Franz Xaver Leppich – auch Leppig – (* 15. Oktober 1778 in Müdesheim an der Wern, Unterfranken; † um 1819 im Kaisertum Österreich) war ein deutscher Erfinder und Musiker. Er diente in der englischen sowie der österreichischen Armee, weilte zeitweise am Hofe Napoléons in Paris und stand als Flugpionier im Dienste des russischen Zaren Alexander I., für den er ein Bomben-Luftschiff bauen sollte.
Franz Leppich entstammte einer Bauernfamilie und sorgte in seiner Zeit für Schlagzeilen in der Presse.
Jugend Seine Mutter war eine geborene Schneider aus Arnstein-Reuchelheim. Er wurde den 15. Oktober 1778 in Müdesheim geboren. Seine Eltern aus Müdesheim die einfache Bauern waren, ließen ihm den ersten Unterricht in der lateinischen Sprache zu Würzburg erteilen, von da kam er auf das 50 km entfernte Gymnasium Münnerstadt auf die „Domschule“ (Gymnasium der Augustiner zur Ausbildung des Priesternachwuchses). Doch er erwies sich dessen nicht würdig und wurde nach zwei Jahren 1791 „wegen muthwilliger Streiche“ von dort entlassen und sollte dann – zurückgekehrt nach Müdesheim – wohl einfach Schreiner „mit Hobel und Leimpinsel“ werden. Mit seinem „ruhelosen Geist“ und einer besonderen mechanischen Begabung – ein „Tüftele“ – baute er jedoch bald ein komplexes Musikinstrument: ein Klavier oder zumindest etwas so ähnliches, mit 12 oder 13 Jahren,Neue fränkisch-würzburgische Chronik. Band 5. Nr. 24. Carl Philipp Bonitas, Würzburg 16. Juni 1810, Sp. 376: 5) Panmelodicon (). anschließend ging er zur Österreichischen Armee.
Erfahrungen Mit seinem richtigen Namen ist er in der Stammrolle der Kaiserlich-Österreichischen Armee in Wien als Kadett registriert, in der er bis zum Jahr 1798 blieb. Danach trat er in englische Kriegsdienste und wurde Soldaten-Werber für England, irgendwann taucht er dort als Mr. Smith auf, wo er bis zum Posten eines Kapitäns emporgestiegen ist. Nach etwas mehr als drei Jahren, beim Frieden von Amiens, nahm er auch hier seine Demission, und kehrte nach Deutschland zurück, wo er sich schließlich in Altona häuslich niederließ. Leppich heiratete die Adelige Anna von Voss und widmete sich ganz seiner Leidenschaft, der Konstruktion merkwürdiger Erfindungen. Es war auch in Altona, wo er Riffelsen kennenlernte, mit dem er einige Jahre gemeinsam an einem neuen Musikinstrument arbeitete. Ab 1805 findet man seinen Namen im Bürgerbuch der Stadt Altona. „Seine Heimat ehrt Franz Leppich 1810 seiner Erfindungen wegen mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft bei der Polytechnischen Gesellschaft in Würzburg.“
Berühmtheit als Musiker Zwischen 1805 und 1810 verbesserte er das Melodikon, ein neuartiges Instrument das durch Reibung Töne ähnlich wie die Glasharmonika erzeugte, das er dann Panmelodicon bzw. Panmelodikon nannte. Er lernte dieses Instrument bei Riffelsen kennen und verbesserte es später in Wien. Er konnte dieses Instrument Napoléon während seines Aufenthaltes in Wien vorführen und bekam dessen Anerkennung dafür. Diese Erfindung erregte damals großes Aufsehen, wie die Presse jener Zeit berichtete. Er traf auf den Komponisten und Klaviervirtuosen Conradin Kreutzer, der von seiner Erfindung begeistert war, und zog mit ihm 1810–12 auf Konzertreisen. Sie konzertierten in Wien (von 29. MärzMorgenblatt für gebildete Leser. Band 4. Nr. 89. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, 13. April 1810, S. 356, Sp. 1, (Scan [Band 4,1] im Münchener Digitalisierungszentrum; ). bis 7. Juni 1810),Allgemeine musikalische Zeitung. Band 12. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1809/10, Sp. 675 (). und München (26. und 30. Juni 1810)Neue fränkisch-würzburgische Chronik. Band 5. Carl Philipp Bonitas, Würzburg 25. August 1810, Sp. 527: 1) Produktionen des Panmelodikon’s ()., in Augsburg (7.–9. Juli 1810),Neue fränkisch-würzburgische Chronik. Band 5. Carl Philipp Bonitas, Würzburg 25. August 1810, Sp. 527–529, hier Sp. 529: 1) Produktionen des Panmelodikon’s (). Ulm (10. Juli 1810), Karlsruhe, Luzern (16. Juli 1810) und Bern, auch Stuttgart (im November 1810),Morgenblatt für gebildete Stände. Band 4. Nr. 283. J. G. Cotta, Tübingen 26. November 1810, S. 1132 (). Würzburg (1.–13. Dezember 1810)Neue fränkisch-würzburgische Chronik. Band 5. Nr. 48. Carl Philipp Bonitas, Würzburg Würzburg 1. Dezember 1810, Sp. 748 f.: Herrn Leppich’s des Erfinders des Panmelodikon’s in seinem Vaterlande (Konzertankündigung; ).„Herr Franz Leppich hatte wenige Tage nach seiner Ankunft [im Dezember 1810 in Würzburg] die Ehre, sein Panmelodikon vor Sr. Kaiser, König, Hoheit dem Erzherzog, Großh. bei Hofe durch das Spiel des Tonsetzers und Virtuosen auf dem Fortepiano Herrn Konradin Kreutzer zu produciren, wofür demselben nebst dem allerhöchsten Beifall auch angemessene Belohnung zu Theil wurde.“ In: Neue fränkisch-würzburgische Chronik. Band 6. Nr. 1. Hrsg. von Joseph Anton Oegg. Carl Philipp Bonitas, Würzburg 5. Januar 1811, Sp. 3–7, hier Sp. 3: Productionen des Panmelodikons. Von Franz Leppich, durch Konradin Kreutzer Tonsetzer und Virtuos auf dem Fortepiano ()., Aschaffenburg, Frankfurt, Mannheim (7. Januar 1811)„Aus Mannheim, den 3. März. Die Herrn Leppich und Kreuzer gaben am 7. Jan. bei uns ein Konzert, wobei sich letzterer theils in einem Klavierkonzert von seiner Komposizion, theils auf dem von Herrn Leppich erfundenen Instrumente Panmelodicon hören ließ. Herrn Kreuzer Clavierspiel ist geläufig und glatt, dabei sicher und zart, aber wenig kräftig und daher etwas monoton; die Komposizion seines Konzerto, (welches er als ‚Fantastiekonzert‘ ankündigte) etwas planlos, um neu zu seyn. Herrn Leppichs Instrument ist von angenehmen mäßig starken Ton und für zarte Stellen von tief ergreifender Wirkung. Herr Kreuzer behandelt es ziemlich gut und zweckmäßig, Nur gar zu monoton.“ In: Zeitung für die elegante Welt. Hrsg. von Georg Mahlmann. Band 11. Nr. 56. Georg Voß, Leipzig 19. März 1811, Sp. 448 ()., Schweinfurt und Straßburg (31. Januar 1811) kamen in den „Genuss der nie zuvor gehörten Zauber-Töne“. Sein weiterer Weg führte ihn nach Paris, wo er für die Kaiserin (offenbar bereits Marie Louise) ein Panmelodikon baute.
Luftfahrtpionier Jene Zeit war geprägt von der ersten Realisierung des seit Menschengedenken gehegten Wunsches nach Bewegen in der dritten Dimension, dem Fliegen in der Luft – zunächst mittels Ballonen, die erstmals 1783 durch Heißluft (Montgolfière) und Wasserstoffgas (Charlière) samt menschlicher Fracht die Erdschwere überwanden. Darauf versuchten sich eine Reihe weiterer Ballonbauer an der Perfektionierung dieser Aerostaten und führten diese mit mehr oder weniger Erfolg dem begeisterten Publikum vor. Auch Leppich drängte es in diese Riege. Aber im Gegensatz zu vielen vor und nach ihm wollte er nicht Schausteller sein. Vielmehr plante er ein Gefährt für den praktischen Einsatz, das lenkbar wäre und mit dem große Lasten zu transportieren wären, er wollte „einen Luftballon zum Transport von großen Mengen Feuermaterial […] bauen, mit dem eine ganze Armee zu vernichten wäre“.
Erste Arbeiten an einem Luftschiff Im Umfeld von Kaiser Napoléon wurde bereits an Transportballonen experimentiert.Die Behauptungen und Aussagen in diesem Abschnitt beziehen sich im Wesentlichen auf eine Quelle, und es ist nicht zu erwarten, dass weitere Belege existieren oder noch in absehbarer Zeit aufgefunden werden.
Leppich bot zunächst seine theoretische Erfindung zum Kauf an, doch Kaiser Napoléon lehnte ab und verbot Leppich weitere Experimente. Als Leppich in der Ortschaft Tubenchène trotzdem daranging, seine Idee zu verwirklichen, befahl der Kaiser Napoléon die Verhaftung von Leppich, der sich dieser durch die Flucht entzog. Bereits bei der Konzertreise im Jahr 1810 mit seinem Freund Kreutzer, machte er die Bekanntschaft des Königs von Württemberg, Friedrich I.Morgenblatt für gebildete Stände. 4. Jg., Nr. 283. Cotta, 26. November 1810, S. 1132 (). Mit dessen Gönnerschaft sowie finanzieller Unterstützung des Verlegers Johann Friedrich Cotta richtete er im Januar 1812 im Tübinger Schloss eine Werkstatt ein, um abseits jeder Öffentlichkeit mit einigen tüchtigen Handwerkern an seinem Projekt zu arbeiten. Die französische Mission in Stuttgart interessierte sich für seine Arbeiten, wollte zunächst aber abwarten, bis er seine Maschine fertiggestellt und erprobt habe, der König Friedrich I. interessierte sich selber nicht dafür.
Am Stuttgarter Hof machte er auch die Bekanntschaft des russischen Gesandten, des Geheimen Rats Graf David Maximowitsch Alopaeus, dem er seine Idee erklärte und der davon dem Zaren berichtete.
Friedrich, der zuerst nichts von den aktuellen Plänen Leppichs wusste, wurde dessen Tätigkeit bald suspekt. Anfang April berichtete Alopeus darüber dem Zaren. Am 10. April 1812 – erhielt Leppich Besuch von einer Kommission, die sein Vorhaben auf Realisierbarkeit begutachten sollte. Die Kommission unter den Herren Carl Friedrich Kielmeyer, Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger und Carl August von Eschenmayer kam insgesamt zu einem positiven Ergebnis.
Am 18. April 1812 wurde Leppich in das Polizeiministerium vorgeladen und verhört. Er gab an, „sein Hauptzweck sey gewesen, diese Maschine in einem solchen vollkommenen Zustande zu verfertigen, um sie Seiner Königlichen Majestät […] [vorzuführen].“ Er mache sich anheischig, „in 4 Monaten 50 solcher Flugmaschinen, die mehr als hinreichend seyn würden, aus Deutschland eine selbständige Nation zu machen, und denjenigen Souverain an ihre Spize zu stellen, der von seiner Erfindung Gebrauch machen wolle.“
Er musste versprechen, das Land nicht ohne Genehmigung zu verlassen, niemandem etwas über den Gegenstand des Verhörs zu erzählen und ständig über den Fortgang seiner Arbeiten zu berichten. Nachdem sich der König Friedrich den Bericht der Kommission kommentarlos angehört hatte, wurde Leppich nochmals zum Polizeiministerium gerufen, wo man ihm eröffnete, dass er sofort seine Arbeit abzubrechen habe, und er selbst muss das Königreich binnen 10 Tagen verlassen.
Offenbar wollte Friedrich als Mitglied in dem von Napoléon protegierten Rheinbund aus Rücksicht auf diesen und die von Leppich genannten erforderlichen Kosten von 1 Millionen Gulden [für 50 Maschinen] den Alleingang mit dieser »Geheimwaffe« anderen überlassen.
Auftrag des Zaren Wie oben erwähnt, hatte der Vertreter des Russischen Kaiserreichs beim Württembergischen Hof, Alopeus, bereits im März 1812 geheime Botschaften über sein Zusammentreffen mit Leppich und dessen Modell eines Flugapparats nach St. Petersburg (der damaligen russischen Hauptstadt) an den Staatskanzler Graf Nikolai Rumjanzew und wenig später unmittelbar an den Zaren Alexander gesandt. Das noch weiter zu entwickelnde Gerät „in der Gestalt einer mageren Kugel“ könne man mit Bomben und Raketen bestückt als Kampfluftschiff einsetzen. Die Versuche mit dem Modell seien erfolgreich verlaufen.
mini|Entwurfs-Zeichnung des Luftschiffs für Zar Alexander I. von Franz Leppich
Mit seinem Schreiben bat Alopeus den Zaren, Mittel zur Unterstützung Leppichs anzuweisen. Alexander war begeistert und wünschte, Leppich nach Moskau zu holen.
Mit der Ausweisung Leppichs aus Württemberg war für Alopeus die Stunde des Handelns gekommen. Er ließ über seinen Botschafter-Kollegen am Bayerischen Hof in München, Fürst Iwan Barjatinski, Pässe besorgen – für Leppich als Dr. med. Heinrich Schmidt [bzw. Schmitt] aus Kurland und für seinen Begleiter, den Feldjäger Oberleutnant Jordan (zuvor Adjutant des Prinzen von Oldenburg), als Kurländer Feilchner. Damit sollten die beiden, wie Alopeus dem Zaren mitteilte, über Wien „am 11. April nach Rastwillow abreisen, wo man sie in Empfang nehmen und nach Rußland weiter begleiten müsse“ Außerdem beglich Alopeus für Leppich das 5000-Gulden-Darlehen von Dr. Cotta, der darüber seinen König informierte.