Der Kreis Pyritz war von 1815 bis 1945 ein Landkreis der preußischen Provinz Pommern. Seine Kreisstadt war die Stadt Pyritz.
Verwaltungsgeschichte mini|Der Kreis Pyritz im 18. Jahrhundert mini|Der Kreis Pyritz 1933 Das Gebiet des späteren Kreises Pyritz gehörte seit dem 12. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich der pommerschen Herzöge. Als Grenzgebiet zur Mark Brandenburg waren die südlichen Bereiche lange Zeit zwischen den beiden Herrschaftsgebieten Gegenstand von Grenzkriegen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam Hinterpommern an Brandenburg-Preußen. 1723/24 führte König Friedrich Wilhelm I. von Preußen in Hinterpommern eine Kreisreform durch. Die Zahl der Kreise und zugehörigen Landräte wurde fühlbar reduziert, um die starke territoriale Zersplitterung zu verringern, die durch die komplizierten adligen Besitzstände in Hinterpommern entstanden war. Der Kreis Pyritz umfasste nunmehr die Stadt Pyritz, den Marktflecken Werben, die königlichen Ämter Bernstein, Kolbatz und Pyritz sowie eine größere Anzahl von adligen Dörfern und Gütern.
Durch die Provinzialbehörden-Verordnung vom 30. April 1815 wurde der Kreis Pyritz Teil des Regierungsbezirks Stettin in der Provinz Pommern. Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde die Abgrenzung des Kreises Pyritz geändert: Mit dem Kreis Greifenhagen fand ein Gebietsaustausch statt, bei dem unter anderem das Amt Kolbatz aus dem Kreis Pyritz in den Kreis Greifenhagen wechselte. Mit dem Kreis Saatzig fand ein Gebietsaustausch statt, der mehrere Dörfer betraf. Mit dem Kreis Soldin in der Provinz Brandenburg fand ein Gebietsaustausch statt, der mehrere Dörfer betraf.
Der Kreis Pyritz umfasste 1871 die Stadt Pyritz, 88 Landgemeinden und 75 Gutsbezirke. Zum 30. September 1928 fand im Kreis wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Stettin 1928, Sonderbeilage zu Stück 40 Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Im Zweiten Weltkrieg eroberte Ende Januar/Anfang Februar 1945 die Rote Armee das Kreisgebiet und unterstellte es ortsweise ab Anfang Mai der im März 1945 gebildeten Verwaltung der Volksrepublik Polen für den „Bezirk Westpommern“. In der Folgezeit wurden ab Juni 1945 die allermeisten Bewohner des Kreisgebiets vertrieben und an ihrer Stelle Polen angesiedelt.
In Polen besteht heute in anderen Grenzen der Powiat Pyrzycki als Teil der Woiwodschaft Westpommern.
Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner Quelle 1797 32.640 1816 28.612 1846 37.748 1871 42.509 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871 1890 43.559 1900 42.686 1910 43.917 1925 49.068 1933 47.717 1939 47.752
Landräte 1745–1750: Ludwig Imbert du Rosey 1750–1759: David Vincenz von Braunschweig 1760–1772: Georg Christoph von Blanckensee 1773–1783: Joachim Abraham von Oesterling 1783–1804: August Ernst von Schöning 1804–1848: August Peter von Schöning 1851–1857: Julius Rudolf von der Osten 1857–1876: Wilhelm von Schöning 1877–1906: Adolph von Schlieffen 1906–1921: Detlef von Köller 1921–1924: Hermann Sommer 1924–1939: Ernst Delbrück 1940–: Axel Schmidt 1944–: Paul Windels (vertretungsweise)
Kommunalverfassung Der Kreis Pyritz gliederte sich in die Stadt Pyritz, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.
Amtsbezirke, Städte und Gemeinden Amtsbezirke Die Landgemeinden des Kreises waren in den 1930er Jahren in 26 Amtsbezirke gegliedert. im Informationssystem Pommern. Die Stadt Pyritz war amtsfrei. Amtsbezirk Alt Falkenberg Amtsbezirk Alt Grape Amtsbezirk Barnimskunow Amtsbezirk Beyersdorf Amtsbezirk Blankensee Amtsbezirk Dölitz i. Pom. Amtsbezirk Fürstensee Amtsbezirk Gottberg Amtsbezirk Groß Möllen Amtsbezirk Horst Amtsbezirk Isinger Amtsbezirk Klützow Amtsbezirk Kollin Amtsbezirk Kremzow Amtsbezirk Köselitz Amtsbezirk Megow Amtsbezirk Petznick Amtsbezirk Plönzig Amtsbezirk Prilipp Amtsbezirk Prillwitz Amtsbezirk Sallentin Amtsbezirk Sandow Amtsbezirk Schlötenitz Amtsbezirk Schwochow Amtsbezirk Warnitz Amtsbezirk Werben
Städte und Gemeinden 1945 mini|Rittergut Sandow, Sammlung Alexander Duncker Zum Ende seines Bestehens im Jahr 1945 umfasste der Kreis Pyritz die Stadt Pyritz und 86 weitere Gemeinden: Alt Falkenberg Alt Grape Alt Prilipp Babbin Barnimskunow Beelitz Beyersdorf Billerbeck Blankensee Blumberg Brallentin Brederlow Briesen Brietzig Damnitz Dobberphul Dölitz i. Pom. Eichelshagen Falkenberg Friedrichshof Friedrichsthal i. Pom. FürstenseeGiesenthal-Raumersaue Gottberg Groß Latzkow Groß Möllen Groß Rischow Groß Schönfeld Groß Zarnow Hohenwalde Horst Isinger Jagow Klein Rischow Klemmen Kloxin Klücken Klützow Kollin Köselitz Kossin Kremzow Krüssow LeineLettnin Libbehne Loist Löllhöfel Lübtow Luisenhof Marienwerder Möllendorf Muscherin Naulin Neu Falkenberg Neu Grape Neu Prilipp Petznick Plönzig Prillwitz Pumptow Pyritz, Stadt Rackitt Reichenbach Repenow RepplinRosenfelde Sabes Sabow Sallentin Sandow Schellin Schlötenitz Schöningen Schönow Schönwerder Schützenaue Schwochow Strebelow Strohsdorf Suckow a. d. Plöne Warnitz Warsin Wartenberg Werben Wittichow Wobbermin
Vor 1945 aufgelöste Gemeinden Hufenitz, 1903/1908 zu Damnitz Giesenthal und Raumersaue, nach 1910 zu Giesenthal-Raumersaue zusammengeschlossen Ludwigsthal, ca. 1929 zu Schlötenitz Woitfick, ca. 1929 zu Klücken Megow, 1938 zu Lettnin Altstadt, am 1. April 1939 zu Pyritz
Verkehr Den Kreis Pyritz durchzog ab 1847 im Nordosten die Stargard-Posener Eisenbahn >116.c<. Erst 35 Jahre später folgte 1882 die Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft zunächst mit ihrer Stammstrecke, an der auch die Kreisstadt lag >116.a<. Nachdem im Südosten des Kreises 1898 die Strecke Arnswalde – Glasow in Betrieb genommen worden war >116.a²<, folgte 1899 die Zweigbahn Pyritz – Jädickendorf >116.e<.
Die Pyritzer Bahnen, die von Anfang an in der Hand des Landes und des Kreises waren, eröffneten 1898 von der Kreisstadt aus Linien nach Plönzig im Südosten des Kreises >113.h< und in den Nachbarkreis Greifenhagen >113.h²<.
In Alt Libbehne zweigte seit 1902 von der Bahnlinie Arnswalde–Glasow die Kleinbahn Friedeberg-Alt Libbehne ab >115.k<.
(Die Zahlen in >< beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1939).
Literatur Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 119, Ziffer 8 (Google Books). Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 38–45 (Google Books). Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 7. Kreis Pyritz. Berlin 1866, S. 1–35 (Google Books). Otto Neumann und Georg Franke (Hrsg.): Heimatkunde des Kreises Pyritz. Bake, Pyritz 1932. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1785, S. 86–169 (Google Books). Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Zweiten Theils dritter Band: Kreise Greifenhagen und Piritz, Anklam 1868, S. 397–808 (Google Books).
Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Pyritz in der ehemaligen Provinz Pommern (2011)
Weblinks
Landkreis Pyritz Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 6. Juli 2013.
Einzelnachweise
Pyritz Kategorie:Powiat Pyrzycki Pyritz Kategorie:Aufgelöst 1945