Fadenwurminfektionen des Hundes – die Ansteckung (Infektion, auch Infestation) von Hunden mit parasitisch lebenden Fadenwürmern (Nematoda) – sind neben dem Bandwurmbefall und den Infektionen mit Einzellern (Giardiose, Neosporose) häufige Parasitosen in der tierärztlichen Praxis. Saugwurminfektionen sind dagegen seltener. Fadenwürmer besiedeln als sogenannte Endoparasiten („Innenschmarotzer“) verschiedene innere Organe – die meisten von ihnen den Verdauungstrakt – und die Haut. Bislang sind bei Haushunden etwa 30 verschiedene Fadenwurmarten nachgewiesen worden; sie sind im Wesentlichen auch bei wildlebenden Hundearten zu finden. Die Mehrzahl davon ruft aber bei erwachsenen Tieren häufig keine oder nur geringe Krankheitserscheinungen hervor. Die Infektion muss sich also nicht zwangsläufig auch in einer Wurmerkrankung (Helminthose) äußern. Für die meisten Fadenwürmer lässt sich eine Infektion durch eine Untersuchung des Kots auf Eier oder Larven nachweisen. Von gesundheitspolitischer Bedeutung ist in Mitteleuropa vor allem der Befall mit dem Hundespulwurm und dem Hundehakenwurm, da sie auch auf den Menschen übergehen können (Zoonose). Eine regelmäßige Entwurmung kann die Befallshäufigkeit und damit die Infektionsgefahr für Menschen und Hunde deutlich reduzieren.

mini|Der Hundespulwurm Toxocara canis – ein auch auf den Menschen übergehender Parasit. Zum Größenvergleich eine Münze mit einem Durchmesser von 23 mm.

Parasitosen des Verdauungstrakts Spulwurmbefall mini|Lebenszyklus von T. canis Bei Hunden treten zwei Spulwurmarten auf: Toxocara canis und Toxascaris leonina.

T. canis ist ein 8 bis 18 cm langer Fadenwurm, der im Dünndarm parasitiert (als Parasit lebt). Dort geben die erwachsenen Weibchen etwa 85 µm große ungefurchte Eier ab, deren Schale dick und rau (golfballähnlich) ist und die über den Kot in die Außenwelt gelangen. Der Zeitraum von der Infektion bis zur Eiablage (Präpatenz) beträgt je nach Infektionsweg und Alter des Hundes drei bis sechs Wochen. Für die Entwicklung benötigt T. canis keinen Zwischenwirt, die Ansteckung der Hunde kann aber über Sammelwirte wie Nagetiere und Vögel erfolgen. In Sammelwirten (paratenischen Wirten) kommt es zu keinem vollständigen Entwicklungszyklus der Parasiten, aber durch Mehrfachinfektionen können sich in ihnen infektiöse Stadien anreichern. Prinzipiell sind für T. canis drei Infektionswege möglich: Die perorale Infektion sowie die bei Welpen wesentlich häufigere transplazentare und galaktogene Infektion.

mini|Eier von T. canis Die perorale Infektion (Infektion über den Mund) erfolgt durch Aufnahme von Eiern aus der Umgebung oder von Larven aus Sammelwirten. Die Wurmeier sind erst etwa zwei Wochen nach der Ausscheidung über den Kot in der Außenwelt infektiös. In dieser Zeit entwickelt sich innerhalb der Eihülle das zweite Larvenstadium (Larve L2), welches – wie auch Larven aus Sammelwirten – bei der Verdauung im Dünndarm des neuen Wirtes freigesetzt wird. Diese Larven durchbohren die Darmwand und gelangen über die Pfortader in die Leber, wo die Entwicklung zur Larve L3 erfolgt. Über den Blutkreislauf wandert diese in die Lunge, wo sie hochgehustet und wieder abgeschluckt wird. Erst jetzt häuten sich die Larven zu den adulten Würmern. Bei ihrer Körperwanderung können die Larven auch in andere Organe, vor allem in die Skelettmuskulatur, gelangen und dort eine Gewebszerstörung hervorrufen. Häufig formen sie im Gewebe aber auch persistierende Stadien (Stadien, bei denen die Larven im Gewebe überdauern), welche für die beiden anderen Infektionswege wichtig sind.Barbara Hinney und Anja Joachim: Magen-Darm-Parasiten bei Hund und Katze. In: Kleintierpraxis 58 (2013), S. 256–278. Bei der transplazentaren Infektion (Infektion über den Mutterkuchen) wandern die persistierenden Larven L3 aus der Gebärmutter durch den Mutterkuchen (Plazenta) und infizieren die ungeborenen Welpen bereits im Mutterleib. Die galaktogene Infektion (Infektion über die Muttermilch) der Welpen erfolgt durch Ausscheidung der in der Milchdrüse persistierenden Spulwurmlarven über die Muttermilch während der Säugeperiode.Peter F. Suter und Reto Neiger: Askaridenbefall (Spulwürmer). In: Peter F. Suter und Barbara Kohn (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. Paul Parey, 10. Aufl. 2006, ISBN 978-3-8304-4141-0, S. 718.

mini|Embryonierte und damit infektiöse Eier von T. canis mini|Ei von T. leonina

T. leonina ist 6 bis 10 cm lang, die Eier sind etwa 80 µm groß und dickschalig. Im Gegensatz zu den Eiern von T. canis haben sie eine glatte Oberfläche. Die Ansteckung erfolgt peroral durch Aufnahme mit Eiern kontaminierter (verunreinigter) Nahrung oder über Sammelwirte wie Nagetiere, Vögel, Reptilien oder Gliederfüßer. Die Präpatenz beträgt 7 bis 10 Wochen.

In einer deutschen Studie wurde T. canis in einer Häufigkeit (Prävalenz) von 22,4 %, T. leonina nur bei 1,8 % der Haushunde nachgewiesen.D. Barutzki und R. Schaper: Endoparasites in dogs and cats in Germany 1999–2002. In: Parasitol Res. 90 (2003), Suppl. 3, PMID 12928886, S. 148–150. In Österreich wurde für T. canis eine Prävalenz von 5,7 %, für T. leonina von 0,6 % ermittelt.Heinrich Prosl: Wie viele Würmer hat der Hund. Helminthologische Fachgespräche 2006, Wien. () Beide Spulwürmer kommen weltweit vor. Eine tschechische Studie zeigt große Unterschiede in der Prävalenz je nach Lebensverhältnissen: 6 % der Hunde in privater Haltung in Prag, 6,5 % der Tierheimhunde und fast 14 % der Hunde aus ländlichen Gebieten waren mit T. canis infiziert. Darüber hinaus wurde ein Anstieg der Prävalenz im Herbst aufgezeigt.S. Dubná et al.: The prevalence of intestinal parasites in dogs from Prague, rural areas, and shelters of the Czech Republic. In: Vet. Parasitol. 145 (2007), PMID 17169492, S. 120–128. Haushunde in Belgien zeigten für T. canis eine mittlere Befallshäufigkeit von 4,4 %, solche aus größeren Zwingerhaltungen von bis zu 31 %.E. Claerebout et al.: Giardia and other intestinal parasites in different dog populations in Northern Belgium. Vet Parasitol. 2008 (in Druck). PMID 19155136 Bei Haushunden in Serbien war T. canis bei 30 % der Tiere nachweisbar, bei Hüte- und Jagdhunden in Griechenland bei 12,8 % und T. leonina bei 0,7 % der Tiere.M. Papazahariadou et al.: Gastrointestinal parasites of shepherd and hunting dogs in the Serres Prefecture, Northern Greece. In: Vet Parasitol. 148 (2007), PMID 17573197, S. 170–173. In einer Studie aus dem Jahr 2024 wurde festgestellt, das die Prävalenz von T. leonina in einigen Regionen Eurasiens vermutlich deutlich höher ist als bislang angenommen. Hier ließen sich in knapp 54 % der Kotproben T. leonina und in knapp 15 % Toxocara spp. nachweisen.C. Bauer et al.: Toxascaris leonina in dogs - A nematode species of high prevalence in some regions of Eurasia. In: Veterinary parasitology, regional studies and reports. Band 48, Februar 2024, S. 100986, doi:10.1016/j.vprsr.2024.100986, PMID 38316504.

In Kanada wurde für T. canis eine Prävalenz von 3,9 % ermittelt, im Nordosten der USA von 12,6 %.B.L. Blagburn et al.: Prevalence of canine parasites based on fecal flotations. In: Compend. Cont. Educ. Pract. Vet. 18 (1996), S. 483–509. In Australien wurde T. canis bei 38 % der Haushunde nachgewiesen, bei Tieren innerhalb des ersten Lebensjahrs sogar bei 73 %. In Brasilien ließ sich T. canis bei etwa 9 % der Haushunde nachgewiesen, in Thailand bei 7,4 %. In Nigeria wurde T. canis in einer Häufigkeit von 9 % beobachtet, T. leonina nur in einer von 0,6 %O.A. Sowemimo und S.O. Asaolu: Epidemiology of intestinal helminth parasites of dogs in Ibadan, Nigeria. In: J Helminthol. 82 (2008), PMID 18053301, S. 89–93., in Gabun waren 58,5 % der Haushunde mit T. canis infiziert.B. Davoust et al.: Epidemiological survey on gastro-intestinal and blood-borne helminths of dogs in north-east Gabon. In: Onderstepoort J. Vet. Res. 75 (2008), PMID 19294992, S. 359–364. Bei Wölfen, die in der gemäßigten Klimazone leben, ist dagegen T. leonina der häufigste Darmfadenwurm überhaupt (Prävalenz 74 %).H.L. Craig und P.S. Craig: Helminth parasites of wolves (Canis lupus): a species list and an analysis of published prevalence studies in Nearctic and Palaearctic populations. In: J. Helminthol. 79 (2005), PMID 17169492, S. 95–103. Untersuchungen am Rotfuchs in Südengland zeigten eine Prävalenz von 56 % (T. canis) bzw. 1,5 % (T. leonina)D.T. Richards et al.: Epidemiological studies on intestinal helminth parasites of rural and urban red foxes (Vulpes vulpes) in the United Kingdom. In: Vet Parasitol. 59 (1995), PMID 7571336, S. 39–51., in Dänemark von 59 bzw. 0,6 %. Füchse stellen damit ein natürliches Erregerreservoir dar.

Während die Infektion mit T. leonina nur sehr selten klinische Erscheinungen wie Durchfall hervorruft, ist die krankheitsauslösende (pathogene) Wirkung von T. canis deutlich stärker. Bei Welpen treten ein herabgesetztes Allgemeinbefinden, struppiges Fell, Zurückbleiben im Wachstum, abwechselnd Durchfall und Verstopfung, ein aufgetriebener Bauch („Wurmbauch“) und Blutarmut auf. Komplikationen des T.-canis-Befalls mit teilweise tödlichem Ausgang sind Darmverschluss durch Wurmknäuel, Dünndarmdurchbruch, Lungenentzündung, Leberentzündung oder neurologische Erscheinungen durch verirrte Wanderlarven im Zentralnervensystem.

Die Diagnose kann bei Würmern in Erbrochenem bereits ohne Spezialuntersuchungen gestellt werden. Relativ sicher kann ein Spulwurmbefall durch den mikroskopischen Nachweis der über das Flotationsverfahren aus dem Kot herausgelösten Eier nachgewiesen werden, allerdings erst nach Ablauf der Präpatenz.

Hakenwurmbefall (Ankylostomyasis) mini|A. caninum auf der Darmschleimhaut mini|Ei von A. caninum Bei Hunden kommen vor allem zwei Hakenwurmarten vor: Ancylostoma caninum und Uncinaria stenocephala. Sie parasitieren im Dünndarm und verursachen durch das Saugen von Blut eine Blutarmut sowie Schädigungen der Darmschleimhaut.Peter F. Suter und Reto Neiger: Hakenwurmbefall, Ankylostomyasis (Ancylostomum caninum, Uncinaria stenocephala). In: Peter F. Suter und Barbara Kohn (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. Paul Parey, 10. Aufl. 2006, ISBN 978-3-8304-4141-0, S. 718–719. Die Würmer haben mit etwa 5–15 mm nur etwa ein Zehntel der Länge von Spulwürmern, ein hakenförmig abgewinkeltes Vorderende (daher der Name „Hakenwurm“) und eine große Mundkapsel mit Schneidplatten.

Weibchen von A. caninum geben etwa 65×40 µm große Eier ab, die bei der Ablage bereits 4–10 Furchungstadien aufweisen. Sie sind oval und dünnschalig und gelangen über den Kot in die Außenwelt. Die Präpatenz beträgt zwei bis vier Wochen. Die aus den Eiern freiwerdenden Larven können sich durch die Haut in einen neuen Wirt bohren (perkutane Infektion) oder peroral aufgenommen werden – zumeist über Sammelwirte wie Nagetiere. Wie bei T. canis ist eine Ansteckung der Welpen auch über die Muttermilch möglich (galaktogene Infektion). Die in der Milchdrüse ruhenden Larven können nach einmaliger Infektion einer Hündin über einen Zeitraum von bis zu drei Säugeperioden ausgeschieden werden.

Die Eier von U. stenocephala ähneln denen von A. caninum, haben mit 85×45 µm aber eine größere Längsachse. Die Infektion erfolgt ausschließlich über die perorale Aufnahme von Larven über kontaminiertes Futter beziehungsweise Sammelwirte.