Katholisches Bistum der Alt-Katholiken 100px|Karte Basisdaten Fläche: 357 587,77 km² Mitgliedschaft: Utrechter Union Bischof: Vakant Generalvikarin: Anja Goller Priester: 109 Diakone: 13 Dekanate: 7 Pfarrgemeinden: 60 Pfarrämter: 42 Mitglieder: 15.908 (31. Dezember 2025)Interne Bistums-Statistik Mitglieder (Vorjahr): 16.042 (31. Dezember 2024)Interne Bistums-Statistik Offizielle Website: www.alt-katholisch.de

Die Alt-Katholische Kirche in Deutschland (amtlicher Name Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland) ist eine selbstständige katholische Kirche innerhalb der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Rechtsstatus In Deutschland ist die alt-katholische Kirche eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (siehe auch Parafiskus) und ist (mit Ausnahme einiger nord- und ostdeutscher Länder) kirchensteuereinzugsberechtigt (Konfessionsmerkmal: „ak“; Kennzahl „63“).

Struktur und Verwaltung Die Alt-Katholische Kirche in Deutschland versteht sich als autonome Ortskirche. Der Bischof leitet die Kirche, ihm gehört die Verantwortung im Besonderen in theologischen Fragen und für die Einheit der Kirche. Gleichzeitig ist er Dienstgeber, auch im arbeitsrechtlichen Sinn, für die Priester. Das höchste Organ der Kirche ist aber die (Bistums-)Synode, die in allen anderen Bereichen die letzte Entscheidung trifft. Auf der Synode sind der Bischof und die Synodalvertretung, alle Pfarrerinnen und Pfarrer, die Vertretung der Geistlichen im Ehrenamt, eine Vertreterin des Bundes Alt-Katholischer Frauen (baf), eine Vertreterin oder ein Vertreter des Bundes Alt-Katholischer Jugend (baj) sowie etwa doppelt so viele von den Gemeinden gewählte Synodale stimmberechtigte Mitglieder. Stellvertreterin des Bischofs außer in theologischen Angelegenheiten ist die Generalvikarin.

Die Alt-Katholische Kirche hat etwa 60 Pfarrgemeinden, die in sieben Dekanaten gruppiert sind. Zusätzlich gibt es in fünf Bundesländern Landessynoden bzw. einen Gemeindeverband.

Bischöfe Im Gegensatz zur römisch-katholischen existiert in der alt-katholischen Kirche Deutschlands nur ein Bistum. Dessen Bischof ist somit deren höchster Repräsentant.

Bischöfe seit der Gründung: Joseph Hubert Reinkens 1873–1896 Theodor Weber 1896–1906 Josef Demmel 1906–1913 Georg Moog 1913–1934 Erwin Kreuzer 1934–1953 Johann Josef Demmel 1953–1966 Josef Brinkhues 1966–1986 Sigisbert Kraft 1985–1995 Joachim Vobbe 1995–2010 Matthias Ring 2010–2026

Die Generalvikarin des Bistums ist seit 2020 Anja Goller.

Verbreitung

Die älteste Gemeinde im heutigen Deutschland besteht auf der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand. Ihre Ursprünge liegen im Jahr 1654. Sie wurde durch die den Deichbau finanzierenden und damit beschäftigten niederländische Jansenisten aus dem Erzbistum Utrecht gegründet.

Alt-katholische Gemeinden finden sich in stärkerer Konzentration in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg. Die südbadischen Gemeinden liegen in Nachbarschaft zu den christkatholischen Gemeinden der Schweiz, mit denen sie die ehemalige Zugehörigkeit zu dem reformfreundlichen, aber 1821 aufgehobenen Bistum Konstanz teilen. In Bayern sind alt-katholische Gemeinden vor allem um Ansiedlungszentren der Deutschböhmen und Deutschmährer nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert. Auch über Rheinland-Pfalz, das Saarland und Hessen finden sich nahezu gleichmäßig verteilt alt-katholische Gemeinden. In den traditionell evangelischen Gebieten Nord- und Ostdeutschlands erstrecken sich hingegen die Gemeindegrenzen über weite Diasporagebiete.

Seinen Dienstsitz (Ordinariat) hat der alt-katholische Bischof in Bonn, dort befindet sich ebenfalls das bischöfliche Konvikt Johanneum und an der Universität Bonn das Alt-Katholische Seminar mit einem Lehrstuhl für Theologie. Bischof ist seit dem 20. März 2010 Matthias Ring. Kathedralkirche ist die Namen-Jesu-Kirche, die nach einer Renovierung am 2. Juni 2012 zur weiteren Nutzung der alt-katholischen Kirche übergeben wurde.

Verbreitung nach Bundesländern Bundesland Staatskirchen-rechtlicherrichtete Pfarrgemeinden Pfarrämter WeitereGottesdienst-orte Priester Priesterinnen Diakone Diakoninnen davon ehrenamtlich tätige Geistliche davon in Rente befindliche Geistliche Baden-Württemberg 20 13 20 24 1 2 0 9 5 Bayern 12 8 19 19 4 2 0 12 4 Berlin mitBrandenburg undMecklenburg-Vorpommern 1 1 2 2 2 1 0 2 1 Bremen 1 0 0 0 1 0 0 1 0 Hamburg 1 1 1 1 0 0 0 0 0 Hessen 4 4 5 8 0 1 0 1 4 Niedersachsen 2 2 2 3 0 1 0 1 1 Nordrhein-Westfalen 9 8 9 25 1 3 1 18 4 Rheinland-Pfalz 4 1 3 5 1 1 0 4 2 Saarland 1 1 0 2 0 1 0 2 0 Sachsen 1 1 3 4 0 0 0 3 0 Sachsen-Anhalt 2 2 2 1 0 0 0 1 0 Schleswig-Holstein 1 1 0 2 1 0 0 0 1 Thüringen 1 0 2 0 0 0 0 0 0 direkt dem Bischof zugeordnet 2 1 0 0 2 0 Gesamt 60 43 68 98 11 12 1 56 22 mini|Die altkatholische Auferstehungskirche in Passau mini|Apostelin-Junia-Kirche in Augsburg

Liste der Gemeinden (alphabetisch)

Alt-katholische Gemeinden haben in der Regel einige hundert Mitglieder:

Zum 31. Dezember 2025 betrug die Gesamtmitgliederzahl 15.908.Interne Bistums-Statistik

Geschichte Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870) Wie in anderen Ländern konnten auch in Deutschland manche Katholiken den Beschlüssen des Ersten Vatikanischen Konzils innerlich nicht zustimmen. Die wesentlichen Konfliktpunkte waren die vom Konzil formulierten Dogmen von der Unfehlbarkeit sowie dem Jurisdiktionsprimat des Papstes. 13 Professoren der Theologie kamen am 25. August 1870 in Nürnberg zusammen. Sie diskutierten in den beiden Folgetagen die „Nürnberger Erklärung katholischer Gelehrter gegen die Beschlüsse des Vaticanums“, die maßgeblich von Ignaz von Döllinger, Johann Friedrich von Schulte, Franz Heinrich Reusch und Joseph Hubert Reinkens verfasst und anschließend von 32 weiteren Professoren unterzeichnet wurde.Hans-Jürgen van der Minde: Alt-Katholiken – Alternativer Katholizismus? In: ders.: Für ein offenes Christentum. Kösel, München 1994, S. 43–127, hier S. 68.

Die katholischen Christen, welche die Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils nicht annahmen, verfielen der Exkommunikation. Sie schlossen sich in der Folge zu Gemeinden und schließlich zu Ortskirchen (Bistümern) zusammen und wählten auf Kongressen (Synoden) eigene Bischöfe, die von Bischöfen der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande konsekriert wurden. Wegweisend für die Kirchenbildung waren die Kongresse in München im September 1871, als Johann Friedrich von Schulte die Gründung von Gemeinden und die Wahl eigener Bischöfen anregte, und in Köln im September 1872.Hans-Jürgen van der Minde: Alt-Katholiken – Alternativer Katholizismus?. In: ders.: Für ein offenes Christentum. Kösel, München 1994, S. 43–127, hier S. 72.

Die Utrechter Erklärung von 1889 ist das Gründungsdokument der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Als Präsident der Internationalen Bischofskonferenz hat der Erzbischof von Utrecht zugleich den Ehrenprimat unter den altkatholischen Bischöfen inne.

Während des Dritten Reiches (1933–1945) Viele damals lebende Alt-Katholiken sahen in der Machtergreifung der NSDAP eine Chance für ihre Kirche zur Profilierung und Mitgliedergewinnung. Auch Forderungen nach einer Umgestaltung des Glaubens im Sinne eines „völkischen Christentums“ wurden vereinzelt artikuliert (beispielsweise die Abschaffung des Alten Testaments). Diese Bemühungen fanden in der Katholisch-Nationalkirchlichen Bewegung (KNB) ihren organisatorischen Ausdruck, führten aber nicht zu den gewünschten Revisionen. Erfolge konnte die KNB vor allem unter der Arbeiterschaft in den Zentren der Kohleförderung und der Schwerindustrie verbuchen (Ruhrgebiet, Oberschlesien).

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der alt-katholischen Kirche in Deutschland während der nationalsozialistischen Diktatur ist erst Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem ersten Abschluss gekommen (s. Dissertation von Matthias Ring, 2008 erschienen).Eine Kurzdarstellung der Geschichte im Dritten Reich mit Schuldbekenntnis von Bischof Joachim Vobbe findet sich hier:

Bis zur deutschen Wiedervereinigung (1945–1990) Auf das von Adolf Thürlings verantwortete Altarbuch von 1888 folgte 1959 ein neues Altarbuch zur Feier der heiligen Eucharistie, herausgegeben von Dozent Kurt Pursch und der Liturgischen Kommission. Die Lesungen aus der Hl. Schrift wurden auf vier Jahresreihen erweitert und die Zahl der Präfationen auf 19 erhöht. Insbesondere ist die Intinktion, also das Eintauchen der konsekrierten Hostie in den Kelch, wieder allgemein gestattet worden. Beide Altarbücher verwendeten bereits damals die deutsche Sprache anstatt der lateinischen Liturgiesprache.

Am Zweiten Vatikanischen Konzil war, aufgrund der offiziellen Einladung durch Rom, eine Beobachterdelegation der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen akkreditiert, darunter der deutsche alt-katholische Theologe Werner Küppers. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre konstituierte sich eine römisch-katholisch/alt-katholische Dialogkommission. Von Julius Kardinal Döpfner entsandte Mitglieder waren die Theologen Peter Bläser, Heinrich Fries, Abt Laurentius Klein und Erwin Iserloh, der alt-katholische Bischof Josef Brinkhues nominierte Werner Küppers, Fritz Herrmann und Ernst Hammerschmidt in diese ökumenische Kommission.Peter Bläser: Das Gespräch zwischen Römisch-Katholischer und Alt-Katholischer Kirche in Deutschland. In: Max Seckler/Otto H.Pesch/Johannes Brosseder/Wolfhart Pannenberg (Hrsg.): Begegnung. Beiträge zu einer Hermeneutik des Theologischen Gesprächs. Styria. Graz Wien Köln. 1972. ISBN 3-222-10701-7. S. 525.

Im September 1973 griff die Deutsche Bischofskonferenz in Fulda auch die Ergebnisse dieses Dialogs auf und formulierte eine Vereinbarung über eine bedingte und begrenzte Gottesdienstgemeinschaft zwischen der katholischen und der alt-katholischen Kirche, diese umfasste folgende Punkte: 1. Gegenseitige Anerkennung der Taufe, 2. Gegenseitige Zulassung zu Eucharistie, Buße und Krankensalbung, 3. Gültigkeit von Mischehen, 4. Wechselseitige Hilfe in der Krankenhausseelsorge und bei Beerdigungen, 5. Regelungen für den Kirchenübertritt eines Geistlichen und 6. Schaffung einer Kommission für Schlichtungsfälle bei der Durchführung dieser Vereinbarung. Von Rom aus erfolgte jedoch keine Ratifizierung, sondern es wurden weitere Auflagen gefordert. Auch nachdem 1974/75 die Vereinbarung um weitere römische Bedingungen ergänzt wurde, promulgierte der Vatikan das Abkommen trotzdem nicht.

Auch die in diesen Jahren tagende Würzburger Synode hatte sich unter Punkt 5.4.1. „Ostkirchen und altkatholische Kirche“ positiv zu einem solchen römisch-katholisch/alt-katholischen Abkommen geäußert.Beschlüsse der Würzburger Synode, 5.4.1. Ostkirchen und altkatholische Kirche, Seite 214 Homepage der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, abgerufen am 3. Mai 2014

Als Ergänzung zum Eucharistiebuch erschien 1979 eine Sammlung von Eucharistiegebeten und 1983 eine überarbeitete Ordnung für die Eucharistiefeier. Diese Teilrevision der Liturgie stand unter der Leitung von Bischof Sigisbert Kraft, der gleichzeitig Dozent für Liturgiewissenschaft war.Paul Berbers: Wenn wir dann essen von diesem Brot … Die Beteiligung der Gemeinde am sakramentalen Handeln der Kirche. In: Angela Berlis/Klaus-Dieter Gerth (Hrsg.): Christus Spes. Liturgie und Glaube im ökumenischen Kontext. Festschrift für Bischof Sigisbert Kraft. Peter Lang. Frankfurt/Main. 1994. ISBN 3-631-46621-8. S. 25.