mini|Llangollen: Kanalhafenbecken

Der Llangollen-Kanal ist ein Narrowboat-Kanal in England und Wales.

Sowohl aus touristischer als auch aus industriegeschichtlicher Sicht gilt er als der eindrucksvollste Kanal in England und Wales. Der Kanal beginnt an der Hurleston Junction, der Kanalkreuzung mit dem Shropshire-Union-Kanal bei Nantwich, und endet nach 73 km und 21 Schleusen, darunter der dreifachen Koppelschleuse bei Grindley Brook, sowie zwei Kanalbrücken und drei Kanaltunneln in den walisischen Bergen bei Llangollen an den Horseshoe Falls, einem Wehr am Fluss Dee. Die heutige Bezeichnung als Llangollen-Kanal soll mehr (Boots-)Touristen nach dem bekannten Llangollen locken, denn eigentlich handelt es sich bei dem heutigen Llangollen-Kanal nur um den zentralen Abschnitt des Ellesmere-Kanals, der später Teil des Shropshire-Union-Kanal-Netzwerks wurde.

Geschichte Der Ellesmere-Kanal sollte den Mersey bei Netherpool (heutiger Name Ellesmere Port) mit dem Fluss Dee verbinden und von dort über Overton (südlich von Wrexham) zum Severn bei Shrewsbury führen. Geplant war, die Eisenhütten und Kohlegruben bei Bersham zwischen Wrexham und Ruabon zu verbinden und den Kanal bis nach Llanymynech zu führen, wo Anschluss an den projektierten Montgomeryshire-Kanal erfolgen sollte. Es gab Vorschläge, eine westlichere Route vom River Dee zum River Severn, die die Industriegebiete um Ruabon passierte, zu bauen. Letztlich jedoch wurde diese Route gewählt, die sowohl zwei Aquädukte als auch zwei Kanaltunnel erforderte, nämlich Pontcysyllte-Aquädukt und Chirk-Aquädukt sowie Chirk-Tunnel und Whitehouses-Tunnel.

Der Ellesmere-Kanal wurde nicht wie geplant gebaut. Nur der zentrale Abschnitt zwischen Trevor und Lower Frankton entstand. Dieser zentrale Abschnitt wurde westlich von Trevor nach Llangollen zum Horseshoe Falls fortgeführt. Dieser Abschnitt dient zugleich der Wasserversorgung. Außerdem wurde der Kanal ostwärts von Frankton Junction über Ellesmere und Whitchurch nach Hurlestone Junction bei Nantwich geführt, zum Anschluss an den seinerzeit noch rivalisierenden Chester-Kanal.

Die Betreibergesellschaften des Ellesmere- und des Chester-Kanals fusionierten 1813. Ein weiterer Zusammenschluss im Jahr 1845 mit der Gesellschaft des Birmingham und Liverpool Junction-Kanals und der Bildung der Shropshire-Union-Eisenbahn-und-Kanal-Gesellschaft führte ein Jahr später zur Bildung des Shropshire-Union-Kanal-Netzwerkes.

Niedergang mini|Pontcysyllte-Aquädukt

Der kommerzielle Verkehr brach 1936 nach einem Bruch des Kanals bei Newtown, Powys, ab, heute ein Teil des restaurierten Montgomery-Kanals. Um 1939 kam auch der Verkehr zwischen Hurleston und Llangollen zum Erliegen. Der Kanal, der mittlerweile der London, Midland and Scottish Railway-Eisenbahngesellschaft gehörte, wurde aufgrund einer Initiative dieser Gesellschaft 1944 geschlossen. Der Llangollen-Kanal überlebte nur, weil das an den Horseshoe Falls aus dem Dee entnommene und über den Kanal nach Osten zum Hurleston Reservoir geleitete Wasser die wesentliche Wasserzuleitung des Shropshire-Union-Kanals darstellte. Heute steht der Kanal unter der Verwaltung des Canal and River Trust (CRT).Damien Gayle, Shropshire canal breach caused by collapse of artificial embankment. Guardian, 23/12/2025

Renaissance Im späten 20. Jahrhundert wurde die Freizeitschifffahrt auf den englischen Narrowboat-Kanälen immer beliebter. Der Llangollen-Kanal mit seinen Aquädukten in der walisischen Bergwelt ist bei Touristen sehr beliebt.

Dammbruch am 22. Dezember 2025

mini|1. Klappbrücke2. Temporäre Absperrungen3. Trockengelaufener Bereich4. Bereich des Dammbruchs In den frühen Morgenstunden des 22. Dezember 2025 ereignete sich in der Nähe von Whitchurch bei der New Mills Lift Brücke brach ein ca. 50 m langes Stück des in diesem Bereich als Damm ausgeführten Kanals war weg, ca. 4,5 Millionen Liter Wasser ergossen sich in die tiefergelegene Ebene. Nachts ging man zunächst noch von einem Erdfall ausTom Quinn, Ten people rescued after boats pulled into sinkhole in Shropshire canal. Guardian, 22.12.2025, bei Tageslicht wurde klar, dass die östliche Dammseite gebrochen war.Boaters take stock after Christmas canal collapse BBC vom 27. Dezember 2025, Chloe Hughes, abgerufen am 30. Dezember 2025. Zum Zeitpunkt des Unglücks lagen drei Narrowboats vor Anker. Die Bewohner dieser Boote konnten evakuiert werden. Abgerufen am 30. Dezember 2025. Der CRT ließ die Unglücksstelle zwischen den Brücken 31A und 28 (Schleuse 6 Grindley Brook Locks) für den Schiffverkehr sperren. Die Bruchstelle wurde zu beiden Seiten temporär abgedichtet und mit leergepumpt, um die Schäden zu begutachten und eine weitere Aufweichung des Dammes durch nachfließendes Wasser zu verhindern. Am 12. Januar 2026 wurden erste Baugeräte eingebracht, auch um die eingestürzten Spundwände zu beseitigen. Im gleichen Zeitraum konnten bei einer Spendenaktion mehr als  £ als Hilfe für die gestrandeten Bootseigner gesammelt werden. Nach ersten Schätzungen im Januar 2026 werden sich die Reparaturkosten auf mehrere Millionen Pfund belaufen und die Reparatur sich wahrscheinlich über das ganze Jahr ziehen. Der wirtschaftliche Schaden bis zur Wiederschiffbarmachung wurde ebenfalls auf mehrere Millionen geschätzt. Am 13. Januar 2026 wurde damit begonnen, die trockengefallenen Boote auszuhieven. Eines davon ist unbeschädigt und konnte über eine temporär angelegte Schleuse wieder flottgemacht werden. Der Canal and River Trust, der die Reparatur- und Bergungsarbeiten leitet, will die beschädigten Boote mit großen Kranen ausheben. Die größte Herausforderung ist der Zugang mit Baumaschinen zum Kanal. Das Team hat um eine Notfall-Sperrung der nahe gelegenen A41 gebeten und muss dann mit seinen Maschinen über Ackerland fahren, bevor es den Kanal erreicht. Ein Sprecher der CRT sagte hierzu:

Um die verbleibenden zwei Boote von der Unglücksstelle zu bergen wurden mittels eines Schreitbaggers zunächst die Abbruchkanten gesichert und dann vom Grund des weggespülten Bodens eine Erdrampe als Gleitbahn angelegt über die die Boote mithilfe mehrerer Seilgroßwinden auf den unbeschädigten Teil des Kanals im Norden gezogen wurden. Da sie, entgegen ersten Vermutungen, doch noch schiffbar waren, wurde mit einer zweiten Absperrung eine Art Schleuse errichtet und diese dann geflutet, so dass die Boote abgeschleppt werden konnten. Nach Abschluss weiterer Untersuchungen der Unglücksstelle und des Bodens wurde mit weiteren Sicherungsmaßnahmen begonnen. Ende März wurde südwestlich der Unglücksstelle im Bereich der Kanalverzweigung mit der Errichtung einer Bauzugangs- und -bewegungsfläche begonnen, über die dann die Anlieferung von Baumaschinen und -material erfolgt.

Am 31. März 2026 veröffentlichte der CRT sein erstes Ergebnis zur Ursache des Dammbruches:

Nach der Herstellung der Baustelleneinrichtung und einer provisorischen Zufahrt von Westen her über die Umgehungsstraße Whitchurch Bypass wurde Anfang Mai damit begonnen die überflutete Fläche vom angespülten Sediment zu befreien um den ursprünglichen Zustand der Wiesenfläche wiederherzustellen.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kanal in England Kategorie:Kanal in Europa Kategorie:Kanal in Wales Kategorie:Gewässer in Cheshire East Kategorie:Gewässer in Shropshire (Unitary Authority)