rechts|rahmenlos|hochkant Der Hans-Stieber-Preis ist ein Förderpreis für Komponisten ernster Musik, der von der nicht rechtsfähigen Hans-Stieber-Stiftung des Landesverbandes Sachsen-Anhalt Deutscher Komponisten e. V. (LVDK) mit Sitz in Halle (Saale) vergeben wird. Namensgeber und Widmungsträger ist Hans Stieber (1886–1969), Komponist und Gründungsdirektor der Staatlichen Hochschule für Theater und Musik Halle.
Er wurde nach Stiebers Tod von seiner Witwe Gertl Stieber 1977 aus dessen Erbschaft gestiftet und alljährlich bis 1989 an vor allem Nachwuchskomponisten der DDR vergeben.Gilbert Stöck: Neue Musik in den Bezirken Halle und Magdeburg zur Zeit der DDR. Kompositionen, Politik, Institutionen. Schröder, Leipzig 2008, ISBN 978-3-926196-50-7, S. 179. Nach der politischen Wende machten die Erben Stiebers einen Herausgabeanspruch bezüglich des Stiftungsvermögens geltend, wodurch die Preisvergabe zunächst ausgesetzt werden musste.
Ein Urteil des Oberlandesgerichts Naumburg und eine finanzielle Aufstockung durch die Saalesparkasse in Halle machte im Jahr 2000 die Wiederbelebung des Preises durch den LVDK unter der Leitung von Thomas Buchholz möglich.Andreas Hillger: Hallische Musiktage. Suche nach der Seele der Moderne. Komponistenverband belebt Hans-Stieber-Preis. In: Mitteldeutsche Zeitung, 28. November 2000. Dieser schrieb den Preis nun aller zwei bis vier Jahre im Rahmen eines Wettbewerbs für junge Komponisten sowie für auf dem Gebiet der Neuen Musik publizierende Musikwissenschaftler aus. Er wird seitdem im Rahmen des zeitgenössischen Musikfestivals Hallische Musiktage vergeben.
Wettbewerbsreglement Die Wettbewerbsbedingungen wurden im Laufe der 2000er Jahre angepasst. Teilnehmen können Bewerber bis zum 23. bzw. 25. Lebensjahr mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Zur Vertiefung der Beziehung Deutschlands zu Osteuropa und den GUS-Staaten entfiel bei diesen Teilnehmern sodann das Wohnsitzkriterium.
Eine unabhängige Jury wählt die Preisträger aus anonymen Partituren aus.Zwei Dresdner Schüler unter den Gewinnern. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 26. November 2009, S. 10. Sie setzt sich aus dem Kuratorium der Hans-Stieber-Stiftung (Vorsitz: Willi Vogl, später Bernhard Schneyer), weiteren berufenen Juroren und dem beratenden Jurymitglied Thomas Buchholz zusammen. Die Mitglieder sind in der Regel Komponisten (u. a. Günter Neubert) und Dirigenten.
Das teilbare Preisgeld beläuft sich auf 1.000 Euro Website des Deutschen Musikinformationszentrums; abgerufen am 21. Juni 2020. (vorher 2.000 D-MarkAndreas Hillger: Thomas Buchholz. Unerbittlicher Anwalt im Dienst der Moderne. Komponist kämpft um die Zukunft der Hallischen Musiktage. In: Mitteldeutsche Zeitung, 7. November 2000.). Weiterhin werden Sachpreise vergeben, darunter die Teilnahme an einem Sommerkurs der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt. Die Preisvergabe findet im Rahmen der Hallischen Musiktage statt.Hallische Musiktage. Liebe zur Romantik, Mut zur Tradition. Morgen wird der Hans-Stieber-Preis verliehen. In: Mitteldeutsche Zeitung, 9. November 2002. Dazu wird im Händel-Haus in Halle ein Festkonzert veranstaltet.Claudia Crodel: Hallische Musiktage. Zehn Konzerte mit Neuer Musik. 50 Werke von 43 Komponisten erklingen. In: Mitteldeutsche Zeitung, 4. November 2000.
Die Partituren der Preisträgerwerke werden in die Archivbestände der Bibliothek der Stiftung Händel-Haus in Halle übernommen.
Preisträger 1977–1989 mini|hochkant|Ulrike Liedtke (Preisträgerin 1988) mini|Gerd Domhard (Preisträger 1978) Jahr Preisträger Herkunft 1977Manfred Weiss, komponistenlexikon.de; abgerufen am 21. Juni 2020. Manfred Weiss Dresden 1978 Gerd Domhardt Halle (Saale) 1979Stieber-Preis zum dritten Mal verliehen. In: Freiheit, 26. April 1979, S. 5. Wilfried Krätzschmar Dresden 1980Hans Stieber gewürdigt. In: Freiheit, 24. Oktober 1980, S. 12. Reinhard Pfundt Leipzig 1981 Johannes Wallmann Berlin 1982 Thomas Hertel Dresden 1983Hans-Stieber-Preis wurde verliehen. In: Neues Deutschland, 12. März 1983, Jg. 38, Ausgabe 60, S. 4. Ralf Hoyer Berlin 1984Auszeichnung mit Hans-Stieber-Preis. In: Neues Deutschland, 3. März 1984, Jg. 39, Ausgabe 54, S. 7. Frank Petzold Magdeburg 1985Junger Bautzener Komponist erhielt Hans-Stieber-Preis. In: Freiheit, 2. März 1985, S. 2. Juro Mětšk Bautzen 1986 Thomas Reuter Halle (Saale) 1987Bernd Franke, Webseite der Sächsischen Akademie der Künste; abgerufen am 21. Juni 2020. Bernd Franke Leipzig 1988 Ulrike Liedtke Berlin 1989 Helmut Zapf Gera
Seit 2000 Jahr Preisträger Herkunft Gewinnerstück(e) Interpret der Uraufführung 2000Kompositionspreis Hans Stieber. In: Händel-Hausmitteilungen 3/2000, S. 33. Arno Lücker / Johannes Kreidler Langenhagen Dornhan/Leinstetten „Variationen über ein Thema von Sergej Prokofiew (aus Op. 39)“ für Oboe, Viola und Fagott / „Baum und Landschaft“. Musik für Viola und Gitarre Ensemble Sortisatio, Leipzig 2002 Jakob Neubauer Berlin „Stockungen“ für Flöte, Violine, Violoncello und Klavier Ralf Mielke (Flöte), Hendrik Hochschild (Violine), Hinnes Goudschaal (Violoncello) und Dirk Fischbeck (Klavier) 2005 Tobias Klich Weimar „Galgenliederbuch“ für Gesang, Bratsche und Klavier Mitglieder der Sinfonietta Dresden 2009 Johann Friedrich Röpke Magdeburg ensemble courage, Dresden
Literatur Axel Schiederjürgen (Red.): Kürschners Musiker-Handbuch. Solisten, Dirigenten, Komponisten, Hochschullehrer. 5. Ausgabe. Saur, München 2006, ISBN 3-598-24212-3, S. 631. Manfred Weiss: Hallische Musikgeschichte: Erinnerungen an Hans Stieber. Festrede anlässlich der Verleihung des Hans-Stieber-Preises 2000 gehalten am 26.11.2000 im Händel-Haus von Prof. Manfred Weiss. In: Händel-Hausmitteilungen, 3/2000, S. 31–33.
Weblinks Deutscher Komponisten e. V., Landesverband Sachsen-Anhalt Hans-Stieber-Preis. Deutsches Musikinformationszentrum
Einzelnachweise
Kategorie:Musikpreis (Sachsen-Anhalt) Kategorie:Kompositionswettbewerb Kategorie:Institution (Neue Musik) Kategorie:Klassische Musik (DDR) Kategorie:Musik (Halle (Saale)) Kategorie:Erstverleihung 1977 Kategorie:Händel-Haus