Die Pariser Zeitung (PZ) war eine überregionale Tageszeitung, die während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg vom 15. Januar 1941 bis zum 16. August 1944 erschien. Sie wurde vom Europa-Verlag, einem von Rolf Rienhardt geleiteten Tochterunternehmen des Franz-Eher-Verlags, unter Max Amann herausgegeben und diente als Sprachrohr der Besatzungsmacht.
Die Pariser Zeitung war nicht die erste deutsche Besatzungszeitung auf französischem Boden: Während des Deutsch-Französischen Krieges und des Ersten Weltkrieges hatte es bereits ähnliche Publikationen gegeben.Siehe hierzu die Abschnitte über Moniteurs officiels und Gazette des Ardennes in: Andreas Laska: Presse et propaganda en France occupée: des Moniteurs officiels (1870–1871) à la Gazette des Ardennes (1914–1918) et à la Pariser Zeitung (1940–1944). Herbert Utz Verlag, München 2003, ISBN 3-8316-0293-X. Sie gehörte neben ihrem Schwesterblatt Deutsche Zeitung in Norwegen zu den zwei Besatzungszeitungen, die Artikel in der Landessprache veröffentlichten, wobei die PZ dieses Konzept mit ganzen Seiten in französischer Sprache am konsequentesten verfolgte.Der aufdringliche Text: Sprachpolitik und NS-Ideologie in der „Deutschen Zeitung in den Niederlanden“. Springer, Berlin 2013, ISBN 3-8244-4285-X (zuerst erschienen im Deutschen Universitätsverlag, Wiesbaden 1998. Dissertation Amsterdam 1990), S. 272, Fußnote 124 u. Laska 2003, S. 250. Laskas Aussage, dass die PZ als einzige Besatzungszeitung Seiten in der Landessprache enthielt, ist demnach nur im exakt wörtlichen Sinn richtig. Bereits nach einigen Monaten wurde sie in eine deutsche und eine französische Ausgabe aufgeteilt. Eine konsequente Trennung nach Sprache gab es jedoch zu keiner Zeit, die französische Ausgabe enthielt immer auch einen Anteil deutschsprachiger Artikel. Zu einem wirklichen Konkurrenten für die französische Presse wurde die Zeitung auch nach dieser Aufteilung nicht.Laska 2003, S. 268.
Von Oktober 1943 an wurde eine gleichnamige Wochenzeitung herausgegeben, die nun vollständig französischsprachig war und als Unterhaltungsblatt andere Schwerpunkte setzte. Von der gleichen Redaktion erstellt und rasch zu einem Erfolg avanciert, setzte der Kriegsverlauf ihrer Existenz ein frühes Ende. Alle Ausgaben hatten auch französische Mitarbeiter; hinzu kamen Autoren aus neutralen oder mit dem Deutschen Reich verbündeten Ländern.
Gründungsphase
mini|Das Redaktionsgebäude befand sich in der Rue Réaumur im 2. Arrondissement
Die Pariser Zeitung ersetzte das Organ der französischen Sektion der NSDAP/AO, die Deutsche Zeitung in Frankreich, deren Zielgruppe die Auslandsdeutschen im Land während der Vorkriegszeit gewesen waren. Ihre redaktionelle Leitung oblag Kurt Ihlefeld,Weiteres über seine NS-Spitzeltätigkeit in Paris vor 1940 und seinen Verbleib nach 1945 im Art. Der Danziger Vorposten. zuvor Paris-Korrespondent des Angriffs und zweier anderer Zeitungen. Zunächst von Dezember 1935 an vierzehntäglich erschienen, hatte sie noch vor dem Krieg auf wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt. Nach der Kriegserklärung Frankreichs musste die Deutsche Zeitung zwischenzeitlich ihr Erscheinen aussetzen, bis sie im Anschluss an den Sieg im Westfeldzug vom 5. Oktober 1940 an wieder fortgeführt werden konnte. Nachdem sie vom 17. November 1940 an als Tageszeitung erschienen war, erfolgte am 12. Januar 1941 ihre endgültige Einstellung zugunsten der Pariser Zeitung.Laska, S. 250–251.
Mit ihrem Namen wollte die Pariser Zeitung einen Bezug zu einer gleichnamigen Zeitung der 1830er Jahre und zur Pariser Tageszeitung herstellen, die Ende des 19. Jahrhunderts erschienen war, und damit auf die Tradition einer lebendigen deutschen Kulturpräsenz in der Stadt verweisen. Die 1933 von deutschen ins Exil vertriebenen Journalisten gegründete, demokratisch ausgerichtete, Zeitung Pariser Tageblatt und ihre unter dem Namen der früheren Pariser Tageszeitung firmierende, als Abspaltung entstandene Quasi-Nachfolgerin, wurden aus offensichtlichen Gründen nicht in diese Sicht der Tradition mit einbezogen.Archiv für Sozialgeschichte online, Rezension zum Buch „Rechts und links der Seine. Pariser Tageblatt und Pariser Tageszeitung 1933–1940 (Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, Bd. 89)“, letzter Abruf 13. März 2009.Laska 2003, S. 271. Seit Heinrich Heine war Paris das Ziel der deutschen Emigranten gewesen. Nach dem „Anschluss“ kamen österreichische Schriftsteller, und das Münchener Abkommen trieb die tschechischen Antifaschisten und die Deutschen in Prag nach Paris.« Les philosophes face au nazisme. » :fr:Le Magazine littéraire (Février 2012).
Erster Verlagsleiter der Pariser Zeitung wurde Viktor Muckel, der zuvor den Völkischen Verlag in Düsseldorf geleitet und zu den Mitgründern der Brüsseler Zeitung, einer Schwesterzeitung, gehört hatte. Bereits im Juli 1941 löste Rudolf Neumann Muckel ab, sein Name wurde jedoch seit Juli 1942 im Impressum mit „z. Zt. Wehrmacht“ versehen, worauf Muckel in alter Funktion zu seiner früheren Wirkungsstätte zurückkehrte. Zuletzt übernahm Theo Hansen Ende November 1943 die Leitung der Zeitung.
Zum ersten Chefredakteur wurde Rudolf Sparing ernannt, ein Freund Rienhardts und Mitgründer des von letzterem initiierten NS-Vorzeigeblattes Das Reich. Stellvertretender Chefredakteur wurde Emil Frotscher, der wie Sparing an der Gründung des Reich beteiligt und zuletzt erster Chefredakteur der Deutschen Zeitung in den Niederlanden, ebenfalls eine Schwester der Pariser Zeitung, gewesen war.Gabriele Hoffmann: NS-Propaganda in den Niederlanden: Organisation und Lenkung der Publizistik. Verlag Dokumentation Saur: München-Pullach/Berlin 1972 (Exkurs: Die Deutsche Zeitung in den Niederlanden, S. 87), ISBN 3-7940-4021-X. Beide blieben nicht lange auf ihren Posten: Sparing organisierte nur die unmittelbare Gründungsphase und verließ die Zeitung bereits nach einer Woche. Er wurde 1943 zweiter und letzter Chefredakteur des Reich. Frotscher leitete den Aufbau der östlichen Besatzungszeitungen, zum Beispiel der Deutschen Zeitung im Ostland und der Donauzeitung.
Ende Mai 1941 wurde die bis dahin vakante Position Sparings und auch die von Frotscher mit Walter Trautmann und Alfred Rapp neu besetzt. Beide waren erfahrene Journalisten und seit Anbeginn Autoren der Pariser Zeitung gewesen. Nach Trautmanns Aussage hatte er bei Rienhardt um eine Stelle im Ausland nachgesucht, da seine Ehefrau als „Halbjüdin“ gegolten habe und es dadurch zu Problemen gekommen sei;Laska 2003, S. 259. zudem war er 1939 wegen „nichtarischer Abstammung“ aus der NSDAP ausgeschlossen worden. Ihlefeld, nun zugleich Paris-Korrespondent des Völkischen Beobachters und Deutschen Nachrichtenbüros, blieb der Zeitung als Mitarbeiter erhalten.
Trotz der bereits vorhandenen Erfahrung mit der Vorgängerzeitung, bestens ausgestatteter Büros im Gebäude des eingestellten L’Intransigeant und der beträchtlichen Anschubfinanzierung (Otto Abetz, deutscher Botschafter in Frankreich, stellte mehrere Millionen Reichsmark bereitLaska 2003, S. 252.) verlief die Gründungsphase nicht reibungslos: So gab es Schwierigkeiten, technisches Personal mit guten deutschen Sprachkenntnissen zu finden; auch empfand die kaufmännische Leitung die französischen Tarife oft als „Bücher mit sieben Siegeln“.„Sechs Wochen Pariser Zeitung. Der Aufbau und die Entwicklung einer deutschen Neuschaffung“, in: Zeitungs-Verlag, S. 83, zitiert nach Laska 2003, S. 257.
Der Verlag veröffentlichte neben der Zeitung auch Bücher über Land und Leute, hierzu zählen ein Werk von Erhard Göpel über die Normandie sowie eines über die Zeitung selbst zu ihrem einjährigen Jubiläum.Edelgard Bühler, Hans-Eugen Bühler: Der Frontbuchhandel 1939–1945. Organisationen, Kompetenzen, Verlage, Bücher – Eine Dokumentation. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-7657-2500-5, S. 67. Die angesprochenen Titel sind Die Normandie (1942) und Ein Jahr Pariser Zeitung (1941).
Erscheinungsweise, Umfang und Gliederung
Die tägliche Ausgabe der Pariser Zeitung erschien im Gegensatz zur französischen Tagespresse, die seit der Besatzung nur noch an sechs Tagen der Woche herauskam, an allen Wochentagen mit einem Umfang von zunächst vier (montags) bzw. acht bis zwölf Seiten (alle anderen Tage). Durch die im weiteren Kriegsverlauf zunehmende Papierknappheit nahm der Umfang der Zeitung schrittweise immer weiter ab, bis dieser im letzten Jahr nur noch vier oder sechs Seiten täglich betrug. Die Samstags- und Sonntagsausgabe wurde im Mai 1944 zu einer Wochenendausgabe zusammengelegt, bis im letzten Monat nur noch drei Ausgaben pro Woche erschienen. Dabei wurde die Zeitung bei Festlegung der Papierkontingente gegenüber ihrer französischen Konkurrenz deutlich bevorteilt, so erhielt sie im Oktober 1942 ein Fünftel der den Pariser Zeitungen zugeteilten Menge, der Rest verteilte sich auf dreizehn andere Zeitungen der Stadt.Laska 2003, S. 272. Zu dieser Bevorteilung kam noch hinzu, dass die Zensoren gelegentlich Artikel aus der Pariser Zeitung der örtlichen Konkurrenz als Vorbild präsentierten.Laska 2003, S. 250. Der Umfang der wöchentlichen Ausgabe betrug bis Mitte April 1944 acht, anschließend sechs Seiten.Laska 2003, S. 254.
Mit einem Preis von zwei Francs bzw. 20 Pfennig lag der Preis der Zeitung meist doppelt so hoch wie der der französischen Presse; die französischen Zeitungen mussten sich innerhalb kurzer Zeit auf nur noch zwei Seiten pro Ausgabe beschränken. Die wöchentliche Ausgabe kostete den gleichen Preis in Francs bzw. 25 Pfennig.
Das Format der Zeitung wurde der traditionellen Pariser Presse angeglichen, allerdings mit etwas weniger Spalten und einer größeren Schrift. Als Schrifttyp wurde Antiqua statt Fraktur verwendet, was bereits durch eine Anordnung für alle für das Ausland bestimmten Druckerzeugnisse vorgegeben war.Otto Thomae: Die Propaganda-Maschinerie. Bildende Kunst u. Öffentlichkeitsarbeit im Dritten Reich. Mann, Berlin 1978, ISBN 3-7861-1159-6, S. 183–185. Zugleich Dissertation Berlin 1976.
Die Rubriken der Zeitung deckten die üblichen Felder wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Anzeigen ab und waren stärker bebildert als ihre in Deutschland erscheinenden Entsprechungen. Der Kulturteil enthielt oft Zeichnungen, die letzte, stets am stärksten bebilderte Seite Karikaturen mit fast immer unpolitischem Charakter. Bei den französischen Seiten fehlte hingegen bis kurz vor dem Ende jegliche Bebilderung, erst ganz am Schluss bekam die französische Ausgabe eine illustrierte letzte Seite, die der deutschen Ausgabe entsprach.Laska 2003, S. 274.
Nebenausgaben
Französische Ausgabe
Seit der ersten Ausgabe versuchte die Redaktion, französische Leser mit übersetzten Artikeln anzusprechen. Eine ganze Seite bekamen diese Artikel anfangs nicht zugesprochen, je nach Umfang wurden einzelne Spalten oder eine halbe Seite mit den Artikeln belegt. Im Februar und Mai wurde der Anteil so weit erhöht, dass schließlich mit Ausnahme des Montags die Zeitung immer eine ganze französischsprachige Seite enthielt, bis am 1. August erstmals zwei Ausgaben erschienen: eine französische mit zwei französischsprachigen Seiten und eine deutsche mit einer französischsprachigen Seite. Die Zahl an französischsprachigen Seiten in der französischen Ausgabe erhöhte sich bis 1944 nicht, da aber die gesamte Seitenzahl sank, stieg der Anteil relativ zur Gesamtzahl an und betrug im Mai 1944 die Hälfte (samstags zwei Drittel) der Seiten. In der deutschen Ausgabe hingegen wurde die Zahl der französischsprachigen Artikel allmählich reduziert, bis diese 1944 ganz aus der Zeitung verschwanden.Laska 2003, S. 277.
Wöchentliche Ausgabe