mini|Bernkastel-Kues von Südosten aus der Luft gesehen mini|Bernkastel-Kues: Rechts die Altstadt von Bernkastel, links der Stadtteil Kues. mini|Kues mini|Bernkastel-Kues im 17. Jahrhundert. Kupferstich nach Matthäus Merian.
Bernkastel-Kues [] („Kues“ mit Dehnungs-e), amtliche Schreibweise bis zum 16. Juli 1936: Bernkastel-Cues,Statistik des Deutschen Reichs. Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich. Teil I, Berlin 1939, S. 268. noch ältere Schreibweise Berncastel-Cuesetwa noch 1927 im Bahnhofsverzeichnis des "Reichskursbuchs", Ausgabe Nr. 2 von 1927 (Nachdruck erschienen bei Ritzau, Pürgen 2002, ISBN 3-935101-02-3), S. 11;historische Angaben auf territorial.de, ist eine verbandsangehörige Stadt an der Mittelmosel im Landkreis Bernkastel-Wittlich, Rheinland-Pfalz. Sie ist staatlich anerkanntes Heilbad, Sitz der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues sowie des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel (DLR Mosel), Geburtsort des mittelalterlichen Kirchenmanns und Philosophen Nikolaus von Kues (Cusanus) sowie ein Mittelzentrum.
Geographie Lage Bernkastel-Kues liegt im Moseltal, zirka 50 Kilometer von Trier entfernt. Die höchste Erhebung ist der Olymp (), der niedrigste Punkt () liegt am Moselufer. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 23,71 km², davon werden 5,93 km² landwirtschaftlich genutzt.Flächennutzung am 31. Dezember 2020 auf infothek.statistik.rlp.de, abgerufen am 9. August 2022 Damit ist Bernkastel-Kues flächenmäßig eine der größten Städte der Mittelmosel. Unmittelbar benachbarte Ortsgemeinden sind (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend) Zeltingen-Rachtig, Graach an der Mosel, Longkamp, Monzelfeld, Mülheim an der Mosel, Lieser, Maring-Noviand und Platten.
Linke Zuflüsse der Mosel sind Heldengraben, Thelengraben, Waldgraben, Krausbach und der Bach aus dem Wehlener Wald. Rechte Moselzuflüsse sind Goldbach, Heidesheimgraben, Tiefenbach und Schadbach.
Stadtgliederung Bernkastel-Kues gliedert sich in vier Stadtteile: Andel und Bernkastel liegen am rechten, Kues und Wehlen am linken Moselufer.
Stadtteil Zugehörige Gemeindeteile Fläche (km²)geoindex.io – Geoindex Aktiengesellschaft Einw.Einwohner Stand 1/2010 Andel 3,08 737 Bernkastel Bergfried, Burg Landshut, Haus Heinz, Jugendherberge, Königsfarm, Schützenhaus, St. Johanishof, Waldschenke 6,66 978 Kues Am Hafen 5,09 4385 Wehlen Inkart, Klosterberg, Machern 8,87 1198 Summen 23,70 7298
Klima Die Stadt befindet sich in der Übergangszone vom gemäßigten Seeklima zum Kontinentalklima. Durch die Eifelbarriere liegt Bernkastel-Kues im Schutz und Regenschatten von Westwinden, die einen Föhneffekt bewirken können. Der Jahresniederschlag beträgt 706 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Die ersten Zeugnisse menschlicher Besiedlung (3000 v. Chr.) entdeckten Archäologen in Kues. Um 370 schrieb Decimus Magnus Ausonius, römischer Dichter und Lehrer am kaiserlichen Hof, sein Gedicht Mosella. Adalbero von Luxemburg, Propst des Trierer Stifts St. Paulin, wurde Herr von Bernkastel. Die erste urkundliche Nennung von Bernkastel stammt aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. An der Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert bezeichnete ein Geograph einen Ort Princastellum. Dies gilt als Beleg auf ein römisches Kastell im 4. Jahrhundert in der Nähe der heutigen Burgruine Landshut; hierauf weisen unter anderem unterhalb der Burg gefundene Beschläge, Keramik- und Eisenfunde hin. Die Namensform im 12. Jahrhundert Beronis castellum war eine gelehrte Relatinisierung, die sich auf den Trierer Propst Adalbero von Luxemburg (11. Jahrhundert) bezog. Mit dem dritten Burgbau wurde 1277 unter der Herrschaft des Trierer Erzbischofs Heinrich II. von Finstingen begonnen. Am 29. Mai 1291 verlieh König Rudolf I. von Habsburg Berrincastel die Stadtrechte. Die damals erbaute Burg Landshut erhielt diesen Namen erst im 16. Jahrhundert. 1332 wurden die Stadtrechte durch das Sammelprivileg Kaiser Ludwigs des Bayern erneut bestätigt. Durch die Goldene Bulle wurde Erzbischof Boemund II. Kurfürst. Der Sage nach wurde er durch ein Glas Wein von einer schweren Krankheit geheilt – die Legende um den Berncastler Doctor nahm ihren Anfang. 1401 wurde Nicolaus Cusanus in dem Haus des Moselschiffers Henne Cryfftz (Krebs), das besichtigt werden kann, geboren.1451 wurde das St.-Nikolaus-Hospital (Cusanusstift) errichtet, ein Armenhospital. 1505 tauchte in einer landesherrlichen Verordnung Jakobs II. zum ersten Mal für die erzbischöfliche Burg der Name Landshut auf. Kaiser Maximilian übernachtete 1512 auf dem Weg zum Reichstag in Trier in Bernkastel. Die Pest wütete 1627 in Bernkastel, in Kues 1641. 1692 fiel die Burg Landshut einer Feuersbrunst zum Opfer und ist seitdem eine Ruine. 1787 hatte das kurtrierische Amt Berncastel 4.743 Einwohner. Von 1794 bis 1814 war Bernkastel ein Kantonsort unter französischer Herrschaft, auf dem Wiener Kongress (1815) wurden Bernkastel und Kues dem Königreich Preußen zugeschlagen. Bernkastel wurde Sitz der Bürgermeisterei Bernkastel und 1821 Sitz des Kreises Bernkastel. 1848 kam die Revolution auch nach Bernkastel: Die schwarz-rot-goldene Fahne wurde am Rathaus gehisst und eine Bürgerwehr gebildet. Die erste Straßenbrücke zwischen Bernkastel und Kues wurde 1872/74 gebaut, 1882/83 die erste Bahnverbindung.
Die Stadt in der heutigen Form entstand am 1. April 1905 durch den Zusammenschluss der Stadt Bernkastel mit dem gegenüberliegenden Winzerdorf Kues. 1926 kam es zu großen Winzerunruhen an der Mosel, das Finanzamt in Bernkastel und das Zollamt in Kues wurden gestürmt. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 gab es schwere Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger; das Innere der 1852 eingeweihten Synagoge wurde zerstört und ging 1939 in Privatbesitz über. Die letzten vier jüdischen Einwohner wurden Mitte Oktober 1941 ins Ghetto Lodz deportiert. Seit 1988 erinnert eine Gedenktafel am Graacher Tor an die jüdischen Bewohner. Anlässlich des 70. Jahrestages der Pogromnacht wurden Stolpersteine verlegt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt mehrfach bombardiert. Dabei wurden am 19. Februar 1945 zahlreiche Häuser um den Marktplatz in Bernkastel zerstört und 41 Menschen getötet. Bei einem Angriff am 2. März wurden große Teile des alten Rathauses und weitere Gebäude zerstört und 29 Menschen getötet. Am 11. März wurde die Moselbrücke gesprengt und am darauf folgenden Tag begann der Beschuss durch amerikanische Artillerie. Am 15. März rückten die Amerikaner in Kues und am 16. in Bernkastel ein.Peter Kremer: Vor 20 Jahren: Der letzte Schuß. Chronik der letzten Kriegstage in der Stadt Bernkastel-Kues. in Neues Trierisches Jahrbuch 1965
1946 fanden die ersten demokratischen Wahlen nach dem Krieg statt; Hans Weber wurde Stadtbürgermeister. Am 7. November 1970 wurden Andel und Wehlen eingemeindet. Durch die rheinland-pfälzische Verwaltungsreform wurde durch den Zusammenschluss der Ämter Bernkastel-Land, Lieser, Mülheim, Zeltingen und der Stadt Bernkastel-Kues die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues gebildet. 1997 wurde der Burgbergtunnel feierlich eröffnet. Im Jahr 2000 begann die Partnerschaft zwischen Bernkastel-Kues und Karlovy Vary (Karlsbad). 2005 feierte die Stadt den Zusammenschluss von Bernkastel und Kues vor hundert Jahren; die Gemeinde wurde Heilklimatischer Kurort.
Einwohnerentwicklung
Konfessionsstatistik Laut Zensus 2022 waren 53,2 % der Einwohner römisch-katholisch, 11,6 % evangelisch und 35,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Juni 2026 waren 46,5 % der Einwohner katholisch und 10,5 % evangelisch, während 40,1 % einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten oder konfessionslos waren.Gemeindestatistik, abgerufen am 8. Juli 2026
Politik Stadtrat Der Stadtrat in Bernkastel-Kues besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP UBU Gesamt 2024 3 10 3 4 2 22 Sitze 2019 3 9 3 4 3 22 Sitze 2014 3 10 3 3 3 22 Sitze 2009 3 9 3 4 3 22 Sitze 2004 3 11 3 3 2 22 Sitze UBU = Unabhängige Bürgerunion Bernkastel-Kues e. V.
Bürgermeister Roman Bastgen (parteilos, unterstützt von der CDU) wurde am 12. Juli 2024 ehrenamtlicher Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit 52,4 % der Stimmen im ersten Wahlgang gegen Eric Achtermann (FDP) und Karin Faß (parteilos, unterstützt von der SPD) durchgesetzt. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,7 %.
Bastgens Vorgänger war seit dem Jahr 2000 Wolfgang Port (CDU). Zuletzt wurde er bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 61,58 % wiedergewählt. Bei der Wahl 2024 trat er nach 23 Jahren im Amt nicht erneut an.
Ports Vorgänger Helmut Gestrich war seit 1994 Bürgermeister der Stadt und wurde 1999 einmal wiedergewählt, trat aber am 22. November 2000 wegen Verstrickungen in die Doerfert-Affäre von seinem Amt zurück.Prägende Persönlichkeit verloren volksfreund.de, 30. Mai 2009.
Wappen mini|links|hochkant=0.4|Altes Stadtwappen mini|hochkant=0.4|Neues Wappen Das Wappen zeigt einen gevierten Schild, in dessen Feldern 1 und 4 in Schwarz je einen aufgerichteten silbernen Schlüssel, mit linkshingewendetem Bart, in 2 einen zugewendeten schwarzen Bären und in 3 in Gold einen roten, aufrechtstehenden Krebs.
Die Beschreibung des bis 1951 gültigen Stadtwappens lautete: Geviertet mit silbernem Herzschild, darin ein rotes Kreuz, 1 und 4 in Rot ein aufgerichteter silberner Schlüssel mit linkshin gewendetem Bart, 2 und 3 in Silber je ein zugewendeter schwarzer Bär.Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffeehandels-A.G., Bremen 1895
Die beiden Schlüssel versinnbildlichen die Himmelsschlüssel des Petrus, dem das Trierer Bistum geweiht ist. Der Bär symbolisiert das Wappentier der Stadt Bernkastel und der Krebs steht für den Kardinal Nikolaus von Kues, eigentlicher Name Cryfftz (=Krebs). In Deutschland gibt es nur fünf weitere Gemeinden mit einem Krebswappen: Bad Wurzach, Hohenfelde, Kreßberg, Vörstetten und Cottbus.
Städtepartnerschaften Karlsbad (Karlovy Vary), Tschechien Brixen, Südtirol, Italien
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke und Denkmäler mini|hochkant|Der Schriftsteller Hans Hoffmann posiert 1909 vor dem historischen Pranger am Rathaus von Bernkastel Bernkastel hat einen mittelalterlichen Marktplatz mit Giebelfachwerkhäusern aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, unter denen das aus dem Jahre 1416 stammende schmale Spitzhäuschen besonders hervorsticht. Um den St. Michaelsbrunnen von 1606 gruppieren sich eine Reihe gut erhaltener Bauten, darunter das Renaissance-Rathaus von 1608. An einer Ecke des Rathauses befindet sich der historische Pranger, der viele Jahre als Besucherattraktion des Städtchens galt.
Am rechten Moselufer in Bernkastel liegt die katholische Pfarrkirche St. Michael und St. Sebastian, deren imposanter Glockenturm ursprünglich als Wehrturm diente. Über dem Stadtteil liegt die Burgruine Landshut, eine ehemalige Sommerresidenz der Trierer Erzbischöfe, die 1692 durch ein Feuer zerstört wurde. Heute dient sie als beliebter Aussichtspunkt über das Moseltal. Sehenswert ist das einzige noch verbliebene Stadttor, das Graacher Tor.