mini|hochkant=1| Putbus ist eine Landstadt des Landkreises Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Putbus ist die jüngste Stadt der Insel Rügen und mit dem Ortsteil Lauterbach das älteste Seebad auf der Insel und in Pommern. Seit 1997 ist die Stadt staatlich anerkannter Erholungsort und bildet für ihre Umgebung ein Grundzentrum. - zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
Die Stadt Putbus wurde 1810 von Wilhelm Malte I. Fürst zu Putbus gegründet, der seinen Heimatort als Planstadt im klassizistischen Stil so ausbauen ließ, dass das Stadtensemble zu Schloss und Schlosspark passte. Die weitestgehend erhaltene Stadtanlage gehört zu den bedeutendsten Vertretern dieser Architekturepoche. Mit Gründung des ersten pommerschen Seebades 1816 bei Lauterbach und der Errichtung des Badehauses Goor hielt die Bäderarchitektur auf der Insel Rügen Einzug.
Von den weiß gestrichenen Häusern der Rügener Fürstenresidenz leitet sich der Name Weiße Stadt her. Putbus wird aber auch Rosenstadt genannt, weil Malte I. den Erwerb der Wohnhäuser mit der Verpflichtung verknüpfte, vor den Häusern stets Rosenstöcke zu pflanzen, was bis heute akzeptiert wird.
Etymologie des Namens
Der Name Putbus leitet sich von der rekonstruierten Form *Podboz ab — von *pod („unter, hinter“; vgl. polnisch pod, russisch под(pod)) und *boz („Holunder, Holunderstrauch“; vgl. polnisch bez, russisch боз) — und bedeutet „hinter dem Holunderbusch“. Frühe belegte Formen sind Podebuz/Pedebuz (1250), Putzbuzk (um 1280), de Putbuzke (1295), van Putbuzke (1318) und Putbuczk (1320). Eine alternative Rekonstruktion, *Podbórz („hinter dem Wald/Berg“, von bór, „Wald“), wurde von Stanisław Kozierowski vorgeschlagen.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Putbus liegt acht Kilometer von der Stadt Bergen auf Rügen entfernt und befindet sich im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Das Gelände um Putbus ist leicht hügelig. Die Küstenlinie des Rügischen Boddens ist durch den Wechsel von flachen Küstenabschnitten und Uferböschungen gekennzeichnet. Einen tiefen Einschnitt in die Küstenlinie bildet der Wreecher See. Der etwa 500 Einwohner zählende Ortsteil Lauterbach hat einen Fischerei- und Seglerhafen. In der Nähe des Waldgebietes Goor ließ Fürst Malte das erste Seebad der Insel Rügen errichten, das Badehaus ist erhalten. Zu Putbus gehört auch die 2,5 Kilometer von Rügen entfernte Insel Vilm im Greifswalder Bodden.
Stadtgliederung Die Ortsteile der Stadt Putbus sind:Hauptsatzung der Stadt Putbus, § 1
Nachbargemeinden Putbus grenzt im Westen an die Gemeinde Garz/Rügen, im Norden an die Gemeinde Sehlen und die Stadt Bergen auf Rügen sowie im Osten an die Gemeinden Zirkow und Lancken-Granitz.
Geschichte miniatur|Klassizistisches Ensemble rund um den Markt von Putbus, mit dem Denkmal zu Ehren der Gefallenen in den Preußischen Kriegen 1864, 1866 und 1870–71, rechts das Rathaus mini|Bahnhof Putbus
Putbus Die Gegend von Putbus war bis 1325/26 Teil des Fürstentums Rügen. Erstmals 1286 als Putbus erwähnt, war der Ort Stammsitz einer Adelsfamilie slawischer Herkunft. Die Herren zu Putbus waren den Rügenfürsten besitzrechtlich gleichgestellt und galten als deren Seitenlinie, später bildete sich eine Lehensabhängigkeit heraus. Nach dem Aussterben der Rügenfürsten im 14. Jahrhundert kam Putbus zum Herzogtum Pommern. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 geriet Rügen unter schwedische Herrschaft. 1815 kamen der Ort und Neuvorpommern zur preußischen Provinz Pommern.
Der Stammsitz der Herren von Putbus war das Steinhaus. Es wurde 1371 mehrfach in Urkunden erwähnt. 1416 wandelte sich der Name von „Haus“ zu „Schloss“, das im 15. Jahrhundert gotisch erweitert und Anfang des 17. Jahrhunderts zu dem dreiflügeligen Schloss Putbus umgebaut wurde.
Von 1808 bis 1823 baute Fürst Malte zu Putbus seine Residenz und einen Badeort in Lauterbach nach dem Vorbild von Bad Doberan und Heiligendamm. 1816 wurde dort das erste Seebad auf Rügen eröffnet. 1817/18 ließ Malte das Badehaus Goor errichten. Von 1819 bis 1821 wurde das Residenztheater errichtet und 1826 nochmals umgebaut. Der zwischen 1821 und 1824 errichtete Marstall diente Malte als Pferdestall. Von 1824 bis 1853 ließ er schließlich die Orangerie bauen.
Von 1827 bis 1832 wurde das Schloss im klassizistischen Stil umgebaut. Zwischen 1844 und 1846 erfolgte der Bau der Schlosskirche Putbus (zunächst als Kurhaus). Die Umgestaltung des Schlossparks begann schon 1804, das Affenhaus wurde 1830 fertiggestellt und das Fasanenhaus fünf Jahre später.
Das erste bürgerliche Haus wurde 1810 als kleine Brauerei errichtet. Die Wohnhäuser auf dem „Circus“ wurden zwischen 1815 und 1860 gebaut. 1836 wurde das ehemalige königliche Pädagogium als Bildungseinrichtung eröffnet.
1889 erhielt Putbus Bahnanschluss aus Bergen, 1895 entstand das erste Teilstück der schmalspurigen Kleinbahn Rasender Roland nach Binz.
1823 verlieh der Fürst Putbus die städtische Gerechtigkeit für Handel und Gewerbe, das volle Stadtrecht wurde Putbus erst am 2. Juli 1960 verliehen. mini|Schloss Putbus um 1900, 1962 gesprengt, bis 1964 abgetragen
Da sich der Gebäudezustand zunehmend verschlechterte und die Reparaturkosten zu hoch waren, wurde 1962 das Schloss Putbus gesprengt und bis 1964 dem Erdboden gleichgemacht. So blieben nur der Umriss des Gebäudes in der Grünfläche und die Seeterrasse des Schlosses erkennbar. Putbus verfügte über ein Theater, einen Schlosspark im englischen Stil, ein Freiwildgehege und eine Orangerie.Meyers Neues Lexikon in acht Bänden. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1964/65, Band 6, S. 756, S. 62. Schrittweise wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit dem Circus, dem Marktplatz mit dem Rathaus, der Orangerie und dem Marstall als Theater im Rahmen der Städtebauförderung und des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz grundlegend saniert. Auch die weißen Fassaden wurden beibehalten bzw. aufgefrischt, sie bieten ein geschlossenes Stadtzentrum in Weiß.
Seit 1997 ist Putbus ein staatlich anerkannter Kurort. auf www.putbus.de; abgerufen am 5. November 2019.
In den 2010er Jahren befand sich in dem damaligen ersten bürgerlichen Wohnhaus das IT-College Putbus.
Von 1818 bis 1947 war Putbus Teil des Landkreises Rügen in der preußischen Provinz Pommern, dann bis 1952 im Land Mecklenburg. Von 1952 bis 1955 war die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Putbus im neu gegründeten DDR-Bezirk Rostock. Der Kreis Putbus wurde am 1. Januar 1956 mit dem Kreis Bergen zum Kreis Rügen vereinigt. Von 1956 bis 1989 gehörte Putbus zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock, 1990 bis 2011 zum Landkreis Rügen im Land Mecklenburg-Vorpommern. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Ortsteile (Auswahl) Krimvitz mit dem Gut gehörte der Familie von Platen. Gottlieb von Platen wurde hier geboren, bekannt als Offizier aus der Zeit der Befreiungskriege von 1813. Er war der Sohn von Bogislaw von Platen, dem Herren von Krimvitz. Später wechselte das Gut seine Besitzer und kam zur Familie zu Putbus, bis es nach 1945 aufgesiedelt wurde.Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1993, S. 104. ISBN 3-88042-636-8.
Pastitz mit dem Gut war bis 1945, außer zwischen 1442 und 1532, im Besitz der Familie von Putbus. Das neobarocke Gutshaus verkam nach 1987 und wurde 2004–2006 saniert.
Posewald mit dem Gut war im Besitz der Familie von Putbus (bis 1327, ab dem 15. Jh. und nach 1850 bis 1945). Die Stadt Stralsund besaß das Gut im 17. Jahrhundert bis 1687. Das markante Gutshaus stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach 1945 bis in die 1990er Jahre wurde es mit Wohnungen belegt. 2001 pachtete und sanierte der Förderverein Modellregion Rügen das Haus.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1962 6.100 1976 5.500Lehmann/Meyer: Rügen A-Z, Wähmann-Verlag, Schwerin, 1976. Jahr Einwohner 1990 5188 1995 5044 2000 4949 2005 4803 2010 4624 2015 4370 Jahr Einwohner 2020 4487 2021 4499 2022 4481 2023 4445 2024 4441
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtvertretung mini|Rathaus
Die Stadtvertretung von Putbus besteht aus 15 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2014 Sitze2014 Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019, S. 96/97 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unser Wissen für Putbus (UwfP) 8,1 % 1 16,6 % 3 32,9 % 5 CDU 35,8 % 5 39,8 % 6 29,8 % 4 AfD – – – – 18,5 % 3 Einzelbewerber Horst Korn . – 9,8 % 1 5,3 % 1 Die Linke 11,4 % 2 10,2 % 2 5,2 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 5,0 % 1 8,5 % 1 4,1 % 1 SPD 14,3 % 2 7,6 % 1 2,6 % – FDP 4,4 % 1 4,2 % 1 1,7 % – Einzelbewerber . – 3,3 % – – – Zukunft für Putbus 7,6 % 1 – – – – Bündnis für Rügen (BfR) 5,7 % 1 – – – – Insgesamt 100 % 14 100 % 15 100 % 15
Bürgermeister 1994–2001: Gerhard Reese (SPD) 2001–2015: Harald Burwitz (FDP) seit 2015: Beatrix Wilke (parteilos)
Wilke wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 27. September 2015 mit 50,7 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von sieben JahrenHauptsatzung der Stadt Putbus, § 8 gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 27. September 2015
Wappen Das Wappen von Putbus wurde am 9. Dezember 1938 durch den Oberpräsidenten in Stettin genehmigt und unter der Wappenrolle Nr. 195 von Mecklenburg-Vorpommern registriert.
Das Wappen hat die folgende Blasonierung: „Geteilt; oben in Rot, zwischen einem zwölfendigen Hirschgeweih mit Grind, ein silberner Schild darin ein goldbewehrter roter Greifenkopf; unten geschacht von Schwarz und Gold.“
Flagge Die Flagge der Stadt Putbus ist gleichmäßig längsgestreift von Schwarz und Gold (Gelb). In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des schwarzen und des goldenen (gelben) Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.
Städtepartnerschaften Putbus unterhält Städtepartnerschaften mit den Städten Eutin in Deutschland und Rewal in Polen. Die Partnerschaft mit Eutin besteht seit dem 3. Oktober 1990. Die Partnerschaft mit Rewal wurde am 23. Mai 2002 geschlossen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Putbus mini|Kastanienallee im Schlosspark mini|hochkant|Statue des Gründers, Fürst Wilhelm Malte I., 1859 errichtet von Friedrich Drake mini|Theater von Putbus mini|Häuser am Circus und Platz mit Obelisk
Schlosspark Der Schlosspark im Stil eines französischen Parks angelegt. Er wurde ab 1804 auf Veranlassung Wilhelm Malte I. im Stil eines englischen Landschaftsparks umgestaltet. Erhalten sind die Orangerie von 1824, der Marstall von 1824, das Mausoleum von 1867, die Schlosskirche von 1846, ein Kriegerdenkmal für den Ersten Weltkrieg, die Pfarrkirche sowie das Affen- und das Vogelhaus von 1830/35. Das Schloss Putbus wurde 1962 abgerissen. Weiterhin bietet der Park weitere dendrologische Besonderheiten wie Riesen- und Urweltmammutbaum, Zedern, gelbblühende Rosskastanien sowie Tulpenbäume. Dem Schlosspark angegliedert ist ein Wildgehege, in dem Rot- und Damwild leben.
Orangerie miniatur|Orangerie Putbus Die Orangerie Putbus ist ein klassizistisches Bauwerk von 1853 und wird als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude genutzt.
Marstall