Ein Offener Kanal bezeichnet einen Hörfunk- oder Fernsehsender, dessen Programm Bürger gestalten und verantworten. Die Offenen Kanäle gehören meist als nichtkommerzieller Lokalfunk zum Bereich der Bürgermedien. In einigen Ländern gibt es die Bezeichnung Bürgerfunk bzw. Bürgerrundfunk, die aber im deutschsprachigen Raum nicht flächendeckend synonym für den Offenen Kanal ist (z. B. in Nordrhein-Westfalen ein völlig unabhängiges Modell zur Bürgerbeteiligung bezeichnet).
Allgemeines Die jeweilige Landesmedienanstalt stellt in Deutschland die erforderliche Infrastruktur, Produktionstechnik, Räumlichkeiten und passende Bildungsangebote meist kostenfrei oder gegen ein geringes Nutzungsentgelt oder Unkostenbeiträge zur Verfügung. Ziel des Systems der Offenen Kanäle ist es, die Rundfunklandschaft aus öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk um eine dritte Säule der Medienvielfalt zu ergänzen. In Deutschland tragen die Landesmedienanstalten und/oder örtliche Trägervereine die Kosten, somit werden diese teilweise aus Rundfunkgebühren finanziert.Die offenen Kanäle in Hessen, Hamburg und Schleswig-Holstein erhalten z. B. je rund 1 % der vom ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice vereinnahmten Rundfunkgebühren
Da Fernsehtechnik erschwinglicher geworden ist, können viele ehrenamtliche Bürgergruppen und Amateurfilmer ihre Beiträge heute komplett selbständig produzieren. Sie nutzen die nicht-kommerziellen Offenen Kanäle als zusätzlichen Verbreitungsweg und finanzieren ihre Redaktionsarbeit eigenständig.
Die Qualität der Programme und damit die gesellschaftliche Akzeptanz unterscheidet sich je nach Sender. Daher wird derzeit in vielen deutschen Bundesländern die Struktur der Offenen Kanäle stärker an die Aufgabenbereiche lokaler Berichterstattung sowie Aus- und Fortbildung angepasst. Die örtlichen Träger erhalten häufig mehr Freiheiten, um die ausgestrahlten Inhalte stärker zu strukturieren und ein attraktives Bürgerprogramm zu gestalten. Mehrere Offene Kanäle senden sowohl ein Radio- als auch ein Fernsehprogramm, einige sind entweder nur im Radio oder nur im Fernsehen zu empfangen.
Im Ausland gibt es beispielsweise in Luxemburg, Dänemark, Australien, Südkorea, Brasilien, Fidschi und Belgien Offene Kanäle.
Geschichte
Offene Kanäle entstanden in Deutschland im Zusammenhang mit der Einführung privat-kommerziellen Rundfunks ab 1984 und als Gegenbild dazu. Ausgangspunkt der durch die Expertenkommission Offener Kanal getragenen Diskussion seit Ende der 1970er Jahre sind die Erfahrungen mit Public Access Channels in den USA. Der Name „Offener Kanal“ wurde von einem nichtkommerziellen lokalen Fernsehsender in Wil (Schweiz) übernommen.
Als Graswurzelbewegung entstanden Offene Kanäle auch als Folge der „Entdeckung“ des Begriffs Medienkompetenz. So sollten die Bürger selbst wissen, wie Rundfunkmedien funktionieren und mit eigenen Sendungen zur Meinungsvielfalt beitragen. In einigen deutschen Bundesländern gab es Bestrebungen, die Offenen Kanäle abzuschaffen und durch privatwirtschaftliche Ausbildungssender zu ersetzen. So wurde der Offene Kanal im Saarland im März 2002 eingestellt, in Hamburg wurde der dortige Offene Kanal durch das die an die Hamburg Media School angeschlossene TIDE GmbH mit einem Radio- (Tide 96.0) und einem Fernsehprogramm (Tide TV) ersetzt. Auch die Bundesländer Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern haben keine Offenen Kanäle.
In Bayern gibt es im klassischen Sinne keine Offenen Kanäle (Bürgerfernsehen/Bürgerradio), wie sie in anderen Bundesländern existieren. Stattdessen setzt Bayern auf ein System aus privaten Lokalfernseh- und Hörfunkprogrammen sowie von der BLM geförderte Bürgermedienprojekte.
Situation der Bürgermedien in Bayern:
Lokalsender: Es gibt eine Vielzahl lokaler Fernseh- und Radiosender, die aus der Region für die Region berichten. Bürgermedienprojekte: Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) fördert Projekte, bei denen Bürger Medieninhalte gestalten können, jedoch nicht in der Form von klassischen Offenen Kanälen. Alternative Formen: Anstelle von Offenen Kanälen existieren in Bayern Projekte wie Ausbildungskanäle oder Beteiligungsformate bei Lokalradios.
In Deutschland gab es Ende 2015 im Fernsehen 46 Offene Kanäle. Viele öffentliche Kanäle senden inzwischen auch auf dem 2005 gegründeten Videoportal Youtube.
Zugangsberechtigte Nutzergruppen Nicht jeder der Offenen Kanäle Deutschlands steht allen Bürgern offen, dies ist lediglich bei den offenen Kanälen in Berlin und in Sachsen-Anhalt der Fall. Die Offenen Kanäle in Nordrhein-Westfalen,Nutzungsregelung bei nrwision, Abs. 2. Schleswig-Holstein,OK-Satzung Schleswig-Holstein, § 2 Abs. 1. Rheinland-PfalzSatzung der Landeszentrale für Medien und Kommunikation für Offene Kanäle in Rheinland-Pfalz (OK-Satzung) vom 27. Juni 2005, § 5 Abs. 2 und Mecklenburg-VorpommernSatzung der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern (LRZ) zur Gestaltung, Durchführung und Finanzierung der Offenen Kanäle in Mecklenburg-Vorpommern", § 3 Abs. 1. sind nur Nutzern mit Wohnsitz im jeweiligen Bundesland zugänglich. In Hessen ist der Zugang auf Bewohner des Sendegebietes des jeweiligen Offenen Kanäle beschränkt.Satzung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) über die Nutzung Offener Kanäle (OK-Satzung), § 4 Abs. 1. Gleiches gilt für Thüringen.siehe Thüringer Landesmediengesetz, § 36 Abs. 1. Rheinland-Pfalz hat nach Änderung des Landesmediengesetzes 2005 den Zugang zur Technik auf Bewohner des Sendegebietes des jeweiligen Offenen Kanals beschränkt. In einzelnen Offenen Kanälen werden Ausnahmen zugelassen. In Bremen können neben den Einwohnern des Bundeslandes auch Bewohner der umliegenden niedersächsischen Gemeinden, in denen das Programm empfangen werden kann, als Nutzer zugelassen werden.Satzung der Bremischen Landesmedienanstalt, § 2 Abs. 1.
Teilweise werden auch die als Uni-TV betriebenen Ausbildungskanäle an den Universitäten als Offene Kanäle aufgefasst, wobei die Nutzergruppe hier auf die Studenten beschränkt ist und das Offene Prinzip damit verlassen wird.
Offene Kanäle in Deutschland Berlin (Fernsehen und Radio) In Berlin sendet der Offene Kanal seit August 1985. Seit Mai 2009 firmiert er unter dem Namen Alex Offener Kanal Berlin. Alex ist ein partizipativer Bürgersender der Region Berlin-Brandenburg mit offenem Zugang, der am 27. Mai 2009 aus dem Offenen Kanal Berlin (OKB) hervorgegangen ist. Alex ist eine trimediale Plattform, die sowohl im Fernsehen als auch im Radio sendet. Im Internet ist Alex eine Plattform für beide Medien mit einer umfangreichen Mediathek. Ein Livestream steht für beide Medien zur Verfügung.
Das Fernsehprogramm wird in Teilen des Berliner Kabelnetzes auf dem Sonderkanal 8 verbreitet. Das Radio wird seit 2003 neben der Kabelfrequenz 92,60 MHz am Nachmittag auch über die Antennenfrequenz 97,2 MHz ausgestrahlt. Alex ist eine Einrichtung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg und wird aus Rundfunkgebühren finanziert.
Bremen (Fernsehen und Radio) Die Offenen Kanäle wurden im Zuge der Änderung des Landesmediengesetzes im Jahr 2005 um die Eigenschaften eines Bürgerrundfunks ergänzt und entsprechend umbenannt.
In Bremen gab es bis zum 1. April 2008 drei Offene Kanäle: Bürgerrundfunk Bremen Bürgerrundfunk Bremerhaven Bürgerrundfunk Bremer Umland
Im Zuge der Neuordnung der Bürgerrundfunksender im Lande Bremen zum 1. April 2008 firmieren diese drei Sender, zusammen mit dem Bürgerrundfunk Wesermündung Nordenham, unter dem gemeinsamen Namen: Radio Weser.TV
Hamburg (Fernsehen und Radio) Der Offene Kanal in Hamburg mit Sitz in der Stresemannstraße in Hamburg-Altona wurde im Juli 2003 durch den nichtkommerziellen Bürger- und Ausbildungskanal Tide ersetzt. Tide nahm am 1. April 2004 den regulären Sendebetrieb auf. Zwar ist auch Tide bürgeroffen, allerdings: Beim Offenen Kanal hatte jeder Bürger das Recht auf Ausstrahlung in eigener Sendeverantwortung. Das Recht nahm ihm das Hamburger Landesmediengesetz vom 2. Juli 2003. Vielmehr ist bei Tide ein Chefredakteur für die Sendungen verantwortlich und hat somit prinzipiell inhaltliche Kontrolle über die Sendungen.
Die oppositionelle SPD sprach von einer „staatlichen Sanktion gegen ein öffentliches Rundfunkangebot“SPD-Landesorganisation Hamburg, Medien in Hamburg: Positionspapier zum Standort der Medienwirtschaft vom 5. März 2005, S. 7. und kritisiert überdies, dass sowohl Tide als teilweise auch dessen Träger, die Hamburg Media School, aus Rundfunkgebühren finanziert werden.
Zur Sicherstellung eines technischen Mindeststandard senden Neueinsteiger zunächst auf weniger prominenten Sendeplätzen in einem Testprogramm namens „Elbe-Seiten-Kanal“.
Hessen Geschichte der Offenen Kanäle in Hessen
Im Jahre 1990, ein Jahr nach Gründung und Einrichtung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen), beschäftigte sich das Entscheidungsgremium in mehreren Sitzungen mit der Frage, ob und wie Offene Kanäle in Hessen einzurichten seien. Im Frühjahr 1991 standen die Konditionen fest: In unmittelbarer Nachbarschaft zur LPR Hessen, die ihren Sitz in Kassel hat, sollte ein Offener Kanal ausschließlich im Fernsehen als auf drei Jahre befristetes Pilotprojekt entstehen. Aufgrund der Erfahrungen, die in diesem Projekt gesammelt und ausgewertet würden, ließe sich nach Ablauf der Pilotphase über das weitere Vorgehen entscheiden.
Mit dieser Maßgabe nahm der Offene Kanal Kassel im mittlerweile zum KulturBahnhof avancierten alten Hauptbahnhof am 1. Juni 1992 seinen Sendebetrieb auf. Schon einige Monate zuvor hatte er seine Türen für die nutzungsberechtigte Bevölkerung in Kassel und sieben Umlandgemeinden geöffnet, um Beratung, Information, Kurse und Technikausleihe anzubieten.
Die positiven Resonanzen auf die Angebote des Offenen Kanals, sowie das hohe Interesse der Bevölkerung, führten dazu, dass die Versammlung der LPR Hessen im September 1994 die Kasseler Pilotphase als abgeschlossen betrachtete und den Offenen Kanal dauerhaft etablierte. Gleichzeitig wurde beschlossen, im Jahr 1995 und den folgenden Jahren entsprechend der verfügbaren Haushaltsmittel Mittel für weitere Offene Kanäle bereitzustellen. In der Folgezeit wurden Offene Kanäle in Gießen, Offenbach/Frankfurt am Main und Fulda eingerichtet.
Die Namenserweiterung im Januar 2006 zu „Medienprojektzentren Offener Kanal“ durch die LPR Hessen verdeutlichte, wie sich die Arbeitsbereiche in den Einrichtungen verlagert hatten. Neben dem als „Offener Kanal“ bekannten Bürgerfernsehen sind im Laufe der letzten Jahre durch eine Vielzahl von medienpädagogischen Angeboten „Medienprojektzentren“ entstanden, die beide Aspekte unter einem Dach vereinen:
Die lokale bzw. regionale Fernsehproduktion für die Allgemeinheit mit dem Ziel, möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen die Gelegenheit – und die dafür notwendige Unterstützung – zu geben, eigene Fernsehbeiträge zu produzieren und zu verbreiten. Ein Schwerpunktangebot besteht dabei in der medienpädagogisch begleiteten Projektarbeit, die vorrangig darauf abzielt, Medienkompetenz an Kinder, Jugendliche und Multiplikatoren zu vermitteln.
In Hessen gibt es folgende Medienprojektzentren Offener Kanal, die seit 2009 auch überregional im jeweiligen analogen bzw. digitalen Kabelnetz senden. Sie bieten lokale Informationen und begleitende Projektarbeit zur Vermittlung von Medienkompetenz: Medienprojektzentrum Offener Kanal Fulda Medienprojektzentrum Offener Kanal Gießen Medienprojektzentrum Offener Kanal Kassel Medienprojektzentrum Offener Kanal Offenbach/Frankfurt
Mecklenburg-Vorpommern Fernsehen In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen Offenen Kanal im Kabelnetz mit einem Außenstudio: rok-tv (Rostock) Außenstudio: Fernsehen in Schwerin
Radio In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen Offenen Kanal mit zwei Außenstudios.