mini|hochkant|Victor Schefé bei seiner Show Radio Victor – Berlin April 2009 Victor Schefé (* 4. August 1967Victor Schefé bei dtv Verlagsgesellschaft, abgerufen am 28. Januar 2026. in Rostock) ist ein deutscher Schauspieler, Sänger, Buchautor und Filmemacher. Er ist Mitglied der Deutschen Filmakademie.
Leben Schefé wuchs in Rostock auf und reiste 1986 nach West-Berlin aus.
Nach Schauspielaufnahmeprüfungen an der Hochschule der Künste Berlin (heute UdK), nahm er das Angebot eines Regisseurs an, in einer Off-Theater-Produktion mitzuspielen, deren Uraufführung beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens stattfand. Er spielte in diversen Off-Theaterproduktionen, vor allem als Mitglied des Walser-Ensembles, in Berlin, verdiente sein Geld nebenbei durch Jobs bei den Berliner Festspielen, als DJ und Barkeeper. Im Herbst 1990 eröffnete er gemeinsam mit zwei anderen Teilhabern die Bar „Hafen“ in der Berliner Motzstrasse und erkrankte kurz darauf schwer an Krebs.
Seinen ersten großen Theatererfolg feierte er 1991 als „The Elephant Man“ am Theater am Kurfürstendamm. Weitere Theaterarbeiten in Berlin und am Frankfurter Theater am Turm folgten. Gemeinsam mit Andreja Schneider produzierte er die Musikshow „Stars in Bars“, in der er zum ersten Mal als Sänger auftrat.
1993 drehte er seinen ersten Fernsehfilm, die Premiere der ZDF-Reihe Ein starkes Team unter der Regie von Konrad Sabrautzky. Im Herbst 1994 wurde Schefé von Hans Gratzer ans Schauspielhaus Wien engagiert. Dort spielte er unter anderem in der deutschsprachigen Erstaufführung von "Angels in America" von Tony Kushner. Von nun an pendelte er zwischen Theater in Wien und Fernseharbeit in Deutschland. 1996 spielte er die Rolle des Mörders Harald Landau im Tatort: Aida. Bei den Wiener Festwochen 1996 gab er den Walter Gropius in der Uraufführung von "Alma" unter Regie von Paulus Manker. 1998 spielte er die Hauptrolle in der Eröffnungspremiere „Sergej“ des Theaterfestivals „Steirischer Herbst“ in Graz unter der Regie von Christian Stückl.
Nina Hagen lud ihn Ende 2000 als musikalischen Gast in „Ninas Weltraum – Die Nina Hagen TV-Show“ ins BKA-Luftschloß. Im Rahmen der Eröffnungsfeier des Neuen Tempodrom Berlin gab er 2001 das Taufkonzert der Kleinen Arena. 2001 produzierte er als Sänger mit seiner Band die Soloshow „Ein Stück Mond“; 2009 seine zweite Soloshow mit Band „Radio Victor – Live“. Zum ersten Mal waren dort auch Songs aus der Feder von Schefé zu hören.
Von 2003 bis 2005 spielte er Walter (genannt "Waltraut") in der SAT.1-Sitcom Bewegte Männer. Für die Rolle wurde er 2003 für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bester Schauspieler Sitcom" nominiert.
2008 machte er seinen ersten „Ausflug“ in die Welt der Oper: Am National Theater Mannheim spielte er Porus in „Allesandro“ unter der Regie von Günter Krämer.
Sein Debüt als Regisseur, Autor und Produzent gab er 2009/10 mit dem Dokumentarfilm B.i.N. – Berlin im November – einer 90-minütigen Liebeserklärung an die Stadt und ihre Menschen. Die Premiere fand 2011 im Rahmen des offiziellen Wettbewerbprogramms des San Francisco Documentary Filmfestivals statt.
Von 2011 bis 2014 spielte er Johannes Burckardt in der internationalen Serie Borgia von Tom Fontana, unter der Regie von Oliver Hirschbiegel, Dearbhla Walsh, Athina Rachel Tsangari und Christoph Schrewe. Mit dem Hauptensemble war er 2012 für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Serie" nominiert. Zudem war er als Erzähler die internationale "Stimme von Borgia".
2015 spielte er in Bridge of Spies – Der Unterhändler unter der Regie von Steven Spielberg und an der Seite von Daniel Craig in James Bond 007: Spectre unter der Regie von Sam Mendes. Zudem stand er im 2020 veröffentlichten schwedischen Kinofilm Se upp för Jönssonligan unter der Regie von Tomas Alfredson vor der Kamera.
Im Februar 2021 unterzeichnete er die Initiative #actout im SZ-Magazin mit 185 anderen lesbischen, schwulen, bisexuellen, queeren, nicht-binären und trans* Schauspielern.Carolin Emcke, Lara Fritzsche: »Ich komme aus einer Welt, die mir nicht von mir erzählt hat«. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, 5. Februar 2021, S. 8–21. Neben Dirk Bach, Maren Kroymann, Gustav-Peter Wöhler, Georg Uecker und Ulrike Folkerts gehörte er bereits in den 1990er Jahren zu dem damals sehr kleinen Kreis deutscher TV-Schauspieler, die in der Öffentlichkeit kein Geheimnis aus ihrer Homosexualität machten. Unter anderem moderierte er diverse queere Veranstaltungen z. B. 2002 im Rahmen der Internationale Filmfestspiele Berlin die 16. Verleihung des Teddy Award – der weltweit erste offizielle LGBTIQ-Filmpreis auf einem A-Festival.
2025 erschien das Romandebüt von Schefé, Zwei, drei blaue Augen als Spitzentitel im Herbstprogramm der dtv Verlagsgesellschaft. In dem Buch mit deutlichen autobiographischen Anklängen wächst der Tassilo genannte Protagonist als Sohn einer alleinerziehenden staatsnahen Journalistin in Rostock auf. Schulzeit, Lehre, erwachende Homosexualität, Unzufriedenheit mit dem Leben in der DDR, Ausreise nach West-Berlin, das dortige Leben und eine schwere Krankheit werden geschildert und mit Texten aus Stasi-Akten kombiniert. Im Oktober 2025 wählte die Kulturredaktion Norddeutscher Rundfunk den Roman zum "Buch des Monats". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb: "Was für ein Debüt: Victor Schefés Zwei, drei blaue Augen zieht die Fieberkurve deutscher Teilung literarisch nach. Geht nicht anders, muss gleich raus: großartiges Buch! Wie steigert man das noch? Größtartiges? Klingt falsch, obwohl es wohl richtig wäre."
Filmografie (Auswahl) 1994: Ein starkes Team: Gemischtes Doppel (TV-Serie) 1995, 1998: Wolffs Revier (TV-Serie, zwei Folgen) 1995, 2001: Balko (TV-Serie, zwei Folgen) 1995: Feuerbach Erpressung 1995: Die Drei – Hoffmeyers Millionen (Regie: Heiner Carow) 1996: Ein starkes Team: Kaviar Connection (TV-Serie) 1996: Tatort: Aida (Regie: Klaus Emmerich) 1996: Boomtown Berlin 1997, 2000: Kommissar Rex (TV-Serie, zwei Folgen) 1997: Das Leben ist eine Baustelle (Kino, Regie: Wolfgang Becker) 1997: Polizeiruf 110: Der Fremde (Regie: Manfred Stelzer) 1997: Post Mortem – Beweise sind unsterblich: Der Nuttenmörder 1997: Lukas: Mein Freund ist Ausländer (TV-Serie) 1997: Stubbe – Von Fall zu Fall (TV-Serie, eine Folge) 1997, 2015: SOKO 5113 (zwei Folgen) 1997 Liebling Kreuzberg Staffel 5 Folge 7 1998: Fandango (Kino, Regie: Matthias Glasner) 1998: Polizeiruf 110 – Live in den Tod 1998: Edgar Wallace – Whiteface (Regie: Wolfgang F. Henschel) 1998: Die Außenseiter 1998: Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei: Im Nebel verschwunden (Serie, Regie: Diethard Küster) 1999: Racheengel – Stimme aus dem Dunkeln (Regie: Thorsten Näter) 1999: Stan Becker (TV-Serie) 2000: HeliCops (TV-Serie, eine Folge) 2000: Doppelter Einsatz (TV-Serie, eine Folge) 2000: Die Kommissarin (TV-Serie, eine Folge) 2001: Das Baby-Komplott 2001: Scheidung mit Hindernissen 2001: Medicopter 117 – Jedes Leben zählt (TV-Serie, eine Folge) 2002, 2007, 2016: In aller Freundschaft (TV-Serie, drei Folgen) 2002: Drei Stern Rot (Kinofilm) 2003: Polizeiruf 110: Kopf in der Schlinge 2003: Pura Vida Ibiza (Regie: Gernot Roll) 2003–2005: Bewegte Männer (TV-Serie, 36 Folgen) 2004: Bella Block: Hinter den Spiegeln 2004: Blond: Eva Blond! Wie das Leben so spielt (Fernsehserie, Folge 4) 2004: Das Zimmermädchen und der Millionär 2005: Pommery & Leichenschmaus 2006: Polizeiruf 110: Bis dass der Tod euch scheidet 2007: Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler 2009: Hoffnung für Kummerow 2009: Männersache (Kino) 2009, 2021: Tierärztin Dr. Mertens (TV-Serie, 2 Folgen) 2010: Wolfsfährte (Regie: Urs Egger) 2010: Ein starkes Team: Im Zwielicht 2010: Pastewka: Die Entschuldigung (TV-Serie) 2011: B.i.N. – Berlin im November (Regie: Victor Schefé) 2011–2014: Borgia (Fernsehserie, Staffel 1–3) 2012: Danni Lowinski: Stars der Manege 2012: Akte Ex (Fernsehserie, eine Folge) 2013: SOKO Stuttgart: Höllenhund 2014: SOKO 5113: 30 Stimmen und ein Todesfall (Serie, Regie: Heidi Kranz) 2014: Das goldene Ufer (TV, Regie: Christoph Schrewe) 2015: Bridge of Spies – Der Unterhändler (Bridge of Spies) (Kino, Regie: Steven Spielberg) 2015: Der Liebling des Himmels (TV, Regie: Dani Levy) 2015: James Bond 007: Spectre (Kino, Regie: Sam Mendes) 2017: Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei: Unter Brüdern (Serie, Regie: Ralph Polinski) 2018: Sechs auf einen Streich: Die Galoschen des Glücks (TV-Film, Regie: Friederike Jehn) 2019: 23 Morde – Bereit für die Wahrheit? (Fernsehserie, zwei Folgen) 2019: Schneewittchen und der Zauber der Zwerge (Fernsehfilm) 2020: Se upp för Jönssonligan (Kinofilm, Regie: Tomas Alfredson) 2021: Kroymann (Satiresendung, 1 Folge) 2023: Mord oder Watt? – Ebbe im Herzen (Fernsehreihe) 2024: Mord oder Watt? – Für Immer Matjes (Fernsehreihe) 2026: Mord oder Watt? – Die wilde Hilde (Fernsehreihe) 2026: Olivia (Fernsehfilm)
Theater (Auswahl) 1989: Dr. Faustus lights – Theatre Trompe l'oeuil – Rolle: Mephisto 1990: Der Wundertäter – Krolltheater Berlin 1991: Der Elefantenmensch – Theater am Kurfürstendamm Berlin – Titelrolle 1992: Clowns in the Kitchen – Ensemble Theater Berlin – Rolle: Ken 1992: Büchner-Adaption – Theater am Turm Frankfurt (Main) – Titelrolle 1994: In den Augen eines Fremden – Schauspielhaus Wien – Rolle: Sebastian 1994: Engel in Amerika I & II: Perestroika – Schauspielhaus Wien – Rolle: Louis 1995: Hysteria – Schauspielhaus Wien – Rolle: Salvatore Dali 1996: Alma – Wiener Festwochen – Rolle: Walter Gropius 1998: Sergej – Schauspielhaus Graz / Steirischer Herbst – Rolle: Sergej (Titelrolle) 2005: Bumps and Grinds – Bar jeder Vernunft – Rolle: Mr. Richard Smoker 2006: Verdammt lange her (Donkey’s Years) – Renaissance-Theater Berlin – Rolle: Alan Quine 2008: Alessandro – Nationaltheater Mannheim – Rolle: Porus 2012: Geister in Princeton – Renaissance-Theater Berlin – Rolle: Hans Nelböck
Musikalische Eigenproduktionen 1993: Stars in Bars – mit Andreja Schneider 2001: Ein Stück Mond – mit Victor Schefé und Band 2009: Radio Victor – Live (Bar jeder Vernunft Berlin)
Publikationen 2025: Zwei, drei blaue Augen, Roman, dtv, München 2025, ISBN 978-3-423-28514-8.
Weblinks
Victor Schefé im Interview dtv-Pdcast Victor Schefé im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk Victor Schefé Homepage
Einzelnachweise
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