mini|Georg Carl Friedrich Kunowski um 1840 Georg Carl Friedrich Kunowski (* 3. März 1786 in Beuthen; † 23. Dezember 1846 in Kohlfurt)Berlin, Jerusalemer Gemeinde, Totenbuch 1837–1843, S. 147. In: Ancestry.com. Deutschland, ausgewählte evangelische Kirchenbücher 1500–1971 [Datenbank online]. war Justizkommissionsrat und Standesreformer, Brückenbauer, Topograph und Geologe, Astronom, Theatersyndikus in Berlin sowie Eisenbahnsyndikus.
Familie Georg Carl Friedrich war ein Sohn des evangelischen Pastors Primarius George August Kunowski und dessen Ehefrau Johanna Christiane Charlotte, geborene Henrici. Er hatte insgesamt neun Geschwister, darunter Georg August Eduard (1795–1870), und Georg Moritz (1802–1866). Mit seiner Frau hatte er sechs Kinder.
Ausbildung Kunowski besuchte das Gymnasium in Schweidnitz, wo sein Vater Georg August die Stellung eines königlichen Kreisinspektors innehatte. Am 11. Mai 1803 begann er das Studium, wie schon sein Vater, an der Universität Halle an der juristischen Fakultät. Friedrich musste aber schon nach eineinhalbjährigem Studium im Oktober 1806 die Universität verlassen, nachdem Napoléon dieselbe nach einem Schusswechsel mit Studenten auflöste. Er ging zunächst nach Schweidnitz zurück und erlebte dort in seinem Vaterhaus die Belagerung und Übergabe der Festung Schweidnitz durch die nachgerückten Franzosen. Er ging im Jahre 1807 nach Berlin und lebte dort vorübergehend bei seinem Onkel Georg Friedrich Kunowski, Kriegsrat und Expedient im preußischen Justizministerium, der seine Studien bis zu ihrem Abschluss förderte. Friedrich absolvierte dort kurz nacheinander die beiden ersten juristischen Examen.
Privatleben Kunowski hatte sich während dieser Zeit in Luise Leopoldine Eleonore, die Tochter seines Onkels verliebt. Sie heirateten am 12. August 1812 und lebten danach gemeinsam in Lewin in der Grafschaft Glatz.
Berufliche Entwicklung Justizrat Im Jahre 1809 wurde Kunowski als Assessor beim Stadtgericht zu Schweidnitz eingestellt. Nach bestandenem dritten Examen 1811 wechselte er als Assessor an das Oberlandesgericht in Glogau, das für das westliche Niederschlesien zuständig war, angestellt. Am 19. Februar 1813 wurde der Sitz des Gerichts nach Liegnitz verlegt, kurz vor dem Ausbruch der Befreiungskriege.
1814 erhielt Friedrich eine Anstellung in Berlin, wohl auf Veranlassung seines Onkels. Aus Berlin verlautete am 23. Juli folgendes: Der bisherige Oberlandes-Gerichts-Assessor Georg Carl Friedrich Kunowski zu Liegnitz ist als Justiz-Kommissarius und Notarius Publicus bei dem königlichen Kammergericht angestellt worden.
Am 26. Juni 1819 wurde Friedrich als einer von fünf zum Anwalt am Revisions- und Kassationshof für die Rheinprovinzen in Berlin zugelassen. Der in der Klosterstraße 76 angesiedelte Kassationshof entschied in dritter und letzter Instanz über die Bestätigung oder Aufhebung von Urteilen. Am 11. Februar 1823 wurde er zum Justizkommissionsrat ernannt und hat danach bis 1834 seinen Tätigkeitsschwerpunkt vom Kammergericht zum Berliner Stadtgericht verlegt.
Neben seiner richterlichen Tätigkeit war er als Advokat in zahlreiche wichtige Zivilprozesse eingebunden, wie beispielsweise die Testamentsvollziehung und die damit verbundene Vormundschaft über den Prinzen Adolph zu Hohenlohe, die Testamentsvollziehung des Reichskanzlers Fürst Hardenberg; die Wiederaufnahme und Einleitung des historisch gewordenen Prozesses der Familie von Schwerin gegen die preußische Regierung wegen der Herausgabe der Festung Spantekow in Pommern, der Abschluss eines Vertrages hierüber mit dem Staate und eines Vergleichs der Familienglieder unter sich, die Gründung einiger großer Hüttenwerke in Schlesien, namentlich der Laura-Hütte und der Hütten derer von Winckler, der Prozess des Bankiers Wilhelm Christian Benecke von Gröditzberg (1779–1860), die Unterhandlungen der Gläubiger des vormaligen Königreichs Westphalen mit den Regierungen von Preußen und Hannover der Prozess Arthur Schopenhauer gegen Marquet
Juristischer Standesreformer Kunowski hat sich mit seinen Kollegen vom Jahre 1841 an engagiert um die Stärkung des Rechtsanwaltsstandes bemüht, insbesondere hinsichtlich einer adäquaten Ausbildung und Berufspraxis, die bis dahin in der „Allgemeinen Gerichtsordnung vom 6. Juli 1793“ geregelt war.
Die standesrechtlichen Verbesserungen, die im Rahmen eines angeforderten umfangreichen Gutachtens gegenüber dem Minister des Königs im Dezember 1841 im Einzelnen eingefordert wurden, beschreiben den bestehenden Missstand, auf einen kurzen Nenner gebracht: „dass wir Richter (aus-)bilden, aber keine Advokaten“ „dass der beste Richter selten ein guter Advokat ist“.
Die Verbesserungsvorschläge wurden erst nach dem Tod von Kunowski 1846 zumindest teilweise durch die erlassene „Verordnung über die Bildung eines Ehrenraths unter den Justizkommissarien, Advokaten und Notaren“ vom 30. April 1847 umgesetzt. In vollem Umfang wurde die vorgeschlagenen standesrechtlichen Verbesserungen der Advokaten schließlich durch die am 1. Juli 1878 eingeführte Rechtsanwaltsordnung auf Reichsebene eingeführt. Für seine Verdienste im Zusammenhang mit den Vorschlägen zur Standesrechtsreform, niedergelegt im „Dezember-Gutachten“ von 1841, erhielt Kunowski vom König den Roten Adlerorden III. Klasse mit Schleife.
Kunowski-Brücke Während seiner anwaltlichen Tätigkeit hatte er seinen Dienstsitz in Berlin in der Rochstraße 1, den er 1829 bezogen hatte. Dazu gehörte auch das Haus im Süden Ecke Neue Friedrichstraße 34 (ab 1951 Littenstraße). An dem Haus Rochstraße war eine Zeit lang auch der Pächter und Architekt Johann Albert Roch (* 1786 in Breslau; † 11. September 1853, Ort unbekannt),Harald Kunowski: Die Kunowski-Brücke, S. 26 und 60 beteiligt. Roch baute 1825 im Auftrag von Friedrich aus privaten Mitteln die Straße. Dazu wurde eine gusseiserne Gewölbebrücke über den Königsgraben im Verlauf der Rochstraße an der Einmündung in die heutige Dircksenstraße errichtet. Sie stellte als Nord-Südpassage die Verbindung zum Stadtgebiet her. Bei ihrer Fertigstellung am 8. Mai 1825 erhielt sie den Namen Kunowski-Brücke, wurde später auch als Rochbrücke bezeichnet. Mit der Errichtung war den Erbauern ein Recht für achtzig Jahre eingeräumt worden, ein Brückengeld für Wagen und Personen zu erheben. Sie gehörte damit zu den sogenannten Sechserbrücken in Berlin. Die entsprechenden Münzen werden noch heute im antiquarischen Handel angeboten. – 1883 erwarb die Stadt Berlin die Brücke von den Erben Kunowskis und zum 1. Januar 1884 wurde der Brückenzoll aufgehoben.Harald Kunowski: Die Kunowski-Brücke, S. 3 und 56 Im Zuge des Baus der Stadtbahn wurde der Königsgraben zugeschüttet und die Brücke dabei beseitigt.
Topograph und Geologe Schon in seiner Jugend hatte sich Georg Carl Friedrich Kunowski für Naturwissenschaften, insbesondere Geologie und Astrologie, interessiert und besuchte an der Universität Halle zusätzliche Vorlesungen zur Geologie (damals: Geognosie) des Naturforschers Steffens. Hier lernte er an der juristischen Fakultät seinen Kommilitonen, den späteren Geologen und Historiker Karl Georg von Raumer (1783–1865) kennen, der ihn zu eigener Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Genealogie und Mineralogie in der Provinz Schlesien ermutigte. Im Rahmen seiner Forschungen sammelte er Mineralien auf Wanderungen in den Sudeten, dem schlesischen Mittelgebirge und dem Berg Zubten in der Nähe seiner Heimatstadt Schweidnitz.
Mit dem Herausgeber Karl Konrad Streit (1757–1826) kam er überein, die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit fortlaufend zwischen 1810 und 1813 in den Schlesischen Provinzialblättern am Ende in einer Gesamtstärke von 113 Seiten zu veröffentlichen.
Karl Georg von Raumer benutzte die Erkenntnisse über die von ihm gesammelten Mineralien in einer geographischen Beschreibung von Schlesien.
Später schenkte Kunowski dem Gymnasium Schweidnitz seine umfangreiche Mineraliensammlung.
Astronom Durch seinen beruflichen Wechsel nach Berlin im Jahre 1814 waren die Möglichkeiten der geologischen Forschung in den Sudeten stark eingeschränkt. Trotz der beruflichen Herausforderung in seiner neuen Position als Richter und Notar sowie den familiären Verpflichtungen einer inzwischen fünfköpfigen Familie begann er sich den Jugendtraum einer astronomischen Betätigung zu erfüllen.
Er stand in gutem Einvernehmen mit dem Direktor der Königlichen Sternwarte in Berlin, Johann Elert Bode (1747–1826), der seine astronomischen Vorstellungen wesentlich prägte und beeinflusste und ihn indirekt zur Anschaffung eines sehr effektiven Fernrohrs bei Fraunhofer in München veranlasste, das Bode bereits fünf Jahre zuvor im Jahre 1815 angeboten worden war. Das Fernrohr besaß ein achromatisches Fernrohr mit 52 Pariser Linien Öffnung nebst Zubehör, 72 Zoll Brennweite (6 Fuß) und einem Kometenokular mit 34-facher Vergrößerung und wurde im November 1820 im Privathaus von Kunowski in der Friedrichstraße 28 aufgestellt.
Kunowskis Fernrohr lieferte bessere Ergebnisse, also schärfere Bilder etwa vom Mond, Mars oder den Kometen, als dies in der Sternwarte möglich war. Bode suchte daher vermehrt die Kunowski’sche Sternwarte auf, um seine Beobachtungen zu realisieren. Zwischen beiden Männern entwickelte sich eine Freundschaft. 1821 bezeichnete Bode Kunowski als seinen Freund.
Die bisherigen Bilder bzw. Zeichnungen von der Mondoberfläche wurden von Johann Hieronymus Schroeter Ende des 18. Jahrhunderts in seinem Observatorium in Lilienthal bei Bremen mit Hilfe von Linsen, die Joseph Fraunhofer geliefert hatte, angefertigt. Kunowski hatte zunächst vor, diese Bilder zu vervollständigen und die noch nicht gezeichneten Gegenden zu ergänzen. Das aber, so schreibt Kunowski, kommt einer herkulischen Arbeit gleich, da mir die optische Schärfe und Lichtstärke meines Fernrohrs so ganz eigentlich unzählbare Gegenstände, die Schroeter weder beschrieben noch gezeichnet hat, darbietet, dass mir sehr oft zum Zeichnen und Nachtragen der Mut (und vermutlich die Zeit als Hobbyastronom) fehlt.
mini|Mondkrater Kunowsky, aufgenommen von Apollo 12 Die Ergebnisse der Beobachtungen Kunowskis hat Bode in dem von ihm herausgegebenen Jahrbuch für Astronomie veröffentlicht. Hierzu gehört unter anderem die Entdeckung verschiedener Mondkrater, von denen der Krater Kunowsky ihm zu Ehren seinen Namen trägt. Neben den Erkenntnissen über die Oberfläche des Mondes sind wichtige Entdeckungen auch auf den Planeten gemacht worden. Georg Carl Friedrich gehörte zu den ersten, die mit dem Fraunhofer-Fernrohr Einzelheiten in der gebotenen Schärfe erkennen konnten. Die bisher als Wolken beschriebenen veränderlichen dunklen Flecken des Mars hat er mit Hilfe des Fernrohrs innerhalb einer Beobachtungsperiode von vier Monaten als unveränderliche Marsflecken bestimmt, die kennzeichnend für die typischen dunklen Strukturen an der Äquatorzone sind. Anhand dessen konnte er die Rotationszeit des Mars erstmals mit hoher Präzision ermitteln, wobei der von ihm festgestellte Wert nur um 43 Sekunden von dem tatsächlichen Wert abweicht.
Er hat vom Mars die in der Literatur bekannten Zeichnungen angefertigt, aber auf Grund vieler beruflicher und privater Verpflichtungen aus Zeitgründen seine Beobachtungen wie auch die des Mondes nicht kartographisch festgehalten. Hierum haben sich schließlich die Berliner Astronomen Johann Heinrich Mädler (1794–1870) und Wilhelm Beer (1797–1850) bemüht, die 1831 die erste Marskarte veröffentlichten und dabei die Erkenntnisse Kunowskis über die Unveränderlichkeit der Marsflecke bestätigten. 1837 folgte die erste nach den neuen Erkenntnissen entwickelte Mondkarte.