Crazy World ( für „Verrückte Welt“) ist das elfte Studioalbum der deutschen Hard-Rock-Band Scorpions, das Ende des Jahres 1990 erschien. Der kommerzielle Erfolg des Albums wurde größtenteils durch den Welthit Wind of Change erzielt, der als sogenannte „Hymne der Wende“ bezeichnet wird. Es handelt sich um das letzte Album der Band, das in der „klassischen“ Besetzung der Scorpions aufgenommen wurde, bevor der Bassist Francis Buchholz im Mai 1992 die Band verließ.

Entstehung Produktion Mit Crazy World war die Band erstmals seit dem 1974 aufgenommenen Album Fly to the Rainbow selbst für die Produktion eines Albums verantwortlich. Nach einer im Folgejahr begonnenen langjährigen Zusammenarbeit mit Dieter Dierks gingen der Produzent und die Gruppe nach den Aufnahmen des Vorgängeralbums Savage Amusement Ende der 1980er-Jahre nach einem ausgelaufenen Vertrag getrennte Wege. Nach dieser im beidseitigen Einverständnis vollzogenen Trennung fühlten sich die Scorpions bei der Produktion von Crazy World laut Klaus Meine „wie Vögel, die man aus dem Käfig lässt“.

Die Band verfolgte nun das Ziel, zu beweisen, dass sie auch ohne Dierks weiterhin Erfolg haben können. Die Scorpions fragten bei dem Produzenten Bruce Fairbairn (Bon Jovi, Def Leppard) an, ihr geplantes Album zu produziere, doch dieser war durch Arbeit mit den Bands Poison, Europe und AC/DC zeitlich verhindert. Er erklärte sich allerdings später bereit, die Produktion des Nachfolgers Face the Heat (1993) zu übernehmen. Über Fairbairn kam schließlich der Kontakt zu dem Produzenten Keith Olsen zustande, der bereits mit Bands wie Foreigner und Whitesnake zusammengearbeitet hatte und sich an der Produktion beteiligte. Olsen kritisierte die in „radebrechendem“ Englisch verfassten Texte der Scorpions und schickte die Band zunächst nach Vancouver zu dem Songwriter Jim Vallance, der für einige der Musikstücke auf Crazy World mitverantwortlich ist. Das Album wurde hauptsächlich in den Goodnight L.A. Studios in Los Angeles (Kalifornien, USA) sowie auch in den Wisseloord Studios in Hilversum (Niederlande) aufgenommen. Das Album wurde mit dem Trident-DI-AN-System mit SSL-Pulten und D.A.S.H.-Formatrekordern digital aufgenommen und gemischt. Die Produktion kostete anderthalb Millionen Deutsche Mark.

Namensgebung 150px|mini|US-Präsident George Bush inspirierte die Band zum Titel Crazy World. Lange Zeit während der Entstehungsphase des Albums sollte dieses den Titel Restless Night erhalten. Gegen Ende der Studioarbeiten sah Schlagzeuger Herman Rarebell im US-amerikanischen Fernsehen jedoch eine Rede des damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush. Darin sprach jener den Satz aus: „You have to realize, we live in a crazy world!“ (zu deutsch: „Ihr müsst einsehen, dass wir in einer verrückten Welt leben“). Rarebell erkannte das Potential der letzten beiden Wörter Bushs und setzte schließlich den Titel Crazy World für das Album durch. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung im Jahr 1991 merkte er später an: „Die politische Entwicklung in Deutschland und Europa ist verrückt – a crazy world. Vor zwei Jahren hätte wohl kaum einer geglaubt, dass die Mauer fallen und Deutschland wiedervereinigt würde.“

Musikalische Merkmale Musikstil Da sich bei der Produktion von Crazy World einige Gegebenheiten des Vorgängeralbums Savage Amusement (1988) und auch anderer Alben erübrigt hatten, so hat sich auf diesem Album auch der Klang der Gruppe gegenüber seinen Vorgängern hörbar weiterentwickelt. Durch die Trennung von ihrem langjährigen Produzenten Dieter Dierks, der für die Produktion aller Scorpions-Alben von Mitte der Siebziger-Jahre bis zum Ende der 1980er-Jahre verantwortlich war und damit auch entscheidend die musikalische Entwicklung der Band entscheidend beeinflusst hat und durch den amerikanischen Produzenten Keith Olsen ersetzt, übte damit erstmals in der Geschichte der Scorpions ein Produzent direkten internationalen Einfluss auf die Musik der Band aus. Dieser überträgt sich zusätzlich auch durch die Zusammenarbeit mit dem Kanadier Jim Vallance, der die Mitglieder beim Schreiben ihrer Songs unterstützte. Folglich sind zahlreiche Texte dieses Albums von typisch-amerikanischen Redewendungen und Ausdrücken geprägt.

Der grundlegende Musikstil der Band hat sich nicht erheblich gegenüber seinen Vorgängern verändert. Wie gewohnt stehen Rudolf Schenkers Rhythmusgitarren im Einklang mit der meist virtuosen Leadgitarren-Führung von Matthias Jabs, der auch hier, wie beim Lied Media Overkill vom Vorgängeralbum Savage Amusement, auf Money and Fame die Talkbox spielt. Dazu kommt der Bass von Francis Buchholz und das gegenüber älteren Scorpions-Aufnahmen nun wesentlich druckvoller produzierte Schlagzeug von Herman Rarebell. Insgesamt klingen die Lieder auf Crazy World etwas „frischer“ und zeitgemäßer und auch die Songstrukturen sind etwas anders aufgestellt als bei den früheren Alben. Handelte es sich bei den zumeist acht oder neun Stücken der vorherigen Alben meistens um etwa vier Minuten lange Songs, so werden die Lieder auf Crazy World etwas „ausgiebiger“ gespielt (mehr Wiederholungen von Refrains, längere Soli), im Durchschnitt geht jeder Song auf dem Album knappe fünf Minuten. Insgesamt klingen die Songs im Vergleich zum Nachfolger Face the Heat, auf dem sich die Band auf viele Experimente eingelassen hat, stilistisch gesehen recht ähnlich, womit die elf Titel „wie aus einem Guss“ wirken.

Liedtexte Die erstmalige internationale Unterstützung, welche die Band durch den Songwriter Jim Vallance (Aerosmith, Bryan Adams) über die Vermittlung durch den Produzenten Olsen erfuhr, macht sich auf einigen der Texte bemerkbar. Im Vergleich zu früheren Texten, die hauptsächlich vom Sänger Klaus Meine geschrieben wurden, enthalten sie neben dem teils etwas internationaleren Formulierungsstil einige amerikanische Slang-Ausdrücke und -formulierungen, die man bislang bei den Liedern der Scorpions eher vergebens suchte, wobei auch einige Songs der früheren Uli-Jon-Roth-Jahre, die der ehemalige Gitarrist der Band selbst schrieb, durchaus von internationaler Sprache zeugten. Lediglich auf die Songs To Be with You in Heaven, Wind of Change, Money and Fame und Send Me an Angel, an denen Vallance nicht mitwirkte, trifft dies nicht zu. Viele Texte handeln (mehr oder weniger) von sexuellen Aktivitäten (Tease Me Please Me) oder auch von „ruhelosen Nächten“ im Stile eines Rockstars (Restless Nights).

Als wichtigster Autor des Albums erwies sich jedoch der Sänger Klaus Meine: Er verarbeitete Erlebnisse, die die Band beim Moscow Peace Festival im Sommer 1989 hatte, in dem in Europa erfolgreichsten Song des Albums: Wind of Change. Meine schrieb hierzu nicht nur den Text, sondern komponierte zusätzlich auch erstmals bei einem Scorpions-Song die Musik. Der Gitarrist und Bandgründer Rudolf Schenker, der die meisten aller Scorpions-Kompositionen schrieb, war sich anfangs (u. a. aufgrund des Pfeifens im Lied) nicht sicher, ob dieser Song veröffentlicht werden sollte. Die amerikanische Plattenfirma meldete sich sogar telefonisch bei dem Bassisten Francis Buchholz und bat ihn, auf Meine einzuwirken, dass auf das Pfeifen verzichtet würde. Dies führte dann zu einer erheblichen Störung der Zusammenarbeit zwischen Meine und Buchholz, die mit der Trennung von Buchholz und der Band 1992 endete. Heute gilt das Lied jedoch als fester Bestandteil der Popkultur und ist als erfolgreichste Single des Jahres 1991 (Nummer 1 in elf Ländern) beachtlich am Erfolg des gesamten Albums beteiligt. Wind of Change blieb nicht Meines letzter alleine komponierter Song für die Scorpions.

Cover und Gestaltung Auf dem Frontcover des Albums ist zunächst ein rechtsbündiger schwarz/weißer Schriftzug mit dem Bandnamen (obere Zeile) und dem Albumtitel (untere Zeile) zu sehen. Darunter befindet sich auf der linken Seite eine weibliche Hand (man beachte die etwas längeren Fingernägel), die einen Schlüssel in ein Schlüsselloch hineinsteckt. Das Schlüsselloch mit dem dazugehörigen Türenausschnitt ist dabei von der Seitenansicht zu sehen. Daneben, also hinter dem Türschloss, befindet sich ganz rechts eine Fläche von ungefähr einem Viertel des Gesamtcovers, welche mit einer weiteren zur Hälfte geöffneten Tür ausgefüllt ist. Dabei ist zu erkennen, dass sich hinter dieser Tür eine Landschaft befindet, da man einen blauen Himmel und einen großen Baum dahinter erkennen kann. Dieser Bildausschnitt hebt sich von dem gesamten Rest des Covers, welches größtenteils gräulich und nicht besonders farbenfroh gestaltet ist, deutlich ab. Im Hintergrund der rechten Tür ist eine trübe Stadtlandschaft abgebildet, welche sich von dem, was sich hinter der Tür befindet, negativ abhebt.

Auf dem Backcover des Albums ist neben der Titelliste und den bekannten Schriftformen der Plattenfirmen ein Schlüsselloch zu sehen. In diesem Schlüsselloch ist das linke Auge sowie ein Teil des Mundes der Frau zu erkennen, die auf dem vorderen Cover auch den Schlüssel in der Hand hält. Auf dem sogenannten Inside-Cover des Albums, welches auf der linken Seite neben dem Tonträger selbst beim Öffnen der Hülle zu sehen ist, sind hinter der bereits erwähnten grauen Stadtlandschaft insgesamt sieben Türen mit der ebenfalls bekannten Landschaft mit den Bäumen zu erkennen. Neben der größten Tür auf der linken Seite werden die Türen dabei, umso weiter man nach rechts blickt, immer kleiner. Über den Türen ist auch ein etwas bewölkter Himmel zu sehen. Dieser Teil des Covers ist wie auch das Front- und das Backcover hauptsächlich in einem Grauton gehalten.

Die CD selbst zeigt mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund auf der oberen Seite das auch auf dem Frontcover verwendete Logo mit Interpret und Albumtitel. Darüber befindet sich das Logo der Plattenfirma „Mercury Records“. Auf der unteren Seite der CD ist die Titelliste inklusive der Spiellängen der jeweiligen Lieder abgebildet. Diese wurde zwischen Titel 6 und Titel 7 auf den beiden Seiten (obere und untere CD-Hälfte) getrennt. Unter der Titelliste befinden sich die auch die auf dem Backcover abgebildeten üblichen Logos. Das ganz in weiß gehaltene Booklet enthält in schwarzer Schrift die elf Songtexte der einzelnen Lieder sowie ein von Ross Halfin fotografiertes Schwarz/weiß-Foto der Gruppe.

Im Booklet richtet die Band u. a. auch eine Danksagung an Jim Vallance mit den übersetzten Worten: „Besonderen Dank an Jim Vallance für seine unbezahlbare Hilfe während des kreativen Prozesses“ (übersetzt). Zum Schluss der Danksagungen heißt es in dem CD-Booklet: „Wir hoffen ihr habt so viel Freude beim zuhören wie wir bei den Aufnahmen. Danke an Keith, Erwin und Shay!... Ihr Jungs seit großartig!“ (übersetzt).Das gesamte Cover und Booklet des Scorpions-Albums Crazy World bei Cover Paradies

Ursprünglich war der deutsche Maler Sebastian Krüger beauftragt worden, eine Karikatur der Bandmitglieder für das Album-Cover zu malen. Auf Sebastian Krüger war die Rockgruppe aufmerksam geworden durch diverse Illustrationen der Rolling Stones in einer Ausgabe der Illustrierten Stern. Während des Entstehungsprozesses des Gemäldes besuchten die Scorpions den Maler in seinem kleinen Wohnungsatelier und versuchten, ihm Verbesserungsvorschläge zu machen, was zum Beispiel die Größe einer Nase und der körperliche Umfang der Figuren betraf. Im Gegenzug durfte Krüger die Rock-Band in einem Tonstudio in Amsterdam besuchen, als die Scorpions den Song Tease Me Please Me für das Album Crazy World aufnahmen. In Bezug auf die Auftragsarbeit lehnte jedoch die Plattenfirma das fertige Resultat ab mit der Begründung, der Wiedererkennungswert der einzelnen Bandmitglieder sei bis auf Gitarrist Rudolf Schenker nicht groß genug, um das Gemälde als Album-Cover zu verwenden.Rock Hard, deutsches Musikmagazin, Nr. 398, Ausgabe Juli/August 2020. Hinter den Kulissen: Sebastian Krüger – Maskottchen bereichern das Leben, Interview von Felix Mescoli. Rock Hard Verlags- und Handels-GmbH, Dortmund. S. 74

Tournee und Konzertverwertung Tournee