mini|hochkant|Johann Samuel Stryk Johann Samuel Stryk (auch: Stryck; * 12. März 1668 in Frankfurt (Oder); † 11. Juni 1715 in Halle (Saale)) war ein deutscher Rechtswissenschaftler.

Leben Der einzige Sohn des Samuel Stryk wurde in frühster Jugend durch Privatlehrer ausgebildet. 1684 bezog er das Akademische Gymnasium Danzig. Dort trat er mit einer Oration de vita & laude Justiniani sacratessimi Imperatoris valediciret hervor. 1686 schickte ihn sein Vater auf die Universität Wittenberg, wo er sich nach seiner Immatrikulation am 25. Oktober zunächst den philosophischen Grundwissenschaften widmete, um sich für ein juristisches Studium vorzubereiten. So besuchte er die Vorlesungen in Philosophie, widmete sich den Literaturwissenschaften und der Geschichte. Nebenher frequentierte er auch die Vorlesungen an der juristischen Fakultät bei Johann Heinrich von Berger.

Nachdem er unter Georg Kaspar Kirchmaier mit de auro obryzo & agento pusulato disputiert hatte, kehrte er 1688 zu seinem Vater nach Frankfurt an der Oder zurück. Dort widmete er sich vornehmlich bei seinem Vater den Rechtswissenschaften. Als dieser nach Wittenberg ging, folgte er ihm und war dort der erste Responent, der unter seinem Vater mit dissensu sponsalito disputierte. Nachdem er 1691 unter die juristischen Kandidaten aufgenommen war, absolvierte er eine Bildungsreise, die ihn an die Universität Groningen, die Universität Franeker, die Universität Leiden, die Universität Utrecht und die Alte Universität Duisburg führte. Dort hatte er sich mit den Gelehrten seiner Zeit bekannt gemacht.

Er hatte noch einige Städte am Rhein und Main besucht, traf in Regensburg auf Konrad Samuel Schurzfleisch und Johann Christoph Wichmannshausen, mit denen er nach Italien reiste. So lernte er Rom, Venedig, Genua, Mailand und Florenz kennen. Auch mit den Gelehrten dort pflegte er Umgang. Vor allem Antonio Magliabechi machte ihn mit dem Codex Pandectarum florentinus vertraut. Über Basel und Regensburg gelangte er zurück nach Wittenberg. Da er bereits in Rom erfahren hatte, das man seinem Vater eine glänzende Professur an der Universität Halle angetragen hatte und ihm eine außerordentliche Professur anbot, erwarb er am 10. Dezember 1692 mit der Inauguraldissertation de matrimonii nulliate das Lizentiat der Rechte.

Am 14. Dezember hatte er sich nach Halle begeben, wo er am 1/(12). Juli 1694 als einer der ersten unter seinem Vater zum Doktor der Rechte promovierte. Am 12. Oktober 1694 wurde er ordentlicher Professor an der juristischen Fakultät, stieg 1696 in die vierte Professur auf, wurde 1702 Hofrat der Witwe des Herzogs von Sachsen-Eisenach und war 1710 in die dritte juristische Professur aufgestiegen. In den Jahren 1703/04 sowie 1711/12 war er Prorektor der Hallenser Alma Mater. Nach langwieriger Krankheit, die mit Schlafsucht begleitet war, verstarb er.

Wirken Stryk, der die letzten Teile des usus modernus seines Vaters herausgegeben hatte, hat sich viel mit Kirchen- und Eherecht beschäftigt. So trat er 1702 mit der Dissertation de jure sabbati in Erscheinung. In dieser vertrat er die Meinung, dass die Sonntagsfeier ein im neuen Bunde veraltetes Zeremonialgesetz sei. Aufgrund dieser Behauptung musste er sich mit dem Juristen Georg Beyer (1665–1714) und auch vier Theologen auseinandersetzen. Mit seinem Bestreben, den Sonntag als unheiligen Tag zu deklarieren, hatte er allerdings wenig Erfolg. Noch heute hat sich der Sonntag als freier Tag in Deutschland erhalten.

Wesentlich nachhaltiger hat sich seine Dissertation de reliquiis sacramenti in matrimonialibus ausgewirkt. Hierin vertritt er die These, dass die Ehe eine rein weltliche Angelegenheit wäre. Die weitere Entwicklung dieser These führte zur Entmachtung der Konsistorien in Eherechtsfragen und schließlich 1874 zur Einführung der standesamtlichen Trauungen. Er ist somit ein Wegbereiter des heutigen Eherechts.

Familie Stryk war zwei Mal verheiratet. In erster Ehe hatte er am 15. Februar 1694 Marie Katharine (27. August 1678 in Wolfenbüttel; † 22. November 1700 in Halle), die Tochter des Fürstlich Braunschweig-Lüneburgschen Vizekanzler Caspar Alexander, geheiratet. Nach ihrem Tod heiratete er am 16. Januar 1708 Elenora Sophie, die Tochter des Juristen und Syndikus der Ritterschaft von Bremen und Verden Burkard Uffelmann. Beide Ehen blieben kinderlos. Seine Witwe heiratete einen Freiherrn von Schell.

Werkauswahl Justiani Institutiones juris cum notis. Halle 1689 Fundamenta Juris Justinianei ad ordinem Institutionum succinctis aphorismis proposita. Halle 1695 Brunnemanns Anleitung zum Inquifitions-Proceß. Halle 1697 Fundamenta Institutionum Imperialium. Halle 1699 Brunnemanni exercitationes Justinianeae. Halle 1699 Antonii Jus feudale auctum. Halle 1699 Bedenken von Injurien – Processen. Leipzig 1701 De jure Sabbarbi. Frankfurt 1703 Meletemata de juramentis. 1707 Culpisii Collegium Grotianum. De reliquiis sacramenti in matrimonialibus. Halle 1724 De jure liciti, sed non bonesti. Halle 1734

Disputationen de Potentiore cessionario. 1693 de rogatione futura dispositionis. 1694 de loco solutionis. 1694 de sententia contra fiscum ferenda. 1693 de jurisprudentia Apostoli Pauli. 1695, 1705 de confirmatione Pricipis. 1695 de jure cataracterum. 1696 de obsequii remissione. 1696 de juramenti calumniae remissione. 1697 de sanctitate residentarium. 1697 de processu antiquo juris rom. 1698 de execrationibus testamentorum. 1698 de remediis contra rem judicatam. 1698 Aureae Bulle controversia potiores. 1699 de allegatione propriae turpitudinis. 1700 de condictione triticiaria. 1700 de rejectione ab actis. 1700 de Hamburgensium testamentis. 1700 de liberis naturalibus Regum & Principum. 1700 de jure cratium. 1700 de potestate clericorum in secularibus. 1700 de jure prohibendi exstructionem molendini. 1700 de auro coronario. 1701 de delatione juramenti in matrimonialbus. 1702 de jure praefationum. 1702 de jure bibliothecarum. 1702 de certioratione jurium renunciaudorum. 1702 de interrogatoriis ineptis. 1702 de eo, quod justum est circa juramenta extrajudicialia. 1702 de jure Apostillae seu Postscripti. 1702 de praelatione dotis & fisci mutua in concursu creditorum. 1702 de jure septidini, in specie de septidou processus saxonici. 1702 de jure singulari foeminarum Hamburgensium. 1702 de translatione ministrorum ecclesiae. 1706 de testimo injurato. 1707 de jure principis circa juramenta. 1704 de usu inutilium in jure. 1704 excipiente non confesso. 1704 de controversiis fori selectis. 1704 de investitura abusiva. 1704 de notorio. 1706 de causis ad Cameram Imperii non appellabilibus. 1705 de remediis causae vulneratae propter omissis in processu exceptiones. 1705 de casibus circa legitimam controversis. 1705 de appelatione non sospensiva in possessorio summariissimo. 1706 de operis uxorum. 1706 de controversies fori miscellanies. 1706 de causa incidence. 1706 de judicio principis juxta solam facti veritatem. 1707 de matrimonii jure & institutione. 1707 de immunitate domini a periculo. 1708 de concursa juramentorum. 1708 de officio principis circa pejeraturum. 1708 de eo, quod justum est civca identitatem. 1709 de origine & usu jurisdictionis ecclesiasticae. 1710 de mora judicis. 1710 de dote non promissa non prastanda. 1710 de natura sponsaliorum & divisione. 1710 de officio principis circa seandala. 1710 de absoluto per sententiam injustam ad effectus civiles non obligato. 1710 de privelegio appellationis Lubecensis. 1711 de probatione sponsaliorum & dissolutione. 1711 de Latis denunciatione. 1711 de prodominio seudi divecto. 1711 de qualitate & jure personarum matrimonium contrabentium. 1710 de jure necetsitatis. 1712 de praesciptione verum per mare allatarum. 1710 de cautelis circa quantitatem rei contoversae in progressu civiliobservandis. 1710 de emendatione progressus forensis. 1712 de emtione Spei. 1714 de abolitione principis. de natura matrimonii. de fine matrimonii.

Literatur

Karl Friedrich Göschel: Zu theologisch-juristischen Biographie und Literatur. Verlag Konrad Glaser, Schleusingen, 1842, 2. Abt., S. 376 Online bei Google Buchsuche Guido Kisch: Johann Samuel Stryk und die Basler Juristische Fakultät. In: Zeitschrift für schweizerisches Recht. Jg. 79, 1960. Band 101, S. 173–197 (auch als Sonderdruck erschienen) Johann Friedrich Schulte: Die Geschichte der Quellen und Literatur des canonischen Rechts von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart, 1880, 1. Teil, S. 85. Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletizi et Nudzici, oder ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des zum ehemaligen Primat und Ertz-Stifft, nunmehr aber durch den westphälischen Friedens-Schluß secularisirten Herzogthum Magdeburg gehörigen Saal-Kreyses und aller darinnen befindlichen Städte, Schlösser, Aemter, Rittergüter, adelichen Familien, Kirchen, Clöster, Pfarren und Dörffer, insonderheit der Städte Halle, Neumarckt, Glaucha, Wettin, Löbegün, Cönnern und Alsleben; aus Actis publicis und glaubwürdigen … Nachrichten mit Fleiß zusammengetragen, mit vielen ungedruckten Dacumenten bestärcket, mit Kupferstichen und Abrissen gezieret, und mit den nöthigen Registern versehen. Emanuel Schneider, Halle 1749/50. Band 2, S. 730, Pos. 595,

Weblinks Druckschriften von und über Johann Samuel Stryk im Katalog der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt

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