Joseph Haydn schrieb insgesamt 68 Quartette. Meist sind je sechs Quartette zu einer Opuszahl zusammengefasst. Heute werden die Streichquartette Haydns nach Abschnitt III des Hoboken-Verzeichnisses gezählt. Diese Zählung beruht auf dem sogenannten „Haydn-Verzeichnis“ von 1805, einer Liste der Werke (mit Notenincipit), die Haydn von einem Kopisten anfertigen ließ, in die aber versehentlich auch unechte Werke gerieten; außerdem sind die Arrangements der Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze enthalten (daher die Gesamtzahl 83).
Opus 1 (1762–64) Wie bei Opus 2 stammt die Zusammenstellung zu einer Sechsergruppe hier nicht von Haydn, sondern von Verlegern. Bei Nr. 5 handelt es sich um ein fremdes Arrangement einer Sinfonie Haydns. Quartett in B-Dur, op. 1, Nr. 1, Hob. III:1 Presto Menuet Adagio Menuet Finale: Presto Quartett in Es-Dur, op. 1, Nr. 2, Hob. III:2 Allegro molto Menuet Adagio Menuet Finale: Presto Quartett in D-Dur, op. 1, Nr. 3, Hob. III:3 Adagio Menuet Scherzo: Presto Menuet Finale: Presto Quartett in G-Dur, op. 1, Nr. 4, Hob. III:4 Presto Menuet Adagio ma non tanto Menuet Finale: Presto Quartett in Es-Dur, op. 1, Nr. 5, Hob. III:5 (fremdes Arrangement der Sinfonie Hob. I:107) Presto Menuet Adagio Menuet Finale: Presto Quartett in C-Dur, op. 1, Nr. 6, Hob. III:6 Presto assai Menuet Adagio Menuet Finale: Allegro
Opus 2 (1763–65) Zusammenstellung zu einer Sechsergruppe nicht vom Komponisten. Zwei der Werke sind fremde Arrangements von Divertimenti mit Hörnern. Quartett in A-Dur, op. 2, Nr. 1, Hob. III:7 Allegro Menuet Adagio Menuet Finale: Allegro molto Quartett in E-Dur, op. 2, Nr. 2, Hob. III:8 Allegro molto Menuet Adagio Menuet Finale: Presto Quartett in Es-Dur, op. 2, Nr. 3 (anonymes Arrangement des Divertimentos Hob. II:21), Hob. III:9 Allegro molto Menuetto – Trio Adagio Menuetto – Trio Finale. Allegro Quartett Nr. 9 in F-Dur, op. 2, Nr. 4, Hob. III:10 Presto Menuet Adagio Menuet: Allegretto Finale: Allegro Quartett in D-Dur, op. 2, Nr. 5 (anonymes Arrangement des Divertimentos Hob. II:22), Hob. III:11 Presto Menuetto – Trio Largo cantabile alla Breve Menuetto – Trio Finale. Presto Quartett Nr. 10 in B-Dur, op. 2, Nr. 6, Hob. III:12 Adagio Menuet Scherzo: Presto Menuet Finale: Presto
Hinzu kommt das frühe Quartett Hob. II:6 (in der Forschung bisweilen als „op. 1 Nr. 0“ bezeichnet).
Opus 3 (sog. „Hoffstetter-Quartette“ – nicht von Haydn) Die sechs Streichquartette op. 3 gelten heute als Werke von Roman Hoffstetter. Sie wurden 1777 in Paris bei dem Verleger Bailleux als Werke Haydns gedruckt, nach 1800 von Ignaz Pleyel in seine Gesamtausgabe der Streichquartette Haydns übernommen. Diese wiederum diente Haydns Kopisten Johann Elßler 1805 als Vorlage der Quartettliste im „Haydn-Verzeichnis“. So wurden die Quartette scheinbar von Haydn autorisiert. Aufgrund der Überlieferung (die gesamte Überlieferung geht von dem Druck von Bailleux aus, während es bei den echten frühen Quartetten zahlreiche unabhängige Abschriften gibt) äußerte schon Jens Peter Larsen (Die Haydn-Überlieferung, Kopenhagen 1939) Zweifel an der Echtheit. 1964 stellten dann Alan Tyson und H. C. Robbins Landon Haydns Autorschaft in Frage: Sie stellten fest, dass in den Stimmensätzen der ersten beiden Quartette in Bailleux’ Druck zu erkennen ist, dass aus ihnen der Name Hoffstetters getilgt wurde. Landon und Tyson schlossen daraus, dass Hoffstetter vermutlich der Verfasser aller sechs Werke sei, und Bailleux sie aus Absatzgründen unter dem Namen des bekannteren Haydn verkauft habe.Alan Tyson, H. C. Robbins Landon: Who composed Haydn’s Op 3? In: The Musical Times, Band 105, Nr. 1457, Juli 1964, S. 506–507, doi:10.2307/949842. Dieser These schlossen sich späterhin die meisten Haydn-Forscher an, daher gelten heute die Quartette als unecht. Ein 1986 veröffentlichter Aufsatz von Günther Zuntz, der Tyson und Landon gravierende philologische Fehler unterstellte und für die Beibehaltung der Zuschreibung an Haydn eintrat, blieb dagegen weitgehend unbeachtet.Günther Zuntz: Die Streichquartette op. 3 von Joseph Haydn. In: Die Musikforschung, Band 39, Nr. 3, Juli/September 1986, S. 217–239, . Insbesondere das fünfte Quartett – das sogenannte „Serenadenquartett“ – war ausgesprochen beliebt, solange es noch als Werk Haydns galt.
Quartett in E-Dur, op. 3, Nr. 1, Hob. III:13 Quartett in C-Dur, op. 3, Nr. 2, Hob. III:14 Quartett in G-Dur, op. 3, Nr. 3, Hob. III:15 Quartett in B-Dur, op. 3, Nr. 4, Hob. III:16 Quartett in F-Dur, op. 3, Nr. 5 („Serenadenquartett“), Hob. III:17 Quartett in A-Dur, op. 3, Nr. 6, Hob. III:18
Opus 9 (1769) Quartett in d-Moll, op. 9, Nr. 4, Hob. III:22 Moderato Menuet Adagio: Cantabile Finale: Presto Quartett in C-Dur, op. 9, Nr. 1, Hob. III:19 Moderato Menuet: Un poco allegretto Adagio Finale: Presto Quartett in G-Dur, op. 9, Nr. 3, Hob. III:21 Moderato Menuet: Allegretto Largo Finale: Presto Quartett in Es-Dur, op. 9, Nr. 2, Hob. III:20 Moderato Menuet Adagio: Cantabile Finale: Allegro di molto Quartett in B-Dur, op. 9, Nr. 5, Hob. III:23 Poco adagio Menuet: Allegretto Largo: Cantabile Finale: Presto Quartett in A-Dur, op. 9, Nr. 6, Hob. III:24 Presto Menuet Adagio Finale: Presto
Opus 17 (1771) Quartett in F-Dur, op. 17, Nr. 2, Hob. III:26 Moderato Menuetto: Allegretto Adagio Finale: Allegro di molto
Quartett in E-Dur, op. 17, Nr. 1, Hob. III:25 Moderato Menuetto: Allegretto Adagio Finale: Presto
Quartett in c-Moll, op. 17, Nr. 4, Hob. III:28 Moderato Menuetto: Allegretto Adagio cantabile Finale: Allegro Quartett in D-Dur, op. 17, Nr. 6, Hob. III:30 Presto Menuetto Largo Presto Quartett In Es-Dur, op. 17, Nr. 3, Hob. III:27 Andante grazioso Menuetto: Allegretto Adagio Allegro molto Quartett in G-Dur, op. 17, Nr. 5, Hob. III:29 Moderato Menuetto Adagio Presto
Opus 20, die „Sonnenquartette“ (1772) Der Beiname geht auf die Darstellung einer Sonne auf dem Titel einer späteren Ausgabe zurück. Quartett in f-Moll, op. 20, Nr. 5, Hob. III:35 Moderato Menuet Adagio Finale: Fuga a due soggetti
Quartett in A-Dur, op. 20, Nr. 6, Hob. III:36 Allegro di molto e scherzando Adagio Menuet Fuga con tre soggetti
Quartett in C-Dur, op. 20, Nr. 2, Hob. III:32 Moderato Capriccio: Adagio Menuet: Allegretto Fuga a quattro soggetti Quartett in g-Moll, op. 20, Nr. 3, Hob. III:33 Allegro con spirito Menuet: Allegretto Poco adagio Finale: Allegro di molto
Quartett in D-Dur, op. 20, Nr. 4, Hob. III:34 Allegro di molto Un poco adagio e affettuoso Menuet alla Zingarese: Allegretto Presto e scherzando
Quartett in Es-Dur, op. 20, Nr. 1, Hob. III:31 Allegro moderato Menuet: Un poco allegretto Affettuoso e sostenuto Finale: Presto
Opus 33 „Russische Quartette“ (1781) Die Quartette sind – allerdings erst in einer späteren Ausgabe und nicht auf Veranlassung Haydns – dem 1781 in Wien weilenden Großherzog Paul von Russland gewidmet, daher der Beiname. Weitere Beinamen sind „Jungfernquartette“ (nach der Darstellung einer jungen Frau auf dem Titel einer späteren Ausgabe) und „Gli Scherzi“.
Mit ihnen schuf Haydn Streichquartette von völlig neuem Typus („auf eine gantz neue besondere Art“, wie er in einem Brief schreibt). So haben die Kopfsätze eine Durchführung und folgen der Sonatenhauptsatzform. Das Menuett wurde durch ein Scherzo ersetzt.
Die Russischen Quartette erregten großes Aufsehen, besonders Mozart beeinflussten sie sehr. Mozart schrieb 1782 bis 1785 nach Haydns Vorbild sechs Quartette, unter ihnen das „Dissonanzen-Quartett“, die den Höhepunkt in Mozarts Quartettschaffen markieren.
Quartett in h-Moll, op. 33, Nr. 1, Hob. III:37 Allegro moderato Scherzo Andante Finale Quartett in Es-Dur, op. 33, Nr. 2 („Der Scherz“), Hob. III:38 Allegro moderato Scherzo Largo e sostenuto Finale
Quartett in C-Dur, op. 33, Nr. 3 („Vogelquartett“), Hob. III:39 Allegro moderato Scherzo: Allegretto Adagio ma non troppo Finale: Rondo. Presto Quartett in B-Dur, op. 33, Nr. 4, Hob. III:40 Allegro moderato Scherzo: Allegretto Largo Finale: Presto Quartett in G-Dur, op. 33, Nr. 5 („Wie geht es dir?“), Hob. III:41 Vivace assai Largo e cantabile Scherzo Finale Quartett in D-Dur, op. 33, Nr. 6, Hob. III:42 Vivace assai Andante Scherzo: Allegretto Finale: Allegretto
Opus 42 (1785) Quartett in d-Moll, op. 42, Hob. III:43 Andante ed innocentemente Menuetto: Allegretto Adagio e cantabile Finale: Presto
Opus 50 „Preußische Quartette“ (1787) Die dem König Friedrich Wilhelm II. von Preußen gewidmeten Quartette entwickeln den in op. 33 gefundenen klassischen Musizierstil weiter. Basierend auf einer eher schlichten Thematik, wird besonders in den Kopfsätzen das motivische Material kunstvoll verarbeitet, wobei jedes Instrument gleichwertig behandelt wird.
Besonders das erste Quartett zeigt im ersten Satz ein Triolenmotiv über einem klopfenden Bass, das den ganzen Satz bestimmt.
Die langsamen Sätze erreichen eine vorher nicht gekannte Kantabilität.
Quartett in B-Dur, op. 50, Nr. 1, Hob. III:44 Allegro Adagio non lento Menuetto: Poco allegretto Finale: Vivace Quartett in C-Dur, op. 50, Nr. 2, Hob. III:45 Vivace Adagio: Cantabile Menuetto: Allegretto Finale: Vivace assai
Quartett in Es-Dur, op. 50, Nr. 3, Hob. III:46 Allegro con brio Andante più tosto Allegretto Menuetto: Allegretto Finale: Presto Quartett in fis-Moll, op. 50, Nr. 4, Hob. III:47 Allegro spirituoso Andante Menuetto: Poco allegretto Finale: Fuga – Allegro moderato Quartett in F-Dur, op. 50, Nr. 5, Hob. III:48 Allegro moderato Poco adagio Menuetto: Allegretto Finale: Vivace Quartett in D-Dur, op. 50, Nr. 6 („Froschquartett“), Hob. III:49 Allegro Poco adagio Menuetto: Allegretto Finale: Allegro con spirito
Opus 51 (1787) „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“, op. 51, Hob. III:50–56 (Transkription des gleichnamigen Werkes für Orchester) L’Introduzione: Maestoso ed adagio Sonata I: Pater, dimitte illis, non enim sciunt, quid faciunt (Largo) Sonata II: Amen dico tibi: hodie mecum eris in paradiso (Grave e cantabile) Sonata III: Mulier, ecce filius tuus, et tu, ecce mater tua! (Grave) Sonata IV: Eli, Eli, lama asabthani? (Largo) Sonata V: Sitio (Adagio) Sonata VI: Consummatum est! (Lento) Sonata VII: Pater! In manus tuas commendo spiritum meum (Largo) Il terremoto (Presto e con tutta la forza)
Opus 54/55 „Tost-Quartette I und II“ (1788) „Erste Tost-Quartette“, da für den ehemaligen Esterházyschen Hofmusiker und späteren Wiener Kaufmann Johann Tost komponiert; Tost verkaufte die Quartette an verschiedene Verleger. Die sechs Quartette erschienen teils in zwei Einzelheften (daher haben sich die unterschiedlichen Opuszahlen 54 und 55 für je drei Quartette eingebürgert).
Quartett in C-Dur, op. 54, Nr. 2, Hob. III:57 Vivace Adagio Menuetto: Allegretto Finale: Adagio – Presto – Adagio
Quartett in G-Dur, op. 54, Nr. 1, Hob. III:58 Allegro con brio Allegretto Menuetto: Allegretto Finale: Presto
Quartett in E-Dur, op. 54, Nr. 3, Hob. III:59 Allegro Largo cantabile Menuetto: Allegretto Finale: Presto
Quartett in A-Dur, op. 55, Nr. 1, Hob. III:60 Allegro Adagio cantabile Menuetto Finale: Vivace
Quartett in f-Moll, op. 55, Nr. 2 („Rasiermesser-Quartett“), Hob. III:61 Andante o più tosto allegretto Allegro Menuetto: Allegretto Finale: Presto
Quartett in B-Dur, op. 55, Nr. 3, Hob. III:62 Vivace assai Adagio ma non troppo Menuetto Finale: Presto
Opus 64 „Tost-Quartette III“ (1790) „Zweite Tost-Quartette“, wie die Vorgänger-Serie zur Vermarktung durch Tost geschrieben. In einer frühen Ausgabe mit einer Widmung für Tost versehen (nicht von Haydn veranlasst).
Quartett in C-Dur, op. 64, Nr. 1, Hob. III:65 Allegro moderato Menuetto: Allegretto ma non troppo