mini|Porträtmedaillon in der Kaasgrabenkirche
Stefan Esders (* 6. Juli 1852 in Haren an der Ems; † 15. September 1920 in Wien; auch Stephan Esders und Etienne Esders) war deutscher Abstammung und ein belgisch-österreichischer Unternehmer.
Abstammung, Familie und Jugend Stefan Esders war ein Sohn des Schiffers Joannes Bernardus Esders, geboren am 29. Oktober 1824 in Haren (Ems), gestorben am 19. Dezember 1906, und seiner Ehefrau Maria Elisabeth NagelStammbaum von Berend van Hebeln, Nr. XIV 360, abgerufen am 11. Februar 2022, digital aus Haren an der Ems, eine Stadt, die in Norddeutschland an der Ems liegt und in der Nähe zur Grenze zwischen den Niederlanden und dem Königreich Hannover. Durch die Preußischen Annexionen kam das Gebiet zu Preußen und gehörte seit 1871 zum Deutschen Reich. Esders sprach nicht hochdeutsch, sondern das an der Ems übliche Emsländer Plattdeutsch, das der niederländischen Sprache verwandt ist. In den frühen 1870er Jahren war er aus seiner Heimatregion nach Brüssel gezogen, wo er bald die französische Sprache erlernte. Der Grund für die Übersiedlung war offensichtlich, wie bei vielen gleichaltrigen Landsleuten, die aus katholischen Gegenden des Reichs kamen, dass sie mit der Einberufung durch die Armee rechnen mussten, da nach der Gründung des Deutschen Reichs die 3-jährige Wehrpflicht eingeführt wurde. Die Armee wurde aber hauptsächlich von protestantischen Offizieren geführt. Weiterhin wurde die Unterdrückung der katholischen Bevölkerung durch den Reichskanzler Bismarck (Kulturkampf) befürchtet.
mini|Todesanzeige Die Eltern hatten mehrere Kinder. Für die Lebensbeschreibung von Stefan Esders sind wichtig folgende Geschwister und sonstige Anverwandte, die in der nebenstehenden Todesanzeige aufgeführt sind:
Lubbert Hermann Heinrich (Henri) Esders (7. Oktober 1857; † 22. März 1923) war der Bruder.In dem vorbezeichneten Stammbaum von Berend van Hebeln ist er nicht aufgeführt. In der Heiratsurkunde befindet sich aber die Eintragung, dass seine Eltern Bernhard Esders und Elisabeth Nagel sind (Belgique, Anvers, registres d’état civil, 1588-1913, database with images, FamilySearch : 3 November 2019), Lubbert Hermann Heinrich Esders, 5 Jul 1884; citing Marriage, Antwerpen, Antwerpen, België, België Staatsarchief (State Archives of Belgium), Brussels; FHL microfilm. Er heiratete in Antwerpen am 5. Juli 1884 Maria Sophie Wurden. Die Eheleute hatten 6 Kinder.Stammbaum nicolefonds bei Geneanet, abgerufen am 11. Februar 2022, digital Bei der Gründung der ersten Niederlassung in Hamburg wurde er zu einem Sechstel Anteil beteiligt. Auch hat er 1894 das Kaufhaus Esders in Dresden eröffnet. Der Sohn Hermann Marie Henri Esders (1889–1940) änderte seinen Vornamen „Hermann“ in „Armand“. Die Zeitung Le Figaro bemerkte zu seinem Tod, dass Herr Armand Esders im Alter von einundfünfzig Jahren in Paris gestorben sei. Er war der Chef des großen Bekleidungshauses „Henri Esders“Le Figaro, no 349, 15 décembre 1940, S. 2 7. Spalte, digitalÜber das Textilunternehmen des Bruders Henri in Frankreich ist nicht viel bekannt geworden. Auf der Website „La Malle à Papa“, abgerufen am 11. Februar 2022 (digital) heißt es, dass das Unternehmen 1898 gegründet worden sei und über Filialen in Lyon und Marseille verfügte. 1922 eröffnete das Haus eine Damenkonfektionsabteilung. Aus dem Jahre 1905 existiert ein Kaufhauskatalog des Pariser Kaufhauses (Münchener Stadtmuseum, Sammlung online, Esters et Fils, Kaufhauskatalog: Catalogue Général des Maisons Henri Esders, Paris, Winter, 1905–1906, VPK-Pa/SB/76/6.1, Foto: Münchner Stadtmuseum, Patricia Fliegauf digital). Dort werden 4 Niederlassungen in Paris und eine Zweigniederlassung in Lyon genannt. Ein Teil der Lebensgeschichte seines Sohnes Armand wird auf der Website des Restaurants „LES VOILES“ geschildert (abgerufen am 11. Februar 2022 digital). Danach schickte ihn sein Vater, der Tuchhändler Henri Esders 1909, nach dem sein Sohn seine Ausbildung an einem College in der Rue Franklin in Paris abgeschlossen hatte, mit einer Million Goldfrancs in die USA, um in New York Geschäfte aufzubauen. Auch ist Armand dadurch bekannt, dass der Sportwagenhersteller Bugatti für ihn 1932 den Sportwagen Roadster Armand Esders herstellte.
Thekla Maria Esders (* 30. September 1865; † 29. Dezember 1939) war die Schwester. Sie war verheiratet mit Hermann Bernard Theodor Dyckhoff (* 7. August 1853 † 23. Mai 1916),Roland - Datenbank, Genealogisch-heraldische Arbeitsgemeinschaft Roland zu Dortmund e.V., abgerufen am 11. Februar 2022, digital dem späteren Mitgesellschafter ihres Bruders Stefan Esders.
Esders heiratete während seiner späteren Tätigkeit in Brüssel Marie de Barse (* 15. Mai 1851 † 8. September 1927). Aus dieser Ehe sind folgende Kinder hervorgegangen:
Bern(h)ard Esders (* 20. November 1879 † 10. August 1933). Er war verheiratet mit Josefine Esders-Weltmann (* 27. April 1885; 2. † November 1980,) der Tochter des Mitgesellschafters seines Vaters, Heinrich Weltmann. Aus der Ehe ist Stefan Esders (* 19. Januar 1907; † 17. Januar 1885) hervorgegangen. Bernhard erhielt später die Niederlassung in Wien. Henry Esders (* 26. Januar 1881; † 23. Juni 1932). Er erhielt später die Niederlassung in Brüssel.
Rayonchef bei Au Bon Marché in Brüssel Nach dem Besuch der höheren Schule hat Esders den Beruf als Kaufmann gelernt Nach der Übersiedlung nach Brüssel Anfang der 1870er Jahre war er zunächst in der Brüsseler Niederlassung von Au Bon Marché Rayonchef (Abteilungsleiter).
Unternehmerische Tätigkeit Gründung der Gesellschaft Esders & Weltmann In Brüssel lernte Esders den aus Wildeshausen stammenden Heinrich Weltmann kennen, der ebenfalls einige Jahre vorher aus Deutschland ausgewandert war und für ein niederländisches Textilunternehmen als Kaufmann gearbeitet hatte. Weltmann war danach 1867 in die päpstliche Armee in Rom als Zuave eingetreten, aber 1870 nach Antwerpen zurückgekehrt, hatte dort aber in den nächsten Jahren keine ihn befriedigende Stellung gefunden. Von Stefan Esders kam die Idee, in das Textilgeschäft als selbständige Unternehmer einzusteigen. Weltmann hatte kaum Ersparnisse. Esders sah darin kein Problem. Er hatte bereits ein Gebäude im Auge, von dem ein Teil angemietet werden konnte. Auch er hatte praktisch kein Geld, aber beide hatten einen unglaublichen Optimismus. Am 12. September 1877 erfolgte die Gründung eines Textileinzelhandelsgeschäftes in Brüssel unter dem Namen „Esders & Weltmann“. Die Gesellschafter nahmen Kontakt auf mit der Firma Gobert in VerviersRotterdams jaarboekje. (1923). Niederlande: W. L. & J. Brusse, S. 152, snippet-Ansicht, die einem Verwandten von Esders gehörte, die auf sechsmonatigen Kredit Stoffrollen und alle Arten von Herrenartikel liefern konnte. Geplant war, die Stoffe meterweise zu verkaufen. Dies gelang aber nicht. Aus Verzweiflung begann man, Herrenhosen in verschiedenen Größen, also Konfektionsware, zu einem Stückpreis von 9,00 BFR herzustellen. Dies war eine richtige Entscheidung, da schon im ersten Jahr der Umsatz 250.000,00 BFR betrug.
Gründung von Filialen Das Geschäft wurde durch Filialen in Antwerpen, Hamburg und München erweitert, zum Teil mit Familienangehörigen von Esders und Weltmann. Als Esders weiter erweitern wollte und ein Grundstück in Brüssel erwarb, wurde dies Weltmann zu viel, sodass er aus dem Unternehmen ausschied und sich mit 52 Jahren gegen eine hohe Abfindung zur Ruhe setzte. Esders erweiterte aber weiter, baute in Brüssel die Kleiderfabrik „A la Grande Fabrique“ und gründete teilweise mit seinem Bruder Heinrich (Henry) Unternehmen in Rotterdam (1894), Wien (Warenhaus Zur großen Fabrik) (1895), Breslau (seit 1945 polnisch unter dem Namen Wroclaw), Dresden (Kaufhaus Esders) und St. Petersburg (Russland 1906). Im Jahr 1895 ließ sich Stefan Esders mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Bernard und Henry dauerhaft in Wien nieder. Von dort aus leitete er seine Gruppe, bis er 1920 verstarbWebsite der SIGNA Unternehmensgruppe, Eintrag vom 11. Dezember 2019, abgerufen am 9. Februar 2022, digital Es folgt die Beschreibung der einzelnen Warenhäuser:
Niederlassung in Antwerpen 3 Jahre nach der Gründung des Unternehmens in Brüssel beschlossen Esders und Weltmann ihre erste Niederlassung in Antwerpen, das auch „Anvers“ genannt wurde, für den Bruder von Esdens, Heinrich (Henri) Esders zu gründen, was dann auch 1880 geschah. An diesem Unternehmen war offensichtlich Heinrich Esders allein beteiligt. Jedenfalls wurde im Sommer 1900 ein Plakat mit der Bezeichnung „A la Grande Fabrique H. Esders“ mit der Adresse in Antwerpen 51-53 Kipdorp gedruckt.Website Omnia-Europe's Culture in One Place, ´A la Grande Fabrique Bedr. Cat. : Grande Fabrique : Collectie L/Z 1900 :kleedingstukken voor heeren, jongelingen en kinderen, abgerufen am 9. Februar 2022, digital Im Januar 1894 wurde ein GesellschaftsvertragAntwerp maritime law reports in: Jurisprudence du port d'Anvers, 1894, Seiten 7 Nr. 55digital geschlossen zwischen Henri Esders, Kaufmann in Paris, Hermann Esders, Kaufmann in Anvers, sowie Laurent EsdersLaurent Esders, Direktor eines Konfektionshauses, geb. am 4. Mai 1871 in Haren-sur-Ems erhielt 1905 die belgische Staatsbürgerschaft, vergl. Verzeichnis des belgischen Senats über die Naturalisation vom 5. Juli 1907, Nr. III, digital und Henri Töller, beide Angestellte in Anvers über die Gründung einer Gesellschaft zum Betrieb eines Herrenbekleidungsgeschäftes unter der Firma. „Henri Esders“ mit Sitz in Anvers.Über das weitere Schicksal der Niederlassung in Antwerpen ist sonst nicht bekannt. Aufschlussreich ist aber ein Video auf YouTube mit einer Bemerkung des Users „Marc B“ (Stephan Esders, "A la Grande Fabrique", Kipdorp, Antwerpen, abgerufen am 10. Februar 2022. digital) Dort wird unter Beifügung mehrerer Fotos und Zeichnungen geschildert, dass in den 1880er Jahren Stephan Esders und Heinrich Weltmann das Bekleidungsgeschäft "A la Grande Fabrique" an der Ecke Kipdorp und Jan van Lierstraat eröffneten. Nach der Jahrhundertwende habe Stephan Esders das Geschäft an Laurent Esders übergeben, der 1931 in Berchem, einem Stadtteil von Antwerpen,verstorben ist und dort begraben wurde. Das Geschäft „Esders“ habe sich noch in den 1960er Jahren in der Straße De Keyserlei 58 befunden. Obwohl die Niederlassung in Amsterdam nicht eindeutig Stefan Esders zuzuordnen ist, wird die Beschreibung in den Artikel über Stefan Esders aufgenommen, weil nur so die Entwicklung der „Esders-Gruppe“ zu erklären ist. Laurent Esders war ein Neffe von Henri Esders.
Niederlassung in Hamburg Nur ein Jahr später wurde in Hamburg eine Niederlassung gegründet, an der die Brüder Stefan und Heinrich Esders zusammen mit ihrem Geschäftspartner Heinrich Weltmann zu je einem Sechstel (d. h. zusammen zur Hälfte) beteiligt waren. Der Schwager von Esders, Hermann Bernard Theodor Dyckhoff steuerte die andere Hälfte bei. Dyckhoff war mit der Tochter der Brüder Esders, Thekla Maria Esders, verheiratet. Dieses Bekleidungshaus hatte in der Gertraudenstraße 8-9 von Berlin ihr Ladengeschäft. Später firmierte es unter der Firma „H. Esders & Dyckhoff“. Aus der Firmenänderung ist erkennbar, dass zu dieser Zeit Stefan Esders und Heinrich Weltmann, der ein eigenes Bekleidungsgeschäft in Berlin gegründet hat, aus der Gesellschaft ausgeschieden waren. Nach dem Tod von Dykhoff ist die Wwe.Thekla Dykhoff geb. Esders in die Fa. H. Esders & Dyckhoff eingetreten.Berliner Handelsregister, Ausgabe 1928, Abteilung A. Einzelfirmen, offene Handels- und Kommandit-Gesellschaften, S. 125 abgerufen am 10. Februar 2022, digital
Niederlassung in München