Facharzt für Anästhesiologie, auch Anästhesist/Anästhesistin/Anästhesiologe/Anästhesiologin oder umgangssprachlich Narkosearzt/Narkoseärztin, ist in Deutschland die offizielle Bezeichnung für einen Facharzt, der sich in einer mindestens fünfjährigen Weiterbildung auf die ärztliche Tätigkeit im Gebiet der Anästhesiologie spezialisiert hat.

Gebiet Anästhesiologie Das Gebiet Anästhesiologie umfasst nach der Definition der deutschen Weiterbildungsordnung für Ärztinnen und Ärzte die Allgemein-, Regional- und Lokalanästhesie einschließlich deren Vor- und Nachbehandlung, die Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen während operativer und diagnostischer Eingriffe sowie intensivmedizinische, notfallmedizinische und schmerzmedizinische Maßnahmen.

Facharzt-Weiterbildung Um in Deutschland als Anästhesist tätig werden zu können, muss nach dem Abschluss eines Medizinstudiums und erteilter Approbation als Arzt eine mindestens fünfjährige Weiterbildung im Gebiet Anästhesiologie mit Erfolg absolviert worden sein. Die Berechtigung zur Führung einer Facharzt-, Schwerpunkt- oder Zusatzbezeichnung wird nach einer mündlichen Prüfung von der zuständigen Landesärztekammer erteilt.

Die Weiterbildung muss an zugelassenen Weiterbildungsstätten absolviert werden. Mindestens 60 Monate Anästhesiologie Davon müssen 12 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden Es können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Bei der Anmeldung zur Weiterbildungsprüfung müssen der zuständigen Ärztekammer sämtliche Nachweise über die erfüllten Mindestanforderungen vorgelegt werden. Dazu gehören auch die Logbuch-Dokumentationen über alle durch die MWBO vorgegebenen Inhalte der Weiterbildung. Zur Weiterbildungsprüfung muss man darlegen, dass man über die entsprechenden Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten im Fach verfügt.

Inhalte der Weiterbildung Zur Weiterbildungsprüfung muss dargelegt werden können, dass man Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten unter anderem in folgenden Bereichen erlangt hat. Die genauen Vorgaben sind abhängig von der Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer: Präanästhesiologische Vorbereitung Aufklärung von Patienten über Risiken von Anästhesieverfahren und -medikamenten sowie Einholung der rechtsgültigen Einwilligung Präanästhesiologische Risikoevaluation, insbesondere Prädiktoren für schwierige Atemwege und schwierige Beatmung Identifikation und Umgang mit relevanten kardiovaskulären pulmonalen, neurologischen und muskulären Risikofaktoren Auswahl eines geeigneten Anästhesieverfahrens einschließlich präanästhesiologischer Vorbereitung unter Berücksichtigung einer Dauermedikation medikamentöser Prämedikation erforderlichem Monitoring Berücksichtigung des Erfordernisses präanästhesiologischer Nüchternheit Anästhesiologische Verfahren und Techniken Atemwegsmanagement, technische Maßnahmen zur Behandlung des einfachen und des schwierigen Atemweges einschließlich der schwierigen Intubation Anästhesiologische Überwachung Postanästhesiologische Patientenversorgung Durchführung anästhesierelevanter Ultraschallverfahren bei unterschiedlichen Maßnahmen Allgemeinanästhesien und intraoperative Beatmung einschließlich Einleitung, intraoperative Überwachung, Ausleitung, postoperative Patientenversorgung, postoperative Schmerztherapie Anästhesie bei folgenden Situationen: Neurochirurgische und neurointerventionelle Eingriffen Kinderanästhesie Schwangerschaft und Geburtshilfe Thoraxeingriffen Kardiovaskuläre Anästhesie Operationen im Kopf-Hals-Bereich Regionalanästhesie Anästhesie bei ambulanten Patienten Anästhesiologische Verfahren außerhalb des Operationssaales Intensivmedizin Diagnostik und Therapie vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände auf einer Intensivstation oder Intermediate Care Station Prävention, Diagnostik, Therapie und Management von Infektionen Analgosedierung Atemunterstützende Maßnahmen bei nicht-intubierten Patienten, einschließlich Beatmungsentwöhnung bei Langzeitbeatmeten Flüssigkeits- und Volumentherapie einschließlich Transfusions- und Blutersatztherapie Enterale und parenterale Ernährung, Erstellung eines Ernährungsplans sowie Therapie von Stoffwechselentgleisungen Punktions- und Katheterisierungstechniken Tracheo- und Bronchoskopien Schmerzmedizinische Verfahren Notfall- und Zwischenfallmanagement, Trauma und Verbrennungen, Rettungswesen Reanimation von Patienten aller Altersgruppen Transportbegleitung von Intensivpatienten Ossärer Zugang Erstversorgung beim Traumapatienten einschließlich Brandverletzten.

Die Inhalte der Musterweiterbildungsordnung sind allerdings nur eine Empfehlung für die rechtsverbindlichen Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die hiervon abweichende Regelungen treffen können.

Zusatz-Weiterbildungen Fachärztinnen und -ärzte für Anästhesiologie haben die Möglichkeit, sich durch Zusatz-Weiterbildung weiter zu qualifizieren. Hierzu gehören insbesondere die Zusatz-Weiterbildungen Notfallmedizin, Intensivmedizin, Schmerzmedizin und Palliativmedizin. Diese bilden die fünf Säulen der Anästhesiologie. Weitere naheliegende Zusatzbezeichnungen sind Transplantationsmedizin, Infektiologie und Ernährungsmedizin. Außerdem besteht die Möglichkeit der Qualifizierung in den Zusatz-Weiterbildungen, die Fachärzten der Gebiete der unmittelbaren Patientenversorgung vorbehalten sind.

Arbeitsgebiet Der klassische Arbeitsort für Anästhesisten ist der Operationstrakt in Krankenhäusern. Dazu gehört auch die Arbeit in der Anästhesiesprechstunde zur präoperativen Vorbereitung und die postoperative Überwachung im Aufwachraum. In vielen Krankenhäusern wird ein Teil der Intensivstationen ebenfalls durch Anästhesisten geleitet. Auch der Notarztdienst ist eine häufige Aufgabe von Anästhesisten. Neben der Tätigkeit in der Klink gibt es auch die Möglichkeit als Anästhesist in einem ambulanten Operationszentrum als angestellter oder selbstständiger Arzt zu arbeiten. Als Schmerzmediziner oder Palliativmediziner können Anästhesisten sich auch mit einer eigenen Praxis niederlassen oder in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung arbeiten. In Deutschland gibt es aktuell keine Zusatzbezeichnung für Perioperativ Medizin, Programme wie Prehabilitation oder Enhanced Recovery After Surgery können durch Anästhesisten durchgeführt und geleitet werden.

Neben der klinischen Tätigkeit übernehmen Anästhesisten auch strategische Aufgaben in der Klinik, da die Anästhesie als Querschnittsfach mit vielen anderen Abteilungen der Klinik in Berührung kommt. So können Anästhesisten Ärztlicher Direktor eines Krankenhauses oder OP-Manager werden. Auch können Anästhesisten als Leitender Notarzt und Ärztlicher Leiter Rettungsdiensttätig werden oder in die Politik gehen, wie Helge Braun.

Siehe auch Ärztliche Weiterbildung in Deutschland Liste ärztlicher Weiterbildungsbezeichnungen in Deutschland

Weblinks

Einzelnachweise

Anästhesiologie