mini|Luftaufnahme der Kernstadt Brilon von Norden (2013) mini|Blick aus südlicher Richtung auf die Stadt Brilon [] ()Sau küert me in Breylen. Wörterbuch für die plattdeutsche Sprache. Hrsg. Briloner Heimatbund, Arbeitskreis Mundartpflege. Podszun, Brilon 1998, ISBN 3-86133-215-9. ist eine Stadt im östlichen Sauerland. Mit Einwohnern hat sie die Größe einer Mittelstadt und gehört dem Hochsauerlandkreis im Osten des Landes Nordrhein-Westfalen an. Die Stadt ist staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad.Anerkennung der Stadt Brilon als Kneipp-Heilbad. Verfügung der Bezirksregierung Arnsberg vom 15. Dezember 2016 (MBl. NRW. 2017, S. 2.) Mit 77,5 km² Stadtwald gehört Brilon zu den Städten mit dem größten kommunalen Waldbesitz in Deutschland.
Geographie Geographische Lage mini|Quelle der Möhne Brilon liegt im Osten des Sauerlands an der Grenze zu Hessen. Die Kernstadt befindet sich am Südrand der Briloner Hochfläche, einer von Kalkkuppen geprägten, hügeligen Landschaft mit einer Höhenlage von im Möhnetal beim Osterhof bis etwa bei Rösenbeck. Daran schließen sich im Westen die Höhenzüge des Arnsberger Waldes an. Im Südosten geht die Briloner Hochfläche abrupt in das tief eingeschnittene Hoppecketal über. Vom Möhnetal ausgehend in Richtung Altenbüren erstreckt sich das Landschaftsschutzgebiet Wintertal/Escherfeld. Im Norden grenzt das Stadtgebiet an die östlichen Ausläufer des Haarstrangs und geht in das Sintfeld über. Die im Ortsteil Alme entspringende Alme fließt von ihrer Quelle in nördliche Richtung und verlässt nach wenigen Kilometern das Stadtgebiet. Im Almetal befindet sich mit Höhe die niedrigste Stelle im Stadtgebiet. Südlich der Kernstadt schließen sich die nördlichen Ausläufer des Rothaargebirges an. Dort befinden sich die Berge Dreiskopf (), Hoher Eimberg (max. ), auf dem mit die höchste Stelle des Briloner Stadtgebiets liegt, und Hoppernkopf (), der an der Grenze zum hessischen Willingen liegt, und Großer Kluskopf (). Rund um den südlich der Kernstadt gelegenen, hohen Poppenberg entspringen einige Bäche, die als Quellflüsse der Möhne angesehen werden können. Die Möhnequelle wird heute oberhalb des Briloner Kurparks am Osthang des Poppenberges angegeben. Der eigentliche Ursprung der Möhne ist jedoch der Zusammenfluss dieses Flusslaufes mit der Aa im Norden der Kernstadt. Ein weiterer Fluss ist die Hoppecke, die von Willingen kommend nach Norden fließt. Nördlich von Brilon-Wald wendet sie ihren Lauf nach Ostnordosten, durchfließt die Ortsteile Hoppecke und Messinghausen und verlässt nach 18,6 km das Briloner Stadtgebiet, womit sie der längste Flusslauf von Brilon ist. Die Höhenzüge links beziehungsweise nordwestlich der Hoppecke bilden hier einen Abschnitt der Rhein-Weser-Wasserscheide, die auch durch den Ortsteil Petersborn verläuft. Große Bereiche des nördlichen Stadtgebiets und verschiedene Gebiete im Süden der Stadt gehören seit 2023 zum Vogelschutzgebiet Diemel- und Hoppecketal mit angrenzenden Wäldern.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet Brilon erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung vom Zufluss des Harlebachs in die Alme, etwa drei Kilometer nördlich vom Ortsteil Alme über etwa 22 km bis zum Richtplatz am Hoppernkopf westlich von Willingen. Der westlichste Punkt liegt beim Ortsteil Esshoff, der östlichste am Zufluss der Großen Aa in den Aabach nordöstlich des Ortsteils Madfeld. Die Entfernung zwischen beiden Punkten beträgt etwa 21 km.
Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 229,2 km². Größten Anteil an dieser Fläche hat der Wald mit 111,6 km² (49 %), wovon 77,5 km² im Besitz der Stadt sind, gefolgt von den landwirtschaftlich genutzten Flächen mit 87,7 km² (38 %). Gebäude- und Freiflächen nehmen 11,6 km², Verkehrsflächen 12,0 km² (jeweils 5 %) ein. Als Betriebsfläche sind 3,6 km² ausgewiesen, davon sind 2,5 km² Abbauland.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW / Ergebnisse der Flächenerhebung 2012.
Nachbargemeinden Brilon grenzt im Norden an die zum Kreis Paderborn gehörenden Städte Büren und Bad Wünnenberg. Im Osten von Brilon liegt Marsberg, im Südosten die zum hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg gehörenden Gemeinden Diemelsee und Willingen. Die westliche Stadtgrenze teilt sich Brilon mit Olsberg und im Nordwesten liegt die zum Kreis Soest gehörende Stadt Rüthen. Olsberg und Marsberg gehören wie Brilon zum Hochsauerlandkreis.
Stadtgliederung Die Stadt Brilon besteht seit der kommunalen Neugliederung aus 17 Ortsteilen. Aus den 14 ehemals selbständigen Gemeinden und den schon vorher zu Brilon gehörenden Orten Gudenhagen-Petersborn und Brilon-Wald wurden 16 Ortschaften gemäß der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen gebildet. Diese wählen je einen Ortsvorsteher. Die Ortschaften bilden klar voneinander abgegrenzte Ortslagen mit meist dörflichem Charakter. Die folgende Tabelle zeigt die Stadtgliederung:
+ Stadtgliederung Brilons Kernstadt/Ortsteil Flächein km² Bevölkerung zum 31. Dez. 2021 Alme 35,58 1.709 Altenbüren 13,84 1.384 Bontkirchen 5,58 471 Brilon (Kernstadt) – 14.626 Brilon-Wald – 452 Esshoff 0,66 77 Gudenhagen-Petersborn – 1.273 Hoppecke 7,18 1.156 Madfeld 14,68 1.273 Messinghausen 9,41 749 Nehden 4,37 447 Radlinghausen 2,88 139 Rixen 2,52 110 Rösenbeck 10,46 777 Scharfenberg 13,48 1.362 Thülen 8,45 965 Wülfte 2,59 402 Gesamtstadt 228,98 26.099
Der historische Ortskern von Brilon, der flächenmäßig nur einen kleinen Teil der Kernstadt einnimmt, wird in folgende Stadtviertel, hier Quartale genannt, gegliedert: Derkeres Quartal, Kreuziger Quartal, Niederes Quartal und Oberes Quartal.
Die frühere Gemeinde Alme wurde 1928 aus den Gemeinden Niederalme, Oberalme und dem Gutsbezirk Alme gebildet.
Als separate Siedlungen lassen sich außerdem noch Almerfeld zwischen Radlinghausen, Nehden und Alme, Pulvermühle bei Gudenhagen-Petersborn, die Egge bei Madfeld und Waldbruch bei Scharfenberg abgrenzen.
Überwiegend im Mittelalter sind etliche Siedlungen auf dem Stadtgebiet zur Wüstung geworden.
mini|Warte auf dem Bilstein (2006 zerstört)
Geschichte
Frühgeschichte mini|Bleierz, wie es in Brilon gefördert wurde Die Briloner Hochfläche war schon sehr früh besiedelt. Zahlreiche Fundstellen des Meso- und Neolithikums sind bekannt. Der Bronzezeit sind mehrere Grabhügel in der Umgebung Brilons zuzuordnen. Eisenzeitliche Funde wurden bei Thülen (1939, gedrehter bronzener Halsring), am Kassbach nahe dem Derkerstein (Tonscherben, verziegelter Lehm, Spinnwirtel, Feuerstellen), in einer Höhle bei Rösenbeck (Tonscherben) gemacht. Nur die Funde vom Derkerstein weisen auf feste Bauten einer eisenzeitlichen Siedlung hin und damit auf die erste ständige Siedlung auf der Briloner Hochfläche.
Vergleichbare Spuren einer Siedlung der römischen Kaiserzeit fanden sich an der Fülsenbecke. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde im Briloner Raum unter anderem Blei, Galmei, Eisen und Kalkspat abgebaut. Belegt wird das vor allem durch Funde von kleinen Bleibarren zum Beispiel bei Altenbüren. Ein Betrieb der Bergwerke durch römische Unternehmer ist nicht zu belegen. Angenommen wurde dies aufgrund eines Fundes im Rhonedelta, bei dem auf einem Schiffswrack Bleibarren mit dem Herstelleraufdruck „plumb.germ.“, also „plumbum germanicum“ (das heißt Blei aus Germanien), geborgen wurden. Aus der Isotopenzusammensetzung konnte es jedoch nicht eindeutig zugeordnet werden; das Herkunftsgebiet Brilon und Umgebung ist neben der Eifel lediglich eine Möglichkeit.Stadtmuseum Brilon:
Mittelalter Entstehung der Stadt Die erste urkundliche Erwähnung stammt von Kaiser Otto II. 973 bestätigte er dem Erzstift Magdeburg alle von seinem Vater verliehenen westfälischen Besitzungen, darunter die „Villa Brilon“. Bei dieser Erwähnung handelt es sich freilich um eine wesentlich ältere Siedlung, wahrscheinlich das heutige Altenbrilon. Später gelangte durch Tausch der Briloner Besitz an die Paderborner Kirche, die damit ihre Vögte belieh. Weitere urkundlich belegte Ortsnennungen sind Brilo, Brylon, Brule, Briloin, Brielon und Briglon.Josef Rüther: Heimatgeschichte des Landkreises Brilon. Verlag Regensberg, Münster 1957, S. 125.
mini|hochkant=0.7|Derker Tor, Teil der alten Stadtbefestigung Um 1220 erwarb der Kölner Erzbischof Engelbert die Briloner Gemarkung von den Brüdern Hermann und Gernand von Brilon. Erzbischof Engelbert legte eine befestigte Stadt mit einer Ringmauer an und verlieh ihr die Stadtrechte. Die ursprüngliche Stadtgröße lag bei etwa 32 Hektar. In blutigen Auseinandersetzungen zwischen Engelbert und der Paderborner Kirche wurde um die Besitzrechte an Brilon gestritten. Diese endeten mit der Gefangennahme des Paderborner Bischofs Simon I. während der Schlacht auf dem Wülferichskamp im Jahre 1254 und dessen Verzicht auf seine Briloner Ansprüche (1256). Diese Auseinandersetzung wurde vermutlich hauptsächlich aus wirtschaftlichem Interesse geführt; es ging um die Bodenschätze Blei, Eisen, Silber und Galmei, die im Briloner Raum abgebaut und verhüttet wurden.
Der kurkölnische Marschall Johann I. von Plettenberg verzeichnet um 1307 in seiner großen Bestandsaufnahme: 1. Brilon gehört dem Erzbischof, dort gehört ihm das Gericht, das früher 4, jetzt aber 10 Mark einbringt. 2. besitzt der Erzbischof dort die Gografschaft über 10 – ungenannte – Pfarreien, die jährlich 16 Malter Hafer, nach Kölner Maß 70 Malter einträgt, ferner jährlich 5 Mark aus Brüchten o. ä. und jedes Haus in der Gografschaft zinst ein Huhn, das erhält der Marschall. 3. besitzt der Erzbischof dort den Holzzehnten, der jährlich 20 Malter Korn, nach Kölner Maß um 100 Malter einbringt. Diesen Zehnten hat der Rüthener Bürger Gotfridus de Olde inne, der angibt, er gehöre ihm 7 Jahre für gewisse Auslagen. 4. besitzt der Erzbischof den Zehnten in Lederike, der jährlich 60 oder mehr Malter Korn einträgt, nach Kölner Maß 300 Malter; er ist Wickerus verpfändet für 100 Mark Soester Pfennige. 5. empfängt der Erzbischof aus der Briloner Bede jährlich 100 Mark.750 Jahre Stadt Brilon von 1220 bis 1970. Hrsg. Stadt Brilon, S. 14, und Das Buch der Rechte und Lehen Erzbischof Dietrich II. Nach Seibertz. Die hier genannten Rechte bildeten die Keimzelle des späteren Amtes Brilon.
Entwicklung der Stadt Die Stadt erhielt 1252 das Privileg der Unabhängigkeit vom Freigericht, auch Feme genannt. Nach einer Erneuerung im Jahr 1272 wurde das Recht 1302 unter der Bezeichnung „Privilegium de non evocando“ von Erzbischof Wigbold wegen der Unsicherheit der Wege durch Kriege noch einmal erneuert.Magnus Müller: 750 Jahre Stadt Brilon. Hrsg. Stadt Brilon, 1970, S. 290.Alfred Bruns: Inventar des Stadtarchivs Brilon. Bestand A, 1970, hrsg. vom Landesamt für Archivpflege, Verlag Aschendorff, Münster, S. 13, 14. Brilon unterhielt von 1256 bis 1304 eine eigene Münze. Die Briloner Kaufleute erhielten 1289 ein eigenes Statut. Erzbischof Siegfried von Köln sagte den Briloner Bürgern 1294 im Gegenzug für geleistete Hilfe an seiner Burg Altenfels (castri nostri Aldenuels) zu, ihnen von dort niemals Schaden zuzufügen oder entstandenen Schaden innerhalb von acht Tagen zu ersetzen.Alfred Bruns: Inventar des Stadtarchivs Brilon. Bestand A, 1970, hrsg. vom Landesamt für Archivpflege, Verlag Aschendorff, Münster, S. 13.