mini|hochkant|Linus Torvalds (2018) mini|hochkant|Linus Torvalds (2002)

Linus Benedict Torvalds (; * 28. Dezember 1969 in Helsinki) ist ein finnisch-US-amerikanischer Informatiker und Software-Entwickler. Torvalds ist der Initiator sowie die treibende Kraft bei der Entwicklung des Linux-Kernels, dessen Entwicklung er bis heute koordiniert. Außerdem ist er der Erfinder des Versionsverwaltungssystems Git.

Leben Kindheit und Jugend Linus Benedict Torvalds wurde am 28. Dezember 1969 in Helsinki als erstes Kind von Anna und Nils Torvalds geboren. Zum Zeitpunkt seiner Geburt waren seine Eltern noch Studenten an der Universität Helsinki und aktiv in der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Kurze Zeit später begann seine Mutter als Übersetzerin bei der finnischen Nachrichtenagentur STT zu arbeiten, während sein Vater den Wehrdienst antrat. Später wurde Nils Torvalds Mitglied des Europaparlaments, nachdem er als Fernseh- und Rundfunkjournalist pensioniert worden war. Anna Torvalds arbeitet als Grafikerin. Die Familie gehört zur schwedischsprachigen Minderheit, der Großvater väterlicherseits war der Journalist und Dichter Ole Torvalds, mütterlicherseits der Statistikprofessor Leo Waldemar Törnqvist. 16 Monate nach der Geburt Linus Torvalds wurde 1971 seine Schwester Sara geboren. Als er sieben Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. Zwei Jahre später kam väterlicherseits sein neun Jahre jüngerer Halbbruder Leo Torvalds zur Welt. Zwei weitere Halbbrüder sollten folgen, allerdings erst zu einem Zeitpunkt, als Torvalds selbst schon Vater war.

Linus Torvalds ist nach dem Chemiker Linus Carl Pauling benannt. Der Familienname Torvalds ist sehr selten. Laut eigenen Angaben ist Linus Torvalds mit allen Torvalds weltweit verwandt. Der Grund dafür ist bei seinem Großvater väterlicherseits, Ole Torvald Elis Saxberg Karanko, zu finden. Der nahm seinen zweiten Vornamen, der „Thors Reich“ bedeutet, hängte ihm einfach ein „s“ an und machte ihn zum Familiennamen. Da es diesen Namen sonst nicht gab, wird er heute von niemandem außer den direkten Abkömmlingen Ole Torvalds getragen.

mini|Gymnasiet Svenska normallyceum: die Schule, die Torvalds besuchte Torvalds wuchs im Helsinkier Stadtteil Punavuori auf. Er beschreibt sich selbst als hässliches Kind, zu große Schneidezähne, zu große Nase, kein Geschmack in Sachen Kleidung. Er hatte wenig Interesse an Sport und beschäftigte sich in seiner Freizeit mit Modellbau und las Horror- und Science-Fiction-Bücher.Nikkanen 2000, S. 23.

Durch seinen Geburtstag am Jahresende war er zudem immer der Jüngste in der Klasse. Er besuchte die schwedischsprachige Cygnaeus-Grundschule in Punavuori und darauf das Schwedische Normallyzeum in Kruununhaka.

Ersten Kontakt mit Computern bekam Linus Torvalds im Alter von elf Jahren,Torvalds 2001, S. 14. als sein Großvater Leo Törnqvist einen Commodore VC 20 für seine mathematischen Berechnungen kaufte. Die kleinen BASIC-Programme, die er dafür auf Papier entwarf, ließ er durch seinen Enkel eintippen. Anfangs verstand dieser noch nicht, was er da eigentlich tippte, doch schon bald begann er, Computer-Handbücher zu lesen und deren Beispielprogramme wie hello world und einfache Spiele auszuprobieren. Als Leo Törnqvist 1983 starb, erhielt Torvalds den Computer. Durch eine Computerzeitschrift lernte er schließlich, dass sich die Möglichkeiten des Computers durch Programmierung in Assemblersprache und direkte Nutzung von Maschinencode viel besser steuern ließen.

mini|hochkant=1.3|Auf einem Sinclair QL machte Torvalds seine ersten ernsthaften Programmiererfahrungen, unter anderem disassemblierte er das Betriebssystem QDOS und programmierte einen eigenen Floppy-Controller. Um 1987 kaufte sich Linus Torvalds mit Geld, das er durch Stipendien, Ferienjobs und einen Kredit seines Vaters erhalten hatte, einen neuen Heimcomputer, einen Sinclair QL mit 128 Kilobyte Speicher und einem 68008-Prozessor, dessen damals einzigartige Fähigkeit des präemptiven Multitaskings ihn faszinierte. Er installierte ein Forth-System und begann, eigene Programmiertools zu entwickeln. Zusätzlich legte er sich einen Floppy-Controller zu, um nicht auf die unzuverlässigen Microdrives des Sinclairs angewiesen zu sein. Allerdings war er mit dem Treiber des Controllers nicht zufrieden und schrieb daher einen eigenen. Dabei entdeckte er einige Fehler im Betriebssystem Sinclair QDOS, worauf er sich näher mit dessen Disassemblierung beschäftigte und so nicht nur die Architektur des Betriebssystems verstehen lernte, sondern auch dessen Unzulänglichkeiten aufdeckte. Einige der Programme, die Torvalds in dieser Zeit entwickelte, sandte er auch zur Veröffentlichung an Computermagazine, unter anderem ein Spiel, das aber wegen seiner Programmierung in Assembler nicht abgedruckt wurde.

Universität 1988 schloss Linus Torvalds mit dem Studentexamen seine Ausbildung am Gymnasium erfolgreich ab und begann sein Studium an der Universität Helsinki, die er aufgrund ihrer theoretischen Ausbildung der eher praktisch ausgerichteten Technischen Universität Helsinki vorzog. Anfangs hatte er noch kein Hauptfach. Danach entschied er sich für ein Informatik-Studium mit den Nebenfächern Physik und Mathematik. Während er im ersten Studienjahr noch alle notwendigen Leistungsnachweise erbrachte, wurden danach andere Dinge wichtiger, weshalb er erst acht Jahre später im Frühjahr 1996 die letzte für den Abschluss erforderliche Prüfung ablegte.

Nach seinem ersten Studienjahr leistete Torvalds seinen Wehrdienst, indem er für elf Monate bis zum 7. Mai 1990 als Leutnant der Reserve zur finnischen Armee ging, wo er in seiner Gruppe für die Feuerleitung zuständig war. Da sein Computer nach eigenen Aussagen nicht mehr „auf der Höhe der Zeit“Torvalds 2001, S. 59 war, beschäftigte er sich bis zum Beginn des nächsten Semesters im Herbst mit den Plänen, wie sein nächster Computer aussehen sollte.

Im Herbst 1990 entschied die Universität Helsinki, ihren DEC-VAX-Rechner mit VMS-Betriebssystem durch das neuere Modell MicroVAX mit Ultrix zu ersetzen, dem Unix-System für VAX-Rechner. Um sich auf die Vorlesungen für Unix vorzubereiten, legte sich Torvalds das Buch Operating Systems Design and Implementation von Andrew S. Tanenbaum zu. In diesem Buch beschreibt Tanenbaum die Prinzipien eines Betriebssystems und anhand des von ihm entwickelten Unix-Klons Minix dessen Aufbau und Möglichkeiten. Torvalds bezeichnet es als jenes Buch, das sein Leben veränderte und ihn bis heute motiviert.Torvalds 2001, S. 60

Am 2. Januar 1991 bestellte Linus Torvalds seinen ersten PC, einen 386er IBM-PC, der ihn 18.000 Finnmark kostete, umgerechnet etwa 3.300 Euro. Da er jedoch nicht so viel Geld besaß, zahlte er ein Drittel des Preises an und plante, den Rest in Ratenzahlungen über die nächsten drei Jahre zu begleichen. Tatsächlich musste er sich nur bis zum Herbst 1992 um die Aufbringung der Raten kümmern, denn zu diesem Zeitpunkt spendeten Linux-Nutzer aus aller Welt den noch offenen Betrag.Linus got some money. Linux News, 6. November 1992 Drei Tage nach der Bestellung durfte er das fertig zusammengebaute Gerät abholen, das allerdings nur ein abgespecktes DOS installiert hatte. Torvalds hatte bereits Minix bestellt, dessen Lieferung nach Finnland dauerte allerdings einen Monat.

Die Anfänge von Linux

Nach der Lieferung von Minix verbrachte Torvalds einen Monat damit, sich mit dem System vertraut zu machen. Dabei lernte er auch viele Schwachstellen von Minix kennen, das von Tanenbaum vor allem für Lehrzwecke entwickelt wurde. Besonders frustriert war Torvalds von der Terminal-Emulation, die er brauchte, um sich am Universitätscomputer einzuloggen und online zu gehen. Es war Winter, eine Jahreszeit, die laut Torvalds in Finnland nicht für das Verlassen der Wohnung geeignet ist. Deshalb beschloss er, einen eigenen Terminal-Emulator auf Hardwareebene zu schreiben. Dieser sollte mit zwei Threads, jeweils unterstützt von einer Pipe, durch Taskwechsel gesteuert arbeiten.

Nach einem Monat war Torvalds so weit in die Grundlagen eingearbeitet, dass er ein erstes Testprogramm für Taskwechsel entwickeln konnte. Wenig später war die Terminal-Emulation so weit, dass er sich damit auf den Uni-Computer und ins Internet verbinden konnte. Bald taten sich aber neue Anforderungen an das Programm auf. So konnte er damit zwar E-Mails lesen und in Newsgroups diskutieren, die Möglichkeit, Dateien herunter- oder hinaufzuladen, fehlte jedoch, da der Emulator dazu Treiber für die Festplatte und das Dateisystem benötigte. Da ihn die Vorlesungen des aktuellen Semesters unterforderten, entschloss er sich, den Emulator zu erweitern und entwickelte erst einen Festplattentreiber und danach einen mit Minix kompatiblen Dateisystemtreiber. Sein Emulator nahm betriebssystemähnliche Züge an.

Am 3. Juli 1991 postete er in der Minix-Newsgroup eine Anfrage nach einer lesbaren Version der POSIX-Spezifikationen.Gcc-1.40 and a posix-question. comp.os.minix, 3. Juli 1991 Dieses Posting machte einige Leute auf Torvalds Arbeit aufmerksam. Ari Lemmke, der als Assistent an der technischen Universität von Helsinki arbeitete, kontaktierte Torvalds mit dem Angebot, ihm für das Betriebssystem, an dem er offensichtlich arbeite, Platz auf dem FTP-Server der Universität zur Verfügung zu stellen, damit die Öffentlichkeit darauf Zugriff habe.

mini|hochkant|Tux, das Linux-Maskottchen Am 25. August 1991 verkündete Torvalds schließlich in der Newsgroup comp.os.minix, er arbeite an einem freien Betriebssystem.What would you like to see most in minix? comp.os.minix, 26. August 1991 Wenige Tage später, am 17. September 1991, war auch die Shell für sein Betriebssystem funktionstüchtig, und Torvalds stellte den Kernel, der zu diesem Zeitpunkt nur 10.000 Zeilen Quellcode besaß, mit der Versionsnummer 0.01 online. Seinen Namen erhielt Linux von Ari Lemmke, der den von Torvalds geplanten Namen Freax nicht mochte und den FTP-Ordner kurzerhand Linux nannte, einen Namen, den Torvalds zuvor nur intern für sich verwendet hatte.Torvalds 2001, S. 92, 97

Anfang Oktober gab Torvalds Version 0.02 frei. Diese kündigte er im Gegensatz zur ersten Version, über die er nur einige Bekannte per Mail informiert hatte, auch in der Newsgroup an.Free minix-like kernel sources for 386-AT. comp.os.minix, 5. Oktober 1991 In den nächsten Monaten verarbeitete er viele der Anregungen und Wünsche, die er durch diese Bekanntgabe erhielt.

Anfänglich war die kommerzielle Verwertung von Linux nicht erlaubt. Dann ging Torvalds im Herbst 1991 mit Lars Wirzenius, dem einzigen anderen schwedischsprachigen Informatik-Studenten an der Universität Helsinki, zu einem Vortrag von Richard Stallman über das GNU-Projekt. Als sich der Bekanntheitsgrad von Linux steigerte und immer mehr Leute von Minix auf Linux wechselten, kündigte er im Januar 1992 an, das Projekt bald unter die GPL zu stellen. Linux-activists, 14. Januar 1992 Im gleichen Monat fand zwischen ihm und Andrew Tanenbaum unter dem Titel Linux is obsolete (dt. Linux ist überholt) eine mittlerweile berühmte Auseinandersetzung über das Konzept von Torvalds’ Betriebssystem statt.Linux is obsolete. comp.os.minix, 29. Januar 1992 Die Kritik Tanenbaums tat der Popularität von Linux jedoch keinen Abbruch. Die freie Lizenz sorgte dafür, dass Linux sich immer schneller verbreitete und auch auf andere Plattformen portiert wurde. Als am 14. März 1994 Linux 1.0 erschien, wurde Torvalds von seiner Universität der Haupthörsaal des Informatik-Fachbereichs für die Präsentation, die auch im finnischen Fernsehen übertragen wurde, zur Verfügung gestellt.

Das Leben abseits von Linux