Die Oxyrhynchos-Papyri sind auf Papyrus geschriebene Manuskripte, die von Archäologen zu Ende des 19. Jahrhunderts in einer antiken Müllkippe nahe dem historischen Ort Oxyrhynchos in Ägypten gefunden wurden. Diese umfangreiche Sammlung von Papyri enthält Tausende Dokumente, Briefe und literarische Werke in Altgriechisch und Lateinisch. Es sind auch einige Pergamentmanuskripte darunter sowie jüngere arabischsprachige Manuskripte auf Papier (z. B. das mittelalterliche P. Oxy. VI 1006).

Geschichte Im Jahre 1855 wurde in Ägypten ein Papyrus mit 66 Versen eines Partheneion von Alkman entdeckt, dessen Ursprünge im 7. Jahrhundert v. Chr. liegen. Daraufhin konstituierten sich in Europa private und wissenschaftliche Gesellschaften zum Zwecke der Papyrussuche und die neue Disziplin der Papyrologie entstand. In London wurde die Egypt Exploration Society gegründet. Zwei ihrer Mitarbeiter, Bernard Pyne Grenfell und Arthur Surridge Hunt, machten ab 1896 in Oxyrhynchos archäologische Ausgrabungen. Grenfell beschreibt später seinen ersten Eindruck als „Müllgruben, nichts als Müllgruben“.Ulli Kulke: Oxyrhynchus oder die Geheimnisse des Sophokles. Auf: welt online vom 22. April 2005; zuletzt abgerufen am 30. Juli 2016.

Tatsächlich entdeckten sie in der einstigen Mülldeponie der unterägyptischen griechischen Verwaltungsstadt die bisher größte Einzelmenge Papyri. Die Überreste umfassen etwa 400.000 Fragmente und werden heute zum größten Teil im Ashmolean Museum in Oxford aufbewahrt. Sie werden seit ihrer Entdeckung kontinuierlich und systematisch aufgearbeitet. In den 2010er Jahren sind eine ganze Reihe vor allem frühchristlicher Papyri verschwunden und möglicherweise von dem mit ihrer Bearbeitung betreuten Wissenschaftler Dirk Obbink an die Familie Green (Hobby lobby) und ihr Bibelmuseum in Washington verkauft worden.Charlotte Higgins: A scandal in Oxford: the curious case of the stolen gospel - What links an eccentric Oxford classics don, billionaire US evangelicals, and a tiny, missing fragment of an ancient manuscript? Charlotte Higgins unravels a multimillion-dollar riddle. (Serie The long read.) Auf: theguardian.com 9. Januar 2020; zuletzt abgerufen am 15. September 2023.

1898 erschien der erste Band der Reihe The Oxyrhynchus Papyri. Bis 2011 wurden 76 Bände mit 5100 Texten veröffentlicht, kaum mehr als ein Prozent des Bestandes.Joachim Latacz: Die Oxyrhynchus Papyri – Wir kennen erst ein Prozent. Auf: faz.net vom 29. April 2005; zuletzt abgerufen am 30. Juli 2016; Oxyrhynchus Database: Online veröffentlichte Texte. zuletzt abgerufen am 30. Juli 2016. 2016 erschien Band 82.The Oxyrhynchus Papyri. Band 82. (= Graeco-Roman Memoirs. Band 103). The Egypt Exploration Society, 2016. Auf: ees-shop.com; zuletzt abgerufen am 30. Juli 2016.

Zitierweise: Die erste Nummer (Vol) ist der Band (Volume) der Oxyrhynchus Papyri, in dem diese Handschrift veröffentlicht ist. Die zweite Nummer (Oxy) ist die fortlaufende Nummer aller Publikationen der Oxyrhynchus Papyri. Die Standardabkürzung für Zitate der Oxyrhynchus Papyri ist: P. Oxy. <Band in Römischen Ziffern> <fortlaufende Publikationsnummer>.

Theologische Manuskripte Alle als „theologisch“ klassifizierten Handschriften der Oxyrhynchus Papyri sind unten aufgeführt. Bei einigen Manuskripten fällt die inhaltliche Zuordnung jedoch schwer. So lässt sich etwa ein Zitat aus Psalm 90, das auf einem Amulett steht, als solches den Magischen Texten der Oxyrhynchus Papyri zuordnen, obwohl es sich ebenso unter den Textzeugnissen des Alten Testaments aufführen lässt.

Altes Testament mini|P. Oxy. VI 846: Amos 2 (LXX)

Aus dem Kontext geht stets hervor, ob es sich um Band 70 der Oxyrhynchus Papyri handelt, oder ob die Septuaginta gemeint ist. P. Oxy. VIII 1073 ist eine Version der Vetus Latina von 1. Mose, andere Handschriften sind wahrscheinlich Kopien der Septuaginta. Daten sind auf die nächsten 50 Jahre aufgerundet.

VolOxyDatumInhaltInstitutionStadtLandIV6562. Jhd.1. Mose 14:21–23; 15:5–9; 19:32–20:11;24:28–47; 27:32–33, 40–41Bodleian Library; MS.Gr.bib.d.5(P)OxfordUKVI8454./5. Jhd.Psalm 68; 70Ägyptisches Museum; JE 41083KairoÄgyptenVI8466. Jhd.Amos 2University of Pennsylvania; E 3074PhiladelphiaUSAVII10074./5. Jhd.1. Mose 2–3British Museum; Inv. 2047LondonUKVIII10734. Jhd.1. Mose 5–6 Vetus LatinaBritish Museum; Inv. 2052LondonUKVIII10743. Jhd.2. Mose 31–32University of Illinois; Inv. 1914.21.0021 (GP 1074)Urbana (Illinois) USAVIII10753. Jhd.2. Mose 11:26–32British Library; Inv. 2053 (recto)LondonUKIX11663. Jhd.1. Mose 16:8–12British Library; Inv. 2066LondonUKIX11674. Jhd.1. Mose 31Princeton Theological SeminaryPap. 9Princeton (New Jersey)USAIX11684. Jhd.Josua 4-5, PergamentPrinceton Theological SeminaryPap. 10Princeton (New Jersey)USAX12254. Jhd.3. Mose 16Princeton Theological SeminaryPap. 12Princeton (New Jersey)USAX12263./4. Jhd.Psalm 7–8Liverpool UniversityClass. Gr. Libr. 4241227LiverpoolUKXI13514. Jhd.3. Mose 27, PergamentAmbrose Swasey Library; 886.4 Colgate Rochester Crozer Divinity School (vor dem privaten Verkaufpaleojudaica.blogspot Auszug aus dem Interview von Dr. Eugene Fisher mit Zenit über jüdisch-Katholische Beziehungen nach Vatican II. Auf: paleojudaica.blogspot.com vom 22. Juni 2003; zuletzt abgerufen am 30. Juli 2016.)Rochester (New York)USAXI13521. H. 4. Jhd.Psalm 82–83, PergamentÄgyptisches Museum; JE 47472KairoÄgyptenXV17794. Jhd.Psalm 1United Theological SeminaryDayton (Ohio)USAXVI19285./6. Jhd.Psalm 90, AmulettAshmolean MuseumOxfordUKXVII20655./6. Jhd.Psalm 90Ashmolean MuseumOxfordUKXVII20665./6. Jhd.Sprüche 6–7Ashmolean MuseumOxfordUKXXIV23865./6. Jhd.Psalm 83–84Ashmolean MuseumOxfordUKL35221. Jhd.Hiob 42.11–12Ashmolean MuseumOxfordUKLX40116. Jhd.Psalm 75 interlinearAshmolean MuseumOxfordUKLXV44421. H. 3. Jhd.2. Mose 20:10–17, 18–22Ashmolean MuseumOxfordUKLXV44431./2. Jhd.Esther 6–7Ashmolean MuseumOxfordUK

Deuterokanonische Bücher, bzw. Apokryphen des Alten Testaments Texte, die in der griechischen Septuaginta und den lateinischen Handschriften der Vetus Latina enthalten sind, nicht jedoch in der hebräischen Bibel.Als Apokryphen bezeichnet man jene Bücher, die in der Römisch-Katholischen Kirche und den Orthodoxen Kirchen kanonischen Status besitzen, jedoch in der Hebräischen Bibel nicht auftauchten und auch im protestantischen Alten Testament keinen kanonischen Status haben. PP. Oxy. XIII 1594 und LXV 4444 bestehen aus Pergament (als „Pergament“ in der Tabelle markiert). Beide Kopien von Tobit sind unterschiedliche Ausgaben des bekannten Textes der Septuaginta (Bemerkung in der Tabelle: „nicht LXX“).

VolOxyDatumInhaltInstitutionStadtLandIII4034./5. Jhd.Syrische Baruch-Apokalypse 12–14St. Mark’s LibraryGeneral Theological SeminaryNew York CityUSAVII10104. Jhd.4. Esra 16:57–59Bodleian LibraryMS.Gr.bib.g.3(P)OxfordUKVIII10766. Jhd.Tobit 2nicht LXXJohn Rylands University Library448ManchesterUKXIII15942. H. 3. Jhd.Tobit 12Pergament, nicht LXXUniversitätsbibliothek CambridgeAdd. MS. 6363CambridgeUKXIII15956. Jhd.Ecclesiasticus 1Badè Museum of Biblical ArchaeologyPacific School of ReligionBerkeleyKalifornienUSAXVII20694./5. Jhd.1. Hen 85.10–86.2, 87.1–3Ashmolean MuseumOxfordUKXVII20745. Jhd.Apostrophe zur Weisheit [?]Ashmolean MuseumOxfordUKLXV44444. Jhd.Weisheit 4:17–5:1PergamentAshmolean MuseumOxfordUK

Andere dazugehörige Papyri VolOxyDatumInhaltInstitutionStadtLandIX11733. Jhd.PhilonBodleian LibraryOxfordUKXI13563. Jhd.PhilonBodleian LibraryOxfordUKXVIII21583. Jhd.PhilonAshmolean MuseumOxfordUKXXXVI27454./5. Jhd.Onomastikon hebräischer NamenAshmolean MuseumOxfordUK

Neues Testament mini|Papyrus : Matthäus 1

Die Oxyrhynchos-Papyri sind die umfangreichste Untergruppe der ältesten Abschriften des Neuen Testaments. Es handelt sich hierbei um Teile in Kodex-Form (Buch), geschrieben in griechischen Unzialen (Großbuchstaben) auf Papyrus. Die ersten wurden von Bernard Pyne Grenfell und Arthur Surridge Hunt in Oxyrhynchos am Beginn des 20. Jahrhunderts ausgegraben. Von den 124 registrierten Papyri des Neuen Testaments stammen 50 (also 40 Prozent) aus Oxyrhynchos. Die ältesten der Papyri sind auf die Mitte des zweiten Jahrhunderts datiert. Sie wurden somit innerhalb eines Jahrhunderts nach Entstehung der Autographen geschrieben.Eberhard Nestle, Erwin Nestle, Barbara Aland, Kurt Aland (eds): Novum Testamentum Graece. 27th edition, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2001.

Grenfell und Hunt entdeckten das erste Papyrus des Neuen Testaments () bereits am zweiten Tag der Ausgrabung im Winter 1896/97. Diese Entdeckung zusammen mit anderen frühen Ergebnissen wurde 1898 im ersten Band von The Oxyrhynchus Papyri veröffentlicht.Philip W. Comfort, David P. Barrett: The Text of the Earliest New Testament Greek Manuscripts. Tyndale House Publishers Incorporated, Wheaton (IL) 2001.

Die dritte Spalte (GA) bezieht sich auf die heutige Standardnummerierung nach für Zitate der Handschriften des Neuen Testaments nach Caspar René Gregory und Kurt Aland, wie sie vom Institut für Neutestamentliche Textforschung in Münster festgelegt wird. bezeichnet ein Papyrusmanuskript, eine mit Null beginnende Nummer zeigt eine Unzialschrift auf Pergament an. Der Inhalt ist auf das nächstliegende Kapitel angegeben, Verse sind nicht aufgelistet.