mini|Russisches Boot der Borej-Klasse mini|Amerikanisches SSBN der Ohio-Klasse mini|Israelisches U-Boot der Dolphin-II-Klasse mini|Chinesisches Boot der Jin-Klasse U-Boote mit ballistischen Raketen oder strategische Unterseeboote sind U-Boote, die dafür ausgelegt sind, ballistische Raketen, speziell Submarine-launched ballistic missiles (SLBM), mitführen und abschießen zu können. Von Anfang an waren dafür in erster Linie mit nuklearem Antrieb versehene Atom-U-Boote (in diesem Fall oder kurz SSBN, oder kurz SNLE genannt) vorgesehen. Herkömmlich mit Diesel angetriebene Raketen-U-Boote ( (SSB), ) bilden die Ausnahme zu den Raketen-U-Booten mit Nuklearantrieb.

1944 experimentierte die deutsche Kriegsmarine mit U-Boot-gestützten ballistischen Raketen. 1955 stellte die sowjetische Marine ihr erstes U-Boot mit ballistischen Raketen in Dienst. Um 1960 begann in der Sowjetunion und den USA die Serienfertigung strategischer U-Boote. Im Kalten Krieg entwickelten sie sich zu einem wichtigen Bestandteil der nuklearen Abschreckung, denn bei einem Erstschlag der jeweiligen Feindseite wären U-Boote nur schwer auszumachen und zu zerstören und daher – soweit ein reaktionsfähiges Führungssystem (Command, Control, and Communication: C3, teilweise auch NC3 mit N für Nuclear) noch vorhanden ist – in der Lage, Vergeltungsschläge auszuführen. Diese U-Boote sind in der Lage, Raketen dicht an die feindliche Küste heranzutragen und so die Abwehr- und Reaktionsmöglichkeiten des Gegners zu reduzieren.

Alle Staaten, die während des Kalten Krieges Atom-U-Boote mit ballistischen Interkontinentalraketen in Dienst stellten, verfügen bis heute über diese Waffensysteme. Das sind neben den USA und Russland, als Nachfolgemacht der Sowjetunion, ebenfalls Großbritannien, Frankreich und China. Indien stellte 2016 sein erstes SSBN in Dienst, China und Russland bauen weitere SSBN, Großbritannien plant den Bau neuer Boote in den 2020er Jahren. Nordkorea soll zwischen 2012 und 2015 ein SSB in Dienst gestellt haben.

Die Israelische Marine setzt in Deutschland gebaute dieselelektrische U-Boote der Dolphin-Klasse ein, die vermutlich mit atomar bestückten Marschflugkörpern bewaffnet sind. Diese haben nach Medienberichten eine Reichweite von mehr als 1500 Kilometern.

Derzeit stehen weltweit mehr als 30 U-Boote mit ballistischen Raketen in Dienst, die alle nuklear getrieben sind. Sie sind bis zu 170 Meter lang und verdrängen regelmäßig über 15.000 Tonnen. Jedes dieser U-Boote trägt bis zu 24 ballistische Raketen, von denen jede wiederum bis zu zwölf unabhängig zielbare nukleare Sprengköpfe befördern kann. Dabei handelt es sich um Wasserstoffbomben. Die Sprengkraft jedes einzelnen Gefechtskopfes liegt heute in der Regel bei über 100 Kilotonnen TNT-Äquivalent; die 1945 über Hiroshima abgeworfenen Bombe Little Boy hatte im Vergleich dazu 12,5 kt, und die über Nagasaki abgeworfene Bombe „Fat Man“ hatte 22 kt. 1987, während des Kalten Krieges, waren rund 130 Raketen-U-Boote aktiv, darunter auf sowjetischer Seite rund 15 konventionell angetriebene Einheiten.

Geschichte Entwicklung Während des Zweiten Weltkrieges entwickelten deutsche Forscher mit der A4 (V2) die erste ballistische Rakete. Gegen Ende des Krieges wurde in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde eine V2-Version entwickelt, die in einem Startcontainer hinter einem U-Boot geschleppt werden sollte. Jedes U-Boot sollte bis zu drei dieser 36 Meter langen, mit zehn Soldaten bemannten Container durch die Nordsee ziehen. Vor England wäre der Container an die Oberfläche gebracht und die Raketen wären abgefeuert worden. Prototypen testete man bereits an der Ostseeküste, bevor das Projekt 1945 mit der Evakuierung von Peenemünde aufgegeben werden musste. Drei Container waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Bau. Der Kommandeur der Heeresversuchsanstalt Walter Dornberger beschrieb das Projekt als „nicht unverheißend“.Polmar, 2003, S. 103 f.

Erste Raketen-U-Boote mini|Frühes sowjetisches Golf-Klasse-Boot Bereits kurz nach dem Krieg starteten Ost und West Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, U-Boote mit ballistischen Raketen ausrüsten zu können. Der Kalte Krieg beschleunigte die Entwicklung. Erste Tests machte die sowjetische Marine. Nach erbeuteten deutschen Unterlagen aus Peenemünde baute man dort fünf U-Boote der Zulu-Klasse zu Raketenträgern um.Polmar, 1991, S. 153. 1955 feuerte ein U-Boot dieser Klasse erstmals eine ballistische Rakete ab.

Ab 1959 vollendeten dann sowohl die United States Navy als auch die sowjetische Marine die ersten als Raketen-U-Boote geplanten Schiffe. Die Vereinigten Staaten stellten Ende 1959 die George Washington und bis 1961 weitere vier Einheiten der George-Washington-Klasse in Dienst. Die Rümpfe dieser Boote waren eigentlich für Jagd-U-Boote der Skipjack-Klasse vorgesehen gewesen. Durch das Hinzufügen von Startrohren für die Raketen wurden daraus aber die ersten SSBN gefertigt. Die Sowjetunion stellte nur Wochen später das erste Boot ihrer Golf-Klasse in Dienst, die wie die Zulus einen dieselelektrischen Antrieb in einem Raketen-U-Boot implementierte. Diese blieben die einzigen konventionell betriebenen Raketen-U-Boote. 1961 stellte auch die Sowjetunion schließlich ein atomgetriebenes U-Boot mit ballistischen Raketen in Dienst; es gehörte der Hotel-Klasse an.

Die sowjetischen Boote mussten zum Abschießen der Raketen auftauchen und dann an der Oberfläche stabilisiert werden, was insgesamt rund 90 Minuten dauerte. Die US Navy hingegen konnte ihre Raketen von getauchten U-Booten aus starten lassen. Am 20. Juli 1960 schoss die George Washington erstmals getaucht eine ballistische Rakete ab. Im Oktober 1961 feuerte die Sowjetmarine erstmals eine U-Boot-gestützte Rakete mit thermonuklearem Sprengkopf ab, ein halbes Jahr später dann auch die US-Navy. Ab Mitte der 1960er Jahre rüstete auch die sowjetische Marine ihre Unterseeflotte auf Raketen zum Unterwasserstart um.Polmar, 2003, S. 110.

Diese ersten Raketen hatten noch sehr begrenzte Reichweiten. Auf amerikanischer Seite kamen die verschiedenen Versionen der UGM-27 Polaris mit Reichweiten zwischen 1000 und 2500 Seemeilen zum Einsatz, die Sowjetunion setzte die R-11 und R-13 ein, die Ziele in Entfernungen bis zu 370 Seemeilen erreichen konnten. Die R-21, ab 1963 eingesetzt, flog 750 Meilen weit.

Serienfertigung mini|Stapellauf der amerikanischen Theodore Roosevelt Die Sowjetmarine fertigte in den folgenden Jahren Raketen-U-Boote in großen Stückzahlen. Bis 1964 hatte sie rund 30 Golfs und Hotels in Dienst. Das gelang, da die konventionell getriebenen Boote der Golf-Klasse viel schneller produziert werden konnten als die größeren, komplexeren Atom-U-Boote. So besaß die US Navy 1964 nur 15 Boote, neben denen der Washington-Klasse auch fünf Boote der Ethan-Allen-Klasse und erste Boote der Lafayette-Klasse. China erwarb die Golf-Pläne und fertigte ein Boot der Klasse.

Bereits um 1960 hatte die Sowjetmarine jedoch die Entwicklung neuer SSBN zurückgestellt und ihren Fokus auf landgestützte Raketen gelegt, von den Klassen Golf und Hotel wurden nur noch die bereits georderten Einheiten fertiggestellt.Polmar, 1991, S. 295 f. Der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow schuf Ende 1959 die Strategischen Raketentruppen als eigenständige Teilstreitkraft und konzentrierte die strategischen Atomraketen innerhalb dieser. Strategische U-Boote wurden von ihm als unnötig angesehen.Polmar, 1991, S. 169. Bei der US Navy hingegen nahm die Baugeschwindigkeit in den folgenden Jahren mit steigender Erfahrung zu, bis 1967 hatte sie 41 SSBN in Dienst. Diese Flotte wurde, mit Gedanken an die gewollte Funktion der nuklearen Abschreckung, 41 for Freedom, also 41 für die Freiheit, genannt.

Mitte der 1960er Jahre revidierte die sowjetische Führung ihre Haltung bezüglich der Raketenboote, 1967 wurde die erste Einheit des Projekt 667A in Dienst gestellt, die sich technisch erstmals an westliche Entwürfe annäherte.Miller, Jordan, 1999, S. 20 und Polmar, 1991, S. 300. Zu den frühen Booten kamen in den folgenden Jahren 33 weitere Boote dieser Klasse hinzu. 1971 trat als Resultat der Strategic Arms Limitation Talks eine Begrenzung der SSBN in Kraft. Die Sowjetmarine mit 740 Startrohren auf atomgetriebenen Raketen-U-Booten durfte zwar auf 950 Starter auf 62 Booten aufstocken, aber nur bei gleichzeitiger Außerdienststellung älterer Boote oder landgestützter Interkontinentalraketen. Der US Navy waren, unter gleichen Bedingungen, 44 Boote mit 710 Startrohren erlaubt.

mini|Sowjetisches U-Boot des Projekt 941 Ab 1972 ergänzte die Sowjetmarine ihre Flotte zusätzlich mit den Booten des Typs Projekt 667B (Delta I), die in den Ausbaustufen 667BD (II) und 667BDR (III) bis 1982 36 Einheiten erhielt. Da sie dafür nur wenige U-Boote der Hotel- und Golf-Klasse und später Yankee-Klasse deaktivierte oder zu Jagd-U-Booten umrüstete, übertraf sie die US Navy, die weiterhin lediglich ihre 41 for Freedom einsetzte, bezüglich der Raketenboote zahlenmäßig recht bald bei Weitem.

Auch in Europa wurde Anfang der 1960er Jahre mit dem Bau von U-Booten mit ballistischen Raketen begonnen. 1967 stellte die Royal Navy ihr erstes SSBN der Resolution-Klasse in Dienst, dem bis 1969 drei weitere folgten. Die Marine Nationale fertigte mit der Gymnote erst ein konventionell getriebenes U-Boot mit vier Raketen, das als Testschiff für die nachfolgende SSBN-Klasse diente, und stellte ab 1971 die atomgetriebene Redoutable-Klasse in Dienst, die bis 1980 fünf Boote erhielt.

Ab Anfang der 1980er Jahre kamen die ersten SSBN zu den Flotten, die auch bis weit ins 21. Jahrhundert hinein in Dienst stehen werden. Auf Sowjetseite betrifft das die sechs Boote des Projekt 941 und die sieben Einheiten des Typs Projekt 667BDRM (Delta IV). Die US Navy vollendete ab 1981 die 18 SSBN der Ohio-Klasse, die die 41 for Freedom ersetzten. Gleichzeitig ließ auch die Volksrepublik China ihr erstes SSBN der Xia-Klasse vom Stapel.

Die auf diesen Booten eingesetzten Raketen erreichten erstmals interkontinentale Reichweite. Die amerikanische UGM-96 Trident I hatte eine Reichweite von fast 5000 Seemeilen, die verbesserte UGM-133 Trident II ab 1990 dann 7000 Meilen. Diese werden auch von der Royal Navy eingesetzt. Auch die sowjetische R-29 flog in ihren Varianten bis zu 5000 Meilen, die R-39 lag etwas darunter. Frankreich besaß mit der M 4 eine SLBM mit einer Reichweite von 2700 Seemeilen, Chinas erste Rakete, die JL-1, flog gerade 1100 Seemeilen.

Nach dem Kalten Krieg mini|Britisches SSBN HMS Vanguard der Vanguard-Klasse (1994) Die Royal Navy stellte Anfang der 1990er Jahre mit der Vanguard-Klasse die erste SSBN-Klasse nach dem Kalten Krieg in Dienst, die jedoch noch während dieser Phase entwickelt wurde. Ähnlich verhielt es sich mit der französischen Triomphant-Klasse, die ab 1997 in Dienst gestellt wurde. Für diese wurde die M 45 mit einer Reichweite von 3300 Meilen entwickelt.

Die nunmehr russische Marine übernahm die SSBN-Flotte der Sowjetunion, 1987 bestehend aus über 60 atomar und 15 konventionell getriebenen Raketen-U-Booten,Miller, Jordan, 1999, S. 12. konnte den Betrieb aber finanziell kaum aufrechterhalten. Die noch aktiven Golf, Yankees sowie Delta I und II wurden bis 1995 außer Dienst gestellt, später dann erste Typhoon sowie Delta III. Auch die US Navy überlegte, vier ihrer Ohios zu deaktivieren, konvertierte sie dann aber zu U-Booten mit Marschflugkörpern (SSGN).

Russland und China fertigten im 21. Jahrhundert die ersten neuen SSBN. Russland belebte die Borei-Klasse wieder, deren Planung bereits um 1990 begonnen hatte. Im Januar 2013 wurde mit der „Juri Dolgoruki“ deren erste Einheit in Dienst gestellt. China baut die Jin-Klasse, der Fortschritt ist unbekannt. Dazu unterhält China eine konventionell betriebene Einheit der Golf-Klasse als Testplattform. Der Status der atomar betriebenen Xia-Klasse ist unbekannt. Mit der Bulawa (Reichweite bis zu 5600 mi) respektive der JL-2 (5000 mi) entwickelten beide Nationen auch neue Raketen.