Navenby ist eine Gemeinde in Lincolnshire in England. Die Trabantenstadt liegt 14 km südlich von Lincoln, 14 km nordnordwestlich von Sleaford im Regierungsbezirk North Kesteven und hat 1666 Einwohner.
Im Dorf wurden ein Friedhof aus der Bronzezeit und die Überreste einer Siedlung aus der Eisenzeit entdeckt. Historiker gehen davon aus, dass Navenby ein wichtiger Ort auf der römischen Ermine Street war, da die Römer, Berichten zufolge, ein kleines Lager im Dorf unterhielten. Im 11. Jahrhundert erhielt Navenby ein Royal Charter von Eduard dem Bekenner und wurde dadurch Minderstadt. Das Royal Charter wurde später durch Wilhelm II., Eduard III. und Richard II. erneuert. Als der Markt im 19. Jahrhundert nicht mehr verwendet wurde, wurde Navenby wieder ein Dorf. Heutzutage dient es hauptsächlich als Trabantenstadt von Lincoln.
Ursprünglich wurde Navenby as Teil des Wapentakes Boothby Graffoe verwaltet. Erst ab dem frühen 17. Jahrhundert begann Navenby, sich selbst zu regieren. Inzwischen hat Navenby ein eigenes Parish Council, das sich um lokale Angelegenheiten kümmert.
Das Civil Parish Navenby ist ein ländlicher Raum, der mehr als 8,5 km² umfasst. Es überspannt die Ermine Street, eine Römerstraße, die zwischen 45 und 75 n. Chr. errichtet wurde und zwischen London und York verläuft. Der Viking Way, ein 237 km langer Fernwanderweg zwischen der Humber-Brücke in North Lincolnshire und Oakham in Rutland, verläuft ebenfalls durch das Dorf. Die Wikinger übten im 9. und 10. Jahrhundert einen großen Einfluss auf Lincolnshire aus, was sich u. a. darin widerspiegelt, dass viele Namen auf -by enden, wie beispielsweise Navenby. Namen mit -by standen für Halbbauernhöfe oder Dörfer.
Navenbys Einwohner arbeiten hauptsächlich in der nahe gelegenen Stadt Lincoln im Dienstleistungssektor. Niedrige Hauspreise sorgen dafür, dass ein Großteil der Menschen im eigenen Haus lebt, was nicht zuletzt der niedrigen Arbeitslosenquote zu verdanken ist. Dafür müssen Navenbys Einwohner einen relativ langen Weg zur Arbeit, durchschnittlich über 20 km, in Kauf nehmen.
Navenbys Zentrum ist ein denkmalgeschützter Bereich. Viele der Stein- und Ziegelhäuser sind mehrere hundert Jahre alt und teilweise sogar Listed Buildings. Besondere Gebäude des Dorfs sind unter anderem Mrs Smith’s Cottage, eine Ziegelhütte aus dem 19. Jahrhundert, und St Peter’s Church, welche vermutlich bereits im 13. Jahrhundert entstand.
Eine Straße und eine Buslinie sind die einzigen Möglichkeiten, nach Navenby zu kommen. Die A607 und die A15 führen beide zum Dorf; alle 30 Minuten fahren Busse von und nach Lincoln bzw. Grantham.
In Navenby selbst gibt es nur eine Grundschule, weiterführende Schulen befinden sich in den umliegenden Städten. Lincoln bietet die University of Lincoln und das Bishop Grosseteste University College.
Von ehemals vielen Gaststätten werden nur noch wenige bewirtschaftet. Die Regionalspeise ist Haslet, ein gewürzter Hackbraten aus Schweineinnereien.
Die Versorgung Navenbys durch den öffentlichen Dienst wird von den umliegenden Städten aus vorgenommen. Die zuständigen Polizeiwachen liegen in Lincoln, Sleaford und Grantham; die Feuerwachen in Lincoln und Grantham. Größere Krankenhäuser finden sich ebenfalls in Lincoln und Grantham.
Sport wird in Navenby von einem Bowlingklub und einem Fußballverein betrieben. Die nächstgrößere Profifußballmannschaft hat ihren Sitz in Lincoln. Darüber hinaus gibt es in Navenby einen Klub, der die historische Vergangenheit Navenbys aufklären will.
Geschichte Frühe Geschichte Archäologische Ausgrabungen rund um Navenby legen nahe, dass der Ort bereits seit der Bronzezeit, also ca. 600 v. Chr., bewohnt ist. An der Chapel Lane wurden Überreste von Bauernhöfen aus der Eisenzeit gefunden. Dieser Ausgrabungsort ist inzwischen von der Regionalregierung als Konservationsgelände geschützt. und wird von der Navenby Archaeology Group unterstützt.
mini|links|Heutiger Zustand der Ermine Street in Navenby mini|links|Die Überbleibsel von Navenbys Marktkreuz
Es wurden viele römische Artefakte gefunden, darunter Teile von Läden und Häusern, die zur Ermine Street zeigten, auf der römische Legionen von und zu der Legionsfestung bei Lincoln marschierten. Lincoln war damals sehr wichtig und vermutlich die Hauptstadt der römischen Provinz Flavia Caesariensis. Es gibt Hinweise darauf, dass Navenby ein wichtiger Stützpunkt entlang der Ermine Street war. Es ist überliefert, dass die Römer ein kleines Lager im Dorf unterhielten, und es wurden möglicherweise ein romano-britischer Tempel und Beerdigungsstätten freigelegt.
In der Nähe der Kreuzung von High Dyke und Chapel Lane wurden Leichenverbrennungen aus dem Zeitalter der Angelsachsen entdeckt. Überbleibsel aus der Spätzeit der Angelsachsen wurden ebenfalls unter und um St Peter’s Church gefunden. Dies legt nahe, dass sich das römische Dorf bis zum Zeitalter der Angelsachsen von der Ermine Street zu Church Lane und North Lane verlegt hat.
Navenbys angelsächsischer Name ist unbekannt. Der gegenwärtige Namen ist von dem altnordischen Nafni+by abgeleitet, was „Bauernhof oder Dorf von einem Mann namens Nafni“ bedeutet. Im Domesday Book aus dem Jahr 1086 erscheint Navenby als Navenbi und Navenebi.
Mittelalter Navenby war ursprünglich ein landwirtschaftliches Dorf und wurde zur Minderstadt, als es im 11. Jahrhundert ein Royal Charter von Eduard dem Bekenner erhielt. Dieses wurde später von Wilhelm II., Eduard III. und Richard II. erneuert.
Die breite Hauptstraße, auf der einst Bauern ihre Schafe zum Markt trieben, erinnert gegenwärtig noch an den einstigen Status als Minderstadt. Früher befand sich ein Marktplatz im Stadtzentrum, der durch ein Kreuz zu Ehren von Queen Eleanore gekennzeichnet war. Der Platz existiert inzwischen nicht mehr und das Kreuz ist nur noch eine Ruine.
Dokumente von Navenby als Parish gibt es ab 1681, obwohl die Aufzeichnungen der Bischöfe bis 1562 zurückreichen. Die Schriften zeigen, dass das Dorf mehrere jährliche Feste veranstaltete: ein Marktfest am 17. Oktober, auf dem Nutztiere gehandelt wurden, ein Fest am Donnerstag vor Ostern und ein Anstellungsfest am ersten Mai, bei dem sich die Sklaven versammelten und nach Arbeit suchten.
Aus den Aufzeichnungen geht außerdem hervor, dass ein Teil des Parishs Navenby 1772 eingefriedet wurde. Es wurde ein Arbeitshaus für die Armen errichtet, wenngleich das Gebäude später anderen Verwendungen zugeführt wurde. 1811 wurde eine Sick Society gegründet und 1816 wurde eine Parishschule neben St Peter’s Church errichtet. Infolge des Poor Law Amendment Act aus dem Jahr 1834 wurde Navenby Mitglied der Lincoln Poor Law Union.
19. Jahrhundert mini|Methodistische Kirche in Navenby
Als der Markt zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschlossen wurde, verlor Navenby seinen Status als Minderstadt und wurde wieder zum landwirtschaftlichen Dorf. Die Penny Cyclopaedia aus dem Jahr 1839 (hrsg. von The Society for the Diffusion of Useful Knowledge) beschreibt das Dorf wie folgt:
Viele Gebäude in Navenby wurden während des 19. Jahrhunderts errichtet, darunter eine kleine wesleyanische methodistische Kapelle im Jahr 1830, die 1840 komplett neu aufgebaut wurde. 1852 wurde eine Abstinenzhalle gebaut, die später als zweite Basis von den wesleyanischen Reformatoren verwendet wurde.
1844 wurde die Freiwillige Feuerwehr Navenby gegründet, die aus fünf Männern und einer manuellen Pumpe bestand. Die Provincial Gas Light and Coke Company lieferte ab 1857 Gas zur Straßenbeleuchtung im Dorf und 1867 wurde 1,2 km westlich des Dorfs ein Bahnhof auf dem Abschnitt des Great Northern Railway zwischen Lincoln und Grantham errichtet.
Ab 1871 war der Dekan und der Ortsverband von Lincoln der größte Gutsbesitzer und Lord of the Manor von Navenby. 2005 wurde eine Hexenflasche in den Grundmauern eines Bauernhofs in Navenby gefunden, die vermutlich aus ca. 1830 stammt. Die Flasche enthielt Nadeln, menschliches Haar und Urin und sollte das Haus vor bösen Flüchen schützen.
Geschichte in der Moderne Navenby war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein landwirtschaftliches Dorf, aber der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte Veränderungen für die Dorfgemeinschaft mit sich. Im November 1917 wurde ein kleiner Flugplatz, Wellingore Heath, in der Nähe von Navenby eröffnet, um als Basis für das Royal Flying Corps und den Royal Naval Air Service zu dienen. Die flache Landschaft mit ihrer Lage oben auf den Klippen stellt sich als idealer Ort für Flugoperationen heraus.
mini|links|Die Hexenflasche aus Navenby
T. E. Lawrence, bekannt als Lawrence von Arabien, war 1926, kurz nach dem Krieg, auf dem RAF Cranwell stationiert, wo er eine überarbeitete Fassung seines Buches Die sieben Säulen der Weisheit schrieb. Er erwähnte damals Navenby in einem Brief an einen Freund: „Ich bin zu scheu, um nach Dreck zu suchen. Deshalb kann ich nicht mit den Kameraden in die Bordelle von Lincoln oder Navenby gehen. Sie denken, dass das daran liegt, dass ich überlegen bin: stolz oder merkwürdig oder 'piekfein', wie sie sagen: Und es liege daran, dass ich nicht wüsste, was ich machen solle, wie ich mich zu verhalten habe, wo ich aufhören sollte. Wieder Furcht: Überall Furcht.“
Der Flugplatz in Wellingore wurde nach dem Ende des Kriegs geschlossen, 1935 allerdings wiedereröffnet und seine Einrichtungen wurden im Winter 1939–40 erweitert. Bis dahin war er als RAF Wellingore bekannt. Group Captain Douglas Bader und Wing Commander Guy Gibson, beides regelmäßige Besucher Navenbys, waren dort stationiert. Die Basis diente als Ausweichlandeplatz für RAF Cranwell vom April 1944 bis zu ihrer endgültigen Schließung 1945. Danach wurde sie als Camp für Kriegsgefangene aus Deutschland und der Ukraine verwendet. Die Gefangenen wurden oft gezwungen, auf den umliegenden Feldern zu arbeiten.
Navenby verlor in den beiden Weltkriegen viele Männer. Das Kriegsdenkmal, ein rau gearbeitetes Keltenkreuz aus Stein auf einem dreistufigen Sockel, befindet sich im Kirchgarten von St Peter’s. Es wurde von Messrs G Maile & Son Ltd für £200 hergestellt und im April 1921 eingeweiht. Auf ihm sind die Namen der 22 Opfer des Ersten Weltkrieges und der 8 des Zweiten Weltkriegs eingraviert.
Nach einem anfänglichen Rückgang der Einwohnerzahl Navenbys zu Beginn des 20. Jahrhunderts stiegen die Zahlen nach dem Krieg stark an. Dieser Anstieg zeigt sich unter anderem in den 35 Häusern, die zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und den 1950er Jahren gebaut wurden, sowie in anderen Bauprojekten ab den 1970ern. Nach dem Krieg wurde die Abhängigkeit von der Landwirtschaft verringert. Obwohl Navenby weiterhin von Bauernhöfen umgeben ist, ist es heutzutage hauptsächlich eine Trabantenstadt von Lincoln, Grantham und anderen. Die Zahlen aus 2001 zeigen, dass von 1666 Bewohnern fast 600 täglich zur Arbeit pendeln.
Verwaltung Das Parish Navenby war ursprünglich Teil des höheren Bereichs des Wapentakes Boothby Graffoe im Bezirk North Kesteven im County Lincolnshire. Der Begriff Wapentake stammt von den Wikingern und beschreibt eine Ansammlung von Parishs. Er bedeutete ursprünglich „zeige deine Waffe“; gemeint war damit, dass alle, die einen Vorschlag befürworteten, ihre Schwerter oder Äxte zum Zeichen der Zustimmung heben sollten.
In seinem Buch Die Geschichte der Grafschaft Lincoln schreibt Thomas Allen 1834:
Navenby war vom elften bis zum 19. Jahrhundert als altertümliches Parish eingestuft, da es „unter die Gerichtsbarkeit eines Geistlichen“ fiel und vor 1597 existierte. Alte Aufzeichnungen belegen, dass der Manor of Navenby 1292 dem Dekan und der Ortsverwaltung von Lincoln übergeben wurden. Das Geld, das durch die Landvermietung eingenommen wurde, verwendete Roger de Newton, erster Bewohner der Kantoreikapelle in Harby, um das Gebäude instand zu halten. Dies geschah nach dem Tod von Königin Eleonore, Frau von Eduard I., während sie Lincoln besuchte. Eleonore starb in de Newtons Villa im November 1290 und die Kapelle wurde ihr zu Ehren errichtet.