Das Eggegebirge (auch kurz die Egge genannt) ist ein bis etwa hoher Mittelgebirgszug des Niedersächsischen Berglandes in den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn in Nordrhein-Westfalen in Deutschland.

Name Der Ausdruck „Egge“ ist eine generelle niederdeutsche Bezeichnung für langgestreckte Hügelkämme bzw. Bergrücken; sprachliches Gegenstück sind die „Siepen/Siefen/Seifen“ (für die die Eggen begleitenden Kerbtäler). Bis ins 17. Jahrhundert trug das Eggegebirge gemeinsam mit dem nordwestlich fortlaufenden Teutoburger Wald den Namen Osning.Das Eggegebirge und sein Vorland. Seite 13, Lippert, Eggegebirgsverein

Geographie Geographische Lage Das Eggegebirge zieht sich im Niedersächsischen Bergland als Teil des Oberen Weserberglands vom Südostende des Teutoburger Waldes bei Horn-Bad Meinberg im Norden bis zum Tal der im weit südwestlich gelegenen Rothaargebirge entspringenden Diemel bei Scherfede im Süden und damit bis zum nördlichen Ende des Sauerlandes. Es liegt rund 15 km östlich der Großstadt Paderborn.

Über die Nahtstelle zwischen dem Eggegebirge und dem nach Nordwesten verlaufenden Teutoburger Wald gibt es unterschiedliche Ansichten (siehe Karte): Nach W. & L. Lippert (1996, S. 13 u. 150) und L. Maasjost (1972, S. 3) befindet sie sich nordnordwestlich der Lippischen Velmerstot () an der Silbermühle () bzw. am Silberbach, der von Veldrom nordnordostwärts nach Leopoldstal fließt. Nordwestlich des Tals liegt die Südostflanke des Kniebergs (), der neben dem südlich davon, aber dennoch westlich des Silberbachtals gelegenen Buchenberg (ca. ) zu den südöstlichen Bergen des nordwestwärts gerichteten Teutoburger Waldes gehört. Von dieser Nahtstelle zieht sich das Eggegebirge in Richtung Süden unter anderem über die Lippische () und auch Preußische Velmerstot (ca. ), die Hausheide (; zwischen Altenbeken im Nordwesten und Bad Driburg im Südosten) und Bierbaums Nagel () bis zum Hellberg () bei Scherfede, das am Unterlaufbeginn der Diemel liegt. mini|287x287px|Karte: Grenzen zwischen Teutoburger Wald und Eggegebirge nach verschiedenen Autoren Bei der o. g. Grenzziehung bleibt allerdings offen, wo die Grenze des Teutoburger Waldes im Süden verlaufen soll (? in der Karte).

S. Meisel (1959), Bearbeiterin der naturräumlichen Gliederung Deutschlands 1:200.000, Blatt Detmold, unterscheidet zwischen der „Egge“ (im engeren Sinne) und dem (westlichen) Eggevorland, wobei beides zur naturräumlichen Haupteinheit „Egge-Gebiet“ gehört. Danach erstreckt sich das Eggegebirge (im engeren Sinn) noch über die Externsteine hinaus bis zum Bärenstein. Fraglich ist allerdings, ob die Berge um den Barnacken (446 m, siehe auch die dortigen Ausführungen zur naturräumlichen Abgrenzung) noch zum Eggevorland gehören sollen. Letzterer gehört unstrittig zum Teutoburger Wald und ist sogar dessen höchste Erhebung.

Die – im Gegensatz zur naturräumlichen Gliederung – nicht flächendeckende Landschaftsgliederung des Ständigen Ausschusses für geographische Namen (StAGN), erarbeitet von H. Liedtke (1994), bietet wegen ihres Kartenmaßstabs von 1:1.000.000 nur einen groben Anhaltspunkt. Aber auch hiernach erstreckt sich das Eggegebirge über das Silberbachtal hinaus bis zu den Externsteinen.

Die Karte „Landschaften in Deutschland“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) lässt das Eggegebirge wie die naturräumliche Gliederung am Bärenstein enden. Interessant ist hier die Grenzziehung zwischen Teutoburger Wald und (westlichem) Eggevorland, die durch das Bärental (= Tal der Strothe) verläuft. Das Bärental mit seiner Fortsetzung nach Nordosten wäre durchaus eine sinnvolle Abgrenzung zwischen Teutoburger Wald und Egge-Gebiet/Eggegebirge, da es sich hierbei um den tiefsten und sehr markanten Einschnitt zwischen den beiden Gebirgszügen handelt.

Zusammen mit dem Südostteil des Teutoburger Waldes bildet das Eggegebirge den langgestreckten und 2711 km² großen Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge, besonders früher auch Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald genannt.

Die Ausläufer des Eggegebirges, die sich teils jenseits der den Egge-Hauptkamm begleitenden Längstäler und Talkessel befinden, grenzen im Nordwesten an die Senne, im Osten an das Oberwälder Land, im Südosten an die Warburger Börde, im Süden an das Tal der Diemel, im Südwesten an den Warburger Wald mit dem jenseits davon gelegenen Sintfeld und im Westen an die Paderborner Hochfläche mit Paderborn.

Rhein-Weser-Wasserscheide Der Hauptkamm des Eggegebirges ist ein Teil der Rhein-Weser-Wasserscheide. Während das Wasser der meisten Bäche, die an der Ostseite des Kamms entspringen, über Emmer und Nethe in die Weser fließt, entwässern sich fast alle Bäche, die der Westseite des Kamms entfließen, über die Lippe in den Rhein.

Berge 235x235px|mini|Lippische Velmerstot mini|Gedenkstein für den Preußischen optischen Telegrafen am Rehberg, Bad Driburg Zu den Bergen und Bergausläufern (teils lediglich Anhöhen des Egge-Hauptkamms), im Eggegebirge und seinen Ausläufern gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders angegeben in der Regel laut ) und mit nahen Ortschaften: Preußische Velmerstot, auch Preußischer Velmerstot (464 m), zwischen Steinheim-Sandebeck, Horn-Bad Meinberg-Feldrom und -Leopoldstal mit Eggeturm (Aussichtsturm) Feldromer Berg (449,1 m), Horn-Bad Meinberg-Feldrom, nördlich Vermessungsstein auf Karte mit 446,3 m Hausheide (441,4 m), Bad Driburg, Vermessungsstein vorhanden Lippische Velmerstot, auch Lippischer Velmerstot (441,4 m), Horn-Bad Meinberg-Leopoldstal, zwei Vermessungssteine vorhanden N.N. (439,1 mDeutsche Grundkarte, 1:5000), 1,2 km westlich von Borlinghausen Eggeberg (437,0 m), Veldrom Dübelsnacken (436,5 m), Altenbeken N.N. (434,9 m), Altenbeken-Buke, markanter Berg 449 m südlich vom Dübelsnacken Spellerberg (434,3 m), Kempenveldrom, Vermnessungsstein auf Karte Hohlestein (433,2 m), Kohlstädt, Vermessungsstein auf Karte Rehberg (427,4 m), Bad Driburg-Langeland, Vermessungsstein auf Karte Burg (423,0 m), Warburg-Bonenburg Füllenberg (ca. 426 mDeutsche Grundkarte, 1:5000), Bad Driburg Bollerbornsberg (425,2 m), Altenbeken Ochsenkamp (420,6,1 m), Veldrom, Vermessungsstein südlich auf Karte mit 419,9 m N.N. (417,4 mDeutsche Grundkarte, 1:5000), 595 m östlich des Füllenberges Mönkeberg, (416,6 m), Veldrom mit ehemaligem Luftwaffensender Primadonna Varenberg (415,2 m), Warburg-Bonenburg Klusenberg (414,1 m), Bad Driburg Nadel (413,5 m), Warburg-Hardehausen Stellberg (413,1 m), Bad Driburg Steinberg (410,0 m), Bad Driburg-Neuenheerse Bielstein (409,8 m), Veldrom Bentenberg (407,3 m), Lichtenau-Kleinenberg Mittelberg (407,0 m), Bonenburg Ebersberg (406,2 m), Horn (Horn-Bad Meinberg) Bauernkamp (405,7 m), Veldrom Teufelssenke (404,7 m), Altenbeken Ochsenberg (403,7 m), Altenbeken Trötenberg (401,3 m), Altenbeken Butterhügel (400,9 m), Bad Driburg-Neuenheerse, 77 m vom Mittelberg entfernt Mittelberg (400,1 m), Bad Driburg-Neuenheerse Oberer Kleinenberg (396,4 m), Lichtenau-Kleinenberg Markberg (395,4 m), Horn (Horn-Bad Meinberg) Netheberg (387,3 m), Bad Driburg-Neuenheerse Zangenberg (386,6 m), Bad Driburg-Neuenheerse Neuwaldsberg (382,6 m), Altenbeken Schweinsberg (382,1 m), Bad Driburg Iburg, auch Iberg (381,2 m), Bad Driburg Holschenberg (380,1 m), Altenbeken Paderborner Berg (380 m), Willebadessen Reuterberg (379 m), Lichtenau Keimberg (ca. 375,9 m), Altenbeken-Buke Imkenberg (372 m), Lichtenau Ochsenberg (370,6 m), Altenbeken Sommerberg (369,7 m), Altenbeken Brocksberg (368,1 m), Altenbeken-Schwaney Warthügel (367,6 m), Lichtenau-Kleinenberg Kleeberg (365 m), Altenbeken Hohe Warth (357,0 m), Bonenburg Duneberg (336,0 m), Bad Lippspringe

Fließgewässer Zu den Fließgewässern im Eggegebirge und seinen Ausläufern gehören (mit Mündungsgewässer): Aa (Nethe) Altenau (Alme) Beke (Lippe) Diemel (Weser) Durbeke Eder (Eggel) Ellerbach (Altenau) Emmer (Weser) Fischbach (Emmer) Helmerte (Nethe) Heubach (Emmer) Hilgenbach (Aa) Lippe (Rhein) Naure (Diemel) Nethe (Weser) Öse (Nethe) Sagebach Sauer (Altenau) Silberbach (Heubach) Strothe (Lippe)

Schutzgebiete Naturschutzgebiete Diese Liste führt von Nord nach Süd die Naturschutzgebiete auf, die den Hauptkamm der Egge betreffen und nördlich des Wäschebaches liegen. Sie liegen in den Kreisen Detmold, Paderborn und Höxter.https://nsg.naturschutzinformationen.nrw.de/nsg/de/fachinfohttp://www.bezreg-detmold.de/400_WirUeberUns/030_Die_Behoerde/040_Organisation/050_Abteilung_5/010_Dezernat_51/015_Naturschutzgebiete/index.php

Name Beschreibung Größe Egge-Nord Hainsimsen-/Waldmeister-/Orchideen-Buchenwald, Erlenbruchwald, Feucht- und Magergrünland ca. 3000 ha Kiebitzteich Kalk-Flachmoor 2 ha Iburg-Aschenhütte Kalktuffquellen, Waldmeister-Buchenwald 217 ha Gradberg Wald einschließlich angrenzender Grünlandflächen 906 ha Stollen an der Bahnlinie Kassel-Altenbeken Fledermaus-Stollen 3,4 ha Hirschstein Hainsimsen-Buchenwald 78 ha Teutoniaklippen und Teutonia Wald, EG-Vogelschutzgebiet 78 ha Klippen und Felsenmeer bei Hardehausen Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwald, Bach-Erlen-Eschenwald, Bach-Eschenwald 227 ha Hellberg-Scheffelberg Platterbsen-Buchenwald, Kalk-Halbtrockenmagerrasen 93 ha Hammerbachtal naturnahes Bachtal 69 ha Schwarzbachtal Buchenwaldkomplex mit Bachsystem 511 ha Klingelbachtal Wald, EG-Vogelschutzgebiet 28 ha Bleikuhlen und Wäschebachtal Schwermetallrasen, Bach-Erlen-Eschenwälder 15 ha

Vogelschutzgebiet Im Süden, zur Bundesautobahn 44 hin, ist das Europäische Vogelschutzgebiet Egge ausgewiesen. Das Gebiet weist landesweit bedeutsame Brutvorkommen von Haselhuhn, Mittelspecht, Schwarzspecht und Schwarzstorch sowie bemerkenswerte Brutvorkommen von Neuntöter, Raufußkauz und Rotmilan auf.

Nationalpark Egge Seit den 1990er-Jahren gibt es Bestrebungen, Teile der Egge als Nationalpark Egge auszuweisen.Nationalpark Egge Homepage Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e. V. Im September 2023 veröffentlichten Umwelt-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium in NRW eine Liste mit sechs potenziellen Gebieten für einen zweiten Nationalpark in NRW, eines davon das Eggegebirge. In einem Bewerbungsverfahren sollen bis Ende des ersten Quartals 2024 formale Bewerbungen für den neuen Nationalpark eingereicht werden.Pläne für neuen Nationalpark sorgen für Skepsis WDR am 13. September 2023, abgerufen am 19. November 2023.

Bei einem Bürgerentscheid im Sommer 2024 im Kreis Höxter, mit einer Wahlbeteiligung von 58,6 Prozent, votierten 66,3 Prozent der Bürger gegen die Errichtung eines Nationalpark Egge. Im Kreis Paderborn votierten, bei einer Wahlbeteiligung von 47,5 Prozent, 55,1 Prozent gegen einen Nationalpark.Kreis Paderborn: Absage für Nationalpark Egge SD am 17. Juni 2024, abgerufen am 23. Juni 2024. In der Folge wird es keinen Nationalpark in der Egge geben.

Tourismus Wandern Das Eggegebirge hat ein ausgedehntes Wegenetz, das zum Wandern einlädt. Zumeist über seinen Hauptkamm führt in Nord-Süd-Richtung als Teil von Hermannshöhenweg und Europäischem Fernwanderweg E1 der 70 km lange Eggeweg, einer der deutschen Fernwanderwege. Seit 2004 ist er ein vom Deutschen Wanderverband zertifizierter Qualitätswanderweg.

Sehenswürdigkeiten mini|Dicke Eiche bei Borlinghausen mini|Obelisk auf Lippische Velmerstot Zu den Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten im oder nahe dem Eggegebirge gehören: Alte Eisenbahn, Bodendenkmal, ehemalige Eisenbahntunnelbaustelle von 1847 Bahnhof Altenbeken mit Eisenbahnknotenpunkt und nahem Altenbekener Viadukt; in Altenbeken Bierbaums Nagel, Aussichtsturm; bei Borlinghausen Kaiser-Karls-Turm oberhalb von Bad Driburg Bodostein, bei Bad Driburg-Langeland Dicke Eiche, Tausendjährige Eiche mit elf Metern Stammumfang; bei Borlinghausen Eggeweg, Wanderweg als Teil des Hermannshöhenwegs auf dem Egge-Hauptkamm Erdfälle und Dolinen an zahlreichen Stellen des Eggegebirges Glashütte aus dem Hochmittelalter um 1150 am Dübelsnacken