Ernst August Leopold Holzlöhner (* 23. Februar 1899 in Insterburg (Ostpreußen); † 14. Juni 1945 in Mohrkirch-Osterholz) war ein deutscher Physiologe, Hochschullehrer und Nationalsozialist.
Jugend, Ausbildung, Familie Ernst August Leopold Holzlöhner wurde am 23. Februar 1899 in Insterburg im Deutschen Reich (Ostpreußen) geboren. Holzlöhner war der Sohn des Schulrats Albert Holzlöhner und dessen Frau Martha, geborene Koch. Die Familie war evangelisch und Holzlöhner wuchs in einem bildungsbürgerlichen Haushalt auf. Er besuchte eine Schule in seiner Heimatstadt Insterburg und legte dort das Abitur ab. Während des 1. Weltkrieges meldete sich Holzlöhner 1917 freiwillig zum Militärdienst und diente bis 1918 als Soldat. Nach dem Kriegsende war er einige Monate Mitglied im Freikorps Selbstschutz Oberschlesien sowie im Bund Oberland Würzburg. Aus diesen paramilitärischen Organisationen gingen später Teile der Sturmabteilung (SA) hervor. Nach dem Krieg studierte er ab 1918 ein Studium der Humanmedizin an den Universitäten in Freiburg, Kiel, Greifswald, Würzburg und Graz. Das Studium schloss er 1923 mit dem Staatsexamen ab. Im gleichen Jahr promovierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit der Dissertation “Über einen Fall von präsystolischem Galopprhythmus mit gleichzeitigem Flint’schen Geräusch bei einer Aorteninsuffizienz” zum Doktor der Medizin. Schließlich habilitierte er sich im Fachbereich Physiologie über das Thema „Die Wirkung der Abkühlung auf den Warmblüter“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin.
Ernst Holzlöhner war mit Edelgard Holzlöhner (geb. Goltsch) verheiratet. Gemeinsam hatten sie zwei Töchter: Barbara Holzlöhner, geb. am 21. Januar 1931 und Veronika Holzlöhner, geb. am 13. April 1934.
Beruflicher Werdegang und Wirken im Nationalsozialismus Holzlöhner ist vermutlich am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten und war ein überzeugter Nationalsozialist, was sich durch einen von ihm verfassten Beitrag in „Die Tat“ sehen lässt. Ebenso war er seit 1933 im Sanitätsdienst der SS Mitglied und durchlief weitere Positionen in nationalsozialistischen Organisationen. Nur durch entsprechendes Engagement in der NSDAP war es ihm möglich, seine bereits 1934 eine ordentliche Professur am Lehrstuhl für Physiologie an der Universität Kiel zu erhalten. Zuvor wurde seine Berufung von der Kieler Universität abgelehnt, jedoch später durch Einwirken der NS-Hochschulkommission genehmigt. Direkt nach seinem Antritt wurde Holzlöhner Führer des NS-Dozentenbundes. Nach Kriegsbeginn forschte Holzlöhner zum Thema „Die Wirkung der Abkühlung auf Warmblüter“ für die militärische Luftfahrt. Dabei führte er zusammen mit Dr. Sigmund Rascher und Dr. Erich Flinke Menschenversuche an ca. 50–60 Häftlingen des Konzentrationslager Dachau durch, dabei starben 15–18 Häftlinge. Die Veröffentlichung unter seinem Namen lehnte er ab, da Holzlöhner die negative Belastung seines Namens durch die Menschenversuche sorgte. Ihm war von Anfang an klar, dass seine Handlungen verwerflich waren und hatte Angst vor den Konsequenzen, beugte sich aber den Druck von Himmler und führte die Experimente durch. Über die Ergebnisse dieser Versuche referierte er bei der Tagung über Ärztliche Fragen bei Seenot und Winternot am 26. und 27. Oktober 1942.
Im Juni 1944 wurde Holzlöhner Prorektor der Universität Kiel um den Rektor Andreas Predöhl in seiner Abwesenheit zu vertreten. Er selbst wurde am 10. April 1945 Rektor der Universität und sollte eigentlich bis zum 15. April 1947 im Amt bleiben.
Nach Kriegsende wurde er am 6. Juni 1945 durch die britische Besatzungsmacht abgesetzt und inhaftiert. Nachdem der Inhaftierung, nahm er sich am 14. Juni 1945 in Mohrkirch-Osterholz im Rahmen eines gemeinschaftlichen Suizidversuchs per Kohlenmonoxidvergiftung das Leben. Er und seine jüngere Tochter verstarben, seine Ehefrau und die ältere Tochter haben überlebten die Vergiftung mit schweren gesundheitlichen Folgen, wie Gedächtnisschwäche.
Nach seinem Suizid wurde er vom Landesausschuss für Entnazifizierung in die Kategorie 3 „minder belastet“ eingestuft.
Mitgliedschaften 1921–1923 Freikorps „Selbstschutz Oberschlesien“ ab 1923 Bund Oberland Würzburg ab 1. Mai 1933 NSDAP 1933/1934–1934 SS-Sanitätsdienst ab 1934 NS-Fliegersturm ab 1934 NS-Dozentenschaft (Führungsposition) ab 1934 NS-Dozentenbund (Führungsposition)
Literatur Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik (= Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte. Band 6). Synchron, Heidelberg 2004, ISBN 3-935025-68-8, S. 78–79. Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. 3. Auflage. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-10-039306-6. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 268–269. Karl-Werner Ratschko: Drei Kieler Medizinprofessoren im „Dritten Reich“, Ernst Holzlöhner, Hans Gerhard Creutzfeldt und Enno Freerksen. In: Christoph Cornelißen, Carsten Mish (Hrsg.): Wissenschaft an der Grenze, Die Universität Kiel im Nationalsozialismus. Klartext, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0240-4, S. 135–150.
Weblinks
NS-Archiv: Schriftwechsel mit Dr. Rascher
Einzelnachweise
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