Bei den XXI. Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver (Kanada) fanden zehn Wettbewerbe (je fünf bei Männern und Frauen) im alpinen Skisport statt. Austragungsort war Whistler-Blackcomb bei Whistler, rund 125 km nördlich von Vancouver.
Bilanz Medaillenspiegel mini|Super-G-Rennen der Frauen auf der Piste „Franz’s Downhill“ Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 3 – – 3 2 2 3 3 8 3 2 – 1 3 4 1 2 1 4 5 1 1 2 4 6 1 – – 1 7 – 2 – 2 – 2 – 2 9 – – 2 2 10 – – 1 1
Medaillengewinner Männer Konkurrenz Gold Silber Bronze Abfahrt Didier Défago Aksel Lund Svindal Bode Miller Super-G Aksel Lund Svindal Bode Miller Andrew Weibrecht Riesenslalom Carlo Janka Kjetil Jansrud Aksel Lund Svindal Slalom Giuliano Razzoli Ivica Kostelić André Myhrer Kombination Bode Miller Ivica Kostelić Silvan Zurbriggen Frauen Konkurrenz Gold Silber Bronze Abfahrt Lindsey Vonn Julia Mancuso Elisabeth Görgl Super-G Andrea Fischbacher Tina Maze Lindsey Vonn Riesenslalom Viktoria Rebensburg Tina Maze Elisabeth Görgl Slalom Maria Höfl-Riesch Marlies Schild Šárka Strachová Kombination Maria Höfl-Riesch Julia Mancuso Anja Pärson
Ergebnisse Männer Abfahrt Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Didier Défago 1:54,31 2 Aksel Lund Svindal 1:54,38 3 Bode Miller 1:54,40 4 Mario Scheiber 1:54,52 5 Erik Guay 1:54,64 6 Didier Cuche 1:54,67 7 David Poisson 1:54,82 8 Marco Büchel 1:54,84 9 Klaus Kröll 1:54,87 10 Michael Walchhofer 1:54,88 11 Carlo Janka 1:55,02 12 Werner Heel 1:55,19 15 Peter Fill 1:55,29 18 Christof Innerhofer 1:55,58 22 Hans Grugger 1:55,81 23 Ambrosi Hoffmann 1:56,04 24 Stephan Keppler 1:56,11 Datum: 15. Februar 2010, 19:30 Uhr (10:30 Uhr Ortszeit) Strecke: „Dave Murray“ Start: 1678 m, Ziel: 825 m Höhendifferenz: 853 m, Streckenlänge: 3105 m Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers: 97,8 km/h Kurssetzer: Helmuth Schmalzl, 41 Tore
64 Teilnehmer aus 26 Ländern, 59 in der Wertung.
Die Männerabfahrt hätte ursprünglich am 13. Februar stattfinden sollen, musste aber wegen warmer Temperaturen und Regens im unteren Streckenteil um zwei Tage verschoben werden. Die Piste präsentierte sich uneben und war entsprechend schwer zu befahren. Im Gegensatz zu den Tagen davor herrschte Sonnenschein und alle Fahrer profitierten von gleich bleibenden Bedingungen.
Die erste ernstzunehmende Richtzeit stellte Bode Miller auf, der mit Startnummer 8 die Führung übernahm. Aksel Lund Svindal (Nr. 16) konnte Millers Zeit um zwei Hundertstelsekunden unterbieten und setzte sich an die Spitze. Didier Défago, in der Saison zuvor Sieger am Lauberhorn und auf der Streif, war mit Startnummer 18 nochmals sieben Hundertstel schneller und erzielte eine Bestzeit, die nicht mehr unterboten wurde. Nur 1992 und 1994 gab es in einer Olympiaabfahrt eine knappere Entscheidung. Didier Cuche (Nr. 22), aufgrund der Trainingsleistungen einer der meistgenannten Favoriten, war bis zur untersten Zwischenzeit auf Medaillenkurs, wählte jedoch in der letzten Linkskurve eine falsche Linie und fiel auf den sechsten Platz zurück. Auch andere Favoriten wie Nr. 17 Michael Walchhofer, Nr. 20 Carlo Janka oder Nr. 19 Manuel Osborne-Paradis blieben ohne Medaille.
Super-G Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Aksel Lund Svindal 1:30,34 2 Bode Miller 1:30,62 3 Andrew Weibrecht 1:30,65 4 Werner Heel 1:30,67 5 Erik Guay 1:30,68 6 Christof Innerhofer 1:30,73 7 Patrick Staudacher 1:30,74 8 Carlo Janka 1:30,83 9 Tobias Grünenfelder 1:30,90 10 Didier Cuche 1:31,06 14 Benjamin Raich 1:31,35 15 Didier Défago 1:31,43 17 Georg Streitberger 1:31,49 20 Mario Scheiber 1:31,93 21 Michael Walchhofer 1:32,00 Datum: 19. Februar 2010, 20:30 Uhr MEZ (11:30 Uhr Ortszeit) Strecke: „Dave Murray“ Start: 1440 m, Ziel: 825 m Höhendifferenz: 615 m, Streckenlänge: 2200 m Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers: 87,6 km/h Kurssetzer: Giovanni Rulfi, 44 Tore
64 Teilnehmer aus 28 Ländern, 45 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Marco Büchel (LIE), Robbie Dixon (CAN), Peter Fill (ITA), Patrik Järbyn (SWE), Andrej Jerman (SLO), Stephan Keppler (GER), Hans Olsson (SWE), Manuel Osborne-Paradis (CAN), David Poisson (FRA), Natko Zrnčić-Dim (CRO).
Das Rennen konnte bei idealen Witterungsbedingungen ausgetragen werden (Sonnenschein, Temperaturen um 0 °C). Mit Startnummer 3 stellte Andrew Weibrecht (bisher Rang 11 als bestes Weltcup-Resultat) eine Zeit auf, an der die nachfolgenden Athleten überraschenderweise reihenweise scheiterten, zum Teil äußerst knapp. Erst Bode Miller (Nr. 11) gelang es, seinen Teamkollegen um drei Hundertstelsekunden zu schlagen. Schließlich setzte sich Aksel Lund Svindal (Nr. 19) mit 0,28 Sekunden Vorsprung durch und seine Zeit wurde von niemandem mehr unterboten. Im siebten olympischen Super-G war dies bereits der vierte norwegische Sieg: 1992, 2002 und 2006 hatte Kjetil André Aamodt die Goldmedaille gewonnen. Überschattet wurde das Rennen von einem schweren Sturz von Patrik Järbyn: Der Schwede blieb bewusstlos liegen und musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden, im Krankenhaus wurden eine leichte Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen im Gesichtsbereich diagnostiziert.
Riesenslalom Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Carlo Janka 2:37,83 2 Kjetil Jansrud 2:38,22 3 Aksel Lund Svindal 2:38,44 4 Marcel Hirscher 2:38,52 5 Romed Baumann 2:38,80 6 Benjamin Raich 2:38,83 7 Ivica Kostelić 2:38,88 8 Felix Neureuther 2:39,06 9 Ted Ligety 2:39,11 10 Aleš Gorza 2:39,21 12 Philipp Schörghofer 2:39,35 14 Didier Cuche 2:39,45 15 Sandro Viletta 2:39,54 29 Marc Berthod 2:42,10 Datum: 23. Februar 20101. Lauf: 19:00 Uhr MEZ (10:00 Uhr Ortszeit)2. Lauf: 22:45 Uhr MEZ (13:45 Uhr Ortszeit)
Strecke: „Dave Murray“ Start: 1210 m, Ziel: 805 m Höhendifferenz: 405 m, Streckenlänge: 1512 m Kurssetzer 1. Lauf: David Chastan (FRA), 52 Tore Kurssetzer 2. Lauf: Matteo Guadagnini (ITA), 55 Tore
103 Teilnehmer aus 60 Ländern, 89 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: 1. Lauf: Thomas Mermillod Blondin (FRA), Bode Miller (USA); 2. Lauf: André Myhrer (SWE), Cyprien Richard (FRA), Marcus Sandell (FIN), Gauthier de Tessières (FRA).
Das Rennen war ursprünglich für den 21. Februar vorgesehen, Verschiebungen bei den vorherigen Rennen machten jedoch eine Anpassung des Programms notwendig. Leichter Schneefall, der im unteren Streckenteil in Schneeregen überging, sorgte für schwierige Pistenbedingungen. Der erste Lauf ergab an der Ranglistenspitze relativ knappe Zeitabstände. Nicht weniger als 13 Fahrer klassierten sich innerhalb einer Sekunde und hatten somit noch realistische Chancen auf einen Medaillengewinn. Am schnellsten war der Schweizer Carlo Janka mit einem Vorsprung von 0,02 Sekunden auf den Österreicher Romed Baumann und 0,16 Sekunden auf den Norweger Aksel Lund Svindal. Dahinter folgten zwei weitere Österreicher, Marcel Hirscher und Benjamin Raich, der Olympiasieger von 2006.
Kjetil Jansrud, nach dem ersten Lauf noch auf Platz 11 liegend, fuhr im zweiten Lauf die klare Bestzeit und überholte fast alle vor ihm liegenden Konkurrenten. Nur Carlo Janka konnte sich dem Norweger widersetzen und gewann mit einer kontrollierten Fahrt nach WM-Gold 2009 auch die olympische Riesenslalom-Goldmedaille. Svindal behauptete seinen dritten Platz. Nicht vom Glück begünstigt waren die Österreicher, die allesamt zurückfielen und sich geschlossen auf den Plätzen 4 (Hirscher), 5 (Baumann) und 6 (Raich) klassierten.
Slalom Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Giuliano Razzoli 1:39,32 2 Ivica Kostelić 1:39,48 3 André Myhrer 1:39,76 4 Benjamin Raich 1:39,81 5 Marcel Hirscher 1:40,20 6 Mitja Valenčič 1:40,35 7 Manfred Mölgg 1:40,45 8 Julien Cousineau 1:40,66 9 Julien Lizeroux 1:40,72 10 Reinfried Herbst 1:40,78 12 Silvan Zurbriggen 1:40,83 15 Marc Gini 1:41,35 Datum: 27. Februar 20101. Lauf: 19:00 Uhr MEZ (10:00 Uhr Ortszeit)2. Lauf: 22:45 Uhr MEZ (13:45 Uhr Ortszeit)
Strecke: „Dave Murray“ Start: 985 m, Ziel: 805 m Höhendifferenz: 180 m Kurssetzer 1. Lauf: Dusan Grasic (CAN) 66 Tore Kurssetzer 2. Lauf: Christian Höflehner (AUT) 63 Tore
102 Teilnehmer aus 56 Ländern, 54 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Axel Bäck (SWE), Marc Berthod (SUI), Jimmy Cochran (USA), Urs Imboden (MDA), Ted Ligety (USA), Bode Miller (USA), Steve Missillier (FRA), Lars Elton Myhre (NOR), Felix Neureuther (GER), Manfred Pranger (AUT), Patrick Thaler (ITA), Bernard Vajdič (SLO), Sandro Viletta (SUI).
Das olympische Slalomrennen war von äußerst ungünstigen Bedingungen geprägt: Dauerregen hatte die Piste aufgeweicht, zusätzlich sorgte zeitweise dichter Nebel für schlechte Sichtverhältnisse. Im ersten Lauf kam Giuliano Razzoli weitaus am besten mit dieser Situation zurecht. Er führte 0,43 Sekunden vor Mitja Valenčič und 0,54 Sekunden vor Benjamin Raich. Weitere sieben Fahrer hatten noch realistische Medaillenchancen. Der auf Platz 10 liegende André Myhrer stellte im zweiten Durchgang die Bestzeit auf und stieß auf den dritten Schlussrang vor, den er vor vier Jahren in Turin noch um 0,03 Sekunden verpasst hatte. Der Viertklassierte Ivica Kostelić verbesserte sich noch auf den zweiten Platz. Razzoli konnte seinen Vorsprung verteidigen und gewann (in Summe doch etwas überraschend, wenngleich er Anfang Januar in Zagreb gewonnen hatte) die Goldmedaille, als dritter Italiener nach Piero Gros (1976) und dem als Zuschauer anwesenden Alberto Tomba (1988).
Die Österreicher, die das stärkste Slalomteam stellten, konnten ihr Ziel, beim letzten Wettbewerb eine Medaille zu erobern, nicht erreichen. Benjamin Raich verpasste die Bronzemedaille um 0,05 Sekunden, der im Slalomweltcup führende Reinfried Herbst wurde Zehnter. Auch im fünften olympischen Rennen war es den österreichischen Männern nicht gelungen, eine Medaille zu gewinnen und sorgten so für das schlechteste Abschneiden in ihrer olympischen Geschichte. Zuvor hatte es nur 1936 keinen Medaillengewinner gegeben: Damals waren die Österreicher gar nicht angetreten, weil das IOC den Start von Skilehrern untersagt hatte. Noch hinter den Österreichern landeten die beiden im Bewerb verbliebenen Schweizer und der für Bulgarien startende Vorarlberger Kilian Albrecht. Der 51-jährige Prinz Hubertus von Hohenlohe, ältester Teilnehmer bei diesen Spielen, konnte sich auch bei seinem zweiten Start im Klassement platzieren.
Super-Kombination Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Bode Miller 2:44,92 2 Ivica Kostelić 2:45,25 3 Silvan Zurbriggen 2:45,32 4 Carlo Janka 2:45,54 5 Ted Ligety 2:45,82 6 Benjamin Raich 2:46,13 7 Ondřej Bank 2:46,19 8 Christof Innerhofer 2:46,45 9 Kjetil Jansrud 2:46,50 10 Will Brandenburg 2:47,06 14 Sandro Viletta 2:48,19 22 Stephan Keppler 2:49,79 Datum: 21. Februar 2010 Strecke: „Dave Murray“
Abfahrt: 18:30 Uhr MEZ (09:30 Uhr Ortszeit) Start: 1678 m, Ziel: 825 m Höhendifferenz: 853 m, Streckenlänge: 3105 m Kurssetzer: Helmuth Schmalzl, 41 Tore
Slalom: 21:15 Uhr MEZ (12:15 Uhr Ortszeit) Start: 1005 m, Ziel: 805 m Höhendifferenz: 200 m Kurssetzer: Ante Kostelić (CRO), 69 Tore
52 Teilnehmer aus 22 Ländern, 34 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Romed Baumann (AUT), Johan Clarey (FRA), Didier Défago (SUI), Peter Fill (ITA), Manfred Mölgg (ITA), Hans Olsson (SWE), Andrej Šporn (SLO), Georg Streitberger (AUT), Aksel Lund Svindal (NOR).