mini|Links eine Telefonhaube TelHb82, auch für Rollstuhlfahrer geeignet, rechts ein Telefonhäuschen TelH78 aus Zeiten der Deutschen Bundespost Eine Telefonzelle ist eine Kabine oder ein Häuschen mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter, an dessen innerer Rückwand ein Telefonapparat angebracht ist. Er wird in Deutschland als öffentlicher Fernsprecher bezeichnet und kann von jedermann genutzt werden. Die Gebühren des Telefonats werden an einem Münzfernsprecher mit Münzen, sonst mit einer Telefonkarte, Kredit- oder Geldkarte bezahlt. Telefonzellen stehen in der Regel im öffentlichen Raum. Am 21. November 2022 wurde per Fernwartung die Münzannahme deaktiviert. Bis Ende Januar 2023 konnten noch Telefonkarten benutzt werden. Bis spätestens 2026 sollen alle öffentlichen Telefonzellen in Deutschland abgebaut werden.

Sprachgebrauch In der Verwaltungssprache der früheren deutschen Bundespostbehörden und ihrer Nachfolgeunternehmen werden Telefonzellen als ‚Telefonhäuschen‘ (TelH) bezeichnet. Bis Anfang der 1980er Jahre lautete die amtliche Bezeichnung ‚Fernsprechhäuschen‘ (FeH). Von allseits geschlossenen, durch eine Tür zugänglichen Häuschen unterschieden werden Fernsprech- oder Telefonhauben (FeHb bzw. TelHb) in offener Bauweise sowie sogenannte Fernsprechzellen im engeren Sinn (FeZ bzw. TelZ), die sich innerhalb geschlossener Gebäude befinden. Seit der Jahrtausendwende gibt es auch Telefonsäulen (TelS). Telefonhäuschen, -hauben und -säulen stehen typischerweise im öffentlichen Raum; Telefonzellen innerhalb öffentlicher Gebäude oder Einrichtungen können sich auch im halböffentlichen oder privaten Raum befinden, sind aber öffentlich zugänglich. Im allgemeinen Sprachgebrauch in Deutschland werden zumeist alle öffentlichen Fernsprecher unterschiedslos als ‚Telefonzellen‘ bezeichnet, jedenfalls wenn sie baulich in Häuschen-, (Halb-)Kabinen- oder Zellenform ausgelegt sind oder im Fall von Telefonsäulen zumindest eine Überdachung besitzen. Öffentliche Telefone sind aber auch Taxi-Telefone, Notruftelefone (oftmals als Notrufsäule ausgeführt) und Calling-Card-Telefone (wie das Basistelefon oder verschiedene JVA-Telefone).

Geschichte Anfänge 1880er Jahre mini|Unter Denkmalschutz stehendes Fernsprechhäuschen FeH32 in Berlin-Lübars mini|Telefonzelle in Frankfurt am Main (1961) mini|Hinweisschild auf einen öffentlichen Fernsprecher (Fünfziger Jahre) mini|Fasse-dich-kurz-Schilder zierten bis in die 1970er Jahre deutsche Telefonzellen mini|Moderne Telefonsäule mit LTE-Small-Cell-Erweiterung und WiFi-Hotspot mini|Lange Zeit verbreitete Bauart einer Telefonzelle aus den 1950er Jahren mini|Telefonzelle der 2000er Jahre Die erste Telefonzelle, damals noch Fernsprechkiosk genannt, wurde am 12. Januar 1881 in Berlin in Betrieb genommen. Ab 1899 gab es Münzfernsprecher, vorher wurden Telephon-Billets verkauft. Die ältesten geschlossenen Zellen befanden sich noch in Gebäuden, Postämtern, im Empfangsbereich von Hotels und gastronomischen Einrichtungen. Sie lösten kleinere, vor allem durch Raumteiler abgegrenzte Telefongelegenheiten ab, für deren Benutzung es noch keine einheitlichen Regeln gab.

Reichspost Ab den 1920er Jahren gehörten Telefonhäuschen mit Münzfernsprechern zum vertrauten Bild öffentlicher Plätze und Straßen. Ihre Gestaltung und Farbgebung wurde ab 1932 reichsweit normiert. Zunächst waren Blau und Gelb, ab 1934 Rot vorgeschrieben; ab 1946 wurde auf das in Westdeutschland 1951 vorgeschriebene einheitliche Gelb umgestellt. Mitte der 1990er Jahre wurde die Farbgebung dem Unternehmensdesign der Telekom entsprechend auf Weiß, Grau und Magenta geändert.

Öffentliche Telefonzellen kamen nach ihrer Einführung allgemein sehr gut an und wurden nicht nur zum Telefonieren benutzt. Sie waren auch beliebte Treffpunkte. Die in den 1930er Jahren eingeführten Modelle mit überkragendem Dach und waagerechten Tür- und Fenstersprossen prägten nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Teilen Deutschlands noch für lange Zeit das Bild.

Ab 1945: Bundespost und Deutsche Post (DDR) Die postgelbe Farbgebung war ein gemeinsames Erkennungsmerkmal in beiden deutschen Staaten.

Zum Standard-Telefonhäuschen in Westdeutschland bis weit in die 1980er Jahre wurde der 1953 eingeführte Typ FeH53 und vor allem sein unmittelbares Nachfolgemodell FeH/TelH55. Das im Vergleich mit den Vorkriegsmodellen schmucklose Häuschen mit großen, nicht unterteilten Glasfenstern in Türen und Seitenwänden bestand nach wie vor in den tragenden Teilen aus Stahlblech und konnte mit links oder rechts angeschlagener Tür geliefert werden. Ab April 1972 gab es einen Betriebsversuch mit Häuschen, die vollständig aus Kunststoff hergestellt waren. Ab 1979 wurde standardmäßig das Telefonhäuschen mit der Typenbezeichnung TelH78 eingesetzt, das vorletzte gelbe Bundespostmodell, das auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands in den neuen Bundesländern zur Einführung kam und bis zum Ende der Telefonzellenära sehr verbreitet war. Bei dieser Bauart, die sich von den Vorgängerformen durch ihre auffällig abgerundeten Kanten und Ecken unterschied, bestanden Gehäuse und Dach wie auch Türen, Montageplatten und Schutzschränke aus glasfaserverstärktem Polyesterharz.

Das letzte gelbe Bundespostmodell war das Häuschen TelH90 Sh, das bereits nach der Wiedervereinigung im gesamten Bundesgebiet eingeführt wurde. Es war in Gelb und Weiß gestaltet und sollte sich besonders gut in historische Stadtbilder einfügen. Ein auffälliges Merkmal war das spitze, pyramidenförmige Dach. Das Modell hatte an Seitenwänden und in der Tür je acht quadratische Scheibenfenster und besaß auch Fenster an der Rückseite. Es war aus glasfaserverstärktem Polycarbonat hergestellt und wog 300 kg.

Die Gemeinde Legden im Westmünsterland hat ein Modell der Bauart FE 78 SH 2018 in die örtliche Denkmalliste eingetragen.

Ab 1983 wurden die öffentlichen Fernsprecheinrichtungen durch Neuentwicklungen ergänzt: barrierefreie sechseckige Telefonzellen. Per Knopfdruck öffnete sich die Tür für Rollstuhlfahrer. bargeldlose öffentliche Fernsprecher, sogenannte Karten-Telefone. Begonnen wurde 1983 zu Testzwecken in Frankfurt am Main mit der Ausstattung von 29 Telefonzellen; 1984 folgten Telefone in weiteren Städten, unter anderem in Aachen, Bonn und Goslar. Bis 1984 waren von 129.000 Telefonzellen ein Großteil reine Münzfernsprecher.Unsere Post: Informationsmappe 2, Hrsg.: Deutschen Bundespost, Stand: 01/1984 Ende der 1980er Jahre führte die Deutsche Bundespost flächendeckend Kartentelefone ein, die die Münzgeräte zum Teil verdrängten. Erst ab Ende der 1990er Jahre wurden Kombinationsgeräte (Telestation) eingesetzt, die sowohl Münzen als auch Telefonkarten akzeptierten. anrufbare Telefonzellen. In rund 25 Städten wurden ab 1983 über 300 Telefonzellen dergestalt nachgerüstet, dass diese auch angerufen werden konnten. Erkennbar waren solche Telefonzellen durch ein außen angebrachtes Klebepiktogramm mit dem Symbol einer Glocke, die das Gerät als anrufbar kennzeichneten; die Rufnummer war bei einigen dieser Klebepiktogramme unter dem Glockensymbol aufgedruckt oder befand sich am Bedienpiktogramm des Gerätes. Diese anrufbaren Geräte wurden postintern als „aMünzFw“ bezeichnet. Für die Nutzer ergab sich die Möglichkeit, an der Telefonzelle wartende Personen zu erreichen oder sich zu verabredeten Zeiten gegenseitig anzurufen. Teilweise wurden bestehende Münzfernsprecher auch in reine Rückruf-Telefonzellen umgewandelt, in denen nur Anrufe entgegengenommen werden konnten. Noch in der Deutschen Demokratischen Republik waren viele Telefonzellen anrufbar, sofern die Telefonnummer bekannt war. Die Anrufbarkeit der Telefonzellen konnte später technisch eingeschränkt werden. In den 1990ern wurde die Anrufbarkeit der öffentlichen Fernsprecher teilweise wieder zurückgebaut; ein Grund dafür war u. a., dass die Apparate durch ankommende Gespräche belegt waren und Sprechgäste, die selbst telefonieren wollten, das nicht konnten, was zu Verlusten bei den für den wirtschaftlichen Betrieb eines öffentlichen Telefons unabdingbaren Einnahmen führte. Zudem führte es zu Auseinandersetzungen wenn Teilnehmer einen Anruf zu einer bestimmten Uhrzeit vereinbart hatten und die Telefonzelle dann aber durch eine Dritte Person besetzt war die ihr eigenes Gespräch nicht beenden wollte um die Leitung für denjenigen, der einen Anruf erwartete, freizugeben. Münzfernsprecher für Hörgeschädigte. Ab 1984 wurden 2.000 Telefonzellen in Hannover und 2.500 Telefonzellen in Stuttgart versuchsweise mit Telefonhörern ausgestattet, die direkt auf das Hörgerät des Nutzers wirkten.

Bis 1984 kostete eine Gesprächseinheit in der Bundesrepublik Deutschland 0,20 DM. Zum 1. Oktober 1984 erhöhte sich der Preis je Einheit auf 0,30 DM, mit Ausnahme der ersten Einheit, die nach wie vor 20 Pfennig kostete. Dennoch blieben die Fernsprecher für die Deutsche Bundespost unrentabel, da die Betriebskosten für die 1984 bestehenden 130.000 Telefonzellen die Einnahmen von jährlich rund 250 Millionen DM überstiegen. Allerdings waren zu dieser Zeit noch rund 2,3 Millionen Haushalte in Westdeutschland auf Telefonzellen angewiesen, um telefonisch kommunizieren zu können. Mit der flächendeckenden Einführung privater Haushaltstelefone nahm die Bedeutung der Telefonzelle als Kontaktpunkt in der Bundesrepublik Deutschland aber stark ab.

Deutsche Telekom Mit der Privatisierung der Post im wiedervereinigten Deutschland änderte sich das Corporate Design und die neu geschaffene Deutsche Telekom ersetzte die gelben Telefonzellen nach und nach durch grau-weiß-magentafarbene. Befürchtungen, wegen der neuen, unauffälligeren Farbgebung würden die Telefone im Notfall nicht gefunden und die Alarmierung von Rettungskräften könnte sich verzögern, da mehr Zeit für die Suche der Telefonzellen aufgewendet werden müsse, zerstreuten sich mit der allgemeinen Verbreitung von Mobiltelefonen.

Seit dem Wegfall des Telekommunikationsmonopols in Deutschland stellen auch andere Anbieter Telefonzellen auf. Sie beschränkten sich jedoch meist auf ausgesuchte, lukrative Standorte wie Fußgängerzonen in Großstädten. Dort werden neben den „normalen“ Telefonzellen seit Ende der 2000er Jahre auch so genannte Multimedia-Terminals aufgestellt. An diesen können über einen Touchscreen weitere Dienste wie Internet und SMS-Versand oder lokale Informationen wie Hotelverzeichnis oder Busfahrpläne abgerufen werden.

Wegen des raschen Anwachsens der Handynutzung – 2015 gab es 112 Millionen Mobilfunkanschlüsse in Deutschland – wurden die ortsgebundenen öffentlichen Fernsprecher unrentabel. Münzfernsprecher, deren monatlicher Durchschnittsumsatz unter 50 Euro liegt, werden von der Telekom mit Zustimmung der betroffenen Gemeinde abgebaut. Um die „Grundversorgung im Bereich öffentliche Telefonie“ zu gewährleisten, muss die Gemeinde jedem Abbau zustimmen und die Bundesnetzagentur informiert werden. Gegebenenfalls werden die Telefonzellen durch einfache Telefonsäulen ersetzt, die „Basistelefone“ genannt werden. . Auf diese Weise wurde bis 2008 bereits ein Fünftel der 80.000 damals unterhaltenen Telefonzellen durch Basistelefone ersetzt. Rund 40 Prozent aller öffentlichen Telefone der Deutschen Telekom waren Ende der 2000er Jahre noch Münztelefone, die neben Euromünzen und Telefonkarten noch D-Mark akzeptierten.Allgemeine Zeitung Mainz, 5. Januar 2010, S. 6 Hiermit war ein Preisvorteil verbunden, da die alten Münzen zum Kurs 1:1 akzeptiert wurden.

Gemäß dem Versorgungsauftrag, den die Telekom erfüllen muss, müssen in Stadtgebieten öffentliche Telefone „schnell zu Fuß“ erreichbar sein, was laut Versorgungsauftrag einen Entfernungsradius von ungefähr 2,5 Kilometern bedeutet. 1997 gab es in Deutschland noch 165.000 öffentliche Telefonstellen (überwiegend als gelbe und graue Telefonhäuschen).

mini|Das letzte gelbe Telefonhäuschen auf St. Bartholomä war aus Denkmal­schutz­gründen im Bootshaus integriert.