Ein Personalpronomen (Mehrzahl: -pronomen oder -pronomina, aus ; deutsch auch persönliches Fürwort) ist in der Grammatik ein Pronomen, das Beteiligte der Sprechsituation bezeichnet oder sich anaphorisch auf Dritte bezieht. Im Deutschen handelt es sich um folgende Formen:

ich für den Sprecher, Plural wir. du, Plural ihr, Höflichkeitsform Sie für den bzw. die Adressaten. er, sie, es, Plural sie für Personen oder Dinge, die in der Sprechsituation zusätzlich anwesend sind oder die durch ihre Vorerwähnung im Text bestimmbar sind. Eine weitere Verwendung ist die als gebundenes Pronomen.

Die Bezeichnung kommt daher, dass diese drei sogenannten Personalmerkmale „1./2./3. Person“ ausgedrückt werden. Auch wenn Personalpronomina sich oft auf Personen beziehen, können darunter ebenso Pronomina fallen, die sich auf unbelebte Gegenstände beziehen.

Personalpronomina kommen in der Regel an den gleichen Stellen im Satz vor wie (definite) volle Nominalphrasen, mit Ausnahme der Funktion als adverbiale Bestimmung – hauptsächlich also als Subjekt oder Objekt. Ein Genitiv des Personalpronomens kann in Konstruktion mit einem Substantiv einen Possessor (Besitzer) bezeichnen, in vielen Sprachen gibt es für diese Funktion aber stattdessen ein eigenständiges Possessivpronomen.

Betonte und unbetonte Formen Der hier vorliegende Artikel behandelt nur Pronomina, die selbständige Wörter bilden. In vielen Sprachen gibt es jedoch Pronomina in zweifacher Form: als selbständige, betonte und als unselbständige, unbetonbare Pronomina. Solche unbetonbaren Pronomina lehnen sich in der Aussprache häufig direkt an ein Verb an (als sogenannte Klitika). Sie bilden dann mit ihm im Sprachfluss eine prosodische Einheit, fast wie eine Flexionsendung. Klitisierung ist bei Personalpronomina eine häufige Erscheinung. Für eine detaillierte Darstellung eines Systems von klitischen Personalpronomina siehe z. B. den Artikel zum spanischen Pronominalsystem.

In Sprachen mit einem System klitischer Pronomina werden die hier behandelten selbständigen Pronomina dann nur zur Hervorhebung (Emphase), zur Kontrastierung und in prädikatslosen Äußerungen verwendet: „Willst du mich oder ihn sprechen?“ „Wer hat den Stein geworfen?“ — „Sie!“ … „Er!“

Merkmale der Personalpronomina und Sonderfälle Das Merkmal Person

Personalpronomina werden nach der grammatischen Kategorie Person eingeteilt, welche die Pronomina der 1. Person (Sprecher), der 2. Person (Adressat) oder der 3. Person (weder Sprecher noch Adressat) zuteilt. Bei der Einteilung des pronominalen Bezugs in diese drei Personalmerkmale entstehen einige Problem- und Sonderfälle, die hier kurz skizziert werden.

Besonderheiten des Pronomens wir Während die 2. und 3. Person ohne Schwierigkeiten in den Plural gesetzt werden können, bildet die 1. Person hier einen Sonderfall. Zwar zählt das Pronomen wir grammatisch als Plural von ich, es bezeichnet aber nicht im wörtlichen Sinne eine Mehrzahl von Sprechern (etwa einen Chor). Die erste Person Plural bezeichnet stattdessen irgendeine Gruppe, die den Sprecher enthält. Dies kann so gefasst werden, dass die Bedeutung von „wir“ eigentlich einer Kombination aus 1. + 2. Person oder 1. + 3. Person entspricht. Manche Sprachen unterscheiden dementsprechend im Plural zwischen „inklusivem“ und „exklusivem Wir“, je nachdem, ob der Sprecher den Adressaten in die bezeichnete Gruppe einschließt oder ausschließt. Man schätzt, dass gut 40 % aller Sprachen diese Unterscheidung kennen.

Einige Sprachen leiten dieses auch aus einer erweiterten Mehrzahlbedingung ab, bei der auch eine 3. Person oder mehrere dritte Personen wahlweise ausgeschlossen werden können. In der deutschen Sprache gibt es als Entsprechung nur die Verstärkung „wir beide gehen ins Kino“, um dritte Personen auszuschließen. Neben einer Unterscheidung von Einzahl und Mehrzahl findet sich auch eine Deklination von Personalpronomina mit dem Numerus Dual, selten auch Trial, die zum Einbezug von weiteren Personen genutzt werden.

Logophorische Pronomen

In indirekter Rede können Fälle entstehen, in denen ein Pronomen der dritten Person zugleich indirekt einen Sprecher bezeichnet, d. h. den Sprecher der berichteten Äußerung. Manche Sprachen bezeichnen diesen Fall durch spezielle Pronomina (logophorische Pronomina). Dies können entweder Formen sein, die mit normalen Personalpronomina kontrastieren, oder spezielle Verwendungen von Reflexivpronomina. Logophorizität wird in diesem Artikel nicht als eigenständiges Merkmal von Personalpronomina behandelt.

Abstufungen nach der Nähe/Ferne einer dritten Person werden in diesem Artikel hingegen einbezogen, siehe im Folgenden unter dem Stichwort „Deixis“.

Das Pronomen man

Das deutsche Pronomen man wird benutzt, wenn eine Einzelperson oder eine Gruppe bezeichnet wird, die als gegeben angenommen wird, ohne dass sie für den Hörer näher identifizierbar gemacht wird. Beispiel: „Wenn man in Australien unterwegs ist, kann man oft Kängurus auf der Straße sehen.“ (= Wer auch immer in Australien unterwegs ist, kann Kängurus auf der Straße sehen.)

Pronomina dieser Art werden traditionell als Indefinitpronomen eingeordnet;z. B. Duden. Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009, Rn. 426, S. 320. aber da sie manche Eigenschaften aufweisen, die eigentlich im Widerspruch zur Einordnung als Indefinita stehen, werden sie in der Fachliteratur auch manchmal als „generalisierendes Pronomen“ bezeichnet und als separate Klasse geführt.Onlinegrammatik Grammis 2.0, IDS Mannheim

Es gibt Sprachen, in denen sich die „Generalpronomina“ mit den Personalpronomina darin parallel verhalten, dass es diese Kategorie auch in der Konjugation der Verben gibt; man spricht dann auch von unpersönlichen Verbformen. Dieser Fall liegt im Irischen vor, z. B. bildet das Verb bris- „brechen“ Formen folgender Art: brisim „ich breche“, brisir „du brichst“, (etc), bristear „man bricht“. (Mehr dazu unter Irische Sprache #Verben).

Das Pronomen man wird im Deutschen hingegen mit der 3. Person Singular der zugehörigen Verbform verbunden. Seiner Bedeutung nach ist man jedoch nicht einfach eine 3. Person, in vielen Verwendungen schließt es den Sprecher in die Aussage mit ein. Es hat auch noch weitere grammatische und semantische Besonderheiten, weswegen es im vorliegenden Artikel nicht in die Darstellung der verschiedenen Systeme von Personalpronomina einbezogen wird.

Expletive Pronomina

Wörter, die formgleich mit Personalpronomen der dritten Person Singular sind, können in expletiver Funktion vorkommen, also inhaltsleer sein und nur dazu dienen, syntaktische Positionen sichtbar zu machen. Beispiele: deutsches es in „es gibt Kuchen“, „es war einmal ein König“. Diese Verwendungen von es verweisen auf keinen Gegenstand und grammatische Merkmale, vor allem das Genus, sind an ihnen nicht unabhängig nachweisbar. Aufgrund der Formgleichheit und der syntaktischen Position werden sie aber ebenfalls als Pronomina eingestuft.Stefan Müller: Grammatiktheorie. 2. Auflage. Stauffenburg, Tübingen 2013, ISBN 978-3-86057-805-6. Siehe vor allem S. 17 unten.

Verschiedene Systeme von Personalpronomina in den Sprachen der Welt Neben der Hauptdifferenzierung nach den grammatischen Personen werden Personalpronomina in vielen Sprachen auch nach sekundären grammatischen und semantischen Kategorien differenziert, unter anderem nach Genus, wie im Deutschen (Personalpronomina der germanischen Sprachen), aber nicht immer danach.

Differenzierung nach Animatheit Die Animatheit (Kategorie der Belebtheit) ist eine semantische Kategorie zur Abgrenzung von Substantiven, die Beseeltes (von lateinisch anima „Seele“) bezeichnen, gegen solche Substantive, die Unbeseeltes bezeichnen. Dazu gehören in erster Linie Menschen, im weiteren Sinne aber auch Personifikationen, Götter, Geister und andere übernatürliche Wesen sowie mit menschlichen Eigenschaften versehene Tiere, Pflanzen und Gegenstände (z. B. in Fabeln oder Gedichten) als animat (beseelt), alles Übrige als inanimat (unbeseelt).

Eine Sprache, die für diese Differenzierung ein Beispiel bietet, ist die nordsibirische Turksprache Jakutisch:

+ Jakutisch: System der Personalpronomina Animatheit Singular Plural 1 min bihigi 2 en ehigi3 animat kini kiniler inanimat ol ollor

Bei der 3. Person unterscheiden nicht wenige Sprachen der Welt das Objekt nach Animatheit. Für eine solche Unterscheidung in der 1. oder 2. Person fehlt eine Beispielsprache. Dies könnte damit zusammenhängen, dass für alle sprachlichen Bezugsobjekte, die die Rolle des Sprechers (1. Person) oder des Angesprochenen (2. Person) einnehmen können, Animatheit vorausgesetzt wird. Dabei bedeutet Animatheit nicht unbedingt, dass das Bezugsobjekt in einem naturwissenschaftlichen Sinne belebt oder in einem metaphysischen Verständnis beseelt sein muss, sondern lediglich, dass jedes Bezugsobjekt, dem eine Sprecherrolle (1. Person) oder die Rolle des Angesprochenen (2. Person) zugewiesen wird, in einem gewissen Sinne für den Urheber dieser Zuweisung als kommunikations- und wahrnehmungsfähig gilt.

Beispiele: Wenn ein Dichter eine Blume anspricht oder ein wütender Konsument seinen kaputten Fernseher, stellen diese Personen sich die entsprechenden Objekte zumindest im Moment des Sprechens als kommunikationsfähig vor; sonst würden sie diese nicht mit einem Pronomen der 2. Person (wie „du“) ansprechen.

Differenzierung nach Respekt Viele Sprachen mit Personalpronomina differenzieren nach der Kategorie Respekt – das heißt, es werden verschiedene Pronomina für die Anrede gebraucht, je nachdem ob der Adressat dem Sprecher nahesteht oder nicht. Sehr häufig existiert jedoch keine spezielle Höflichkeitsform, sondern diese wird durch die Anrede einer einzelnen Person durch die 2. Person Plural erzeugt, während die 2. Person Singular auf die familiäre Anrede beschränkt ist.

Beispiel für solch eine Sprache ist Finnisch

+ Finnisch: System der Personalpronomina Person Respekt Singular Plural 1 minä me 2 familiär sinä te distanziert Te 3 hän he

Für die 2. Person zeigt Persisch das gleiche System; es differenziert jedoch auch in der 3. Person für Animata nach Höflichkeit:

+ Persisch: System der Personalpronomina Person Respekt Singular Plural 1 man mâ 2 familiär to šomâ distanziert šomâ 3 familiär belebt u ânhâ unbelebt ân distanziert und förmlich vey, išân išân

Für Inanimata werden stets die familiären Pronomina verwendet, nur bei Animata (vor allem Personen) wird nach Respekt differenziert.

Ungarisch differenziert in der 2. Person nach der Kategorie Respekt:

+ Ungarisch: System der Personalpronomina Person Respekt Singular Plural 1 én mi 2 familiär te ti distanziert maga maguk höflich ön önök3 ő ő

Differenzierung nach Deixis Viele Sprachen differenzieren in der 3. grammatischen Person nach Deixis, so zum Beispiel das Georgische: proximal bedeutet näher beim Sprecher als bei anderen Personen des Sprechaktes, distal vom Sprecher weiter entfernt als von anderen. Es gibt jedoch auch ein mediales Pronomen, z. B. für sprachliche Bezugsobjekte außerhalb des Wahrnehmungsfeldes des Sprechers, oder von gleich weiter Entfernung von allen am Sprechakt beteiligten Personen. Im Plural ist diese Unterscheidung aufgehoben:

+ Georgisch: System der Personalpronomina Person Respekt Singular Plural 1 me tšven 2 familiär šen tkven distanziert tkven 3 proximal es isini medial eg distal is

Differenzierung nach Respekt und Deixis In den Varietäten Hindi und Urdu der Sprache Hindustani gibt es drei Stufen des Respekts: intim (für kleine Kinder und enge Freunde), familiär (für jüngere und hierarchisch niedriger gestellte Personen) und distanziert (für ältere oder hierarchisch höher gestellte Personen).