Joachim Zehner, auch Joachim Decimator (* 28. April 1566 in Themar; † 29. Mai 1612 in Schleusingen) war Geistlicher und Superintendent in Schleusingen und Begründer der sogenannten Zehnerschen Bibliothek, die sich heute im Naturhistorischen Museum in Schleusingen befindet.

Leben Joachim wurde als Sohn des damaligen Rektors in Themar Balthasar ZehnerBalthasar Zehner (* Februar 1539 in Themar; † 1619 ebd.) wurde als Sohn des Rektors in Themar Balthasar Zehner († 1552 in Themar) geboren, Er besuchte die Schule in Schleusingen, studierte an der Universität Leipzig, wurde dann Rektor in Themar, 1563 avancierte er zum Diakon daselbst und übernahm im Dezember 1574 die Pfarrerstelle in Jüchsen, aus dieser Stelle wurde er aus Altersgründen am 6. Oktober 1616 emeritiert und zog dann wieder in seinen Geburtsort zurück und dessen Frau Ursula Sie war die Tochter des Themarer Ratsherrn Johann Latermann und starb am 29. April 1569 in Themar geboren. Nach anfänglichen Privatunterricht durch den Vater und einigen anderen Lehrern, bezog Zehner 1576 die fürstlich hennebergische Landesschule Schleusingen. Am 15. Juni 1581 immatrikulierte er sich an der Universität Wittenberg, wo er sich nach relativ kurzer Studienzeit am 4. September 1583 zum Magister der philosophischen Wissenschaften gekürt wurdevgl. Daniel Amling: Charistērion.SCRIPTVM AD VI. HONESTOS AC ERVDITOS IVVE=||nes ... Dn: Joachimum Zehnerum Themarensem Fr: Andream Keniken Seruestanum. Gabrielem Vueidnerum Meiningensem. Abrahamum Rösenerum Aldenburgensem. Conradum Vualtherum Meiningensem. Thobiam Stegerum Lypsensem. Quarto Idus Septembris, Anni 1583. in ... Vuittebergensium Academia ... Magisterij gradu, à ... Decano LEONHARTO ECZLERO VRATISLAVIENSI, vnà cum reliquis 27. Dn: Candidatis ornandos, amicos ... suos ... A Daniele Amlingo Munerstadensi Fr. Anton Schöne, Wittenberg, 1583, (Digitalisat). Nach absolvierten theologischen Studien in Wittenberg, erhielt er 1585 die Stelle eines Diakons in Meiningen, wo er noch im selben Jahr zum Archidiakon aufstieg.

1587 übernahm er eine Pfarrerstelle in Mühlfeld. 1589 wechselte er als Pfarrer und Dekan nach Suhl und 1596 ging er als Oberpfarrer und Superintendent nach Schleusingen. Zugleich übernahm er mit letzterem Amt die Inspektion der dortigen Schulen, wurde Gymnasialprofessor der Theologie an der fürstlich hennebergischen Landesschule und versah zudem die Stelle eines Konsistorialassessors in Suhl weiter. 1608 wurde er durch den sächsischen Kurfürsten Christian II. zum Generalsuperintendenten der fürstlichen Grafschaft Henneberg ernannt.

Zehner legte eine wichtige Sammlung von Drucken und Handschriften an, basierend auf einer Stiftung des letzten Henneberger Grafen Georg Ernst (1511–1583) an das von diesem im Jahre 1577 gegründete Gymnasium. Die Sammlung wurde von Zehners Sohn, dem Superintendenten Samuel Zehner (1594–1635), der von 1632 bis 1635 auch Rektor des Gymnasiums war, und von späteren Rektoren und Ephoren fortgeführt und erweitert. Die Sammlung, als Zehnersche Bibliothek bekannt, wurde 1658 von der Gymnasialbibliothek Schleusingen käuflich erworben.

Diese wuchs im Laufe der Jahrhunderte auf etwa 5000 Bände an. Sie wurde 1958 dem Heimatmuseum Schleusingen übergeben und befindet sich heute in der Bibliothek des Naturhistorischen Museums im Schloss Bertholdsburg in Schleusingen. Die Hennebergische Gymnasialbibliothek, deren Teil die Zehnersche Bibliothek heute ist, gehört zu den seltenen relativ vollständig erhaltenen Schulbibliotheken des 16./17. Jahrhunderts. Zu ihren wertvollsten Teilen gehören 199 Inkunabeln, 24 Handschriften und ein Brief Luthers.

Familie Zehner hatte sich 12. Mai 1585 mit Brigitta Schaller († 18. Dezember 1621 in Schleusingen), die Tochter des Superintendenten in Meiningen Thomas Schaller (* 20. März 1534 in Rotdorf bei Blankenhain; † 12. Dezember 1611 in Meiningen) verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Söhne und fünf Töchter hervor. Von den Kindern kennt manvgl. Katalog der Stolbergischen Leichenpredigten. Bd. 4, S. 447:

So. Johannes Zehner (* Meiningen; † 1635), Som.-Sem. 1607 Uni. Jena, Uni. Basel, Mag. phil & Dr. med., Arzt in Meiningen, ⚭ 13. November 1613 mit Ursula Hanwacker, To. d. Präfekten in Wasungen Johann Hanwacker To. Margaretha Zehner (* 14. November 1590 in Suhl; † 5. Juli 1634 ebd.) ⚭ 14. November 1611 in Schleusingen mit Sebastian Abesser So. Samuel Zehner (* 4. Mai 1594 in Suhl; † 27. April 1635 in Schleusingen) Gym. Schleusingen, Uni. Leipzig, Uni. Wittenberg, Uni. Jena, Uni. Marburg, Uni. Gießen, 11. Juni 1619 Diak. Meiningen, 1624 Adiak ebd., 1632 Pfr. u. Sup. Schleusingen, 1634 Dr. theol. Uni. Erfurt, (kinderlos) So. Salomo Zehner, (* Schleusingen) Som.-Sem. 1612 Uni. Jena, Pfleger in Sprinzenstein (Sarleinsbach, Oberösterreich) To. Catharina Zehner ⚭ Johann Georg Götz (* 1590; † 31. Juni 1663 in Meiningen), Stadtschultheiß Meiningen To. Maria Zehner (* 21. November 1605 in Schleusingen; † 21. November 1679 in Ober-Maßfeld) ⚭ 16. Juni 1630 in Meiningen mit Christoph Cellarius (* 20. November ~ 21. November 1599 in Lauingen; † 25. Dezember 1641 in Schmalkalden) Vater Christoph Cellarius (* 1575; † 12. August 1635 in Ulm), Mag. phil. 1598 Gymnasialprofessor Lauingen, 1618 Rektor Winsheim, Stadtphysikus in Gunzenhausen, Feuchtwangen und Geißlingen, Mutter Elisabeth Reiser (* Lauingen, ⚭ 1598 in Lauingen; † 1653), To. des Lauinger Bürgers Matthias Reiser und der Anna Roth, Großvater väterlicherseits Jacob Cellarius (* 1542 in Augsburg; † 1605 in Lauingen), Mag. phil., Gymnasialprofessor Poetik und Rhetorik in Lauingen, Großmutter väterlicherseits Ursula Neidhard, Stadtvogttochter aus Lauingen, Stadtschule Lauingen, 1608 bis 1616 Gym. ebd., 1617 Privatlehrer Hirschau, 2. August 1618 Uni. Ingolstadt, 18. August 1619 Uni. Jena, 21. Juli 1620 Bacc. phil. ebd., 5. August 1623 Mag. phil. ebd., 1624 Privatlehrer u. Stud. theol. Jena, 1627 Uni. Marburg, 1. Februar 1627 Hofprediger Schmalkalden, 8. Januar 1628 Pfarrer u. Inspektor der Schulen ebd., 23. April 1636 Superintendent Schmalkalden, (Kinder: Sohn Christoph Cellarius († jung), Tochter Maria Cellarius (* 16. Mai 1632 in Schmalkalden), Sohn Johannes Cellarius (* 12. August 1634 in Schmalkalden; † 26. Oktober 1706 in Ober-Maßfeld) Pfr. in Ober-Maßfeld und Ellingshausen, Tochter Sophia Cellarius (* 8. Oktober 1636 in Schmalkalden; † 14. Oktober 1669 in Gochsheim) ⚭ 12. Juli 1667 mit d. Pfr. Gorchsheim Caspar Conrad Willius, So. Christoph Cellarius (* 22. November 1638 in Schmalkalden; † 4. Juni 1707 in Halle (Saale)), So. Georg Cellarius (* 8. Mai 1641 in Schmalkalden; † 31. Januar 1642 ebd.)) vgl. Johann Stephani: Gloriosa Apostoli Pauli Militia. Oder: Der Löbliche Ampts Kampff S. Pauli, des hohen, ttheuren Apostels. Zu immerwährendem NachRuhm und Ehren Dem Weyland Ehrwürdigen, Hoch-Achtbarn Und Hochgelarthen Herrn M. Chriistophero Cellario, der Kirchen zu Schmalkalden Pfarrern und Superintendenten ... . Erfurt, 1642 (Digitalisat) To. Ursula Zehner (* 30. September 1588 in Mühlfeld; † 10. August 1603 in Schleusingen) To. Maria Zehner (19. März 1600 in Schleusingen, † 25. August 1603 in Schleusingen)

Werke (Auswahl) Oratio de vita Iobi, potentissimi olim Idumaeorum regis. Michael Schmück, Schmalkalden, 1593 (Digitalisat) Christliche Predigt Von Bergwercken, deren anfänglichem ursprung, warem gebrauch unnd mißbrauch : Darinnen alles, was in heiliger göttlicher Schrifft hievon zu finden kürtzlich zusammen gezogen worden. Michael Schmuck, Schmalkalden, 1593 (Digitalisat)

Von wolgearteter frommer Kinder, und anderer junger Leute früezeitigem Absterben. Christliche Trostpredigt. Welche bey Leychbestattung weiland des Gottsfürchtigen und wolgezogenen Schuelknnabens, Johannis Boners, Des Ehrnvesten und Achtbarn Herrn Caspar Boners, Churfürstlichen in Vormundschafft und Fürstlichen Sächsischen in die Fürstl. Graffschafft Henneberg verordneten Rentmeisters zu Schleusingen, geliebten Sohn. Michael Schmuck, Schmalkalden, 1596 (Digitalisat)Johann Boner begr. 24. Oktober 1596 in Schleusingen, Va. Caspar Boner Leychpredigt, welche vber weiland des Ehrenvhesten und Achtbarn, Herrn Valentin Boxbergers, Churfürstlichen ... Sächsischen Amptmanns und Landrichters zu Schleusingen etc. Christlichem Begrebniß Anno 1596, den 16. Martii aus d. 27. Cap. d. 4. Buchs Mose gehalten worden. Michael Schmück, Schmalkalden, 1596 (Digitalisat) Valentin Boxberger (* 14. Februar 1539 in Königshofen; † 15. März 1596 in Schleusingen) 1556 Schule Naumburg (4. J.), 1560 Uni. Jena, 1561 Kantor u. Lehrer Königshofen, 1563 hennebergischer Hoflehrer, 1566 Kammersekr. und Kanzleisekr., 31.05.1583 Amtmann und Landrichter Schleusingen, begr. 16.03.1596

Adagia Sacra Sive Proverbia Scripturae : Ex universo Bibliorum codice in 5 centurias congesta, & in illustri gymnasio Schleusingensi publice explicata. Thomas Schürer, Leipzig, 1601 (Digitalisat)

Christliche LeichPredigt, Uber dem Begrebniß Der Erbarn unnd Tugendtsamen, Frawen Catharinen Gütlin, Herrn Johann Gütleins, Rhatsverwandten zu Schleusingen, ehelicher HaußFrawen. Michael Schmück, Schmalkalden, 1602 (Digitalisat)Catharina Fierling (* 1542 in Schleusingen; † 28.04.1602 ebd.), Va. Valentin Fierling, Ratsherr Schleusingen, verh. I. 1560 mit Johann Latermann, Hofschneider Jüchsen; verh. II. 1572 mit dem fürstl. henneberg. Rat und Kanzler Mag. phil. Sebastian Glaser (* 1520; † 1577), verh. III. 9. April 1581 Johann Gütlein in Schmalkalden Divorum Patrum, Et Doctorum Ecclesiae, Qui oratione ligata scripserunt, Paraphrases Et Meditationes In Evangelia Dominicalia : E diversis ipsorum scriptis collectae. Schurer, Leipzig, 1602 (Digitalisat) Einweyhung der Newerbawten Kirchen auff dem GottesAcker zu Schleusingen, Welche bey Leichbestattung weiland der ... Frawen Anastasiae Wernerin, Des Erbarn und wolweisen, Herrn Carlen Werners, vornehmen Bürgers und Eltesten Rhatsverwandten zu Schleusingen, ehelicher Hausfrawen. Michael Schmück, Schmalkalden, 1602, (Digitalisat)Anastasia Clauer (* 26. November 1547 † 8. November 1602 in Schleusingen; begr. 10. November 1602 in Schleusingen) Va. Caspar Clauer, Bürger und Ratsherr Schleusingen; Mu. Elisabeth Jäger (genannt Wölfin); ⚭ 26. November 1566 in Schleusingen mit Carl Werner, Ratsherr Schleusingen; So. Caspar Werner Handelsmann und Ratsherr Leipzig; So. Sigmund Werner Bürger und Handelsmann Schleusingen; To. Elisabeth Werner († 23. April 1591) ⚭ N.N. Davids güldener RosenSpan : Bey angestellter allgemeiner LandTrawer, uber weiland des Durchleuchtigsten ... Herrn Friederich Wilhelms, Hertzogen zu Sachsen/ ... hochbetrüblichem tödlichem abgang. Michael Schmück, Schmalkalden, 1602 (Digitalisat) Bericht Von den jungen Kindlein/ welche entweder in Mutterleib/ oder zum wenigsten in weerender Geburt absterben / und demnach die heilige Tauffe nicht erlangen können. : Aus heiliger Göttlicher Schrifft / und den bewertesten KirchenLehrern verfasset / und der Gemeinde Gottes zu Schleusingen/ Bey Leichbestattung des Erbarn und VorAchtbarn/ Herrn Caspar Bronners / StadtRichters / etc. doselbsten / geliebten Töchterleins / auff dem Christlichen GottesAcker allda vorgetragen. Michael Schmück, Schmalkalden, 1602 ( Digitalisat)Anna Catharina Bronner († 1602 in Schleusingen), Va. Caspar Bronner, Ratsherr und Stadtrichter Schleusingen, Mu. Marie N.N., Schwester N.N. Bronner († 1601, begr. 2. März in Schleusingen), Schwester Anna Margaretha Bronner