Der Alpensalamander (Salamandra atra) ist eine schwarz gefärbte, landlebende Art der Schwanzlurche. Er lebt in einem zusammenhängenden Areal in den Alpen sowie in einzelnen isolierten Populationen in den Dinariden in mittleren bis hohen Gebirgslagen und bevorzugt feuchte Laubmischwälder, Blockhalden und Almwiesen in kalkreichen Lebensräumen mit zahlreichen Unterschlüpfen.Gaston D. Guex, Kurt Grossenbacher: Salamandra atra Laurenti, 1768 – Alpensalamander. In: B. Thiesmeier, K. Grossenbacher (Hrsg.): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas. Band 4/IIB. Schwanzlurche (Urodela) IIB, Salamandridae III: Triturus 2, Salamandra (S. 975–1028). Aurla-Verlag, Wiebelsheim 2004. Als besondere Anpassung an seinen Lebensraum pflanzt sich der Alpensalamander als eines der wenigen Amphibien vivipar fort und hat unter allen Wirbeltieren die vermutlich längste Tragzeit.
Die Art wurde zum „Lurch des Jahres“ 2026 erklärt.
Beschreibung Größe Die Männchen des Alpensalamanders bleiben durchschnittlich etwas kleiner als die bis etwa 15 cm lang werdenden Weibchen. Im Durchschnitt werden die Tiere 11–12 cm lang. 1444 vermessene Tiere zeigten Längen von 4,9 bis 14,4 cm für Männchen und bis 15,1 cm für Weibchen. Weibchen der mit dem Alpensalamander früher verwechselten Art Lanzas Alpensalamander (Salamandra lanzai) können jedoch bis 17 cm lang werden. Größenunterschiede zwischen den Unterarten können mehrheitlich auf Differenzen der Höhenstufen, Altersstruktur und ökologische Faktoren wie das Futterangebot zurückgeführt werden.
Äußere Merkmale mini|Schwarzer Alpensalamander in den Berchtesgadener Alpen Die Tiere sind – mit Ausnahme der Unterart Salamandra atra aurorae, deren Rücken eine unregelmäßig begrenzte schmutziggelbe Färbung hat – einheitlich lackschwarz gefärbt und wirken etwas weniger gedrungen als Feuersalamander (Salamandra salamandra). In gesundem Zustand sind die Tiere glänzend. Unterseits ist die Färbung bleigrau und hier verläuft eine Längsrinne bis zum Schwanz. Das Männchen lässt sich vom Weibchen äußerlich durch eine etwas stärker vorgewölbte Kloake unterscheiden.
An dem vom Rumpf deutlich abgesetzten Kopf, der in seiner Form breiter als lang ist und eine abgerundete Schnauze hat, sind neben den schwarzen Augen auch die hervortretenden Ohrdrüsen (Parotiden) gut zu erkennen. Entlang der Körperflanken besitzen die Tiere eine Reihe von warzigen und rundlichen Erhebungen, die Drüsenausgänge enthalten. Der Rumpf wird seitlich durch elf bis dreizehn Rippenfurchen segmentiert. Der Schwanz ist nicht so lang wie der Rumpf und in seinem Querschnitt beinahe viereckig; er endet relativ spitz.
Paläontologie In der Gamssulzenhöhle im Toten Gebirge wurde der Alpensalamander zusammen mit anderen Amphibien auf Grund radiometrischer Daten für das Spätglazial (14.000–10.000 v.H.) nachgewiesen.
Karyotyp Wie bei allen europäischen Salamandriden ist die Chromosomenzahl 2n = 24.
Verbreitung mini|Verbreitung des Alpensalamanders in den Ostalpen Der Alpensalamander ist ein Endemit der mitteleuropäischen Fauna mit Verbreitungszentrum in den Alpen. Außer in den Alpen und deren vorgelagerter Flyschzone – etwa vom Rhonetal oberhalb des Genfersees durch die Zentral- und Ostalpen in der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Norditalien – trifft man die Art im Dinarischen Gebirge bis ins Prokletije-Massiv. Der Schwerpunkt der deutschen Vorkommen befindet sich in den nördlichen Kalkalpen Bayerns und stellt die nördlichste Verbreitungsgrenze dar. Der südöstlichste Fundort im Prokletije liegt im Valbona-Tal im Dragobia in Albanien sowie im Raški do Tal an der Grenze zwischen Montenegro und Serbien.Gaston D. Guex, Kurt Grossenbacher: Salamandra atra Laurenti, 1768 – Alpensalamander. 2004, hier S. 990. Allgemein ist die Verbreitung des Alpensalamanders trotz seines teilweise häufigen Auftretens selbst in den Alpen nur ungenügend bekannt.Kurt Grossenbacher 1988: Verbreitungsatlas der Amphibien der Schweiz. Documenta Faunitsticae Helveticae, 7 (PDF)
Auffällig ist das Fehlen des Alpensalamanders in den trockenen Teilen der Zentralalpen. So erreicht die Art das Wallis nur am Nordrand an zwei Punkten und meidet das Trockental der Rhone.Gaston D. Guex, Kurt Grossenbacher: Salamandra atra Laurenti, 1768 – Alpensalamander. 2004, hier S. 984. Ältere Angaben für das Tessin gelten als unbelegt. Wallis und Engadin stellen Verbreitungslücken dar. In der Schweiz wird somit nur der nördliche Alpenbogen durchgehend besiedelt. Südlich Rhone und Berner Alpen kommt er nicht mehr vor. Einzelne weit verstreute Beobachtungen im Wallis bedürfen dabei jedoch wegen ihrer isolierten Lage einer Bestätigung. In der Westschweiz reicht das Vorkommen bis an die Landesgrenze. Das Inntal wird nirgends besiedelt. An der kalkalpinen Abdachung der Südalpen tritt die Art wieder auf, allerdings eher selten und in verstreuten Isolaten, vom Aostatal über das Piemont bis zur Lombardei (südlich des Veltlins). Aus dem Veltlin selbst sind keine zuverlässigen Nachweise bekannt. Weiter östlich sind Funde aus dem Adamello und dem Südteil des Ortlermassivs bekannt. Aus dem Vinschgau, Stilfser Joch und Raum zwischen Münstertal und Puschlav fehlen Nachweise.
Eine Verbreitungslücke sind auch die Ötztaler Alpen. Erst 2007 konnte im nördlichen, österreichischen Teil ein Fund verzeichnet werden. Die Seltenheit des Alpensalamanders in den Ötztaler Alpen geht einerseits auf den Aufbau des Gebirges aus kristallinem Schiefer zurück, andererseits auf das eher trockene regionale Klima. Die nördlichen Ötztaler Alpen sind mit 110 Regentagen niederschlagsreicher, was als mögliche Erklärung für die neuen Funde herangezogen wird.Cabela A., Hill J. (2007): Salamandra atra Laurenti, 1768 in the Ötztaler Alpen Massif (Austria, Italy). Herpetozoa, 20, 88–91. (PDF)
Südlichster Punkt des zusammenhängenden Siedlungsareals in den Alpen ist der Ternowaner Wald in Slowenien. Südlich schließen isolierte Vorkommen der mittleren und hohen Dinariden an. Im Krainer Schneeberg sowie im Kapela-Gebirge in Kroatien ist die Art relativ häufig. Nach einer (echten?) Verbreitungslücke von 200 km besiedelt die Art die Massive beiderseits der Neretva, die Prenj-planina sowie die Čvrsnica in Bosnien und der Herzegowina. Eine weitere (echte?) Verbreitungslücke von 200 km reicht zum Prokletije. Hier wurde der Alpensalamander zuerst nur aus dem Ostteil in silikatischen Gebirgs-Massiven in Montenegro, Kosovo und Albanien beschrieben. Erst 2017 wurden vier weitere Fundstellen aus dem aus basischen Gesteinen aufgebauten westlichen Teil der albanischen Bjeshket e Namuna/Prokletije-Gebirges gemeldet.Márton Szabolcs, Edvárd Mizsei, Daniel Jablonski, Balázs Vági, Béla Mester, Zsolt Végvári, Szabolcs Lengyel 2017: Distribution and diversity of amphibians in Albania: new data and foundations of a comprehensive database. Amphibia-Reptilia 38 (2017): 435-448 Eine überraschende Entdeckung kommt aus dem mediterranen Orjen-Gebirge in Montenegro. Hier wurde der Alpensalamander in einer großen Paleodoline in 1570 m Höhe nur 15 km vom Mittelmeer entdeckt.Pavle Cikovac & Katarina Ljubisavljevic 2020: Another isolated relic population of the Alpine Salamander (Salamandra atraLaurenti, 1768) (Amphibia: Caudata: Salamandridae) in the Balkans. Russian Journal of Herpetology, Vol. 27/2: 109-112 (PDF) In der Depression des Opuvani do haben sich neben dem Alpensalamander auch Glazialrelikte der Flora erhalten. Dieses Mikrorefugium ist vom allgemeinen Klima der Atmosphäre durch Bildung eines Kaltluftsees abgekoppelt. Durch längere Schneebedeckung, Schmelzwässer und häufige Frostwechsel ist die periglaziale Prozessdynamik ausgeprägt.Pavle Cikovac & Ingo Hölzle 2018: On glacial microrefugia Opuvani do - Mt. Orjen. 7th Balkan Botanical Congress, University of Novi Sad 10 - 14 September 2018. (PDF) Der Alpensalamander findet in den so gebildeten periglazialen Schuttdecken und den darauf spezialisierten arkto-alpinen und alpinen Zwergstrauchheiden mit Silberwurz und Stumpfblättrige Weide für ihn geeignete Habitate.
Trotz intensiver Nachforschungen konnte die Art im bosnischen Treskavica-Gebirge, wo sie aus konservatorischen Funden des 19. Jahrhunderts belegt ist, nicht mehr nachgewiesen werden. Prenjensis conservation project - mid term report Die im kühlfeuchten Volujak, Bioč und Maglić vermutete Verbreitung wird durch fehlende Funde bei mehreren intensiven Sammelkampagnen nicht gestützt. Demnach ist das Verbreitungsgebiet in Bosnien zurzeit auf das aus Sedimentsteinen aufgebaute Kalk-Gebirge Prenj und Čvrsnica sowie hierüber im Grenzraum Montenegros, Albaniens und Kosovo im Prokletije auf Massive mit metamorpher Gesteinsunterlage beschränkt. Inwieweit die Geologie und das Untergrundgestein sowie die resultierende Geomorphologie und Habitatausstattung für die Verbreitung in den Dinariden erheblich sind, lässt sich zurzeit nicht eindeutig klären. Auffällig ist, dass das häufige Auftreten im Prenj zwischen 1700 und 2000 m durch unzählige Versteckmöglichkeiten in alpine Karstformen gefördert zu sein scheint.https://www.researchgate.net/publication/301232231_Ecological_characteristics_and_population_structure_of_the_alpine_salamander_from_Mt_Prenj Ecological characteristics and population structure of the alpine salamander from Mt. Prenj
Lebensraum mini|Das Opuvani do in Montenegro beherbergt die südlichste und mittelmeernächste Population von Alpensalamander und Silberwurz in Europa Die Lebensräume des Alpensalamanders liegen unter anderem in Karstgebieten und Hochgebirgsschluchten. Er kommt in den Alpen meist ab Höhen von , regional auch schon ab NN vor; nur selten findet man Exemplare in tieferen Lagen (Einzelangaben aus der Literatur: bei Walensee/Schweiz, in Österreich). Manchmal können solche Funde auch auf die Verdriftung von Tieren mit reißenden Bächen zurückzuführen sein. Die höchsten Einzelfundorte liegen bei in Kärnten/Österreich und in der Schweiz; in den deutschen Alpen steigt die Art selten über , ausnahmsweise bis auf .Klemens Fritz, Peter Sowig: Alpensalamander – Salamandra atra Laurenti, 1768. In: Laufer, Fritz, Sowig: Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4385-6, S. 159–170. Überwiegend werden feuchte Laub- und Bergmischwälder in der Nähe von Gebirgsbächen besiedelt, oberhalb der Baumgrenze Biotope wie feuchte Alpenweiden, Zwergstrauchheiden und Schutthalden. Hier ist der Alpensalamander unter Steinen oder Totholz anzutreffen.
Günstige Habitate für dichte Populationen sind stabilisierte Block- und Schutthalden, Fettwiesen,Geiger C. (2006): Ecological requirements of the Alpine Salamander Salamandra atra: assessing the effects of current habitat structure and landscape dynamics on local distribution. B. Sc. Thesis, Faculty of Science, University of Bern, Switzerland. (PDF) Waldränder und Bergwälder. Innerhalb der Wälder werden reine Nadelwaldpartien eher gemieden, Laub-Nadel-Mischwälder und vor allem Laubwaldpartien bevorzugt. Die größten Dichten finden sich entlang kleiner Waldbäche oder in Gischtzonen am Fuß von Wasserfällen. Auch Schluchten bieten gute Lebensbedingungen.Kurt Grossenbacher 1988.
Der Alpensalamander tritt dabei eher an Standorten mit bodenbasischer Reaktion und hohen pH-Werten auf. Dies erklärt auch, dass für ihn Standorte mit saurer Bodenreaktion problematisch sind. Hieraus ist auch erklärbar, dass er häufiger in Laub- als in Nadelwäldern mit niedrigen pH-Werten auftritt. Düngung wirkt sich positiv auf sein Vorkommen aus, da Fettwiesen feuchter als magere Wiesen sind. Der Alpensalamander ist standorttreu; sein Lebensraum ist nur wenige Quadratmeter groß. Schnelle Habitatänderung ist daher ungünstig für die langfristige Etablierung. Da Salamander-Populationen einen sehr langsamen Generationswechsel besitzen, können Anpassungen an starke Lebensraumänderungen nur erst nach mehreren Jahrzehnten erfolgreich sein.