Der Zoo Leipzig ist ein parkartig gestalteter Zoologischer Garten am Rosental, nordwestlich der Leipziger Innenstadt (Ortsteil Zentrum-Nordwest). Seit 2000 wird der Zoo großflächig unter dem Projektnamen Zoo der Zukunft umgebaut und erweitert. Bis 2028 (zum 150-jährigen Jubiläum des Zoos) soll ein Umbau in einzelnen Themenbereichen erfolgen. Laut des Sheridan-Zoo-Rankings des Briten Anthony Sheridan belegt der Zoo Leipzig bereits seit mehreren Jahren Platz zwei der besten Zoos in Europa (nach dem Tiergarten Schönbrunn) und Platz eins innerhalb Deutschlands.

Geschichte Gründungszeit unter Ernst Pinkert mini|links|Gründeraktie der AG Zoologischer Garten vom 15. Juli 1899 mit Unterschrift vom Zoogründer Pinkert. mini|Ernst Pinkert (um 1906) mini|Der Zoologische Garten in den 1880er-Jahren mini|Samojeden als Völkerschau 1882

Der Leipziger Zoo wurde am 9. Juni 1878 durch den Leipziger Gastwirt Ernst Pinkert (1844–1909) als privater zoologischer Garten auf dem Ratsgut Pfaffendorf gegründet (als 23. Tiergarten in Europa).

Pinkert war seit 1873 Inhaber der Restauration Zum Pfaffendorfer Hof und stellte hier schon seit 1876 mit seinem Partner, dem Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck, als publikumslockende Attraktion exotische Tiere aus. In dieses Jahr fiel auch der Baubeginn des Alten Raubtierhauses, welches bis in die 1990er Jahre bestand. Im noch jungen Leipziger Zoo wurde erstmals in Deutschland ein Borneo-Orang-Utan der Öffentlichkeit gezeigt. 1883 wurde das Zooareal auf drei Hektar erweitert.

Von der Gründungszeit des Zoos bis 1931 wurden auf dem Gelände des Leipziger Zoologischen Gartens etwa 40 Völkerschauen veranstaltet. Zwischen dem Raubtierhaus und dem Robbenbecken richtete Pinkert eine „Völkerwiese“ ein. Später ließ er daneben eine mit Urwaldkulisse ausgestattete „Völkerbühne“ aufbauen. Die Ausstellung von Menschen fremder Völker, darunter Kalmücken, Kirgisen, Samojeden und Suaheli, wurde zum festen Bestandteil des Zoobetriebs.Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialismus hierzulande. Eine Spurensuche in Deutschland. Sutton Verlag, 2007, S. 55. 1894 entwickelte Pinkert die Schau „Lebende Bilder“. Dabei stellte eine Gruppe Suaheli bekannte Gemälde nach, unter anderem die „Mohrenwäsche“ von Carl Joseph Begas.Alexander Honold: Ausstellungen des Fremden – Menschen- und Völkerschau um 1900. In: Sebastian Conrad, Jürgen Osterhammel (Hrsg.): Das Kaiserreich transnational. Deutschland in Der Welt 1871–1914. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, S. 180. 1897 stellte der Leipziger Zoo nackte Samoanerinnen aus, von denen sich auch der damals 14-jährige Joachim Ringelnatz beeindruckt zeigte.Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Die Zurschaustellung »exotischer« Menschen in Deutschland 1870–1940. Campus, Frankfurt am Main 2005, S. 172.

Am 1. Januar 1899 wurde das Privatunternehmen in die Aktiengesellschaft Zoologischer Garten zu Leipzig umgewandelt. Durch die neuen Gelder konnten 1900/01 das Neue Raubtierhaus, das Affenhaus und das Verwaltungsgebäude errichtet werden.

Am 28. April 1909 starb Ernst Pinkert. Sein Nachfolger wurde der Westfale Johannes Gebbing, der mit dem Bau des Aquariums (1910) und dem Anbau des Terrariums (1913) neue Arten in den Leipziger Zoo brachte.

Entwicklung im 20. Jahrhundert mini|Wertmarke des Zoologischen Gartens von 1921 Der Erste Weltkrieg brachte den Zoo in Bedrängnis. Viele Mitarbeiter, so auch Zoodirektor Johannes Gebbing, wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Fleisch, Getreide und Brot wurden rationiert und eine große Anzahl von Tieren starb an Mangelernährung oder wurde an die hungernde Stadtbevölkerung verfüttert. Die Folge waren viele verwaiste Gehege und dramatisch zurückgehende Besucherzahlen, fast alle Bereiche waren vom Mangel gezeichnet. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden das Restaurant zur Kaserne und der Konzertgarten zum Exerzierplatz und an vielen Gebäuden schritt der Verfall fort. So war die Aktiengesellschaft im November 1918 mit 770.000 Mark verschuldet. Am 1. Januar 1920 wurde der Zoologische Garten dem Grundstücksamt der Stadt Leipzig unterstellt, um zumindest das Nötigste schnell wieder instand zu setzen.Mustafa Haikal: Die Wechselfälle der Zeit. Der Umbau des Zoos. In: Auf der Spur des Löwen. 125 Jahre Zoo Leipzig. S. 111–117.

Als neue Einnahmequelle erwies sich die Verleihung von Tieren an Filmproduktionen, in denen selbst der Direktor des Zoos mitspielte, damit die Tiere eine Vertrauensperson hatten. Zwischen 1920 und 1935 wurde das Gelände auf 12,5 Hektar erweitert. Der nach seiner Tätigkeit als Leipziger Stadtbaurat ab 1924 ehrenamtlich für den Zoo tätige Architekt Carl James Bühring ergänzte das Wegesystem um zwei große Achsen und errichtete in der für ihn typischen Klinkerbauweise zahlreiche noch heute für den Leipziger Zoo typische Bauten.Sandra Miehlbradt: Der vergessene Stadtbaukünstler Carl James Bühring. In: Leipziger Stadtgeschichte. Jahrbuch 2012. Sax-Verlag, Markkleeberg 2013, ISBN 978-3-86729-118-7, S. 187–214. Unter anderem entstanden das Dickhäuterhaus (1926) und die Bärenburg (1929) sowie die terrassenartige Außenanlage für die Großkatzen des Neuen Raubtierhauses. Es folgten 1934 die Rhesus- und Paviananlage mit der Pinguinanlage auf der Rückseite. Seit 1935 existiert der Tierkindergarten.

Am 20. Mai 1926 wurde das von Hubert Ritter erbaute Planetarium eröffnet; das auf dem Gelände des Zoos gelegene, aber von außerhalb zugängliche Gebäude an der Ecke Pfaffendorfer Straße/Kickerlingsberg wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut.

mini|Löwen-Festzug 1939 1938, im 60. Jahr des Bestehens des Zoos, feierte Leipzig am 27. Februar (ein Tag vor Rosenmontag) ein Stadtfest unter dem Motto „In Leipzig ist der Löwe los“, das ganz im Zeichen des Zoos und seiner Löwenzucht stand. Höhepunkt war ein Löwen-Festzug, der von der Bevölkerung begeistert aufgenommen wurde.In Leipzig ist der Löwe los. In: Leipziger Jahrbuch 1939, Verlag Otto Bener, S. 182.

Der kriegsbedingt geschlossene Zoologische Garten wurde bereits am 6. Mai 1945 wieder eröffnet und das Gelände schon 1947 auf 16 Hektar vergrößert.

Im Jahr 1973 wurde dem Leipziger Zoologischen Garten die Führung des Internationalen Tigerzuchtbuchs übertragen, das seit 1976 jährlich veröffentlicht wird und zu den umfangreichsten für eine bedrohte Tierart zählt. Mit 342 Geburten von Amurtigern in 50 Jahren ist der Leipziger Zoo der erfolgreichste Züchter.

Im Jahr 1976 wurde das aus drei großen Freianlagen für Rinder, Kamelartige und südamerikanische Tiere bestehende Zooschaufenster fertiggestellt. Ein breites Grabensystem ermöglichte eine mauerlose Abgrenzung. In das benachbarte Rosental wurde es landschaftlich nahtlos eingebunden. Der Zoo umfasste nun 22,5 Hektar.

Am 23. Juni 1982 wurde das Menschenaffenhaus eröffnet, das im Rahmen der Bauarbeiten für das Pongoland 1999 abgerissen wurde. Im Jahr 1986 wurde vom Zoo das Internationale Zuchtbuch für die Anoas eingerichtet, das seitdem auch von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Zoos geführt wird.

1979 fand auf dem Gelände des Zoos ein Pleinair von Bildhauern der DDR und ab 1981 ein Internationales Bildhauer-Pleinair statt.Bildende Kunst, Berlin, 10/1981, S. 488/489

1991 erhielt der Zoo den Status eines städtischen Regiebetriebs. Seit dem 1. Januar 1995 war er Eigenbetrieb im Dezernat Kultur der Stadt Leipzig, im Jahr 2000 wurde er in eine GmbH umgewandelt, deren Gesellschafterin mit 100 % der Geschäftsanteile die Stadt Leipzig ist.

„Zoo der Zukunft“ seit 2000 1998 nahm ein Planungsteam des Zoos die Arbeiten zu einem neuen Gesamtkonzept für den Zoo auf, die am 14. Juni 2000 zu einem einstimmigen Stadtratsbeschluss für das Konzept „Zoo der Zukunft“ führten. Dieses Konzept sieht vor, den Zoo in einen Naturerlebnispark mit sechs Themenbereichen (Afrika, Asien, Südamerika, Gründer-Garten, Pongoland, Gondwanaland) umzugestalten. Seine Umsetzung begann mit der Gründung der Zoo Leipzig GmbH am 1. August 2000.Jörg Junhold: Visionen und Projekte. Der Aufbruch zum Zoo der Zukunft. In: Auf der Spur des Löwen. 125 Jahre Zoo Leipzig. S. 241–247.

Von 2001 bis 2011 gab es in diesem Zusammenhang mehrere Neueröffnungen und Modernisierungen von Anlagen: Die Löwensavanne Makasi Simba wurde am 8. Februar und die Menschenaffenanlage Pongoland am 2. April 2001, unter Beisein des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, die den Hauptanteil der Finanzierung des Großprojektes getragen hatte, der Öffentlichkeit übergeben. Im Herbst wurde die neue Erdmännchen-Anlage gegenüber den Rosental-Freianlagen eröffnet. Das Neue Raubtierhaus von 1902, Heimstätte der weltberühmten Leipziger Löwenzucht, aus der über 2300 Löwen hervorgingen, wurde 2002, 100 Jahre nach seiner Eröffnung, als Entdeckerhaus Arche wiedereröffnet. Außerdem wurde im Jahre 2002 die Lippenbärenschlucht auf dem Gelände der ehemaligen Gibboninsel im Staudengarten eingeweiht. 2003 zogen die Amurtiger von der alten „Tigerfarm“ in ihre neu eröffnete Anlage, die Tiger-Taiga, am Großen Hirschhaus ein. Am 2. April 2004 erfolgte die Eröffnung der Kiwara-Savanne mit angeschlossener Tüpfelhyänen-Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Rosental-Freianlagen. 2005 wurde der kleine Flugkäfig entlang der Zooachse als Asiatische Freiflugvoliere ausgebaut und denkmalgerecht saniert. Nach kurzer Bauzeit entstand im Auwald die Okapianlage, die 2008 um eine zweite Anlage erweitert wurde. Am 1. April 2006 wurde der Elefantentempel Ganesha Mandir nach mehrjähriger Bauzeit eröffnet. 2007 begann die zweite Bauphase auf dem Weg zum „Zoo der Zukunft“. Sie umfasst die Errichtung der Riesentropenhalle Gondwanaland, die am 1. Juli 2011 eröffnet wurde.

Im Jahr 2006 hielt die World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) ihre Jahreskonferenz im Zoo Leipzig ab.

Als dritter deutscher Zoodirektor überhaupt trat Zoodirektor Jörg Junhold im Jahr 2011 das Amt des Präsidenten der World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) an.

2012 wurde ein überarbeiteter Masterplan mit einem Investitionsvolumen von 56,5 Mio. Euro veröffentlicht, der den Umbau des Zoos zunächst bis 2022 regelt.http://www.zoo-leipzig.de/ Der ambitionierte Plan ließ sich jedoch auf Grund steigender Baukosten sowie anderer Probleme nicht in diesem Zeitrahmen umsetzen. Es wird jetzt mit einer Fertigstellung bis 2027 gerechnet. Folgende Projekte waren vorgesehen: Neue Gehege für Amurleoparden; neuer Ausgangsbereich mit begehbarer Flamingovoliere (2014 fertiggestellt). Umbau der Bärenburg zum Spielplatz mit Café (2015); neue Nashornanlage als Teil der Kiwara-Savanne für die Ostafrikanischen Spitzmaulnashörner, Südafrikanische Geparde und Husarenaffen (2015); Umnutzung des Tieraffenhauses für Koalas; Brunnenbau auf dem Aquariumsvorplatz (2016). Hochgebirgsanlage „Himalaya“ für Schneeleoparden, Greifvögel und Kleine Pandas, Restaurierung des Großen Flugkäfigs als Teil dieses Komplexes (2017); Südamerikabereich mit Gehegen für Ameisenbären, Mähnenwölfe, Guanakos, Nasenbären etc. (2018). Sanierung des Aquariums (2022) und des Terrariums (2025) Begehbare Pinguinanlage und Robbenanlage mit Wellenanlage, Unterwassertunnel mit 360°-Sicht „Feuerland“ (2026) Asiatische Inselwelt mit Burma-Leierhirschen, sibirischen Moschustieren, Bartaffen und Rothunden; neue Volieren für Kraniche und Loris; Anlage für afrikanische Wildhunde neben dem Löwenhaus; „Sulawesi-Anlage“ für Hirscheber und Tiefland-Anoas; Erweiterungen Okapi-Wald und Streichelkral (2027–2028).

Artenschutz und Erhaltungszucht Der Leipziger Zoo beteiligt sich seit Jahrzehnten aktiv an der Erhaltungszucht gefährdeter Spezies. Im Zoo Leipzig werden vier Internationale Zuchtbücher (ISB) geführt sowie sieben Europäische Erhaltungszuchtprogramme (EEP) koordiniert: