|} Die Bahnstrecke Sassari–Palau ist eine 150km lange schmalspurige Nebenbahn auf Sardinien. Die 1931/32 eröffnete Bahnstrecke wird nur noch auf einem 11km langen Teilabschnitt vom touristischen Angebot „Trenino Verde“ benutzt und ist ansonsten außer Betrieb.

Geschichte Die Società anonima Ferrovie Settentrionali Sarde (SFSS) konnte in zwei Teilabschnitten die Bahnstrecke Sassari nach Palau eröffnen. Dabei wurden die 91 Kilometer von Tempio Pausania nach Sassari am 16. November 1931 und die 46 Kilometer von Luras nach Palau am 18. Januar 1932 eröffnet. Zwischen Luras und Tempio wurde die Bahnstrecke Monti–Tempio Pausania der Ferrovie Complementari della Sardegna (FCS) mitgenutzt. Schon 1933 war die SFSS am Ende und die Strade Ferrate Sarde (SFS) übernahmen den Bahnverkehr. 1941 übernahmen die SFS auch die Bahnstrecke Monti–Tempio, somit war bis zur Stilllegung der Strecke nach Monti im Jahr 1958 ein einheitliches schmalspuriges Netz entstanden.

1971 kamen die SFS wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten unter staatliche Zwangsverwaltung. Da dies die ebenfalls schmalspurigen Ferrovie Complementari della Sardegna (FCS) betraf, wurden schließlich 1989 die Ferrovie della Sardegna (FdS) gegründet, die alle noch bestehenden sardischen Schmalspurstrecken übernahmen. Von 1997 bis Januar 2015 wurde nur noch der Streckenabschnitt Sassari–Nulvi regulär bedient. Seit 1. Februar 2015 erfolgt der Verkehr auch hier durch Busse. Es verblieb somit nur noch touristischer Ausflugsverkehr.Christoph Müller: Bahnverkehr Sassari – Nulvi wird eingestellt In: RailBusiness Newsletter vom 29. Januar 2015

Das Gesetz Nr. 128 vom 9. August 2017 erklärte die Strecke zu einer Bahnstrecke von nationalem touristischen Interesse, was deren Erhalt zu einem öffentlichen Interesse macht.Art. 2, Abs. 2, Lit. l) Legge 9 agosto 2017, n. 128. Das Gesetz Nr. 128 vom 9. August 2017 stellt die Ertüchtigung der Infrastruktur allerdings unter einen Finanzierungsvorbehalt.Art. 11 Legge 9 agosto 2017, n. 128.

Streckenführung Von Palau Marina aus führt die Strecke zunächst parallel zu einer Straße am Meer entlang zu der Spitzkehre, danach über den Bahnhof von Palau in das Hinterland von Sardinien. Relativ geradlinig durch Weinfelder und dicht besiedeltes Gebiet wird über Surrau der Ort Arzachena erreicht. Daraufhin geht es weiter in die Berge der Gallura über Caldosa und Capichera nach Oddastru.

Dieser Abschnitt weist viele Kurven auf. Die Fahrzeit für die 59 km zwischen Palau und Tempio lag daher bei eineinhalb und in späteren Betriebsjahren bei über zweieinhalb Stunden. Der einzige Tunnel dieses Streckenteils liegt Sant’Antonio di Gallura.

Kurz vor Sant’Antonio sieht man zum ersten Mal den Lago del Liscia, der nach dem Ort auf einem großen Viadukt überquert wird. Am anderen Ende der Brücke befand sich der gleichnamige Fotohalt. Danach geht es weiter durch ein Waldgebiet nach Calangianus, wo die dichtbesiedelte Umgebung von Tempio Pausania beginnt. Von dort führt die Strecke weiter durch gebirgiges Gebiet entlang der Schnellstraße Sassari–Tempio nach Bortigiadas. Vor dem Halt unterhalb des Dorfes fuhren die Züge in eine zur Höhengewinnung angelegte Kreiskehrschleife ein, in deren Innerem die Halte Bortigiadas und Galleria eliciodale Bortigiadas liegen. Daraufhin unterquerte die Trasse die Schleife, um durch sechs kurze Tunnels und via Scala Ruia zum Halt Coghinas am Lago del Coghinas zu führen.

Danach durchquert die Strecke die Mündungsebene des Coghinas und es geht flacher über Perfugas, Laerru, Martis, Nulvi, Fenosu, Osilo, Achettas, Filigheddu und Badimanna in den Großraum von Sassari. Von rechts kommend mündet die Strecke von Sorso ein und links liegt auch die Abzweigung zum Depot der FdS. Dann erreicht der Zug den FS-Bahnhof von Sassari, an dessen Gleis 1 die Züge mittels dritter Schiene halten. Im Bahnhof beginnt die ebenfalls schmalspurige Strecke nach Alghero.

Bahnhöfe des Abschnitts Tempio Pausania–Palau Folgende Unterwegsstationen bestehen aus einem Gleis mit einem provisorischen Bahnsteig: Surrau, Caldosa, Capichera, San Leonardo und Rio Patto. Der Endhaltepunkt Palau Marina besteht aus einem Stumpfgleis, wo der aus Tempio kommende Zug Kopf machen und rückwärts in die Spitzkehre einfahren muss. Vom Ende des Gleises aus zweigt ein Abstellgleis ab. Der Bahnsteig befindet sich an der linken Seite des Stumpfgleises.

An der Spitzkehre zwischen Palau Marina und Palau gibt es einen Bahnsteig, der aber nur von dem Zugbegleiter genutzt wurde, der dort ausstieg, um die Weiche zu stellen.

In Palau, Oddastru, Calangianus und Lurás bestehen die Bahnhöfe aus zwei Ausweichgleisen neben dem Durchgangsgleis. In Palau und Calangianus stehen zudem alte Wasserkräne.

In Arzachena gibt es zwei Ausweichegleise, ein Stumpfgleis, mehrere Wasserkräne sowie Bahnsteig und Empfangsgebäude.

Der Bahnhof von Sant’Antonio di Gallura ist hoch über dem Lago del Liscia erbaut und besteht aus Empfangsgebäude, Bahnsteig und einem weiteren Abstellgleis.

Am Lago del Liscia gibt es weder Ausweich- und Abstellgleise noch einen Bahnsteig. Zu diesem Haltepunkt führt auch keine Straße, weshalb er von den Trenino-Verde-Zügen nur als Fotohalt genutzt wurde. Die Züge legten dort eine zehnminütige Pause ein. Ein Pfad führt hinunter zum Lago del Liscia.

Der größte Bahnhof auf der Gesamtstrecke ist Tempio Pausania. Hier ist der Großteil des Fuhrparks abgestellt und es gibt ein großes, unter Denkmalschutz stehendes Bahnhofsgebäude. In der holzgetäfelten ehemaligen Wartehalle ziehen sich folkloristische Ölgemälde als Fries entlang (keine Fresken, sondern Holztafeln). Sie zeigen in großflächig-figurativem Stil typische Szenen aus dem sardischen Dorfleben und stammen von Giuseppe Biasi aus Sassari. Für die Auftragsarbeit zur Verschönerung des damals neuen Bahnhofs bekam Biasi 1931 750 Lire. Es gibt zwei Bahnsteige (einer ist überdacht), an denen die Züge halten, und viele Abstellgleise, die eine Gleisharfe bilden. Am Südostende des Bahnhofs befinden sich zwei Stumpfgleise, auf denen ausgemusterte Güterwagen stehen, sowie zwei am Nordwestende, auf denen die beiden ausgemusterten Dampflokomotiven untergebracht sind. Zwei weitere Stumpfgleise am Nordwestende enden in einem Lokomotivschuppen.

Fuhrpark Auf der Strecke befinden sich ein Dieselzug (eine grün-rote Schmalspurlokomotive mit zwei grünen Schmalspurwagen, daher auch der Begriff „Trenino Verde“, auf Deutsch kleiner, grüner Zug), Dieseltriebwagen sowie ein Dampfzug (Schmalspur-Dampflokomotive mit einem braunen Wagen sowie Güterwagen; wird nur eingesetzt, wenn es die Waldbrandgefahr zulässt). Auf den Gleisanlagen in Tempio Pausania ist ein Großteil des Fuhrparks abgestellt, darunter die Schmalspur-Diesellokomotive, die Personenwagen (alle grün, darauf das FdS-Logo bzw. der Aufdruck von ARST), die noch betriebsfähig erhaltene Dampflokomotive und die Güterwagen, ein brauner Schmalspur-Personenwagen und mehrere ausgemusterte Güterwagen sowie zwei ausgemusterte Dampflokomotiven. In Palau Marina ist zudem ein weiterer Schmalspur-Personenwagen abgestellt, der als sog. Trenino Verde Point (Verkaufs- und Auskunftsstelle) genutzt wurde, außerdem ist ein Güterwagen auf dem Abstellgleis in Sant’Antonio di Gallura stationiert. In dem Depot in Sassari wird die Dampflokomotive untergebracht.

Verkehr Mindestens seit 2024 wird ausschließlich der etwa 11km lange Streckenabschnitt Tempio Pausania–Luras befahren, auf dem an einzelnen Sommertagen der Trenino Verde verkehrt. Alle anderen Teile der Strecke sind außer Betrieb. Eine Wiederinbetriebnahme des 34km langen Abschnitts von Luras bis Arzachena ist bis Ende 2028 vorgesehen.

Nach Einstellung des planmäßigen Verkehrs war das Trenino-Verde-Angebot zunächst auf nahezu gesamter Streckenlänge angeboten worden: Zwischen Tempio Pausania und Palau bzw. Nulvi sowie zwischen Sassari und Tempio Pausania und zwischen Perfugas und Lago del Liscia. Die sardische Regierung beabsichtigte 2015, diese Leistungen einzustellen, um Streckenunterhaltungskosten einzusparen.Christoph Müller: Einstellung des Trenino Verde droht In: RailBusiness Nr. 35, 2014, S. 6. Durch eine kurzfristige Betriebsbeihilfe konnten im Sommer 2015 Fahrten des Trenino Verde stattfinden.Christoph Müller: Sardinien: Trenino Verde fährt weiter In: RailBusiness Nr. 25, 2015, S. 9.

Auch fuhren in den 2010er-Jahren weiterhin Charterfahrten zwischen Tempio Pausania und Arzachena z. B. der AIDA Reederei als Landausflüge für Kreuzfahrten, die in Olbia anlegen. Man konnte den Zug auch mieten, wobei man zwischen dem Dieseltriebwagen, dem Dieselzug und, soweit es die Waldbrandgefahr zulässt, einem Dampfzug auswählen kann.

Bildergalerie

Literatur Elettrio Corda: Le contrastate vaporiere - 1864/1984: 120 anni di vicende delle strade ferrate sarde: dalle reali alle secondarie, dalle complementari alle statali, Verlag Chiarella

Weblinks

Busfahrplan ab 1. Februar 2015

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Sardinien Kategorie:Museumsbahn (Italien) Kategorie:Museum in Sardinien