St. Alexander und Theodor ist die Kirche der oberschwäbischen Benediktinerabtei Ottobeuren im Landkreis Unterallgäu. Das Gotteshaus der ehemaligen Reichsabtei gehört durch seine spätbarocke Ausstattung zu den Höhepunkten der Oberschwäbischen Barockstraße. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen ist St. Alexander und Theodor nicht geostet, sondern nach Süden ausgerichtet. Die seit 1804 dem Land Bayern gehörende Kirche erhielt 1926 von Papst Pius XI. den Ehrentitel Basilica minor. Die Kirche ist dem Heiligen Theodor Tiro und dem Märtyrer Alexander von Rom geweiht.
Bekannt wurde die Basilika vor allem durch die Ottobeurer Konzerte, von denen einige im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Wallfahrten waren früher eine wichtige Einnahmequelle der Benediktiner, sind aber heute nicht mehr von Bedeutung.
Lage mini|Nordfassade mini|Ansicht vom Marktplatz mini|Seitenansicht Die Kirche steht auf einem sanft ansteigenden Hügelrücken westlich des Marktplatzes des oberschwäbischen Marktes Ottobeuren. Sie ist weithin über das Tal der Westlichen Günz zu sehen.
Geschichte mini|Jubiläumsfresko Die erste Kirche muss mit der Klostergründung im Jahr 764 erbaut worden sein. 1089 ist ein Neubau belegt.Prusinovsky, Seite 6 Bereits 1204 ist ein weiterer Neubau mit einem Michaelschor im Westen in Angriff genommen worden. Unter dem Michaelschor befand sich eine Ursulagruft. 1525 wurde das Kloster samt Kirche im Bauernkrieg geplündert. 1553 wurde mit der Erneuerung der gotischen Kirche begonnen. Zuerst wurde der Michaelschor mit der Ursulagruft abgebrochen und durch einen breiteren Mönchschor ersetzt. Der damalige noch geostete Hochchor wurde mit einer Krypta versehen. Die achteckigen Abschlüsse der beiden Osttürme wurden mit Zwiebelhauben gekrönt. Am 21. September 1558 wurde die im Renaissancestil erneuerte Kirche eingeweiht. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche samt Kloster zwischen 1630 und 1635 mehrmals verwüstet.
Im Jahre 1682 wurde der Neubau eines barocken Klosters geplant, der 1686 mit der Barockisierung der alten Kirche begann. Dieser Umbau wurde jedoch kurz darauf eingestellt. Ab 1711 wurde die gesamte Klosteranlage Stück für Stück abgebrochen und durch einen neuen, barocken Bau ersetzt. Die Klosterkirche wurde zwischen 1737 und 1766 neu erbaut. 1802 wurde die Reichsabtei im Zuge der Säkularisation aufgelöst, die Kirche ging in den Besitz des Kurfürstentums Bayern, später in das Königreich Bayern über. Einigen der damals 48 Mönche wurde erlaubt, das Klosterleben im oberschwäbischen Ottobeuren fortzuführen, was nur unter schwierigen Bedingungen möglich war. So blieb auch die Klosterkirche weiterhin als solche bestehen. Ab 1834/1835 wurden Kloster und Klosterkirche als abhängiges Priorat der Benediktinerabtei Augsburg weitergeführt. Am 25. Januar 1926 verlieh Papst Pius XI. der Abteikirche mit dem Apostolischen Schreiben Refert ad Nos den Titel Basilica minor.Pius XI.: Litt. Apost. Refert ad Nos, in: AAS 18 (1926), n. 6, S. 214s.
Baugeschichte Als Hausarchitekt erstellte der Prior des Klosters P. Christoph Vogt im Jahre 1711 die ersten Pläne für eine neue Kirche im Typus der Kollegienkirche in Salzburg. Ab 1720 bewarben sich mehrere Architekten um den Bau der Kirche, zunächst Donato Giuseppe Frisoni, Kaspar Radmiller und Andrea Maini, später auch so bedeutende wie Dominikus Zimmermann und Joseph Schmuzer. Doch erst Simpert Kramer konnte sich mit seinen Plänen von 1736 durchsetzen und die Leitung für den Kirchenbau übernehmen. Er orientierte sich stark an der Basilika Weingarten, die 1724 eingeweiht worden war. Am 27. September 1737 wurde der Grundstein zum heutigen Kirchenbau durch Abt Rupert Neß gelegt. Nach dessen Tod am 20. Oktober 1740 entzog sein Nachfolger, Abt Anselm Erb, Baumeister Kramer 1744 die Bauleitung. Der Münchner Hofbaumeister Joseph Effner musste die Pläne überarbeiten. Effner entschied sich für einen geraden Abschluss des Chores. Wegen seines Todes im Jahre 1745 wechselte die Bauleitung ein weiteres Mal und der Münchner Architekt Johann Michael Fischer übernahm 1748 den noch in den Fundamenten steckenden Bau. In den folgenden fünf Jahren wurde die alte Kirche abgebrochen und der Rohbau der heutigen Kirche erstellt. Das riesige Dachwerk wurde 1753 unfallfrei auf den vollendeten Rohbau gesetzt.
Bei der Bewerbung um die Innenausstattung setzte sich 1755 Johann Michael Feuchtmayer gegen seinen Cousin und Konkurrenten Joseph Anton Feuchtmayer durch. Das Künstlerteam um Feuchtmayer konnte ebenfalls für die Innenausstattung gewonnen werden. Gleichzeitig wurde der erste Vertrag mit dem Bildhauer und Stuckplastiker Johann Joseph Christian bezüglich des Chorgestühls geschlossen. Im Mai 1755 waren die Maurerarbeiten an den Gewölben beendet. Zur selben Zeit wurden vermutlich die ersten Verträge mit den Tiroler Malern und Freskanten Johann Jakob Zeiller und Franz Anton Zeiller für die Gewölbefelder geschlossen. Beide freskierten später, teilweise gemeinsam, die Gewölbefelder. Ein Jahr später begannen die Innenarbeiten mit der Freskierung der Gewölbe und der Anfertigung der ersten Stuckplastiken. 1758 wurde ein zweiter Vertrag mit Johann Michael Feuchtmayer über Stuckarbeiten geschlossen. Ein Jahr später waren die Steinskulpturen an der Fassade fertig. Die dortigen Vergoldungen stammten von Johann Jakob Kleindorffer aus Mindelheim.
Die beiden Türme wurden 1760 vollendet. Die Turmkreuze vergoldete Martin Knoblauch aus Söflingen bei Ulm. Im selben Jahr wurden die Fresken in den Hauptgewölben fertiggestellt. Der Hochaltar wurde 1761 gefasst, mit ihm begann die Ausstattung der Kirche mit der mobilen Inneneinrichtung, welche erst 1777 abgeschlossen wurde. Die beiden Chororgeln wurden 1766 vollendet. Zur Einweihung des Gotteshauses veranstaltete man eine achttägige Feier, die am 28. September 1766 begann. Mit dieser Einweihung feierte das Kloster sein 1000-jähriges Jubiläum nach, das man wegen der noch nicht fertiggestellten Kirche um zwei Jahre verschoben hatte. 1767 starb der Bauherr Abt Anselm Erb. Kleinere Veränderungen beim Mobiliar wurden noch des Öfteren vorgenommen, jedoch stammt der Großteil der erhaltenen Gegenstände aus der Erbauungszeit.
Zwischen 1960 und 1964 erfolgte eine umfassende Innen- und Außenrenovierung der Basilika.
Im Sommer 2000 fielen Putzbrocken aus der Engelskuppel herab. Der darunterliegende Kirchenraum wurde vorerst mit einem Schutznetz gesichert. Eine Untersuchung ergab, dass der Horizontalschub der ungünstig ausgelegten Dachkonstruktion die Längswände des Mittelschiffs auf ihrer gesamten Länge nach außen drückte und das Dach dadurch absackte. Dies führte auch zu Rissen in allen drei Kuppeln, da deren Widerlager dadurch ebenfalls nach außen hin nachgaben. Zudem drang an zahlreichen Stellen Nässe ins Dach ein und verursachte massive Fäulnisschäden im Gebälk. Die größte Sanierung der Kirche begann 2004 und wurde 2010 abgeschlossen. Mit stählernen Stützkonstruktionen im Dachstuhl sowie einem im Dachstuhl über der Vierungskuppel eingebauten Ringanker wurde den statischen Unzulänglichkeiten begegnet. Die für diese Arbeiten nötige Einrüstung des Kirchenraumes konnte dann auch für Ausbesserungen und Untersuchungen an den Deckengemälden genutzt werden.Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr: Basilika Ottobeuren Instandsetzungsmaßnahmen an Kuppeln und Dachstuhl In dieser Zeit wurden auch die Türme der Kirche instandgesetzt.
Baubeschreibung und Ausstattung Außenbau Die kreuzförmig angelegte Kirche ist von Norden nach Süden orientiert. Zwei 82 Meter hohe Türme flankieren die Nordfassade. Die vorgewölbte Nordfassade ist in Breite und in Höhe dreigliedrig gestaltet. In der unteren Zone befinden sich das große Hauptportal und links und rechts davon jeweils ein kleineres Eingangsportal, darüber sind in Kartuschen die Worte aus der Jakobsgeschichte der Genesis (28,16-19) Heilig und Haus Gottes und Himmels Porten zu lesen. Die mittlere Zone der Fassade ist durch drei große Rundbogenfenster aufgelockert. Über dem Mittelfenster konfrontiert der Erzengel Michael auf seinem Schild mit der Frage Quis ut Deus?. Unmittelbar darüber stehen der Heilige Benedikt, der Gründer des Benediktinerordens, an den Giebelenden als Begleitfiguren die Märtyrer Alexander und Theodor, denen die Kirche geweiht ist. Den Dachfirst schmückt das Auge Gottes im trinitarischen Dreieck.
2014 sind die originalen Heiligen Alexander und Theodor aus Sandstein (Höhe 4 m) von Joseph Christian, Steinbildhauer, Holzschnitzer und Stuckplastiker, „zu uns auf die Erde gekommen“.Baudirektorin Cornelia Bodenstab, Kempten, www.ottobeuren-macht-geschichte.de Sie säumen seitdem den Treppenaufgang zur Basilika wie die moderne Bronzeskulptur des Erzengels Raphael mit Wanderstab (Höhe ca. 5 m) von Marlene Neubauer-Woerner (1968).Zur Werkbezeichnung als Erzengel Raphael vgl. den Ausstellungskatalog: Rainer Neubauer/Bayerische Landesbank: Marlene Neubauer-Woerner, Münchner Bildhauerin, München 2008, S. 71. Die Deutung der Skulptur als Erzengel Michael kann sich hingegen auf die Aufschrift auf der Gewandung des Engels berufen, Quis ut deus? – Wer ist wie Gott?, die als lateinische Übersetzung des hebräischen Namens Michael ein häufiges ikonographisches „Attribut“ von Michaelsdarstellungen ist. Die neuen Figuren der Heiligen Alexander und Theodor an der Nordfassade in 35 Metern Höhe sind Nachbildungen.
Dahinter schließt sich das etwa 30 Meter lange dreischiffige Langhaus an. Danach folgt das Querhaus, dessen Querarme abgerundet enden, bevor der sich anschließende erhöhte Chor- und Hochaltarraum, auf die Breite des Hauptschiffs reduziert, nach etwa 40 Meter in einem geraden Chorabschluss endet.
Innenraum mini|Der Kirchengrundriss mini|Blick in das Hauptschiff der Kirche mini|Das Mittelfresko in der Eingangshalle mini|Benediktiner-Fresko (Übersicht) mini|Blick in die drei großen Kuppeln. Von oben nach unten bzw. von Süd nach Nord: Engelskuppel, Vierungskuppel, Benediktuskuppel. mini|Der Kreuzaltar mit romanischem Kruzifix und der Hochaltar im Hintergrund Der Innenraum ist spätbarock ausgestattet. Er gliedert sich in Eingangshalle, Hauptschiff mit östlichem und westlichem Seitenschiff, westliches und östliches Querschiff, und den Chor.
Eingangshalle Den drei Eingangsportalen sind an der Decke der Vorhalle drei mit Stuck verzierte Gewölbefresken in Goldrahmen zugeordnet. Das mittlere Deckenfresko, das größte der drei, mit trapezförmigem Zuschnitt, zeigt die Vertreibung der Geldwechsler und HändlerFresko Nr. F1 im Grundriss aus dem Tempel, das westliche Deckenfresko, birnenförmig, die Opfergabe der armen WitweNT Markus 12, 41-44 und Lukas 21, 1-4, das östliche, ebenso geformt, das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner.Westliches Fresko Nr. F2, östliches Fresko Fresko Nr. F3 im Grundriss Durch das klassizistische schmiedeeisernes Gitter in Weiß und Gold (1792) gelangt man in das Langhaus. Die Wappen über den Emporen-Stützsäulen sind die von Papst Pius XI. und das von Papst Benedikt XVI. Über der Vorhalle befindet sich die Empore für die Marienorgel.
Mittelschiff Das Mittelschiff hat eine Länge von 89 Metern und besitzt pro Seite 10 Marmorsäulen, welche das Hauptschiff von den Seitenschiffen trennen. Die Höhe in der Vierung beträgt 36 Meter, der Innendurchmesser der Kuppel 23 m. Die Decke ist durch drei große Kuppeln mit Fresken und zwei kleinere Gewölbefresken unterteilt.
Nördlicher Teil