großfürst Iwan Kalita eine neue hölzerne Festung errichten, die vermutlich erstmals eine dem heutigen Kreml schwach ähnelnde Gestalt annahm. Die Begrenzungsmauer und die in sie eingebauten Wachtürme wurden, wie auch die repräsentativsten Bauten innerhalb der Festung, aus Eichenholz hergestellt. Spätestens seit jener Zeit begann sich für den Moskauer Stadtkern auch die altrussische Bezeichnung Kreml durchzusetzen.
mini|Aus weißem Stein erbauter Moskauer Kreml im späten 14. Jahrhundert; Aquarell (1922) von Apollinari Wasnezow Ein Vierteljahrhundert später entstand unter Großfürst Dmitri Donskoi an der Stelle des zuvor abgebrannten Holzkremls erstmals eine durchgehend aus Stein – in diesem Fall weißem Kalkstein aus näherer Umgebung Moskaus – erbaute Zitadelle. Ihre Mauern erreichten dabei nahezu die gleiche Länge wie die heutigen und erhielten insgesamt fünf Wachtürme. Dieser erste steinerne Kreml konnte gut ein Jahrhundert lang erhalten werden und dabei mehrere Angriffe auf Moskau erfolgreich abwehren.
Schließlich ließ Großfürst Iwan III. die Festungsanlagen aus dem Jahr 1367 durch die bis heute stehende Mauer mit 19 Wachtürmen ersetzen. Für den Bau des neuen Kremls lud er mehrere italienische Architekten nach Moskau ein, unter ihnen Aloisio da Milano, Marco Ruffo und Pietro Antonio Solari, aus deren Entwürfen große Teile der heutigen Befestigungsanlagen stammen. Die Errichtung dauerte im Wesentlichen von 1485 bis 1499, wobei als erstes der Mauerabschnitt am Moskwa-Fluss fertiggestellt wurde, da der Kreml von der Südseite her als am meisten angriffsgefährdet angesehen wurde. An einzelnen Elementen der Stadtbefestigung, so dem künstlichen Wassergraben entlang dem heutigen Roten Platz, wurde noch bis nach 1510 gearbeitet.
Die unter Iwan III. im Wesentlichen auf Fundamenten aus der Zeit Dmitri Donskois errichtete Mauer behielt ihre damalige Gestalt bis heute weitestgehend bei. Die Türme hatten anfangs eine rein verteidigungstechnische Funktion; obendrauf wurden sie von mit Holzzelten überdachten Plattformen abgeschlossen, an denen im Angriffsfall Soldaten, Geschütze und Munition positioniert werden konnten. Außerdem erhielten sie an ihrer Dachkonstruktion zusätzlich noch kleinere Glockentürmchen, aus denen im Alarmfall geläutet wurde.
Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert hinein erfuhren die Kremltürme mehrere Um- und Ausbauten, von denen der wichtigste im späten 17. Jahrhundert vorgenommen wurde. Damals erhielten alle Mauertürme statt der alten Holzdächer ihre eher dekorativen Zwecken dienenden Zeltdächer mit meist schlanken Turmspitzen. Letztere wurden mit dekorativen Windfahnen geschmückt, die vier heutigen Durchfahrtstürme erhielten an ihren Spitzen stattdessen das Zarentum symbolisierende Doppeladler, die wiederum in den 1930er-Jahren rubinroten Sowjetsternen weichen mussten. Ebenfalls Ende des 17. Jahrhunderts wurde zwischen dem Erlöserturm und dem Sturmgeläutturm der kleine Zarenturm aufgestellt, als einziger nicht aus dem 15. Jahrhundert stammender Bestandteil des Befestigungskomplexes.
Die Mauer mini|Kremlmauer im Bereich des Lustpalastes Die heutige Kremlmauer, die ein annähernd dreiecksförmiges, 27,5 Hektar großesAlle Höhen-, Längen- und Breitenangaben hier und im Folgenden aus Romanjuk, 2004 (siehe unter Literatur) Areal der Festung umschließt, ist 2235 Meter lang. Abhängig von den jeweiligen topographischen Verhältnissen variiert ihre Höhe an verschiedenen Stellen von 5 bis 19 Meter. Die Dicke der Mauer ist ebenfalls nicht einheitlich und liegt im Bereich von 3,5 bis 6,5 Meter.
Charakteristisch für die Mauer des Moskauer Kremls auf ihrem gesamten Verlauf sind die insgesamt über 1000 Schwalbenschwanzzinnen, die ursprünglich zum Positionieren von Artilleriegeschützen gedacht waren. Sie sind jeweils zwischen 2 und 2,5 Meter hoch und verdecken die entlang der gesamten Mauer auf ihr verlaufende offene Galerie. Je nach der jeweiligen Mauerdicke weist diese Galerie eine Breite von 2 bis 4,5 Meter auf. Zur Kremlseite hin weist die gesamte Mauer unterhalb der Galerie bogenförmige Vertiefungen zur Stützung der Galerie auf, die stellenweise einer Arkadenreihe ähneln.
Die Türme Überblick Die meisten der zwanzig in die Mauer eingebauten Türme sind in ihrer Architektur mehr oder weniger individuell gestaltet und weisen unterschiedliche Ausmaße auf. Die drei Ecktürme haben eine zylinderförmige Basis, die restlichen 17 sind viereckig. Der höchste Turm ist mit knapp 80 Metern der Dreifaltigkeitsturm, der niedrigste mit 13,5 Metern der außerhalb der Mauer gelegene Kutafja-Turm. Vier Türme – der Borowizki-, der Dreifaltigkeits-, der Nikolaus- und der Erlöserturm – verfügen über Durchgangstore. Die Spitzen dieser vier als besonders repräsentativ geltenden Türme sind mit symbolischen, von innen beleuchteten Sowjetsternen aus rotem Rubinglas ausgeschmückt, die in den 1930er-Jahren an dieser Stelle die vergoldeten Doppeladler als von den Sowjets unerwünschtes Staatssymbol des zaristischen Russlands abgelöst haben. Ein solcher Stern wurde dabei zusätzlich an der Spitze des nicht über ein Durchgangstor verfügenden, jedoch weithin sichtbaren Wasserzugturms aufgesetzt.
Alle Türme wurden bei ihrem Bau etwa in Schussweite voneinander aufgestellt, damit im Angriffsfall ein eventuell vom Feind eingenommener Turm von seinen Nachbartürmen aus verteidigt werden konnte. An einigen Türmen, die heute und/oder ehemals Durchfahrtstore hatten, lassen sich bis heute spezielle Öffnungen erkennen, durch die einst Seile für die Klappbrücken von deren Zugmechanismen aus gespannt wurden.
Die Beschreibung aller 20 Kremltürme im Einzelnen erfolgt nun im Uhrzeigersinn, beginnend mit dem südwestlichsten Punkt des Kremls, wo der Wasserzugturm steht.
Wasserzugturm hochkant|mini|links mini|hochkant|Wasserzugturm Der Wasser(zug)turm () weist als einer der drei Ecktürme des Kremls eine zylinderförmige Basis auf, die im Wesentlichen den Originalturm aus dem 15. Jahrhundert bildete. Während der Umbauten des 17. Jahrhunderts erhielt der Wasserzugturm obendrauf seine Spitze, die äußerlich in groben Zügen einem schlanken Kegel ähnelt. Gekrönt wird die Spitze von einem roten Sowjetstern aus Rubinglas. Die Höhe des Turms beträgt bis zum Stern 57,7 Meter und einschließlich dessen 61,3 Meter.
Erbaut wurde der Turm 1488 und damit als einer der ersten im Befestigungskomplex des Kremls. Sein Architekt war Antonio Gilardi, der in Russland meist nur Anton Frjasin (wörtlich „Anton der Ausländer“) genannt wurde. Ursprünglich hieß der Turm Swiblow-Turm () nach dem in seiner Nähe einst gelegenen Hof des Bojaren Fjodor Swibl. Der Name Wasserzugturm stammt aus dem Jahr 1633, als im Turminneren eine neuartige Wasserpumpanlage errichtet wurde, welche über die erste Moskauer Wasserleitung den Kreml mit Trinkwasser aus der Moskwa versorgte. Autor dieser damals als Wunder der Technik geltenden Pumpmaschine war der Engländer Christopher Galloway, der auch die erste Uhr am Erlöserturm erschaffen hatte.
1805 wurde der inzwischen baufällig gewordene Turm abgetragen und originalgetreu neu errichtet, jedoch wurde er nur sieben Jahre später während der Moskauer Besatzung durch Napoléon Bonaparte von den Franzosen gesprengt. 1819 wurde der Turm erneut wiederhergestellt und nahm dabei weitgehend die heutige Gestalt an. Der Sowjetstern von etwa 3,5 Meter Durchmesser an der Turmspitze stammt aus dem Jahr 1937, als ähnliche Sterne auf Anordnung der sowjetischen Staatsmacht auf fünf Kremltürmen aufgesetzt wurden.
Borowizki-Turm hochkant|mini|links mini|hochkant|Borowizki-Turm Als einer der vier heute über ein Durchfahrtstor verfügenden Kremltürme ist der Borowizki-Turm () ebenfalls mit einem roten Stern geschmückt. Bis zu diesem Stern ist der Turm 50,7 Meter hoch, bis zur Spitze des Sterns 54 Meter. Das Durchgangstor in der Turmbasis, in dessen unmittelbarer Nähe sich der Eingang der Rüstkammer befindet, dient heute als einer der beiden Besuchereingänge in den Kreml. Zudem dient es als Durchfahrt in den und aus dem Kreml für den russischen Präsidenten und Mitglieder seiner Verwaltung.