mini|hochkant|Evangelische Pfarrkirche

Bruchenbrücken ist ein Stadtteil von Friedberg (Hessen) im hessischen Wetteraukreis. Der Ort liegt im südöstlichen Teil von Friedberg an der Wetter.

Geschichte Ortsgeschichte Die Gemarkung war bereits vor über 7000 Jahren während der frühesten Linienbandkeramik von Bauern bewohnt.Jens Lüning (Hrsg.): Eine Siedlung der Ältesten Bandkeramik in Bruchenbrücken, Stadt Friedberg/Hessen. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 39 (Bonn 1997). Dabei ließen sich bei zwei Grabungskampagnen zunächst acht, dann weitere neun Hausgrundrisse nachweisen. 16 der 17 Häuser datieren in die früheste Bandkeramik. Wahrscheinlich existierten jedoch immer nur drei bis fünf Häuser gleichzeitig, da diese nur je etwa 25 Jahre genutzt wurden, um dann durch ein neues Haus ersetzt zu werden. Bei der zweiten Kampagne traten auch zwei Bestattungen zu Tage. Einflüsse aus dem Südwesten ließen sich anhand von Keramik der La-Hoguette-Gruppe nachweisen. Die Funde reichen bis in die späte Urnenfelderkultur, also bis in die späte Bronzezeit. Zum Neolithikum zählten zwei Kreisgrabenanlagen, dort fand sich auch ein Keramikpflaster aus der besagten Bronzezeit.

Bruchenbrücken wurde urkundlich erstmals 1282/83 als „Brugenbrukke“ im Lehensverzeichnis Gottfrieds II. von Eppstein erwähnt, der die Gerichtsbarkeit über Bruchenbrücken innehatte. Um 1297 wird Bruchenbrücken an Ruzo von Ilbenstadt als Lehen gegeben. Nach dem Aussterben der Grafen von Eppstein-Stolberg fiel Bruchenbrücken an das Kurfürstentum Mainz. 1364, nachdem die Falkensteiner die Macht im ehemals münzenbergischen Gebiet, zu dem auch Bruchenbrücken gehörte, errungen hatten, wird Bruchenbrücken als Untergericht in einer Ilbenstädter Urkunde erwähnt. Dem Gericht standen damals als Grefe vor 1384: Cuntze und seit 1409: Hartmann Ripode. Zu dieser Zeit gehörte Bruchenbrücken gemeinsam mit Fauerbach, Ossenheim, Bauernheim Ober-Wöllstadt, Nieder-Wöllstadt und Nieder-Rosbach zur Falkensteiner Grafschaft Assenheim. Mit dem Aussterben der Falkensteiner ging die Herrschaft zunächst auf die Gräfin zu Sayn und Diether zu Ysenburg-Büdingen über, die die Verwaltung zunächst gemeinsam ausübten. Nach der Trennung erhielt Ysenburg-Büdingen den Teil, zu dem auch Bruchenbrücken gehörte, welches ab dann von einem im Schloss Assenheim sitzenden Amtmann der Ysenburger verwaltet wurde. Die nächste schriftliche Erwähnung ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1483 zu finden, die sich mit dem Besitz des Mainzer St.-Alban-Stiftes in Bruchenbrücken befasst.

1555 wurde unter dem Grafen Anton von Ysenburg-Büdingen die Reformation in seinem Herrschaftsbereich und damit auch in Bruchenbrücken eingeführt.Quelle: D. Wolf in Das ist Bruchenbrücken – Eine Dokumentation über den Friedberger Stadtteil Bruchenbrücken/Wetterau im Jahre 1976.

1930 bei der Reichstagswahl bei einer Wahlbeteiligung von 85,28 % verteilten sich die abgegebenen Stimmen wie folgt auf die Parteien: SPD 210, KPD 49, NSDAP 38 und das hessische Landvolk 74.

1931 bei der Landtagswahl: SPD 72, KPD 40, Hessisches Landvolk 31, Sozialistische Arbeiterpartei 129, NSDAP 111, die restlichen Stimmen verteilten sich auf weitere 8 Parteien.

1932 bei der Reichspräsidentenwahl im ersten Wahlgang: Hitler 185, Hindenburg 129, Thälmann 129. Im zweiten Wahlgang Hitler 205, Hindenburg 195, Thälmann 56.Ackermann, Friedberg-Bruchenbrücken Die Turnhalle von 1926 und Ihre Zeit

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Bruchenbrücken im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Kreisstadt Friedberg eingegliedert.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bruchenbrücken angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Isenburg-Wächtersbach, Gericht Assenheim (Anteil an der Herrschaft Münzenberg) ab 1806: Fürstentum Isenburg,Infolge der Rheinbundakte. Gericht Assenheim ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt,Infolge der Befreiungskriege. Gericht Assenheim ab 1815: Kaisertum Österreich,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Gericht Assenheim ab 1816: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Durch Staatsvertrag mit Österreich und dem Königreich Preußen sowie Einigung zwischen Großherzogtum Hessen und Kurhessen. Amt Assenheim (zur Standesherrschaft Isenburg gehörig)Gericht: standesherrliches Amt Assenheim. ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vilbel1823: Trennung zwischen Justiz (Landgericht Großkarben) und Verwaltung. ab 1823: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vilbel ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich, Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis FriedbergIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt FriedbergAm 31. Dezember 1971 als Stadtteil zur Stadt Friedberg.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bruchenbrücken 1782 Einwohner. Darunter waren 123 (6,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 306 Einwohner unter 18 Jahren, 738 zwischen 18 und 49, 363 zwischen 50 und 64 und 375 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 765 Haushalten. Davon waren 201 Singlehaushalte, 267 Paare ohne Kinder und 219 Paare mit Kindern, sowie 60 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 168 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 510 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Konfessionsstatistik • 1961: 894 evangelische (= 75,44 %), 281 katholische (= 23,71 %) Einwohner

Politik Für Bruchenbrücken besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Bruchenbrücken) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 55,35 %. Es wurden gewählt: Fünf Mitglieder der CDU und je zwei Mitglieder des Bündnis 90/Die Grünen und der FDP. Der Ortsbeirat wählte Gunther Best (CDU) zum Ortsvorsteher.

Ortsspitzname Der volkstümliche Spitzname von Bruchenbrücken ist Bärenschweiz.

Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Bruchenbrücken

Öffentliche Einrichtungen und Vereine Öffentliche Einrichtungen im Überblick

Kindertagesstätte Regenbogen Außenstelle der Geschwister-Scholl-Schule (1. und 2. Klasse) Sportplatz Evangelische Kirchengemeinde

Vereine im Überblick

SV 1919 Bruchenbrücken e. V. Turnverein 1906 Bruchenbrücken Fischerei-Verein Bruchenbrücken e. V. Freiwilliger Feuerwehrverein

Verkehr Am westlichen Rand der Bebauung verläuft die Main-Weser-Bahn. Die Linie S 6 der S-Bahn Rhein-Main, die halbstündlich zwischen Friedberg und Langen verkehrt, hat in Bruchenbrücken einen Haltepunkt.

Linie Verlauf Takt

Im Ort kreuzt sich die Landesstraße 3351 mit der Kreisstraße 239. Den Busverkehr betreibt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO).

Persönlichkeiten Erasmus Alberus (ca. 1500–1553), evangelischer Theologe und Reformator, geboren in Bruchenbrücken, nach dem auch die Evangelische Pfarrkirche Bruchenbrücken benannt wurde.

Literatur Anna-Leena Fischer, Nicole Kegler-Graiewski, Lucas Petit: Bruchenbrücken vor 7000 Jahren. Neue Ausgrabungen auf dem ältestbandkeramischen FundplatzFriedberg-Bruchenbrücken, Wetteraukreis, in: hessenARCHÄOLOGIE 2003, S. 30–32. (academia.edu) Dieter Wolf: Die Wetterau im Federstrich. Bruchenbrücken. In: Wetterauer Zeitung vom 9. Januar 1976.

Weblinks

Bruchenbrücken im Webauftritt der Stadt Friedberg Über Bruchenbrücken, ehemalige private Website, jetzt nur noch bei archive.org

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Friedberg, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Ersterwähnung 1282 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971