mini|Jochen Stern bei der Verleihung des Grimme-Preises 2015 Jochen Stern, auch Joachim R. Stern, (* 10. September 1928 in Frankfurt (Oder)) ist ein deutscher Schauspieler und Buchautor.
Leben Stern besuchte die Volksschule und das Friedrichsgymnasium in Frankfurt an der Oder. Von 1944 bis 1945 diente er im Zweiten Weltkrieg als Luftwaffenhelfer und Flaksoldat.theater-haus-birkenried.de (PDF; 149 kB) Am 1. Juli 1946 trat er der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands bei. Auf Grund seines Engagements für diese Partei wurde er im darauf folgenden Jahr vom sowjetischen Geheimdienst (NKWD) verhaftet und zu 25 Jahren Zwangsarbeit in der Justizvollzugsanstalt Bautzen verurteilt. 1954 wurde er in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. In der Haftzeit kam er zur Schauspielerei, die er als „Betäubungsmittel“ gegen die schweren Haftbedingungen beschrieb. Nach der Entlassung aus der Haft holte er zunächst das Abitur nach und studierte dann Rechtswissenschaft in Göttingen.
Neben seiner Theaterarbeit wirkte Stern in zahlreichen Film-, Fernsehproduktionen mit. Eine seiner ersten Fernsehrollen hatte er in der Serie Ein Herz und eine Seele, zunächst in einer Episode als Erich Rübensahm, später in drei Folgen als Ekel Alfreds bester und einziger Freund Erwin Koslowski. Bis heute ist Stern im Fernsehen in zahlreichen Gastrollen zu sehen, eine wiederkehrende Rolle hatte er in den 1990er-Jahren als Butler George Hethay in der Serie Verbotene Liebe. Im Kino übernahm er Nebenrollen in Filmen wie Aimée & Jaguar (1999), Good Bye, Lenin! (2003) und Altersglühen – Speed Dating für Senioren (2014). 2008/2009 war er mit der Theaterrevue Die Sternstunde des Josef Bieder (von Eberhard Streul und Otto Schenk) auf Tournee. In den 2000er-Jahren unternahm er auch Lesungen aus Stasi-Akten.
Neben der Schauspielerei ist Stern Autor mehrerer Bücher, u. a. veröffentlichte er das Werk Und der Westen schweigt. Erlebnisse, Berichte, Dokumente über Mitteldeutschland 1945–1975, das zwischenzeitlich beim OstEuropaZentrum Berlin-Verlag in seiner Edition DDR Geschichte Zeitzeugen unter neu gefasstem Titel Und der Westen schwieg. Die SBZ/DDR 1945–1975. Erlebnisse – Berichte - Dokumente erneut vorliegtJoachim R. Stern, Und der Westen schweigt. Erlebnisse, Berichte, Dokumente über Mitteldeutschland 1945–1975 im K.W. Schütz Verlag, Preußisch Oldendorf 1976, ISBN 3-87725-081-5; aktualisiert als: Jochen Stern, Und der Westen schwieg: die SBZ/DDR 1945–1975 ; Erlebnisse - Berichte - Dokumente im OEZ-Berlin-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-942437-22-6.. 2017 veröffentlichte er die autobiografischen Romane Die ewige Morgenröte – Tage des Erwachens und Das Leben ist kein Spiel. Die Werke zeigen den Enthusiasmus junger Menschen in der Nachkriegszeit, die durch den russischen Geheimdienst erst instrumentalisiert und dann zu Haftstrafen verurteilt werden.
Seit 1957 wohnt er in Bonn und seit einigen Jahren auch wieder in Frankfurt an der Oder. Jochen Stern ist Ehrenmitglied des FDP-Kreisverbandes Frankfurt/Oder. 2007 zeichnete ihn Guido Westerwelle mit der Theodor-Heuss-Medaille in Gold aus.
Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Jochen Stern am 12. Mai 1995 als Opfer politischer Repressionen.
Filmografie (Auswahl) 1968–1976: Express (Fernsehserie, 30 Folgen) 1969: Harakiri Whoom (Kurzfilm) 1969: Die zweideutige Zukunft des Homo Faber (Fernsehserie, 6 Folgen) 1970: Der Spatz vom Wallrafplatz (3 Folgen) 1973: Der Monddiamant 1973–1974: Robinzak (3 Folgen) 1973–1974: Ein Herz und eine Seele (4 Folgen) 1974: Lemmi und die Schmöker (3 Folgen) 1974: Stellenweise Glatteis 1975–1976 Mr. Knickerbocker (3 Folgen) 1976: Klamottenkugeln 1977: Räuber und Gendarm 1978: Dreizack (3 Folgen) 1979: Kabarett zum Auf- und Zuklappen (2 Folgen) 1980: Locker vom Hocker (2 Folgen) 1981: Die falschen Fuffziger (6-teilige Serie) 1982: So ein Theater (6 Folgen) 1982: Es bleibt alles in der Familie 1983: Geschichten aus der Heimat (Fernsehserie, Folge: Die Karpfenbeichte) 1984: Vorsicht Falle 1985: Waidmannsheil 1986: Montagsfamilie 1987: Goldjunge 1988: Lindenstraße (1 Folge) 1988: Hafendetektiv 1990: Ein Fall für zwei (Fernsehserie, Folge: Bruderhaß) 1991: Im besten Alter 1991: Tatort: Tod im Häcksler (Fernsehreihe) 1992: Tatort: Falsche Liebe 1994: Is was, Trainer? (3 Folgen) 1994: Balko 1994: Tödliche Wahl 1995: Mit einem Bein im Grab 1995: Die Fallers (5 Folgen) 1996: Die Wache – Schutzengel 1996: Verbotene Liebe (14 Episoden) 1996: Wo laufen sie denn? 1997–2002: Nikola (11 Folgen) 1998: SK Kölsch (3 Folgen) 1998: Wilsberg: In alter Freundschaft 1998: Der Laden 1998: Unter uns (Fernsehserie, Folgen 985 und 986) 1999: Alphateam (1 Folge) 1999: Aimée & Jaguar 2000: Paul Is Dead 2000: Tatort: Direkt ins Herz 2000: Nesthocker – Familie zu verschenken 2000: Motorradcops 2001: Harte Brötchen 2002: Alles Atze 2002: Großstadtrevier – Königskinder 2002: Wie die Karnickel 2003: Unser Charly - In aller Freundschaft 2003: Good Bye, Lenin! 2004: Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei – Heinrich und Paul 2004: Männer wie wir 2004: SOKO Köln (2 Folgen) 2005: Pastewka – Der Mietvertrag 2007: Der Dicke – Schlafende Hunde 2007: Tatort – Blutsbande 2008: Alter vor Schönheit 2008: Mord mit Aussicht – Waldeslust 2008: Notruf Hafenkante – Überraschende Begegnung 2010: Danni Lowinski – Alles auf Schwarz 2011: Arschkalt 2012: Tatort – Tödliche Häppchen 2012: Die Superbullen 2012: Mord mit Aussicht – Saftladen 2013: Ein Fall für zwei – Unterm Lindenbaum 2014: Heldt – Taubenschlag 2014: Danni Lowinski – Sie ist wieder da 2014: Altersglühen – Speed Dating für Senioren 2015: Rentnercops – Keine ruhige Minute 2015: Das Kloster bleibt im Dorf 2015: Einstein 2017: Alles Klara – Multiresistent 2019: Einstein – Siedepunkt 2020: Alte Bande 2022: Eine Stadt und ihr Gefängnis – Der Ruf aus Bautzen (Dokumentarfilm) 2024: Marie Brand und die lange Nase
Werke Die ewige Morgenröte – das Leben ist kein Spiel, Roman. Rehau: Burg Verlag, Dezember 2017, ISBN 978-3-944370-70-5. Die ewige Morgenröte – Tage des Erwachens, Roman. Rehau: Burg Verlag, März 2017, ISBN 978-3-944370-57-6 Und der Westen schweigt. Erlebnisse, Berichte, Dokumente über Mitteldeutschland 1945–1975. K.W. Schütz Verlag, Preußisch Oldendorf 1976, ISBN 3-87725-081-5. Von Mimen und anderen Menschen. Aus dem Leben eines Komödianten. Neuaufl. Burg Verlag, Rehau 2010, ISBN 978-3-937344-48-5 (Autobiographie). Wendezeit oder: Die Sehnsucht nach Revanche. Tagebuchnotizen des Ewald P.; Roman. Reinhold Kolb Verlag, Mannheim 2004, ISBN 978-3-936144-39-0. WegEnd. Novelle. Reinhold Kolb Verlag, Mannheim 2004, ISBN 978-3-936144-35-2. Mimen – Kränze. Heitere und nachdenkliche Geschichten von Bühne, Film und Fernsehen. Burg Verlag, Rehau 2006, ISBN 978-3-937344-34-8 (Autobiographie). Und der Westen schwieg : die SBZ/DDR 1945–1975 ; Erlebnisse – Berichte – Dokumente im OEZ-Berlin-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-942437-22-6.
Auszeichnungen 1999: Adolf-Grimme-Preis für Der Laden 2007: Theodor-Heuss-Medaille in Gold 16. November 2009: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland
Literatur
Joachim Stern inhaftiert vom Oktober 1947 bis Januar 1954. In: Susanne Hattig, Silke Klewin, Cornelia Liebold, Jörg Morré: Geschichte des Speziallagers Bautzen. 1945–1956. Katalog zur Ausstellung der Gedenkstätte Bautzen. Dresden, Sandstein 2004, ISBN 3-937602-29-1, S. 67–70.
Weblinks
Jochen Stern im Zeitzeugenportal
Einzelnachweise
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