Veltheim am Fallstein ist ein Ortsteil der Stadt Osterwieck im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt und liegt zwischen dem Großen Fallstein und dem Großen Bruch.
Einwohnerentwicklung 1800: 790 Einwohner 1830: 900 Einwohner 1851: 1039 Einwohner 1880: 1135 Einwohner 1926: 880 EinwohnerBenno Riechelmann: Vom Ackerhof zum Großgut: Zwei Jahrhunderte wirtschaftlicher Entwicklung des Rittergutes Veltheim im Kreise Halberstadt, Leipzig 1926. 1966: 700 EinwohnerDie Volksstimme, Juli 1966. 1993: 500 Einwohner 2010: 460 EinwohnerIlsezeitung, Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Osterwieck, Januar/Februar 2011.
Geschichte mini|Blick über das Große Bruch vom Hessendamm auf Veltheim, dahinter der Große Fallstein mini|Kirche St. Johannis mit Wehrturm Veltheim ist ein typisches Haufendorf. Der Ortsname (auch Velten, Velthem, Veltum) deutet auf einen fränkischen Ursprung aus dem 7. bis 8. Jahrhundert hin. Das Gebiet Veltheims gehörte innerhalb des Stammesherzogtums Sachsen (Ostfalen) bis 814 zum Nordthüringgau und kam nach der durch den Fundationsbrief Kaiser Ludwigs des Frommen vom Jahre 814 veränderten Gaueinteilung zum Derlingau. Am 23. April 966 erfolgte zu Quedlinburg durch Otto I. die erste urkundliche Erwähnung des Ortes anlässlich einer Schenkung einer Vielzahl von Gütern des Derlingaues und des Nordthüringgaues an den vermutlichen Magdeburger BurggrafenAugust von Wersebe: Beschreibung der Gaue zwischen Elbe, Saale und Unstrut, Weser und Werra, Hannover 1829. Mamaco.Urkunde Otto I. vom 23. April 966 im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg.
Veltheim am Fallstein war der Stammsitz der Edlen von Veltheim, Grafen von Osterburg und Altenhausen.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon, Band 5, Leipzig 1839, S. 459–466. Einige Familienmitglieder der von Veltheim waren engste Vertraute und Gefolgsleute des Askaniers Albrecht der Bär (Werner III. von Veltheim war zudem Albrechts Schwager). Vor dem Hintergrund der von Albrecht dem Bären forcierten feudalen Ostexpansion – das Gebiet der Nordmark (Mark Brandenburg) betreffend – wurden etwa um 1180 Veltheimer Bauern in das Havelland umgesiedelt und dort der Ort Velten gegründet.Heinrich Harmjanz: Frühaskanische Landnahme im brandenburgischen Havelland (gezeigt am Beispiel des Glin), Berlin 1942.
Veltheim war Standort einer nicht mehr erhaltenen Burganlage. Sie befand sich im südlichen Teil des Dorfes und ist etwa auf das 11. bis 13. Jahrhundert zu datieren.Paul Grimm: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg, Berlin 1958.Friedrich Stolberg: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, Hildesheim 1968. Die zum oberen (südlichen) Teil des Dorfes führende Burgstraße sowie die unter Veltheimer Einwohnern gebräuchliche Bezeichnung auf der Burg (ostfälisch: op de Borch) für diesen Teil des Ortes deuten noch auf diese Befestigungsanlage hin. Am östlichen Rand des Dorfes – unterhalb der Burg – befand sich ein als Turmhof bezeichneter Adelshof. (1402: „der Hof worin der steinerne Turm steht, auch torbehove genannt“) 1232 verzichtete Siegfried von Osterburg aus der Familie derer von Veltheim zugunsten seines Lehnsherrn auf die Kirchen in Veltheim und Osterode am Fallstein und den Zehnt in zwei umliegenden Dörfern.Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt, Urkunde vor dem 31. Dezember 1232. Im Jahre 1289 verkaufte dann Graf Heinrich von Blankenburg den Turmhof an den Deutschen Orden.
Durch die Ortsmitte Veltheims führt ein frühmittelalterlicher Deitweg, welcher auch an dem Straßennamen Deitweg erkennbar ist (früherer Straßenname: Tiefweg). Diese Altstraße bildete einst die Verbindung zwischen dem Bischofssitz Halberstadt und der nur 10 km von Veltheim entfernt liegenden Königspfalz Werla bei Hornburg/Schladen und ist westlich von Veltheim (Richtung Hornburg) noch als Feldweg erhalten.
Durch Zusammenlegung des Turmhofes mit dem nördlich unmittelbar angrenzenden sogenannten Hagemann’schen Ackerhof im Jahre 1781 entstand der Wohn- und Wirtschaftshof des Rittergutes in seiner heutigen Form. Auf dem Areal des Turmhofes wurde 1784 das Herrenhaus errichtet. Der sich nach Süden hin anschließende Park (Amtsgarten) ist ebenfalls Bestandteil des Rittergutes. Um 1400 entstand das am Nordausgang des heutigen Dorfes gelegene Neudorf, das sogenannte Regendörp. Zu etwa dieser Zeit wurden die umliegenden Dörfer Linden (südöstlich von Veltheim) Bodingerode (südlich von Veltheim) und Steinen (oder Steinum – heute Steinmühle, westlich von Veltheim) aufgegeben. Das zweischiffige Langhaus der in der Dorfmitte befindlichen Kirche St. Johannis entstand 1569. Der Kirchturm dagegen ist deutlich älter und romanischen Ursprungs.
Infolge des Dreißigjährigen Krieges kam Veltheim 1648, zum Bistum Halberstadt gehörend, bei dessen Säkularisation zu Brandenburg-Preußen. Auf Geheiß Friedrich Wilhelms, dem Großen Kurfürsten erfolgte dann die Ansiedelung holländischer Bauern, weiterhin die Beschaffung holländischen Milchviehs, sowie Maßnahmen zur Trockenlegung des Großen Bruches. Am 5. April 1722 vernichtete ein Brand 78 Gehöfte – drei Viertel des Dorfes. Die betroffenen Höfe wurden daraufhin auf denselben Stellen wiedererrichtet. Die Ausdehnung des Dorfes nach Süden (vormalige Burg) und Westen durch Errichtung von Brinksitzer- und Anbauerhöfen erfolgte ab etwa 1700. Während der napoleonischen Besatzung gehörte Veltheim zum Departement der Saale des Königreiches Westphalen (1807–1813) und ging anschließend wieder zurück an Preußen.
Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war die Landwirtschaft Veltheims stark vom Zuckerrübenanbau geprägt. So gab es mehrere Zuckerfabriken in der unmittelbaren Umgebung (seit 1864 die Aktienzuckerfabrik Hessen, sowie weitere Fabriken in Hessendamm, Mattierzoll).
Von 1832 bis 1849 war Veltheim Standort der Station Nr. 20 der Preußischen optischen Telegrafenlinie, einem Kommunikationssystem zwischen Berlin und der Rheinprovinz.
Veltheim lag im unmittelbaren Grenzgebiet der deutsch-deutschen Grenze und war zwischen 1961 und der Grenzöffnung nur mit Sondergenehmigung zu erreichen. Eine Kompanie der Grenztruppen war zu jener Zeit im südlichen Teil des Dorfes stationiert. Der Betrieb der Bahnstrecke Heudeber–Mattierzoll, über die Veltheim seit 1898 erreichbar war, erfolgte ab 1961 nur noch bis Hessen und wurde 1969 ganz eingestellt.
Die Gemeinde Veltheim am Fallstein gehörte der Verwaltungsgemeinschaft Aue-Fallstein an. Durch den freiwilligen Zusammenschluss der sieben Mitgliedsgemeinden dieser Verwaltungsgemeinschaft zur neuen Einheitsgemeinde Aue-Fallstein am 11. September 2003 verlor Veltheim seine politische Selbstständigkeit.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003. Am 1. Januar 2010 fusionierte Aue-Fallstein mit den anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Osterwieck-Fallstein, der es später angehörte, zur neuen Stadt Osterwieck.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
Wappen Das Wappen wurde am 18. November 1938 durch den Oberpräsidenten der preußischen Provinz Sachsen verliehen.
Blasonierung: „In Rot zwei silberne Schrägrechtsbalken, belegt mit je drei roten sechsstrahligen Sternen.“
Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.
Literatur Dieter Robert Schoß, Robert Friedrich Schoß: Zwischen Großem Fallstein und Großem Bruch – Ländliches Leben im Kaiserreich. Karin Fischer Verlag, Aachen 2015, ISBN 978-3-8422-4322-4 (Ostfälisch und hochdeutsche Übersetzung).
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Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Harz Kategorie:Geographie (Osterwieck) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Harz) Kategorie:Ersterwähnung 814 Kategorie:Gemeindeauflösung 2003