Skyguide (offiziell SKYGUIDE, Schweizerische Aktiengesellschaft für zivile und militärische Flugsicherung, englisch SKYGUIDE, Swiss civil and military Air Navigation Services Limited) ist die Flugsicherungsgesellschaft, die den Schweizer Luftraum und den angrenzenden Luftraum überwacht.
Sie ist formell eine privatrechtliche Aktiengesellschaft nach Schweizer Recht, die im Auftrag und Eigentum der Eidgenossenschaft für die Sicherheit des gesamten Luftraums der Schweiz sowie des angrenzenden Luftraumes in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien verantwortlich ist. Im Schweizer Luftraum umfasst dies sowohl die zivile als auch die militärische Flugsicherung – Letzteres im Auftrag und mit Bezahlung der Schweizer Luftwaffe.
Das Unternehmen untersteht der Aufsicht des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Hauptaktionärin (und einzige relevante Aktionärin) mit 99,94 Prozent der Anteile und 100 Prozent der Stimmrechte am Skyguide-Aktienkapital ist die Schweizerische Eidgenossenschaft.
Skyguide überwachte im Jahr 2017 pro Tag rund 3'390 Flüge nach Instrumentenflugregeln. Über das gesamte Jahr betrachtet entspricht dies 1'237'098 IFR-Flügen. Im gleichen Jahr erwirtschaftete Skyguide einen Umsatz von rund 470 Millionen Schweizer Franken. Die Schweizer Flugsicherung ist an 14 Standorten in der ganzen Schweiz tätig.
Führung und Personal miniatur|Ein Fluglotse der Schweizer Skyguide im Tower des Flughafens von Zürich Das Personal bei Skyguide verteilt sich auf etwa 1'400 Vollzeitstellen und rund 1'500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel im operativen Bereich der Flugsicherung, rund ein Viertel im technischen Dienst, die übrigen mehrheitlich in der Verwaltung. Der Frauenanteil beträgt 2020 insgesamt 23,4 Prozent. In der Geschäftsführung von Skyguide sind seit 2018 erstmals Frauen vertreten – unter anderem, weil die Leiterin der Unternehmenskommunikation neuerdings zur Geschäftsleitung zählt.
Seit dem 1. Juli 2017 wird Skyguide von Alex Bristol, dem bisherigen operativen Leiter (Chief Operating Officer, COO), geleitet. Sein Vorgänger seit dem 1. Oktober 2007 war Daniel Weder. Am 12. Januar 2017 war bekannt geworden, dass Weder per 30. Juni 2017 zurücktreten und sich mit 60 Jahren frühpensionieren lassen wird.skyguide CEO (sic!) Daniel Weder tritt auf Mitte Jahr zurück – der heutige COO Alex Bristol wird sein Nachfolger. Skyguide, Medienmitteilung vom 12. Januar 2017CEO handover January 2017. Skyguide, Video-Botschaft vom 12. Januar 2017 Verwaltungsratspräsident ist Walter T. Vogel, der hauptberuflich die Aebi Schmidt Holding AG (ASH) von Peter Spuhler präsidiert.
Gemäss der Verordnung über den Flugsicherungsdienst (VFSD) ist Skyguide «dafür besorgt, dass der Flugsicherungsbetrieb nicht durch Streik, Aussperrung, Boykott oder andere Kampfmassnahmen beeinträchtigt wird» und «schliesst mit ihrem Personal nach Möglichkeit Gesamtarbeitsverträge ab.» Die Sozialpartnerschaft bei Skyguide ist zweigeteilt:
Das administrative, operative und technische Personal (AOT-Personal), das heisst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weder Flugverkehrsleiter noch Kader sind, wird durch die Gewerkschaften Si-Tra (Syndicat indépendant du trafic aérien) und Syndicom sowie den Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) vertreten. Der geltende GAV wurde am 12. Februar 2016 abgeschlossen, aber auf Arbeitnehmerseite nur von Syndicom unterzeichnet.Gesamtarbeitsvertrag vom 12. Februar 2016. Skyguide und Syndicom Si-Tra und VPOD, die vor allem Skyguide-Mitarbeiter in Genf vertreten, weigerten sich, diesen GAV zu unterzeichnen.Nouveau conflit social en vue à l’aéroport de Genève. In: Tribune de Genève, 11. Mai 2016.
Die Flugverkehrsleiterinnen und Flugverkehrsleiter bei Skyguide werden von den Gewerkschaften Aerocontrol Switzerland, Association du Personnel de la Tour de Contrôle et du Terminal Genève (APTC) und Skycontrol sowie durch den Personalverband des Bundes (PVB) vertreten. Die ersten drei Gewerkschaften bilden die Swiss Air Traffic Controllers’ Associations (SwissATCA). Seit 1. Januar 2017 bestand für Skyguide-Flugverkehrsleiter ein vertragsloser Zustand, nachdem Verhandlungen über einen neuen GAV gescheitert warenStreit um neuen GAV – Skyguide und Lotsen schalten Mediator ein. In: srf.ch, Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 31. März 2017.. Im Juni / Juli 2018 stimmten dann die Mitglieder der drei Gewerkschaften Aerocontrol Switzerland, APTC und PVB einem neuen GAV – vermittelt durch die Chambre des relations collectives de travail (CRCT) in Genf – jeweils mehrheitlich zu, während er von den Mitgliedern von Skycontrol mehrheitlich abgelehnt wurde. Skycontrol kündigte in der Folge an, vom 23. bis am 27. Juli 2018 zu streiken.Maria Pineiro: Grève des contrôleurs aériens prévue le 23 juillet. In: 20min.ch, 10. Juli 2018.Les contrôleurs aériens de Genève, Sion et Berne ont déposé un préavis de grève. In: rts.ch, 10. Juli 2018.Table summarising the week's strike action. In: facebook.com, Skycontrol, 10. Juli 2018 Skycontrol begründete den Streik unter anderem mit der Erhöhung der Kadermitarbeiter zu Lasten der Flugverkehrsleiter, die von Jahr zu Jahr zunehme, während Skyguide den geplanten Streik als «ungerechtfertigt und verantwortungslos» bezeichnete sowie versuchte, den Streik mit rechtlichen Mitteln zu verhindern.Ein Teil der Skyguide-Fluglotsen ruft zum Streik auf, bei: Luzerner Zeitung, 10. Juli 2018. Am 17. Juli 2018 wurde bekannt, dass der angekündigte Streik nicht stattfinden wird, nachdem sich Skycontrol und Skyguide auf neue Gespräche einigen konnten.Dialog zwischen Skyguide und Skycontrol wieder aufgenommen. Skyguide, Medienmitteilung vom 17. Juli 2018.
Partner und europäische Zusammenarbeit Wichtige Partner von Skyguide sind die International Civil Aviation Organization (ICAO), Eurocontrol (Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt) und die Civil Air Navigation Services Organization (CANSO) sowie die Schweizer Luftwaffe. In Belgien besitzt Skyguide ausserdem seit Ende 2000 eine Tochtergesellschaft namens Skynav, die der Verbindung zur Europäischen Union (EU) dient und als Holding organisiert ist. Eine weitere Tochtergesellschaft, die SkySoft-ATM SA mit Sitz – wie Skyguide – in Meyrin, betreibt Softwareentwicklung.
Die Schweiz und damit auch Skyguide beteiligt sich am Projekt Single European Sky (SES) – Einheitlicher Europäischer Luftraum – der Europäischen Kommission. Das Projekt will das Flugsicherungssystem in Europa harmonisieren und damit die Effizienz der heute noch stark fragmentierten Luftraumstruktur insgesamt erhöhen. Eine Voraussetzung dafür ist die Bildung von grösseren, zusammenhängenden Luftraumblöcken. Die Luftstrassen sollen sich vermehrt nach den Bedürfnissen der Luftraumbenutzern richten und weniger nach den nationalen Grenzen. Die Reorganisation des europäischen Luftraumes wird als notwendig erachtet, um den prognostizierten Verkehrszuwachs effizient bewältigen zu können.
Im Rahmen von SES wurden insgesamt neun europäische Luftraumblöcke geschaffen. Einer davon ist der Functional Airspace Block Europe Central (FABEC), der funktionale Luftraumblock in Zentraleuropa. Darin werden rund 55 Prozent des europäischen Flugverkehrs abgewickelt, das sind rund 5,3 Millionen Flüge pro Jahr. Im Dezember 2010 unterzeichneten die sechs Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz) einen Staatsvertrag, womit die rechtliche Basis für FABEC gelegt wurde.FABEC-Website.
Weil Skyguide dem Luftverkehrsabkommen Schweiz-EU angehört, müssen u. a. die Gebühren regelmässig von einem Expertengremium der Europäischen Kommission genehmigt werden.
Aufgaben und Standorte Zivile Aufgaben miniatur|250px|Hauptsitz von Skyguide in Genf
mini|links|Skyguide-Standort in Wangen bei Dübendorf mit dem zivilen Area Control Center (ACC) Zürich und dem militärischen Air Defense & Direction Center (ADDC)|250px
Die wichtigsten Standorte sind die beiden zivilen Area Control Center (ACC) am Militärflugplatz Dübendorf in Wangen und am Flughafen Genf in Cointrin, in dessen Nähe – in Meyrin – sich der Sitz von Skyguide befindet.
Das Kontrollzentrum in Genf ist zuständig für den westschweizerischen Luftraum, den Luftraum über den französischen Alpen und einen kleinen Teil des italienischen Luftraumes, der an der Grenze zu Frankreich liegt. Das Kontrollzentrum am Standort Wangen wurde im Februar 2009 in Betrieb genommen. In Wangen befindet sich nebst dem Flugverkehrskontrollzentrum, das für den Luftraum der Deutschschweiz, Liechtenstein und Süddeutschland zuständig ist, auch der Flugberatungsdienst (Aeronautical Information Service, AIS). In Wangen betreibt Skyguide auch Schulungsräume, drei Tower-Simulatoren sowie Trainingsräume für Realtime-Ausbildung von Flugverkehrsleitern, auch für Mitarbeiter anderer Flugsicherungen in Europa und im Nahen Osten. Im selben Gebäude in Wangen befindet sich auch die Einsatzzentrale der Luftwaffe, das Air Defense & Direction Center (ADDC).
Weitere Standorte befinden sich auf den Flugplätzen Bern-Belp, Buochs, Grenchen, Lugano-Agno und St.Gallen-Altenrhein sowie auf zahlreichen gemischt zivil-militärischen oder rein militärischen Flugplätzen. Dazu gehören Alpnach, Dübendorf, Emmen, Locarno, Meiringen, Payerne und Sion.
Auf dem Flugplatz Les Eplatures und dem Flugplatz Samedan ist die Flugsicherung an den Flugplatzbetreiber delegiert. Der Flugplatz Buochs verzichtet inzwischen aus Kostengründen teilweise auf Flugsicherung durch Skyguide, die Flugplätze Grenchen, Lugano-Agno, St.Gallen-Altenrhein und Sion könnten in Zukunft ebenfalls ganz oder teilweise verzichten.
In der Schweiz wird gemäss den Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO sowohl der Flugverkehr nach Instrumentenflugregeln (IFR) als auch nach Sichtflugregeln (VFR) in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache abgewickelt – je nach Luftraum und Sprachregion. In Zukunft soll in kontrollierten Lufträumen nur noch Englisch als Funksprache zulässig sein.
Militärische Aufgaben Skyguide ist verantwortlich für die Führung des zivilen Luftverkehrs in der Schweiz. Die Luftraumüberwachung ist Sache der Schweizer Luftwaffe, die mit ihren Primärradaren auch Flugobjekte ohne Transpondersignal erfassen kann. Eine Besonderheit in der Militärluftfahrt ist, dass die Flugzeuge der Schweizer Luftwaffe durch militärische Flugverkehrsleiter von Skyguide geführt werden, die gemeinsam mit Mitarbeitern der Luftwaffe im so genannten Air Defense & Direction Center (ADDC) in Dübendorf tätig sind. Diese Mitarbeiter haben die zivile Ausbildung zum Flugverkehrsleiter absolviert, haben jedoch zusätzlich zur zivilen Ausbildung eine militäraviatische, taktische Weiterbildung absolviert und werden als Tactical Fighter Controller (TFC) bezeichnet. Im Normalfall arbeiten sie als zivile Mitarbeiter zusammen mit dem militärischen Personal; bei Bedarf – zum Beispiel während des jährlichen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos oder bei ausländischen Übungen – arbeiten sie im militärischen Betrieb im Offiziersrang, und zwar als Fachoffizier ab dem Rang Leutnant. Der militärische Bereich von Skyguide ist auch für die Führung von Werkflügen der Firmen Pilatus Aircraft und RUAG zuständig.