mini|Hermannsdenkmal
Das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg in Detmold wurde in den Jahren 1838 bis 1875 von Ernst von Bandel errichtet. Es erinnert an die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9, in der die Germanen unter Arminius die Römer unter Varus besiegten. Die Kolossalstatue stellt den siegreichen Arminius, auch bekannt als Hermann der Cherusker, mit erhobenem Schwert dar. Das insgesamt 53,46 Meter hohe Monument gehört zu den Sehenswürdigkeiten Nordrhein-Westfalens und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands.
Historischer Hintergrund Das zwischen 1838 und 1875 entstandene Hermannsdenkmal befindet sich auf der 386 Meter hohen Grotenburg in Hiddesen, einem südwestlich gelegenen Ortsteil Detmolds. Es erinnert an die Schlacht im Teutoburger Wald, in der germanische Stämme unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) den drei römischen Legionen XVII, XVIII und XIX unter Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 eine entscheidende Niederlage beibrachten.
Das Monument ist vor dem Hintergrund der deutsch-politischen Situation des 19. Jahrhunderts zu sehen, als nach jahrhundertealten Konflikten der Begriff „Deutsch-französische Erbfeindschaft“ geprägt wurde. Nach den Niederlagen in den Napoleonischen Kriegen und durch die politische Zersplitterung Deutschlands begann die geistige Elite zunehmend eine nationale Identität in der germanischen Vergangenheit zu suchen. Mit der zeitgenössischen Wertung Arminius’ als einem der ersten Einiger der „deutschen“ (eigentlich „germanischen“) Stämme bot sich diese Figur an, zumal die Arminius-Figur seit der Wiederentdeckung römischer Historiker durch den Humanismus im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachraum bekannt war.
Nationaldenkmäler im 19. Jahrhundert Die Errichtung nationaler Denkmäler wie der Walhalla (initiiert 1807, beginnend mit Hermann) in der Nähe von Regensburg oder ab 1877 des die Germania darstellenden Niederwalddenkmals bei Rüdesheim am Rhein, die zwar meist klassizistischen Stiles waren, jedoch nationalromantische Themen aufgriffen, ist ebenfalls ein Resultat dieser Identitätsbekräftigung.
Andere Planungen und Entwürfe Vor allem aufgrund des Erfolgs Friedrich Gottlieb Klopstocks Hermannsdramen gab es bereits im 18. Jahrhundert verschiedene Pläne, Denkmäler für Arminius zu schaffen. Nach dem Ende der Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft wurden diese wieder populärer. Bereits 1813 und 1814 trat beispielsweise Karl Friedrich Schinkel mit einem Denkmalsentwurf an die Öffentlichkeit. Kurz vor dem Baubeginn des Hermannsdenkmals reichte dieser 1839 gemeinsam mit Christian Daniel Rauch einen Konkurrenzentwurf ein, der allerdings von den meisten geldgebenden Hermannsdenkmalsvereinen abgelehnt wurde.
Standort mini|Der Berg Grotenburg im Teutoburger Wald Das Hermannsdenkmal steht in der Großer Hünenring genannten Ringwallanlage auf der stark bewaldeten, 386 Meter hohen Grotenburg, in der Nähe des Ortsteils Hiddesen auf dem Gebiet der Stadt Detmold in Nordrhein-Westfalen im südlichen Teutoburger Wald.
Der Erbauer Ernst von Bandel ging nach damaliger Forschungslage noch davon aus, dass die Varusschlacht im Teutoburger Wald stattgefunden hatte. Die Wahl auf die Grotenburg fiel allerdings aus praktisch-ästhetischen Erwägungen. Der lippische Fürst wollte den Bauplatz nur unter der Bedingung zur Verfügung stellen, dass das Denkmal auf der Berghöhe errichtet würde, da es von dort aus weithin über Lippe sichtbar wäre. Mittlerweile ordnen die meisten archäologischen Fachwissenschaftler die Fundregion Kalkriese in Niedersachsen als wahrscheinlichsten Ort der Schlacht ein.
Baugeschichte mini|König Wilhelm und Ernst von Bandel mit Kopf und Schwert des Hermannsdenkmals in Bandels Werkstatt in Hannover im Jahr 1869 Erste Skizzen des Erbauers Ernst von Bandel datieren auf das Jahr 1819. Mit dem Bau wurde 1838 begonnen. Schon vor Baubeginn, aber auch infolge des Baus entstanden überall in Deutschland Vereine, die erfolgreich Gelder für das Denkmal sammelten.Verein für das Hermanns-Denkmal (Hrsg.): Das Hermanns-Denkmal. An die Bewohner des Fürstenthums Lippe. Detmold, 24. März 1838 (PDF; 937 kB), .Verein für das Hermanns-Denkmal (Hrsg.): Nachricht über das Hermanns-Denkmal. Detmold, 18. November 1838 (PDF; 1,5 MB), . So berichtet etwa Heinrich Heine 1843 und 1844: „… zu Detmold ein Monument gesetzt; hab selber subskribieret.“Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen. Caput XI. Die Baukosten wurden auf 20.000 Rthlr. geschätzt.
Die Erdarbeiten hatten Ende August 1838 bereits begonnen. Der Grundstein wurde am 8. September 1841 gelegt. Der Ablauf der Feierlichkeiten war in einem Programm festgelegt worden:
1846 wurde der Sockel des Denkmals fertiggestellt. In der Reaktionsphase nach der Revolution von 1848 ruhte der Bau bis 1863. Es fehlte in dieser Zeit sowohl das finanzielle als auch das politische Interesse, den Bau weiterzuführen. Diesen Zustand reflektiert die letzte Strophe von Joseph Victor von Scheffels Als die Römer frech geworden (1849).Als die Römer frech geworden, Fliegende Blätter Nr. 229 (1849)
Erst mit dem Besuch des preußischen Königs im Juni 1869 am Bauplatz und nachfolgend mit der Gründung des Deutschen Reiches nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) wurde das Denkmalsprojekt wieder populär. Der Reichstag bewilligte 10.000 Thaler für den Weiterbau, Wilhelm I. spendete die gleiche Summe. Der größte Betrag von 37.500 Thalern kam jedoch von privater Seite durch Spenden der Bevölkerung; weitere 1.082 Thaler gab Franz Joseph I., andere deutsche Fürstenhäuser überwiesen 13.500 Thaler und aus dem Ausland trafen 1.500 Thaler ein. Der Kostenaufwand belief sich insgesamt auf 90.000 Thaler. Ernst von Bandel hatte von Beginn an auf ein Künstlerhonorar verzichtet und investierte für die Umsetzung sein gesamtes Privatvermögen. Damit kostete das Denkmal nur die Hälfte etwa der Bavaria.Anne Roerkohl: Das Hermannsdenkmal (= Westfalen im Bild, Reihe: Kulturdenkmale in Westfalen. Heft 5). Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1992. Am 16. August 1875 wurde das Hermannsdenkmal schließlich enthüllt.
Die Entstehung des Denkmals ist nicht von seinem Erbauer, dem Bildhauer Ernst von Bandel zu trennen. Dieser widmete sich zeitlebens dem Denkmalprojekt und versuchte insbesondere in der Zeit der Bauunterbrechung weitere finanzielle Unterstützung für die Vollendung zu finden. Während der Arbeiten lebte Bandel zeitweise in einem unterhalb des Denkmals errichteten Blockhaus, der Bandel-Hütte. Bandel konnte die feierliche Einweihung im Jahr 1875 noch erleben; er starb 1876. Die Bandel-Hütte wurde am Morgen des 28. Dezember 2021 durch ein Feuer zerstört.WDR: Historische „Bandelhütte“ am Hermannsdenkmal abgebrannt wdr.de; abgerufen am 30. Dezember 2021.
Erscheinungsbild mini|Das Hermannsdenkmal aus der Luft gesehen mini|hochkant|Aufgang von der westlichen Aussichtsplattform zum Hermannsdenkmal
Der Unterbau Es handelt sich bei dem Denkmal um eine Kombination von Bau- und Figurendenkmal. Der Unterbau des Hermannsdenkmals hat einen runden Grundriss, ist 26,89 m hoch und besteht aus roh behauenem Osning-Sandstein.Eckhard Speetzen: Osning-Sandstein und Gault-Sandstein (Unterkreide) aus dem Teutoburger Wald und dem Eggegebirge und ihre Verwendung als Naturbausteine. In: Geologie und Paläontologie in Westfalen. 77, 2010, S. 5 (lwl.org PDF; 1,8 MB). Auf dem 2,20 m hohen Sockel schließen sich zurückgesetzt zehn Pfeiler (genauer Pfeilervorlagen) und zehn Nischen an. Diese bilden die sogenannte „Ruhmeshalle“, in der das Gedenken berühmter Deutscher angedacht war. Dieser Teil blieb jedoch unvollendet, weist also entgegen der ursprünglichen Planung keine entsprechenden Verweise auf deutsche Persönlichkeiten auf. Die Schäfte der Pfeiler haben eine hexagonale Form. Die Dienste der Kapitelle bilden Spitzbögen zum jeweils nächsten Pfeiler und Rundbögen zum übernächsten Pfeiler (Stilmix Gotik und Romanik). Über den Kapitellen schließt sich der rippenwulstartige Besucherumlauf an. Darüber befindet sich eine Rundkuppel als typisches Moment der Herrscherrepräsentation und auf einem weiteren kleinen Sockel die Figur des Hermann. Für den Bau des Sockels wurden auch Steine der Grotenburg verwendet, so dass die prähistorische Fliehburganlage durch den Denkmalsbau weitgehend zerstört wurde.
Die Figur Die Figur orientiert sich mit ihren stämmigen Beinen an einem Kavalleristen. Ihre Höhe beträgt 26,57 m. Sie besteht aus einer bis tief im Sockel verankerten Eisenrohrkonstruktion, die Oberfläche aus durch Vernietung fixierten Kupferplatten. Die Idee dieser Konstruktion geht auf Roderich von Bandel, den Sohn des Erbauers, zurück. Die Figur wiegt mitsamt der Standplatte, auf der sie befestigt ist, 42,80 t. Zu sehen ist eine überlebensgroße Figur mit antikisierender Rüstung und Flügelhelm. Ihr Gesicht weist Ähnlichkeit mit dem Gesicht von Roderich von Bandel auf. Der rechte Arm ist emporgestreckt und hält ein Schwert, das 7 m misst und etwa 550 kg wiegt und von der Familie Krupp gespendet worden ist.Hermannsdenkmal / Detmold. In: lipperland.de, abgerufen am 1. September 2015. Der Schwertarm ist in Richtung Westen gestreckt; dies wird je nach Standpunkt als ein offensives oder defensives Mahnen in Richtung Frankreich interpretiert. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler meint, dass die Figur die Haltung des „siegreichen Herrschers, nicht die des Kämpfers“ einnehme.Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 178. Der linke Arm ist auf einen bauchhohen Schild gelehnt. Unter dem linken, leicht angewinkelten Bein liegen ein Adler (Aquila) und ein Liktorenbündel (Fasces). Die Informationen über die Kleidung des Hermann dürfte von Bandel den Werken des Tacitus entnommen haben. Auffällig ist, dass keine Stammeszeichen oder Ähnliches an der Statue angebracht wurden.
Inschriften Das Schwert trägt die Inschrift: Vorderseite Rückseite
Auf dem Schild steht:
In den Nischen des Denkmals wurden nach der Reichsgründung von 1870/71 Sprüche eingefügt. Ein Bronzerelief stellt das Konterfei des ersten deutschen Kaisers dar. Wilhelm I. wird in der Inschrift darunter als ideeller Nachfolger von Arminius verherrlicht.Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 175. Wortwörtlich heißt es:
Laut Münkler sei diese „Mythenkopplung“ zwischen dem Cherusker und Wilhelm sorgsam gewählt worden, um eine Umdeutung des antiimperialen Rebellen Arminius im Sinne des Deutschen Kaiserreiches vornehmen zu können. Schließlich sei Arminius „eher für Zeiten der Unterlegenheit als solche stolzen Selbstbewusstseins geeignet“ gewesen. Arminius wurde durch die Inschrift daher zu dem frühen Wegbereiter einer nationalen Einheit Deutschlands stilisiert, die Kaiser Wilhelm vollendet habe.Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 175.
In weiteren Inschriften heißt es:
Daten und Fakten mini|Hermannsdenkmal um 1900
Mit einer Figurhöhe von 26,57 Metern und einer Gesamthöhe von 53,46 Metern hat das Hermannsdenkmal die höchste Statue Deutschlands und war von 1875 bis zur Erbauung der Freiheitsstatue 1886 die höchste Statue der westlichen Welt. Seit 1985 steht die Gesamtanlage unter Denkmalschutz.
Gewichte der einzelnen Elemente Standbild: 42.800 kg Schild: 1.150 kg Schwert: 550 kg
Abmessungen Höhe des Denkmals: 53,46 m Größe des Unterbaus: 19,86 m Größe der Kuppel: 7,03 m Größe der Figur: 26,57 m Länge des Schwertes: 7,00 m Höhe des Schildes: 10,00 m
Denkmallandschaft auf der Grotenburg