mini|Carl Eduard Cramer rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image Carl Eduard Cramer (* 26. April 1817 in Langenbach, Vogtland; † 30. April 1886 in Reudnitz bei Leipzig) war ein Privatgelehrter und kleinbürgerlicher, demokratischer Publizist in Leipzig. 1844 übernahm er als Redakteur die Sächsischen Vaterlands-Blätter. Er war einer der Führer des gemäßigten antirepublikanischen Flügels des Leipziger Vaterlandsvereins und trat für die „konstitutionelle Monarchie“ ein.

Carl Eduard Cramer war der Vater von Rudolf Lavant (eigentlich Richard Cramer). Leben Herkunft, Gymnasium und Studium 1817–1839 mini|500 jähr. Jubiläum der Universität Leipzig Carl Eduard Cramers Vater Johann Friedrich August Cramer war Pfarrer in Langenbach. Auch bei den weiteren Vorfahren gab es Kantoren und Pfarrer, die in Thüringen ihr Amt ausübten.

Carl Cramer besuchte das Lyceum zu Plauen (ab 1835 Gymnasium) von 1827 bis 1834. Er zog 1834 aus dem Vogtland nach Leipzig um vom 2. Mai 1834 bis 1. Juni 1839 Theologie und Philosophie an der Universität Leipzig zu studieren.Die Matrikel der Universität Leipzig: Die Jahre 1832 bis 1863, Jens Blecher, Gerald Wiemers, Universität Leipzig, Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, 2006, Seite 87.

Wirken Die Zeit des Vormärz bis zur Revolution 1848/49 Burschenschaft Kochei Am 12. August 1839 wurde Carl Eduard Cramer Ehrenmitglied der Alten Leipziger Burschenschaft / „Kochei“ (nach dem Namen der Wirtschaft Koch in der Fleischergasse, wo gekneipt wurde). Mit den Ehrenmitgliedern Robert Blum, Georg Günther und Carl Cramer kam es zur Blütezeit der Leipziger Burschenschaft. 1852 wurden die Burschenschaften in Leipzig wieder verboten. Die Leipziger Burschenschaft bestand im Untergrund weiter bis 1855.Hanna Delf von Wolzogen, Itta Shedletzky, Christine Hehle: Theodor Fontane und Wilhelm Wolfsohn, eine interkulturelle Beziehung. 2006, S. 317.Reinhard Vogelsang, Rolf Westheider: Eine Region im Aufbruch: die Revolution von 1848/49 in Ostwestfalen-Lippe. Verlag für Regionalgeschichte, 1998, S. 193.Juliane Brandsch, Andreas Herzog: Das Literarische Leipzig: kulturhistorisches Mosaik einer Buchstadt. Ed. Leipzig, 1995, S. 180. miniatur|Schellhaferhaus, das spätere Hôtel de Saxe um 1750. Hier fanden die Versammlungen des „Leipziger Vaterlandsvereins“ statt.

Leipziger Vaterlandsverein Carl Cramer war Mitglied des Leipziger Vaterlandsvereins. Dem provisorischen Ausschuss dieser Vereinigung gehörte er neben Robert Blum und Heinrich Wuttke an. Die gleichen Namen sind auch in einem Verzeichnis über „Leipzigs Wühler und Wühlerinnen“ zu finden, in das der Begriff Wühler mit Revolutionär gleichgesetzt wird.

Der Leipziger Vaterlandverein teilte sich auf in ein rechtes Zentrum und ein linkes Zentrum. Das rechte Zentrum, dem C.E. Cramer angehörte, hieß Bertling’scher Vaterlands-Verein.

Jeder Wühler wurde nach seinem Charakter dargestellt:

C.E. Cramer; simpler Wühler. Motto: „Immer langsam voran, dass ich mit den Vaterlandblättern nachkommen kann.“ Ist wie Bertling auf der Tribüne gern breit und doktrinär; in seiner Ansicht fest (jedoch „sieht er keine Reaktion“) und im Wirken sehr tätig; große Figur, schwarzbraun, mit Henriquatre (Spitzbart).Franz Ulrich Nordhausen: Leipzig’s Wühler und Wühlerinnen, Daguerreotypen und Vereinsgestalten. Selbstverlag, 1849, S. 10, 12 und 31.

mini|Carl Cramer übernahm die Vaterlandsblätter mit der Ausgabe Nr. 131, vom 17. August 1844. Die Sächsischen Vaterlandsblätter Am 17. August 1844 übernahm Carl Eduard Cramer als Redakteur die Sächsischen Vaterlandsblätter. In einem Einführungsbeitrag gab er seine politischen Ansichten bekannt.Carl Eduard Cramer 1817–1886. In: Sächsische Vaterlandsblätter, 17. August 1844, Nr. 131, S. 525 f.

Am 23. Dezember 1845 wurden die Vaterlandsblätter verboten. Wegen des Verbots der Vaterlandsblätter ging Carl Cramer einen anderen Weg seine Meinung zu publizieren. Im Januar 1846 gab er die Flugschrift Ein fliegendes Blatt aus dem VaterlandeEin fliegendes Blatt aus dem Vaterlande heraus. Im Februar folgte Stimmen aus dem VaterlandeStimmen aus dem Vaterlande. und im Dezember das gleichlautende „Ein fliegendes Blatt aus dem Vaterlande“, mit dem Untertitel „Das Ministerium des Innern und – ich!“.Ein fliegendes Blatt aus dem Vaterlande. Das Ministerium des Innern und – ich! Im Jahr 1847 veröffentlichte er Sächsische Zustände.Carl Eduard Cramer: Sächsische Zustände. Leipzig 1847. In: Dr. Carl Weil: Konstitutionelle Jahrbücher. Jg. 2. Verlag Adolph Krabbe, Stuttgart 1847, S. 44–82.„Deutsche Zeitung“ Heidelberg, 26. Oktober 1847, Nr. 118, S. 940

Erst am 1. April 1848 erschienen die Vaterlandsblätter wieder, es übernahmen mehrere Herausgeber die Blätter: Robert Blum, Carl Eduard Cramer, J. Georg Günther und als verantwortlicher Redakteur Christian Friedrich Rudolph Rüder.

Robert Blum wurde für seine Teilnahme am Wiener Oktoberaufstand 1848 von der „siegreichen Reaktion“ standrechtlich erschossen. Das enge Verhältnis der beiden Revolutionäre geht daraus hervor, dass der Märtyrer Blum noch am Morgen vor seiner Hinrichtung einen Brief an seinen Kampfgefährten Cramer schrieb: mini|Die letzte Ausgabe der Vaterlandsblätter mit der Nr. 154, vom 31. Dezember 1850. Brief an C. Cramer vom 9. November 1848. Lieber Freund! Es ist 5 Uhr, und um 6 Uhr werde ich – erschossen. Also nur zwei Worte: Lebe wohl, Du und alle Freunde. Bereite meine Frau langsam vor auf das Geschick – des Krieges. Schreibe Günther meinen letzten Gruß. Ich sterbe als Mann – es muß sein. Lebt wohl! Lebt wohl! BlumSächsische Vaterlandsblätter: Carl Eduard Cramer 1817–1886, vom 9. Dezember 1848, Nr. 227, S. 952

Am Morgen des 13. November war Carl Cramer bei Jenny Blum erschienen, mit der undankbarsten aller Aufgaben, sie war ihm noch von Blum selbst erteilt worden. Sohn Hans erinnert sich: „Die furchtbare Scene wird mir stets unvergesslich sein. Ich begriff eher wie meine arme Mutter, was Cramer sagen wollte, als er auf ihren Vorschlag, sie wolle selbst nach Wien reisen, zögernd erwiderte: ‚Ich fürchte – Sie kommen zu spät.‘“Ralf Zerback: Robert Blum. Eine Biografie. Lehmstedt, Leipzig 2007, S. 297.

Cramer redigierte die Vaterlandsblätter bis 1850. Am 31. Dezember 1850 stellte Carl Eduard Cramer die „!Vorwärts! Vaterlandsblätter“ ein.Letzte Ausgabe der Vaterlandsblätter Nr. 154 vom 31. Dezember 1850.

Carl Cramer wurde Opfer politischer Verfolgung und Zensur, als der Obrigkeitsstaat nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 in Deutschland fortbestand. Auf Grund seiner aufrechten demokratischen Gesinnung wurde Cramer oft von den Polizeiorganen der herrschenden Klasse gemaßregelt und bestraft. Wegen seiner politischen Artikel in den „Vaterlandsblättern“ wurde er zu Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt sowie mit Hausdurchsuchungen drangsaliert.Aus dem Bestand des „Vereinigten Kriminalamtes“ die Akten Rep. I Nr. 7372, 12 818 und 15 259c. Diese Akten wurden zwischen 1845 und 1851 angelegt und sind 66, 145 und 271 Blatt stark (in der Regel doppelseitig beschrieben). Er ist darin wegen Verbreitung beunruhigender Gerüchte, wegen Ehrenverletzung und wegen der öffentlichen Herabsetzung der Religion und Aufreizung gegen die Regierung aufgeführt. Der letzte Eintrag von 1853 lautet:: 7.lt. Crim. Akt. Nr. 15065 i.J. 1853 wegen öffentlicher Herabwürdigung der Religion und Aufreizung gegen die Regierung im Gnadenwege mit 3 Wochen Gefängnis bestraft worden. mini|Das Hôtel de Pologne in der Hainstraße Leipzig 1848. Hier fanden die Versammlungen und Festlichkeiten des „Leipziger Schiller- und Schriftstellervereins“ statt. Schriftstellerverein Im Winter 1840/41 schlossen sich die Leipziger Literaten zusammen. Auf Betreiben Robert Blums und Robert Hellers fanden sich 17 Leipziger Literaten zur Gründungsversammlung des Literatenvereins im Januar 1842 ein. Der „Leipziger Literatenverein“ nannte sich ab 1846 „Leipziger Schriftstellerverein“.

Carl Cramer war Mitglied des von seinem Freund Robert Blum gegründeten Leipziger Schriftstellervereins. Heinrich Wuttke leitete den Leipziger Schriftstellerverein von 1852 bis 1863 danach übernahmen J. Fürst, Friedrich Friedrich, Gustav Eduard Benseler und G. Sandbank dieses Amt. Carl Eduard Cramer übernahm von 1863 bis 1870 den Part des Schriftführers und von 1876 bis 1883 war er Vorstand des Schriftstellervereins.Entstehung und Wandlungen der Zielsetzungen, der Struktur und der Wirkungen der Berufsverbände. Band 6. 1966, S. 90 ff.

Staatslexikon Ende 1847 begannen Cramer und der volkstümliche demokratische Politiker Robert Blum mit der Herausgabe eines populären Staatslexikons, an diesem beteiligte sich Carl Cramer mit diversen Lemmata.Volksthümliches Handbuch der Staatswissenschaften und Politik. Zwei Bände 1851 Die dreißig umfangreichsten Begriffserklärungen von C. E. Cramer tragen seine Unterschrift, der längste Artikel mit zehn Seiten ist der „Bund“ (Deutscher Bund, Bundesacte, Bundesversammlung, Bundestag, Bundesbeschlüsse).

Im Ersten Band werden die Begriffe von A bis K behandelt. Der Zweite Band wird nach dem Tod Robert Blums aus seinem handschriftlichen Nachlass von Gleichgesinnten fortgesetzt und kommt 1851 in den Handel, er beinhaltet die Begriffe L bis Z. Dieses populäre Staatslexikon war Blums bedeutendstes Werk während seiner Tätigkeit als Herausgeber.

Die Zeit der Reichsgründungsepoche mini|Historisches Archivgebäude „am Taschenberge“ um 1888, das später abgebrochen wurde Wahl zum Archivar der Volksversammlung in Dresden Der erste Gegenstand in der 42. öffentlichen Sitzung der I. Kammer, am 18. April 1849, war die Wahl des Archivars der Volksversammlung. In der zweiten Abstimmung gaben 42 Abgeordnete ihre Stimme ab, davon entfielen auf Carl Cramer 22 Stimmen, somit gewann er die Wahl.Mittheilungen über die Verhandlungen des ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen während des Jahres 1849 Erste Kammer.

In Dresden wurden die Abschriften von Gesetzen und Verordnungen und die Protokolle und Beschlüsse des Rates und der Volksversammlung im ehemaligen Komödien- und Ballhaus und dann in dem aus dem Zeughaus umgebauten, 1887 fertiggestellten Albertinum gelagert. Seit 1915 ist das Hauptstaatsarchiv Dresden in einem Archivzweckbau an der Albertstraße untergebracht. mini|Das Landhaus in Dresden im Jahr 1843

Landtagsabgeordneter 1849/50 vertrat der Schriftsteller Cramer den 27. Wahlbezirk (Borna) in der II. Kammer des Sächsischen Landtags in Dresden. Es existieren zwei Bände von den Mittheilungen über die Verhandlungen des ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen während der Jahre 1849 und 1850 der Zweiten Kammer. Carl Cramer wurde dort mit über einhundert Wortmeldungen protokolliert.

Zu erwähnen ist seine Rede in der dreiundvierzigsten öffentlichen Sitzung am 6. März 1850 über „Die Deutsche Verfassungsangelegenheit.“Liste der Mitglieder des Sächsischen Landtags 1849/50Statistisches Bureau im Ministerium des Innern (Hrsg.): Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1850, S. 46Mittheilungen über die Verhandlungen des ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen während der Jahre 1849 und 1850 Zweite Kammer, 1. BandMittheilungen über die Verhandlungen des ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen während der Jahre 1849 und 1850 Zweite Kammer, 2. BandSachregister über die königlich Sächsischen Landtags-Verhandlungen im Jahre 1849 und 1850

Wiener Presse Carl Eduard Cramer schrieb für die Wiener Presse in den Jahren 1863 bis 1865 Artikel in den Zeitschriften „Der Adler“ und der „Leipziger Abendpost“. Für die Zeitschrift „Der Adler, Zeitung für Deutschland“ das vom 2. November 1861 bis 31. Dezember 1864 erschien, war Carl Cramer Redakteur, ihm zur Seite stand unterstützend Prof. Wuttke. Das Blatt sollte das „Leipziger Journal“ ersetzen. Der Adler bestand allerdings nur zwei Jahre, das Blatt hatte sich als ein zu kostspieliges Organ erwiesen, das von der Wiener Kasse nicht mehr zu halten war.