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Die Fußball-Europameisterschaft 2016 (offiziell: UEFA Euro 2016), die 15. Austragung des Turniers, fand vom 10. Juni bis zum 10. Juli 2016 in Frankreich statt. Erstmals nahmen 24 statt wie zuvor 16 Mannschaften am Turnier teil.

Europameister wurde die portugiesische Nationalmannschaft um Cristiano Ronaldo, die Gastgeber Frankreich im Finale in Saint-Denis mit 1:0 n. V. schlug und damit zum ersten Mal überhaupt einen bedeutenden internationalen Titel gewann. Der Europameistertitel 2016 berechtigte die Mannschaft zur Teilnahme am Konföderationen-Pokal 2017.

Frankreich war nach der erstmaligen Austragung der Europameisterschaft 1960 und 1984 zum dritten Mal Gastgeber einer Europameisterschaft. Bis dato hatte noch kein Land als Gastgeber drei Europameisterschaften ausgetragen. Bei den letzten beiden großen Turnieren im eigenen Land, der EM 1984 und der WM 1998, war die Équipe Tricolore siegreich. Ihren zweiten und bislang letzten Europameistertitel gewann die französische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2000. Mit der Finalniederlage Frankreichs verlor der Gastgeber nach Portugal 2004 zum zweiten Mal in der Geschichte ein Finale bei einer Heim-EM.

Erstmals wurde eine Europameisterschaft in einem Land ausgetragen, das während des Turniers den Ausnahmezustand verhängt hatte.ARD: Tagesschau vom 11. Juli 2016, 20:00 Uhr Dieser war infolge der Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris verhängt worden, die während eines Freundschaftsspiels gegen die deutsche Nationalmannschaft stattfanden.

Titelverteidiger war die spanische Nationalmannschaft, die beim vorangegangenen Turnier ihren Titel von 2008 erfolgreich verteidigt und damit die Chance hatte, als erste Mannschaft den Titel dreimal in Folge zu gewinnen. Sie scheiterte jedoch im Achtelfinale an Italien.

Die Fußballnationalmannschaften aller drei DACH-Länder qualifizierten sich für das EM-Turnier. In der Vorrunde spielte der Weltmeister Deutschland in der Gruppe C, Österreich in der Gruppe F und die Schweiz in der Gruppe A, wobei Österreich bereits in der Gruppenphase ausschied und Deutschland und die Schweiz in die Finalrunde gelangten. Im Achtelfinale qualifizierte sich Deutschland durch einen Sieg über die Slowakei für das Viertelfinale, während die Schweiz gegen Polen ausschied. Nachdem die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale Italien im Elfmeterschießen besiegt hatte, unterlag sie im EM-Halbfinale Frankreich.

Als Überraschungsmannschaften des Turniers galten Wales und Island. Für beide Mannschaften war es die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft überhaupt. Während Island im Viertelfinale gegen Frankreich verlor, schafften es die Waliser um Stürmerstar Gareth Bale bis ins Halbfinale, wo sie gegen den späteren Sieger Portugal ausschieden.

Vergabe mini|Farblich hervorgehoben: Die endgültigen Bewerberländer nach dem Rückzug von Norwegen und Schweden Nachdem beschlossen worden war, die EM 2016 statt wie bisher 16 mit 24 Mannschaften auszutragen, bestimmte die UEFA am 11. Dezember 2008 als weiteres Bewerbungskriterium, dass für das Turnier neun Stadien und weitere drei als Ersatzaustragungsorte aufgeboten werden müssten, darunter zwei Stadien mit mindestens 50.000, drei Stadien mit mindestens 40.000 und vier Stadien mit mindestens 30.000 Plätzen.

Die Bewerbungsprozedur wurde in drei Phasen aufgeteilt. Bei: uefa.com. 12. Dezember 2008. Die Nominierung des Gastgebers fand in der dritten Phase statt. Ursprünglich hatten sich sieben nationale Fußballverbände mit fünf Bewerbungen um die Austragung der EM-Endrunde 2016 bemüht. Am 2. März 2009 verwarfen Schottland und Wales ihren Plan für eine gemeinsame Bewerbung aufgrund der zu hohen Kosten. Zum Abgabetermin am 9. März 2009 lagen Bewerbungen von folgenden Verbänden vor: Frankreich Türkei Italien Schweden und Norwegen

Am 9. Dezember 2009 verzichteten der schwedische und der norwegische Verband auf ihre gemeinsame Kandidatur. Am 28. Mai 2010 schied Italien in der ersten Abstimmungsrunde aus. In der zweiten Abstimmung am selben Tag setzte sich Frankreich mit 7:6 Stimmen gegen die Türkei durch und wurde als Austragungsort bestimmt.

Vorbereitungen Straßburg zog seine Kandidatur Anfang August 2010 zurück, da die geschätzten Investitionskosten von 130 Millionen Euro für die öffentliche Hand nicht aufzubringen seien.France Football vom 3. August 2010, S. 20. Im Mai 2011 wurden neun Stadien (in Bordeaux, Lens, Lille, Lyon, Marseille, Nancy, Nizza, Paris und Saint-Denis), dazu zwei „Reservestadien“ (in Saint-Étienne und Toulouse) als Austragungsorte festgelegt. Die Vereinspräsidenten von AS Saint-Étienne und FC Toulouse kritisierten den Ablauf mit dem Hinweis darauf, dass ihre Kollegen aus Lens und Nancy dem entscheidenden Gremium angehört hatten. Auch wenn diese sich dann nicht an der Abstimmung beteiligt hatten, bliebe doch das ungute Gefühl von „kleinen Abmachungen unter Freunden“, wozu auch die Tatsache gehöre, dass der UEFA-Präsident Michel Platini Nancy gleichfalls eng verbunden sei. Zudem seien dadurch Millionen Franzosen aus dem Westen, dem Zentrum und dem Süden des Landes de facto vom Besuch der Spiele ausgeschlossen.France Football vom 24. Mai 2011, S. 54.

Am 16. Juni 2011 wurde die Anzahl der vollwertigen Austragungsorte durch nachträgliche Aufnahme von Saint-Étienne und Toulouse zunächst auf elf erhöht. Die UEFA begründete diesen Schritt mit der gegenüber früheren Turnieren deutlich höheren Zahl von Spielen.

Die beabsichtigten Neubauten, insbesondere diejenigen in Décines-Charpieu (bei Lyon), Nizza und Villeneuve-d’Ascq (bei Lille), wurden über Jahre durch Gerichtsurteile aufgrund von Klagen betroffener Gemeinden und Anwohner blockiert. Die Hoffnung insbesondere der privaten Bauherren richtete sich seit 2011 darauf, diese Hemmnisse nunmehr unter dem Druckmittel des „nationalen Interesses“ überwinden zu können. Ende 2012 war das Stadion von Lille fertiggestellt und wurde vom OSC Lille genutzt. Mitte September 2013 wurde das Stadion in Nizza eröffnet.

Für Lyons rein privat finanziertes Stade des Lumières wurde im Februar 2012 zwar die kommunale Baugenehmigung erteilt, aber auch gegen diese wurde Klage erhoben, sodass ab Oktober 2012 lediglich Planierungsarbeiten auf dem Gelände durchgeführt wurden. Die eigentlichen Bauarbeiten sollten Anfang August 2013 aufgenommen werden; die dann verbleibenden 29 Monate bis zum von der UEFA vorgegebenen Termin der Fertigstellung galten als knapp, aber realisierbar.France Football vom 23. Juli 2013, S. 18 f. Tatsächlich erfolgte die Grundsteinlegung erst Mitte November 2013.Meldung und Interview mit dem OL-Präsidenten vom 12. November 2013 bei France Football.

Bezüglich Bordeaux war es zwar im Oktober 2011 zur Unterzeichnung eines PPP-Vertrags zwischen der Stadt und den privaten Co-Investoren gekommen, aber mit dem Bau im Norden der Stadt (nahe dem Pont d’Aquitaine) konnte erst im Spätsommer 2013 begonnen werden.France Football vom 3. September 2013, S. 11.

Auch bei den Stadienerweiterungen gab es zu diesem Zeitpunkt eine große Spannweite: Während der Umbau in Marseille (bei gleichzeitig weiter laufendem Spielbetrieb) bereits in vollem Gange war, hingen insbesondere der Pariser Prinzenpark und das Stade Bollaert-Delelis in Lens weit hinter dem Zeitplan zurück. In Lens hat nach dem Abstieg des heimischen Racing Club in die zweite Liga (zur Saison 2011/12) der Hauptfinanzier Crédit Agricole Nord seine Zusage sogar teilweise zurückgezogen.France Football vom 22. November 2011, S. 36–37. Nachdem etliche Gebietskörperschaften sich an den Kosten beteiligten, begannen 2014 doch noch die allerdings reduzierten Modernisierungsarbeiten.

Hingegen erklärte Nancy am 2. Dezember 2011 gegenüber der UEFA-Organisationsgesellschaft den Verzicht auf seine Kandidatur, weil die Finanzierung des Stadionausbaus auf 32.000 Plätze aufgrund des Rückzugs der Kommune nicht mehr möglich sei.„Nancy forfait pour 2016“ in France Football vom 6. Dezember 2011, S. 12.

Spielorte Die Spielorte entsprachen denen der Fußball-Weltmeisterschaft 1998, mit Ausnahme von Nantes und Montpellier. Dafür kamen Nizza und Villeneuve-d’Ascq bei Lille hinzu. Im April 2014 war das Stade de France in Saint-Denis sowohl als Austragungsort des Eröffnungsspiels am 10. Juni 2016 als auch des Finales am 10. Juli 2016 bestimmt worden. Saint-Denis Marseille Décines-Charpieu (Lyon) Stade de FranceKapazität: 81.338 Stade VélodromeKapazität: 67.394 Stade de LyonKapazität: 58.927 270px|Stade de France 300px|Stade Vélodrome 250px|Parc Olympique Lyonnais Paris Die 10 Spielorte der EM 2016 in der Übersicht. Villeneuve-d’Ascq (Lille) PrinzenparkKapazität: 51.000 Stade Pierre-MauroyKapazität: 50.186 220px|Parc des Princes 220px|Stade Pierre-Mauroy Lens Bordeaux Stade Bollaert-DelelisKapazität: 45.000 Stade de BordeauxKapazität: 42.052 220px|Stade Bollaert-Delelis 220px|Stade de Bordeaux Saint-Étienne Toulouse Nizza Stade Geoffroy-GuichardKapazität: 41.950 Stadium de ToulouseKapazität: 33.000 Stade de NiceKapazität: 35.624 220px|Stade Geoffroy-Guichard 446px|Stadium de Toulouse 220px|Stade de Nice

Modus Turnierform Erstmals seit der EM 1996 wurde das Teilnehmerfeld der Endrunde vergrößert. 1996 wurde die Teilnehmerzahl von 8 auf 16 Mannschaften verdoppelt, 2016 nahmen erstmals 24 Nationen teil. Die Aufstockung, die vor allem durch den ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini forciert wurde, stieß im Vorfeld auf breite Kritik. Insbesondere wird dabei die entstandene Wettbewerbsverzerrung genannt, die es den Mannschaften der Gruppen, die zuletzt die Vorrunde abschlossen, ermöglichte, relativ genau auszurechnen, welche Ergebnisse sie im letzten Spiel zu erzielen haben, um das Achtelfinale zu erreichen (insbesondere Gruppen E und F). Dagegen hatten die Gruppendritten der Gruppen A und B mehrere Tage zu warten, bis die endgültige Entscheidung feststand.

Gespielt wurde in sechs Vierergruppen, wobei die Gruppenersten und -zweiten und die vier besten Gruppendritten sich für das Achtelfinale qualifizierten. Die vier besten Gruppendritten spielten im Achtelfinale gegen die Gruppenersten der Gruppen A, B, C und D. Der Gruppenerste der Gruppe E spielte gegen den Gruppenzweiten der Gruppe D, der Gruppenerste der Gruppe F spielte gegen den Gruppenzweiten der Gruppe E. Die Gruppenzweiten der Gruppen A und C sowie B und F spielten gegeneinander.

Ab dem Achtelfinale wurde im K.-o.-System weitergespielt, bei dem eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen möglich waren. Es wurden 51 statt bisher 31 Spiele ausgetragen. Die Endrunde wurde daher von drei auf vier Wochen verlängert.

Die Gruppenphase fand vom 10. bis 22. Juni 2016 statt, die Finalphase begann am 25. Juni.

Platzierungsregeln Platzierungsregeln für die Gruppenphase Wenn am Ende der Gruppenphase zwischen mehreren Mannschaften Punktgleichheit herrschte, wurde nach folgender Reihenfolge vorgegangen:

a) höhere Anzahl an Punkten im direkten Vergleich; b) bessere Tordifferenz im direkten Vergleich; c) höhere Anzahl der erzielten Tore im direkten Vergleich; d) wenn nach der Anwendung der Kriterien a) bis c) immer noch mehrere Mannschaften denselben Platz belegt hätten, wären die Kriterien a) bis c) erneut angewendet worden, jedoch ausschließlich auf die Direktbegegnungen der betreffenden Mannschaften, um deren definitive Platzierung zu bestimmen. Hätte dieses Vorgehen wiederum keine Entscheidung herbeigeführt, wären die Kriterien e) bis h) angewendet worden: e) bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen; f) höhere Anzahl der erzielten Tore in allen Gruppenspielen; g) besseres Fairplay-Verhalten während der Endrunde bezüglich der Karten; h) höherer UEFA-Koeffizient zur Auslosung der Gruppenphase.