mini|Eduard Wiebe Eduard Wiebe (* 12. Oktober 1804 in Stalle bei Marienburg (Westpreußen); † 23. Februar 1892 in Berlin; vollständiger Name: Friedrich Eduard Salomon Wiebe) war ein deutscher Bauingenieur und preußischer Baubeamter, der auf den Gebieten des Eisenbahnbaus und des städtischen Tiefbaus (Kanalisation) hervortrat.

Leben Eduard Wiebe war ein Sohn des Pfarrers Nathaniel Friedrich Wiebe und dessen Ehefrau Charlotte, geb. Waechter.Standesamt Berlin 3, Sterbe-Register 1892, Urkunde Nr. 231. In: Ancestry.com. Berlin, Deutschland, Sterberegister, 1874–1986 [Datenbank online]. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er als Baueleve bei den Wasserbauten an der Weichsel, legte 1825 seine Feldmesserprüfung ab und war bis 1826 beim Festungsbau in Thorn tätig. 1826 begann er sein Studium an der Berliner Bauakademie und machte 1830 die Bauführerprüfung. Zeitgleich studierte er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität Mathematik und Physik. 1832 wurde er Mitglied des Architektenvereins zu Berlin. 1836 wurde er Baumeister und machte anschließend eine Studienreise nach England, Belgien und Frankreich. In den Diensten der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn-Gesellschaft war er ab 1837 bauleitender Ingenieur der Bahnstrecke Düsseldorf–Elberfeld, der ersten Eisenbahnstrecke in Westdeutschland. Für die damalige Zeit völlig ungewöhnlich waren die starken Steigungen der Strecke von bis zu 3,3 Prozent, die mit einem Seilzugsystem bewältigt wurden. Nachdem er feststellte, dass niemand die Lokomotiven bedienen konnte, ließ er sich in Belgien selbst zum Führen der Maschinen ausbilden. Nach seiner Rückkehr lernte er ortsansässiges Personal an und fuhr bei der Streckeneröffnung selbst.Von der Düsseldorf-Elberfelder bis zur DB AG. lokschuppen-hochdahl.de

1838 wurde er zum Eisenbahnbaumeister ernannt und arbeitete ab 1843 als Bauinspektor in der Bauabteilung des Finanzministeriums (Ressort Eisenbahnbau). Ab 1846 war er als Regierungs- und Baurat in Köln tätig und arbeitete beim Eisenbahnkommissariat in Erfurt. 1849 wurde er in Bromberg technisches Mitglied der Direktion der Preußischen Ostbahn, deren Vorsitzender er 1853 wurde. 1855 wurde er Mitglied der technischen Baudeputation. Ab 1856 leitete er im Auftrag der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft den Bau der Eisenbahnstrecke von Stargard nach Köslin und Kolberg, für dieses Projekt wurde er aus dem Staatsdienst beurlaubt. 1859 wechselte er als Vortragender Rat in die Bauabteilung des preußischen Handelsministeriums in Berlin. Dort war er für die Entwicklung eines Entwässerungssystems für Berlin verantwortlich. 1860 unternahm er gemeinsam mit James Hobrecht und Ludwig Alexander VeitmeyerDatensatz zu Veitmeyer. luise-berlin.de Reisen nach Großbritannien und Frankreich zum Studium städtischer Kanalisationssysteme. 1861 legte er einen Plan zur Entwässerung Berlins in unterirdischen Kanälen nach Londoner Vorbild vor.Shahrooz Mohajeri: 100 Jahre Berliner Wasserversorgung und Abwasserentsorgung 1840–1940. Franz Steiner Verlag, 2005, ISBN 3-515-08541-6, Durch ein Rohrleitungsnetz sollten die Abwässer in zwei Kanäle und westlich von Berlin ungeklärt in die Spree geleitet werden, der Plan wurde aus hygienischen Gründen abgelehnt. Hobrecht erweiterte später das Konzept zu einem dezentralen Radialsystem, in dem die Stadt in einzelne Bereiche geteilt wurde, von deren jeweils tiefstem Punkt die Abwässer auf die Berliner Rieselfelder gepumpt wurden.

Wiebe projektierte 1863 das Entwässerungssystem der Stadt Danzig, das 1872 nach seinen Plänen gebaut wurde. Hierfür wurde er 1872 zum Oberbaurat ernannt und 1884 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Danzig ausgezeichnet. Des Weiteren entwickelte er Entwässerungssysteme für Breslau, Triest und Königsberg. Ab 1866 projektierte er die Berlin-Lehrter Eisenbahn.

1875 ging er in den Ruhestand.

Eduard Wiebe starb 1892 im Alter von 87 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Alten Kirchhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde in Schöneberg beigesetzt. Das Grab ist nicht erhalten.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 758.

Eine Straße in Berlin-Moabit ist nach ihm und anderen Mitgliedern der Familie benannt.Moabiter Straßenlexikon

Familie Eduard Wiebe heiratete 1837 Gertrud Elisabeth Sprick, mit der er mehrere Kinder hatte. Der Sohn Friedrich Eduard (1842–1876) wurde ebenfalls Architekt.Standesamt Hoppenbruch, Kr. Marienburg, Sterbe-Register 1876, Urkunde Nr. 7. In: Ancestry.com. Östliche preußische Provinzen, Deutschland [heute Polen], ausgewählte standesamtliche Einträge, 1790–1945 [Datenbank online] Nach dem Tod seiner Frau war er in zweiter Ehe mit Auguste Bergmann verheiratet. Die Tochter Marie Helene Elisabeth Wiebe heiratete ihren Cousin Adolf Wiebe. Wiebes Bruder war der Jurist Friedrich Leonhard Wiebe, Vater der Architekten Hermann und Adolf Wiebe.

Werke Geneigte Ebenen mit Locomotiven-Betrieb: ein durch die Erfahrung erprobtes Mittel zur Vermeidung stehender Dampfmaschinen und zur wohlfeileren Herstellung von Eisenbahnen in Gebirgsgegenden. Schropp, Berlin 1842;

Literatur

Michael Werling: Architekturlehrer der FH Köln Teil I / Die Ehemaligen. Hrsg. anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des Fachbereichs bzw. der Fakultät für Architektur der FH Köln, Köln 2006, S. 207 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bauingenieur Kategorie:Eisenbahningenieur Kategorie:Ehrenbürger von Danzig Kategorie:Stadtplaner (Deutschland) Kategorie:Geboren 1804 Kategorie:Gestorben 1892 Kategorie:Mann Wiebe