mini|Wappen des Bistums Augsburg mini|hochkant|Bildnis des Bistumspatrons Sankt Ulrich mini|Sitz des Augsburger Bischofs Das Bistum Augsburg () ist eine römisch-katholische Diözese im Südwesten von Bayern. Sie umfasst nahezu den ganzen bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, Teile des altbayerischen Gebietes östlich des Lechs und ein kleines Gebiet im südwestlichen Mittelfranken.

Geschichte Augusta Vindelicum (Augsburg) war als Hauptstadt der römischen Provinz Raetia secunda ein Ort, in den durch das römische Imperium vereinzelt erste Christen kamen. Afra von Augsburg wurde als frühchristliche Märtyrerin im Jahr 304 hingerichtet; sie ist Schutzpatronin der Stadt Augsburg und des Bistums Augsburg.

Aus dem Jahr 565 gibt es Hinweise für einen damals bereits überregionalen bekannten Afra-Kult. Dieser setzt eine christliche Gemeinde voraus, die den Untergang der Römerherrschaft überdauert haben muss. Ausgrabungen am Augsburger Dom deuten zudem auf die erste Augsburger Bischofskirche hin, die vermutlich aus dieser Zeit stammt. Der spätantike Bischofssitz in „Augusta Vindelicorum“ könnte zur Metropole Mailand und später zum Metropolitanverbund Aquileia gehört haben.

Für das 8. Jahrhundert ist das Wirken des heiligen Magnus von Füssen im östlichen Allgäu und am oberen Lech bezeugt. In dieser Zeit erscheint mit Wikterp der erste urkundlich nachweisbare Augsburger Bischof.

Unter Bischof Simpert, einem weiteren Bistumspatron, entstanden um das Jahr 800 Benediktinerklöster wie beispielsweise Benediktbeuern, Wessobrunn oder Ottobeuren. Simpert wird in den Urkunden auch als Bischof von Neuburg bzw. Staffelsee aufgeführt. Dabei könnte es sich um ein vom Augsburger Bistum abhängiges Unterbistum handeln das später wieder mit Augsburg vereint wurde. Ulrich von Augsburg prägte zirka 100 Jahre später das Bistum und die Geschichte, in die er vor allem durch die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 als Bistumspatron einging. Das Bistum gehörte zur Kirchenprovinz Mainz. Der weltliche Herrschaftsbereich des Bischofs bildete bis zur Säkularisation das Hochstift Augsburg.

1530 wurde auf dem Reichstag zu Augsburg die Spaltung zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche besiegelt. Elf der zwölf Reichsstädte im Bistumsgebiet gingen zum Protestantismus über. In Augsburg wurde 1537 der katholische Gottesdienst verboten und die katholischen Priester und Ordensleute vertrieben. Erst nach dem Religionsfrieden von 1555 durften in den Reichsstädten wieder beide Konfessionen nebeneinander bestehen. Um die Bürger wieder für den katholischen Glauben zu gewinnen, entstand 1549 unter der Leitung des Jesuitenpaters Petrus Canisius in Dillingen an der Donau eine katholische Reformuniversität (Collegium St. Hieronymi), die weit über die Bistumsgrenzen hinaus bekannt wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde auch das Bistum Augsburg schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Krieg entstanden speziell auf der bayerischen Seite, im Südosten des Bistums, zahlreiche Kloster- und Pfarrkirchen im Stil des Barock und Rokoko; es war eine Blütezeit für Baumeister (siehe auch Wessobrunner Schule), Stuckateure und Maler. Diese Kirchenbauten prägen die Pfaffenwinkel genannte Gegend bis heute. Erwähnt seien hier das Marienmünster Dießen, die Klöster Benediktbeuern und Sankt Ottilien, die Klosterkirche Andechs und die Wieskirche bei Steingaden. Teile Mittelschwabens – vor allem das Gebiet des heutigen Landkreises Günzburg – werden Schwäbischer Barockwinkel genannt. In den südwestlichen Teil der Diözese erstreckt sich der Osten Oberschwabens mit zahlreichen sakralen Barockbauten, z. B. Kloster Roggenburg oder Kloster Ottobeuren. Auch Teile des Westallgäus gehören dazu.

Die Bischöfe von Augsburg trugen im Heiligen Römischen Reich den Titel eines Fürstbischofs. Sein Gebrauch sowie die Verwendung der damit verbundenen weltlichen Würdezeichen (wie Fürstenhut und -mantel) wurde 1951 durch Papst Pius XII. auch formell abgeschafft.Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 2. Aufl. Böhlau Verlag, Wien 1992, S. 219, ISBN 3-205-05352-4. 1802/03 wurde die Kirche in der Säkularisation enteignet, wodurch das Bistum Augsburg 98 Stifte und Klöster verlor. Der Benediktinerpater Placidus Braun gab von 1813 bis 1815 die erste Geschichte der Bischöfe von Augsburg heraus; es ist ein vierbändiges Werk. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 endete die Franzosenzeit östlich des Rheins; danach wurde die Diözese Augsburg neu geordnet. Die Bistumsgrenzen wurden an die Landesgrenzen angepasst. Dadurch verlor die Diözese Augsburg die auf württembergischem Gebiet gelegenen Bistumsteile sowie einige Pfarreien in Tirol und Vorarlberg. Durch die private Förderung des Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. konnten im Bistum viele Klöster und Bildungsstätten neu entstehen. Die Schulen bestehen zum Teil noch heute im Schulwerk der Diözese Augsburg. Neben dem Wiederaufblühen der alten Orden und Gemeinschaften kam es zudem zu einigen Neugründungen. Dominikus Ringeisen und Regens Johann Evangelist Wagner gründeten damals soziale Einrichtungen für Kranke und Behinderte, die bis heute als Stiftungen der Behindertenhilfe im Bistum existieren.

Der Verein für Augsburger Bistumsgeschichte befasst sich seit 1965 mit der Geschichte des Bistums Augsburg und veröffentlicht dazu jährlich einen Sammelband.

Schutzpatrone Bistumspatrone sind der heilige Bischof Ulrich, die heilige Afra und der heilige Bischof Simpert.

Persönlichkeiten NS-Märtyrer Hans Adlhoch (1884–1945), wegen seines katholischen Glaubens ins KZ Dachau verbracht, im Lazarett gestorben Paulus Bernheim OSB (1923–1943) Bernhard Heinzmann (1903–1942), wegen Predigten gegen Hitler vergast Michael Kitzelmann (1916–1942), wegen „Wehrkraftzersetzung“ hingerichtet Alfred Kranzfelder (1908–1944), Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Karl Leisner (1915–1945), wegen religiös motivierter Kritik am Nationalsozialismus im KZ, an den Folgen der Haft gestorben Michael Lerpscher (1905–1940), religiös motivierter Kriegsdienstverweigerer, hingerichtet Raymund Lohausen OCist (1897–1948), als Anti-NS-Prediger im KZ, an den Folgen der Haft gestorben Clemens Martin CPPS (1875–1945) ins KZ verbracht, nachdem er den Hitlergruß verweigert hatte, und dort gestorben Martin Mayrock (1884–1944), wegen religiös motivierter Äußerungen gegen den NS-Staat im KZ, an den Folgen der Haft gestorben Max Joseph Metzger (1887–1944), wegen religiös motiviertem Pazifismus hingerichtet Christoph Probst (1919–1943), als Mitglied der „Weißen Rose“ hingerichtet Joseph Ruf (1905–1940), religiös motivierter Kriegsdienstverweigerer, hingerichtet Ludwig Schön (1883–1945), als religiös motivierter Widerständler erschossen Franz Xaver Schweyer (1868–1935), wegen politischem und schriftstellerischem Widerstand gegen Hitler inhaftiert, an den Folgen gestorben Edelfried Seibold OSB (1908–1944), aufgrund seines priesterlichen Wirkens erschossen Josef Stegmair (1886–1945), als religiös motivierter Widerständler erschossen Hermann Josef Wehrle (1899–1944), wegen Mitwisserschaft am Widerstand des 20. Juli 1944 hingerichtet

Ermordete Missionare Karl Albrecht SJ (1929–1999), als Missionar in Osttimor umgebracht Walburga Diepolder OSB (1870–1905), als Missionsschwester in Tansania umgebracht Solanus Hermann OSB (1909–1950), als Missionar im Konzentrationslager in Nordkorea gestorben Basiela Kammerer SSpS (1904–1944), als Missionsschwester in Neuguinea getötet Eusebius Lohmeier OSB (1897–1949), als Missionar der Territorialabtei Tokwon in Nordkorea umgebracht Rudolf Lunkenbein SDB (1939–1976), als Missionar in Brasilien erschossen Markus Metzger OSB (1879–1949), als Missionar in Nordkorea umgebracht Kunibert Ott OSB (1912–1952), als Missionar in Nordkorea umgebracht Edmar Sommerreisser CMM (1913–1981), als Missionar in Simbabwe erschossen Gabriel Sonntag OSB (1873–1905), als Missionar in Tansania ermordet Friedrich Stoiber MHM (1904–1942), als Missionar auf den Philippinen erschossen

Bischöfe

Die Legende von Afra von Augsburg berichtet von einem Bischof Narzissus in Augsburg (siehe Narcissus von Girona; † 307) Wikterp († 772) war der erste Bischof, der von Historikern geschichtlich gesichert werden konnte. St. Simpert (um 750 – 807) ist dritter Schutzpatron für Stadt und Bistum Augsburg St. Ulrich (890–973) hatte großen Anteil am Sieg über die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld. Unter Burkhard von Ellerbach († 1404), Bischof von 1373 bis 1404, verlor das Amt des Bischofs fast seine gesamte weltliche Macht Kardinal Otto von Waldburg (1514–1573) war von 1543 bis 1573 Bischof von Augsburg und der bisher letzte Kardinal aus dem Bistum. Bischof Sigmund Franz (1630–1665) wurde 1646 ohne Weihe Bischof von Augsburg Joseph Kumpfmüller (1869–1949) war Bischof von Augsburg von 1930 bis 1949 und damit während der gesamten Zeit des Nationalsozialismus. Joseph Freundorfer (1894–1963) förderte die Wiedererrichtung und den Neubau von Kirchen, sowie die Familienseelsorge und die Ulrichswallfahrt. Josef Stimpfle (1916–1996) war 29 Jahre lang Bischof von Augsburg. Während seiner Amtszeit setzte er im Bistum die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils um. Viktor Josef Dammertz OSB (1929–2020) führte von 1993 bis 2004 als 70. Diözesanbischof das Bistum Augsburg. Walter Mixa (* 1941) leitete das Bistum von Oktober 2005 bis April 2010. Konrad Zdarsa (* 1944) wurde von Oktober 2010 bis Juli 2019 mit der Bistumsleitung betraut. Bertram Meier (* 1960) wurde im Januar 2020 zum Bischof von Augsburg ernannt und im Juni desselben Jahres geweiht. Weitere Personen Margareta Ebner (um 1291–1351), Selige der katholischen Kirche und Mystikerin Maria Crescentia Höss (1682–1744), Heilige der katholischen Kirche, Mystikerin und Oberin des Klosters Kaufbeuren Johann Michael Sailer (1751–1832), Pastoraltheologe und Bischof von Regensburg (1829–32) Christoph von Schmid (1768–1854), römisch-katholischer Priester, Jugendbuchautor und Verfasser von Ihr Kinderlein kommet Johann Evangelist Wagner (1807–1886), Regens des Priesterseminars in Dillingen und Behindertenseelsorger, Gründer der Regens-Wagner-Stiftungen Anton von Steichele (1816–1889), Kirchenhistoriker und Erzbischof von München und Freising (1878–89) Bartholomäus Ponholzer (1827–1892), römisch-katholischer Priester, Präses im Kolpingwerk, Autor und Zeitungsredakteur Sebastian Kneipp (1821–1897), römisch-katholischer Priester, Hydrotherapeut und Naturheilkundler Dominikus Ringeisen (1835–1904), römisch-katholischer Priester und Behindertenseelsorger, Gründer des Dominikus-Ringeisen-Werks

Bistumsgliederung

mini|Die Dekanate des Bistums seit 2012 Das Bistum Augsburg ist dem Erzbistum München-Freising als Suffraganbistum zugeordnet. Die Diözese besteht aus 998 Pfarrkirchenstiftungen in 23 Dekanaten.

Bis zum 30. November 2012 bestand das Bistum Augsburg aus acht sogenannten Diözesanregionen (Augsburg, Weilheim, Kaufbeuren-Ostallgäu, Kempten, Memmingen-Unterallgäu, Neu-Ulm, Donau-Ries und Altbayern) mit 36 Dekanaten. Diese Struktur wurde im Zuge der Bistumsreform unter dem Stichwort „Raumplanung 2025“ aufgelöst. Die Diözesanregionen des Bistums wurden ab 1. Dezember 2012 durch 23 Dekanate ersetzt.

Kirchenaustritte Mehr als 30.000 Kirchenaustritte gab es 2022 im Bistum Augsburg, so viel wie nie zuvor. Im Jahr 2021 hatten im Bistum Augsburg 19.884 Menschen der römisch-katholischen Kirche den Rücken gekehrt, 2020 waren es 13.042.Negativrekord: 30.000 Kirchenaustritte im Bistum Augsburg

Finanzlage