Der Militärflugplatz Dübendorf (ICAO-Code LSMD) befindet sich auf dem Gebiet der gleichnamigen Schweizer Stadt Dübendorf sowie der Gemeinden Volketswil und Wangen-Brüttisellen nordöstlich der Stadt Zürich. Er wird von Helikoptern, Flächen- und Spezialflugzeugen der Schweizer Luftwaffe, aber nicht mehr von Kampfjets genutzt. Zudem beherbergt er die operative Führung der Schweizer Luftwaffe.
Der 1910 für zivile Zwecke angelegte Flugplatz wird gemäss geltendem Konzept des Bundesrates vom 3. September 2014 gemischt zivil und militärisch genutzt. Diesen zivilaviatischen Plänen des Bundes wird aus der Region und dem Kanton Zürich Widerstand geleistet. So machen sich die Standortgemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen gemeinsam für ein Konzept eines historischen Flugplatzes mit Werkflügen stark, der die Anzahl der Flugbewegungen beschränkt und insbesondere auf die Klein- und Sportfliegerei sowie auf Flüge ausserhalb der Bürozeiten verzichtet. Die Stimmberechtigten der drei Gemeinden haben diesem Konzept am 26. November 2017 mit grosser Mehrheit zugestimmt.
Geschichte Frühe Jahre mit gemischter Nutzung mini|Flugzeuggeschwader im Ersten Weltkrieg mini|Flugzeug in einem Holzhangar, ca. 1918
Im Jahre 1909 fand der französische Aviatiker Reynold Jaboulin auf der Suche nach einem geeigneten Startplatz für seine Demonstrationsflüge mit einer «Flugmaschine» die Ebene zwischen Wangen und Dübendorf, damals noch urtümliches Riedland mit schilfbestandenen Tümpeln.
Am 14. März 1910 wurde bereits ein Pachtvertrag zur Errichtung eines zivilen Flugfeldes abgeschlossen. Im August 1910 begannen die Meliorationsarbeiten unter Jaboulins Leitung, und am 1. Oktober 1910 wurde die Genossenschaft Aérodrom Dübendorf gegründet. Bereits am 22. Oktober 1910 konnte in Dübendorf ein grosses Flugfest gefeiert werden. Dies nach anfänglichen Wirren um den definitiven Standort des Flugplatzes, denn zwischenzeitlich war der Schweizerischen Flugplatz-Gesellschaft (SFG) trockenes, sofort betriebsbereites Terrain auf dem Gebiet der Aargauer Gemeinde Spreitenbach zu viel billigeren Bedingungen offeriert worden. Am 28. September 1910 hatte die Gesellschaft denn auch verzichtet, in den Vertrag mit Dübendorf einzutreten. An der Generalversammlung der SFG vom 20. Februar 1911 wurde das Eintreten in den Pachtvertrag mit der Genossenschaft Oberried-Dübendorf beschlossen.Neue Zürcher Zeitung, 21. Februar 1911, Seite C2
1912 war das Geld ausgegangen, und aus Hangars wurden Scheunen. 1914 wählte der Bund Dübendorf als Standort für einen Militärflugplatz. Das Gelände wurde vorerst gepachtet. Am 27. November 1918 kaufte der Bund das ganze Areal für 380'000 Franken.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ab Zürich-Schwamendingen und ab der Wasserflugzeugstation am Zürichhorn lokaler Luftverkehr aufgenommen. Später wurde Dübendorf zum Hauptflugplatz erklärt, von wo aus auch internationale Personenflüge aufgenommen wurden. mini|Auguste Piccards Ballonkugel 1932 vor dem Hangar in Dübendorf Dübendorf wurde zur Wiege der Schweizer Luftfahrt, sowohl in zivilaviatischer als auch in militärischer Hinsicht. Teile der Schweizerischen Fliegertruppe (heute Luftwaffe) sind seit 1914 bis heute hier aktiv. Flugpioniere wie Oskar Bider, welcher hier tödlich verunglückte, Alfred Comte und Walter Mittelholzer, einer der Mitbegründer der Swissair, haben den Flugplatz für ihre fliegerischen Aktivitäten genutzt. Am 18. August 1932 stieg Auguste Piccard mit dem belgischen Physiker Max Cosyns (1906–1998) von Dübendorf zum zweiten Mal mit einem Gasballon auf. Sie stellten mit 16'940 Metern (geometrische Messung, barometrisch 16'201 Meter) einen neuen Weltrekord auf.Erich Tilgenkamp: Reisen in ungewöhnliche Räume. Eine autorisierte Biographie. Verlag neues Leben, Berlin 1956.
Am Flugplatz Dübendorf wurden bereits früh neue Kommunikationstechnologien eingesetzt. Die Funktechnik wurde hier für die Flugsicherung verwendet und sowohl für die Zivilluftfahrt als auch fürs Militär genutzt. Eine erste Funkstation nahm 1919 ihren Betrieb auf. Für den ab 1922 internationalen Flugbetrieb wurden Erweiterungen durchgeführt.
Am 1. Juni 1922 eröffnete Henry Pillichody die erste schweizerische zivile Luftverkehrslinie: Mit einer vierplätzigen Junkers J 13 der Ad Astra Aero bot er einen flugplanmässigen Doppelkurs Genf – Dübendorf – Fürth/Nürnberg und zurück an. Da der kommerzielle Flugbetrieb eines Nachrichtenmittels bedarf, das schneller ist als das Flugzeug selber, bediente man sich seither der Funkstation Dübendorf/Kloten auch für den zivilen Flugverkehr.Walter Dürig (Hrsg.), Max Unterfinger, Josef Baumgartner:
Am 14. September 1930 verwarf das Zürcher Stimmvolk einen Kredit von 3,5 Millionen Franken für die Erstellung von Hochbauten auf dem Flugplatz. Das Eidgenössische Luftamt stellte daraufhin für einen Zollflugplatz erster Klasse zwei bis am 1. Mai 1931 zu erfüllende Forderungen: den Bau eines Abfertigungsgebäudes mit allen technischen und dienstlichen Einrichtungen und zweitens die Errichtung eines Hangars für zwei Grossflugzeuge mit 40 Metern Torweite sowie eines weiteren Hangars für gewerbsmässigen Verkehr.
mini|1931: Die erste erstellte Werfthalle der Swissair in Bildmitte, das Abfertigungsgebäude existiert aber noch nicht Der Regierungsrat legte darauf eine Vorlage vor, die den Bau der grossen Halle für einen in der Kompetenz des Kantonsrats liegenden Betrag von 500'000 Franken vorsah.Neue Zürcher Zeitung, 30. Oktober 1930, Blatt 5, Mittagsausgabe Nr. 2096 Die Konzentration des Flugzeugunterhalts der 1931 neu gegründeten Swissair mit bis zu 70 Mechanikern war ebenfalls an den misslichen Verhältnissen in Dübendorf gescheitert, weshalb Basel den Bau einer heizbaren Werfthalle angeboten hatte. Am 22. Mai 1931 fand die Gründungsversammlung für eine Genossenschaft statt, welche zahlreiche Interessengruppen und Verbände umfasste. Ziel war eine «einfache, aber für einige Jahre ausreichende ausbaufähige Anlage». Auf Studienreisen wurden Anlagen in Stuttgart besichtigt sowie die nicht in Frage kommende «imposante» Anlage in München. Das Bauprojekt der Firma Kündig und Dietiker wurde mehrfach geändert und neu berechnet: Die private, aber nicht gewinnorientierte Gesellschaft sollte auf privatwirtschaftlicher Basis die Hochbauten erstellen zu den vom Kanton Zürich zu erstellenden Tiefbauten. Die Bauten müssten dann vom Kanton als Betreiber des Flugplatzes gemietet werden mit einem Heimfallrecht. Ohnehin mussten die bisherigen Betriebsräumlichkeiten auf Anweisung des Militärflugplatzes bis 1. Januar 1932 geräumt werden.NZZ, 1. September 1931, Seite d2
Im Jahre 1932 wurde auf der zivilen Seite des Flugplatzareals das neue Abfertigungsgebäude eröffnet. Es liegt ein umfangreicher Inventarisationsbericht des Architekten und Denkmalpflegers Pit Wyss vor. In diesem unter Schutz gestellten Gebäude ist noch ein Wandmosaik mit dem damaligen Streckennetz der Swissair erhalten. 1932 zeigte Willi Farner am internationalen Flugmeeting von Zürich in Dübendorf ein Kunstflugprogramm auf dem selbst gebauten Typ W.F. 5. Laut Angaben aus Grenchen, dem Ort seines beruflichen Wirkens, war dies eine Weltneuheit.Willy Farner auf dem Wiki der Stadt Grenchen
Ein 1939 gedrehter Film mit dem Titel «Der schönste Tag meines Lebens» informierte über den Flugbetrieb in Dübendorf und die Entwicklung der Swissair.
1937 folgte für den Zivilluftverkehr die Erweiterung um ein Landefunkfeuer des Typs Lorenzbake, das Flugzeugen aus Richtung Eglisau her kommend die Richtung zum Flugplatz auch bei schlechter Sicht wies. Die Höhe musste selbständig eingehalten werden, als Hilfe bekamen Flugzeuge einmal ein Funkzeichen, wenn sie drei Kilometer vor der Piste waren, und ein weiteres Zeichen erst 300 Meter vor dem Flugplatz.Ein Beitrag zur Flugsicherungs Geschichte von Hans H. Jucker
Die Swissair setzte Flugzeuge der Typen Fokker F.VII, Messerschmitt M18, Comte AC-4, Lockheed 9 Orion, Clark G.A. 43, Curtiss AT-32C Condor II, Douglas DC-2, Junkers Ju 86 Z, Douglas DC-3 und zuletzt Douglas DC-4 im Personenverkehr ab Dübendorf ein.
mini|Anblick von Norden 1949 auf die seit 1932 zivile Seite des Flugplatzes mit der Werfthalle hinten und dem Abfertigungsgebäude im Vordergrund Nach der 1939 erfolgten vorsorglichen Aufkündigung der gemeinsamen Nutzung des Flugplatzes durch den Bund entschied der Kanton Zürich 1943, einen rein zivilen Flugplatz in Kloten zu bauen. Der Umzug der Swissair von ihrem damaligen Heimatflughafen Dübendorf-Wangen auf den neu erstellten interkontinentalen Flughafen Zürich-Kloten begann im Juni 1948 mit Inbetriebnahme der Westpiste und wurde mit Inbetriebnahme der Blindlandepiste im November 1948 vollzogen. Am 30. April 1949 wurde die Flotte der Motorfluggruppe Zürich von der damaligen Sportflugzeug-Halle in einem Staffelflug nach Kloten verlegt. Nachdem auch die verbliebenen technischen Abteilungen der Swissair Ende April 1949 nach Kloten verlegt worden waren, wurde der bisher gemischtaviatisch genutzte Flugplatz zum reinen Militärflugplatz.
Militärflugplatz der Schweizer Luftwaffe mini|Piste in Richtung Dübendorf gesehen, im Hintergrund der Turm des Glattzentrums
Hauptmann Theodor Real bezog 1914 mit seiner Fliegertruppe, deren Piloten zum Teil ihre privaten Flugmaschinen mitbrachten, auf dem Flugplatz die ersten Gebäude.
Bis zum Jahr 1923 handelte es sich um ein reines Grasfeld ohne befestigte Rollwege oder Pisten. Erst 1942 wurde die erste Hartbelagpiste mit einer Länge von 600 Metern fertig gestellt. Nach der Einführung der «Vampires» wurde ein Ausbau notwendig, die Piste 1 wurde auf 1030 Meter verlängert. Im Jahr 1950 wurde die in der Zwischenzeit erstellte Piste 2 von 500 × 20 Meter auf 1440 × 40 Meter ausgebaut. Die nunmehrige Hauptpiste wurde 1956 auf 1800 Meter, im 1959 auf 2500 Meter nach Osten verlängert.Flugplatzchronik Ab dem Jahr 1964 waren Flugzeuge vom Typ Hawker Hunter zunächst als Doppelpatrouille für Flugvorführungen eingesetzt worden. Daraus entwickelte sich die Patrouille Suisse, welche von ihrer Gründung am 22. August 1964 bis 1994 auf dem Flugplatz Dübendorf stationiert war, ebenso wie die Aufklärungsflugzeuge Mirage III RS, welche bis 2003 ab Dübendorf flogen.
Das Pistensystem wurde mit einer Verlängerung auf effektiv 2750 m den Ansprüchen angepasst und ein Instrumentenlandesystem (ILS) installiert, das Landungen auch bei schlechter Sicht erlaubt. Der Militärflugplatz Dübendorf war auch die Haupteinsatzbasis des Militär-Helikopter-Rettungsdienstes. Der Höhepunkt der Aktivitäten wurde gemäss der Bewegungsstatistik LENK im Jahr 1985 mit insgesamt 46'484 Flugbewegungen erzielt, wovon 31'174 Jetflugbewegungen von Mirages, Tigers, Hunters und Vampires waren.
mini|Eine F/A-18 «Hornet» im Sommer 2003 auf dem Flugplatz
Das Überwachungsgeschwader (UeG) war von seiner Gründung im Jahre 1941 bis zu seiner Auflösung am 31. Dezember 2005 in Dübendorf im ehemaligen Swissair-Terminal stationiert. Das Personal des UeGs wurde in das neu gebildete Berufsfliegerkorps übergeführt. Auch die Luftaufklärung war in Dübendorf stationiert und flog bis 18. Dezember 2003 ab Dübendorf mit der Mirage III RS.
Der Flugplatz wurde am Schluss der Jetfliegerei insbesondere von der Fliegerstaffel 11 mit Kampfflugzeugen vom Typ McDonnell Douglas F/A-18 bis 16. Dezember 2005 genutzt. Die an beiden Pistenenden vorhandene, 2005 entfernte, Fangseilanlage für F/A-18 und F-5 war bündig in der Piste versenkbar, damit sie kein Hindernis für Kleinflugzeuge darstellte.
Im Rahmen eines neuen Stationierungskonzeptes der Schweizer Armee aus dem Jahr 2005 sollte der Flugplatz Ende 2010 (mit Option 2014) geschlossen werden. Der Jetflugbetrieb mit dem Typ F/A-18 wurde aus personellen Gründen Mitte August 2005 beendet. Am 16. Dezember 2005 wurde in Dübendorf der Jetflugbetrieb auch offiziell eingestellt. Am 1. April 2016 wurde die F-5F J-3202 als Leihgabe der Luftwaffe ins Flieger-Flab-Museum transferiert.