Sabolotiw (; , deutsch selten Zablotow) ist eine Siedlung städtischen Typs der Oblast Iwano-Frankiwsk in der West-Ukraine. Die Siedlung liegt am Oberlauf des Pruth am Fuß der Karpaten, am östlichen Rande des Gebiets das Teil der historischen Landschaft Galizien ist.
Geschichte mini|links|Kirche im Ort 1455 wurde die in der Woiwodschaft Ruthenien des Königreichs Polen gelegene Ortschaft erstmals urkundlich erwähnt. Nach der polnischen Teilung von 1772 kam das Gebiet als Teil Galiziens an die Habsburgermonarchie. Zwischen 1854 und 1867 war der Ort Sitz einer Bezirkshauptmannschaft,Reichsgesetzblatt vom 24. April 1854, Nr. 111, S. 401. danach bis 1918 der Sitz eines Bezirksgerichts des Bezirks Śniatyn. 1790 wurde die jüdische Gemeinde (Schtetl) gegründet. 1903 kam es zu einem Pogrom gegen die chassidische Gemeinde, bei dem 40 jüdische Bewohner teils schwer verletzt wurden. Das Pogrom ging fast ausschließlich von der ruthenischen (ukrainischen) Landbevölkerung aus, die den Juden ihre Loyalität zu den in Galizien dominierenden Polen vorwarfen. 1910 lebten in Zablotow 2171 Juden und 2587 Andere, mehrheitlich Ruthenen.Albert Lichtblau (Hrsg.): Als hätten wir dazugehört. Österreichisch-jüdische Lebensgeschichten aus der Habsburgermonarchie. Böhlau, Wien 1999, ISBN 3-205-98722-5, S. 22 und 102f.
Manès Sperber schildert seinen Geburtsort, sein Schtetl in seiner Autobiografie:
Im Ersten Weltkrieg war Sabolotiw zwischen den österreichisch-ungarischen Truppen, die Sabolotiw zweimal zeitweilig räumen mussten, unter anderem Anfang Juli 1916,Hermann Stegemann: Geschichte des Krieges, Band 4. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1921, S. 76 und 82–84. und russischen Truppen hart umkämpft und wurde dabei teilweise zerstört. Schließlich behielten die Österreicher die Oberhand.
Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns wurde Sabolotiw 1920 polnisch. 1939 wurde das Gebiet aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes von der Sowjetunion besetzt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Sabolotiw 1941 durch die Wehrmacht erobert. Die jüdische Bevölkerung, die nicht rechtzeitig fliehen konnte, wurde in einem nationalsozialistischen Ghetto konzentriert und im Holocaust ermordet. Der Massenmord in Sabolotiw begann im April 1942 durch Einheiten der Sicherheitspolizei (SiPo) unter Leitung des SS-Obersturmführers Peter Leideritz (1911–1949), dem Chef der SiPo-Außenstelle in Kolomea.Dieter Pohl: Nationalsozialistische Judenverfolgung in Ostgalizien 1941–1944. Organisation und Durchführung eines staatlichen Massenverbrechens. Verlag Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56233-9, S. 191. Eine weitere „Juden-Aktion“ in Sabolotiw folgte im September 1942 durch das Reserve-Polizeibataillon 133.Dieter Pohl: Nationalsozialistische Judenverfolgung in Ostgalizien 1941–1944. Organisation und Durchführung eines staatlichen Massenverbrechens. Verlag Oldenbourg, München 1996, S. 228.
Verwaltungsgliederung Am 24. Juli 2017 wurde die Siedlung zum Zentrum der neugegründeten Siedlungsgemeinde Sabolotiw (). Zu dieser zählten auch noch die 11 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten DörferВідповідно до Закону України "Про добровільне об'єднання територіальних громад" у Івано-Франківській області у Снятинському районі Заболотівська селищна, Ганьківська, Іллінецька, Олешківська, Рудниківська, Троїцька, Тростянецька та Шевченківська сільські ради рішеннями від 21, 22, 23 і 24 липня 2017 року, bis dahin bildete sie die gleichnamige Siedlungratsgemeinde Sabolotiw (Заболотівська селищна рада/Sabolotiwska selyschtschna rada) im Westen des Rajons Snjatyn.
Am 12. Juni 2020 kamen noch die Dörfer Balynzi, Borschtschiw, Borschtschiwska Turka, Butschaki, Chlibytschyn, Kelychiw, Tulukiw und Trofaniwka zum Gemeindegebiet.Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 714-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Івано-Франківської області"
Am 17. Juli 2020 wurde der Ort Teil des Rajons Kolomyja.Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Sabolotiw Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Balynzi Балинці Балинцы (Balinzy) Balińce Borschtschiw Борщів Борщов (Borschtschow) Borszczów Borschtschiwska Turka Борщівська Турка Борщовская Турка (Borschtschowskaja Turka) Turka Borszczówska Butschaki Бучачки Бучачки (Butschatschki) Buczaczki Chlibytschyn Хлібичин Хлебычин (Chlebytschin) Chlebiczyn Polny Hankiwzi Ганьківці Ганьковцы (Gankowzy) Hańkowce Illinzi Іллінці Ильинцы (Iljinzy) Ilińce Kelychiw Келихів Келихов (Kelichow) Kielichów Ljubkiwzi Любківці Любковцы (Ljubkowzy) Lubkowce Oleschkiw Олешків Олешков (Oleschkow) Oleszków Roschnewi Polja Рожневі Поля Рожневые Поля (Roschnewyje Polja)
Rudnyky Рудники Рудники (Rudniki) Rudniki Schewtschenkowe Шевченкове Шевченково (Schewtschenkowo) Albinówka Sibraniwka Зібранівка Зибрановка (Sibranowka) Zebranówka Trijzja (bis 2025 TrojizjaВерховна Рада України; Постанова від 05.06.2025 № 4484-IX Про перейменування окремих населених пунктів) Трійця (Троїця) Троица (Troiza) Trójca Trofaniwka Трофанівка Трофановка (Trofanowka) Trofanówka Trostjanez Тростянець Тростянец Trościaniec Tulukiw Тулуків Тулуков (Tulukow) Tułuków Wyschniwka Вишнівка Вишневка (Wischnewka) Wiszniówka
Wirtschaft In Sabolotiw gibt es in erster Linie tabak- und lebensmittelverarbeitende Betriebe. Etwa 400 Personen, also fast ein Zehntel der gesamten Einwohner, arbeiten im Ausland.
Persönlichkeiten Otton Marcin Nikodým (1887–1974), polnischer Mathematiker Manès Sperber (1905–1984), Schriftsteller Milo Sperber (1911–1992), Schauspieler
Weblinks
Eintrag zum Ort in der Enzyklopädie der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR (ukrainisch)
A City and the Dead. Zablotow Alive and Destroyed Memorial Book of Zabolotov (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Iwano-Frankiwsk Kategorie:Ort am Pruth Kategorie:Ersterwähnung 1455 Kategorie:Rajon Kolomyja