Die Republik Kosovo, kurz der/das Kosovo (, ), ist eine Republik in Südosteuropa auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel. Sie hat etwa 1,8 Millionen Einwohner, die Kosovaren genannt werden, und gilt als ein De-facto-StaatButrint Berisha: From Agreement for Normalisation to Agreement on the Path to Normalisation: How the West Switched Focus in the Kosovo-Serbia Dialogue Process, De Facto States Research Unit, Universität Tartu, 4. April 2023. Abgerufen am 2. Oktober 2023. oder weiterhin stabilisiertes De-facto-Regime. Die Hauptstadt und größte Stadt des Kosovo ist Pristina.
Kosovo war eine autonome Region innerhalb der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, ab dem 26. April 1992 Bestandteil der neu konstituierten föderativen Bundesrepublik Jugoslawien und ab 2003 eine Teilregion der Republik Serbien. Die jüngere Geschichte ist durch den Kosovokrieg von 1999 und dessen Folgen geprägt. Der gegenwärtige völkerrechtliche Status des Landes ist umstritten.Vgl. Heiko Krüger, Der Berg-Karabach-Konflikt: Eine juristische Analyse. Springer, Berlin/Heidelberg 2009, ISBN 978-3-642-01723-0, S. 70: Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament die Unabhängigkeit des Territoriums. der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen die Republik Kosovo als einen unabhängigen Staat an.Vgl. die aktuelle belegte Liste in Internationale Anerkennung des Kosovo und die hier zur automatischen Aktualisierung verwendete Vorlage:Internationale Anerkennung des Kosovo.
Bei formeller Wahrung der Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Jugoslawien wurde Kosovo nach dem Krieg im Jahr 1999 unter die Verwaltungshoheit der Vereinten Nationen gestellt.Seit dem 12. Juni 2008 beschränkt sich die Rolle der am 10. Juni 1999 eingerichteten UNMIK auf sogenannte Residualzuständigkeiten. Ihre ursprünglichen Aufgaben sind von den kosovarischen Behörden und von der Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union im Kosovo (EULEX Kosovo) übernommen worden; siehe hierzu z. B. Kosovo – Aufbau von Institutionen für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und den Schutz von Minderheiten, u. s. Infobox „Hintergrund: Internationale Präsenzen in Kosovo“, Webseite des Auswärtigen Amts. Abgerufen am 26. Juli 2010. Völkerrechtliche Grundlage war hierbei die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates, welche die Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Bundesrepublik Jugoslawien garantiert, deren Rechtsnachfolger das heutige Serbien ist. Zudem wird die politische Entwicklung seit dem 9. Dezember 2008 durch die EULEX Kosovo überwacht. Dies gilt auch für die überwiegend von Serben bewohnte Region Nordkosovo, die von der Regierung in Pristina derzeit nur beschränkt kontrolliert wird.
Der Internationale Gerichtshof (IGH) gelangte am 22. Juli 2010 in einem rechtlich nicht bindenden, von der UN-Generalversammlung auf serbische Initiative angeforderten Rechtsgutachten zu dem Ergebnis, dass die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoße. Gleichzeitig vermied der IGH, den Rechtsstatus des Kosovo zu bewerten, und erkannte die Gültigkeit der UN-Resolution 1244 an.
Die serbische Regierung betrachtet den Kosovo formal als Serbiens Autonome Provinz Kosovo und Metochien (, kurz ; ), räumt jedoch ein, dass eine „serbische Souveränität über den Kosovo praktisch nicht vorhanden ist“ und die „wahren Grenzen“ Serbiens in der Zukunft noch völkervertragsrechtlich festzulegen seien.Reuters: , abgerufen am 7. März 2013.
Das Land ist seit Juni 2009 Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe.Siehe z. B. unter: Kosovo and the IMF, auf: imf.org und Kosovo, auf: worldbank.org Seit November 2012 gehört es auch der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an. Im Januar 2026 trat es dem Friedensrat von Donald Trump bei.
Geographie
mini|Die Gjeravica ist mit der zweithöchste Berg des Kosovo mini|Mirusha-Wasserfälle im Westen des Landes
Der Kosovo liegt in Binnenlage im Zentrum der Balkanhalbinsel. Er grenzt im Südwesten an Albanien, im Nordwesten an Montenegro, im Norden und Osten an Serbien bzw. Zentralserbien und im Südosten an Nordmazedonien. Tektonisch sind die Einebnungen des Amselfeldes und Metochiens gänzlich von Gebirgen begrenzt. Die Gebirgsgruppen des Prokletije grenzen den Kosovo zu Montenegro und Albanien, der Kopaonik zu Serbien und die Šar Planina zu Nordmazedonien ab.
Mit 10.905 km² hat der Kosovo als kleinstes Land Südosteuropas etwa zwei Drittel der Fläche von Thüringen und ist mit 195 Einwohnern pro Quadratkilometer vergleichsweise dicht besiedelt. 53 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, 42 % sind Waldgebiet und 5 % bebaut beziehungsweise Stadtgebiet.
Durch die räumliche Struktur einer von Hochgebirgen umgebenen Senke war der Kosovo schon immer eine wichtige ackerbaulich genutzte Region – bekannt ist der Amselfelder Wein – sowie Zentrum der balkanischen Fernweidewirtschaft, in dem insbesondere die Niederung Metochiens als Winterweidegebiet genutzt wurde und noch im 19. Jahrhundert von thessalischen und nordserbischen Wanderhirten aufgesucht wurde. Eine Besonderheit der Viehzucht stellt die zum Teil bis heute andauernde Nutzung von Wasserbüffeln dar.
Siedlungsgeographisch ist das höher gelegene Amselfeld mit der Hauptstadt Pristina, das sich zwischen dem Ibar und der Südlichen Morava als langgezogene Senke hinzieht, heute die ökonomisch wichtigere Region. Historisch war Metochien mit den ältesten städtischen Zentren von Prizren, dem alten römischen Verwaltungszentrum und der späteren serbischen Kaiserstadt, sowie Peja bedeutender. Die Ebenen sind durch ein hügeliges, großteils von lockeren Eichenwäldern bewachsenes Mittelgebirgsland voneinander getrennt, was die Kommunikationswege erschwert.
Die Hochgebirgslandschaften an den Grenzen zu Albanien, Montenegro und Nordmazedonien erreichen durchweg . Höchste Berge sind Rudoka (in der Šar Planina, 2658 m), Gjeravica (), Bistra (Gemeinde Ferizaj, ), Marjash (Peja, ), Ljuboten () und Koproniku (Peja, ). Großteils aus Silikatgesteinen aufgebaut, sind die Gebirge meist auch wasserreich und gut für Viehherdenhaltung geeignet. Aus kreidezeitlichen Kalken sind Karstgebirge wie der Koproniku sowie die zentralen Teile der Šar Planina mit der Bistra aufgebaut, damit auch weniger zugänglich und wasserärmer.
Gewässer Durch den Westen des Landes fließt der Weiße Drin, welcher in der Nähe von Peja entspringt. Der Drin ist der wichtigste und mit etwa 113 km der längste Fluss im Kosovo. Einige Stauseen befinden sich im Landesinneren sowie an den Grenzen zu Serbien und Albanien. Der größte von ihnen ist der Gazivodesee mit 11,9 km², gefolgt vom Radoniq-See und dem Batllava-See.
Zahlreiche Glazialseen finden sich insbesondere in der Šar Planina. Im metochischen Prokletije sind drei kleine Seen um die Gjeravica als Zeugnisse eiszeitlicher Vereisung der Gebirge übriggeblieben.
Bodenschätze Das Kosovo ist reich an Bodenschätzen. Es finden sich hauptsächlich Vorkommen von Blei, Zink, Nickel und Lignit. Zusätzlich sind Silber, Gold, Kobalt, Aluminium, Eisen, Cadmium, Magnesit sowie Chrom vorhanden.
Klima mini|hochkant=1.2|Verteilung der Niederschlagsmenge im Kosovo
Im Kosovo herrscht wegen seiner Binnenlage vorwiegend Kontinentalklima. Je nach geographischer Lage sind die kontinentalen Klimaeigenschaften jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Aus diesem Grund wird der Kosovo in drei klimatische Regionen untergliedert, und zwar in das Amselfeld, in Metochien (alb. Dukagjin) sowie in gebirgige und bewaldete Teile.
Im Gebiet des Amselfeldes, das die östliche Landeshälfte mit der Hauptstadt Pristina umfasst, ist das kontinentale Klima vorherrschend. So sind die Winter mit einer Durchschnittstemperatur von −10 °C kalt, können aber auch Tiefsttemperaturen von −26 °C erreichen. Die Sommer hingegen sind sehr warm mit einer Durchschnittstemperatur von 20 °C, doch Temperaturen bis 37 °C sind keine Seltenheit. Diese Region wird auch durch ein eher trockenes Klima ausgezeichnet, denn die jährliche Niederschlagssumme beträgt durchschnittlich etwa 600 mm.
In Metochien, das die westliche Landeshälfte einnimmt, wird das Kontinentalklima stark von den warmen Luftmassen des Mittelmeeres beeinflusst. Die durchschnittliche Tagestemperatur im Winter liegt zwischen 0,5 und 22,8 °C. Die jährliche Niederschlagssumme dieser Region beträgt durchschnittlich etwa 700 mm. Starke Schneefälle sind im Winter typisch.
Die dritte klimatische Region umfasst die Gebirgsregionen zu Montenegro, Albanien und Nordmazedonien sowie die bewaldeten Teile des Hügel- und Berglandes im Zentrum und im Norden des Kosovo. Im Gegensatz zu den anderen zwei Regionen fällt hier mehr Niederschlag (zwischen 900 und 1300 mm jährlich). Und während die Sommer ziemlich kurz und mild sind, ist es im Winter meist kalt und niederschlagsreich.
Für den gesamten Kosovo gilt, dass der Dezember und der Januar zu den kältesten Monaten und der Juli und der August zu den wärmsten Monaten des Jahres zählen. Der meiste Niederschlag fällt zwischen Oktober und Dezember.
Landesname Kosovo bezeichnet in der Regel das Gesamtgebiet. Auch im Serbokroatischen wird Kosovo bedeutungsgleich gebraucht. Daneben wird von nationalbewussten Serben die Bezeichnung Kosmet, eine Wortkombination aus Kosovo und Metochien, parallel verwendet.
Kos bezeichnet im Serbokroatischen die Amsel. Die Region ist nach dem Amselfeld (serbisch Kosovo Polje, albanisch Fushë Kosovë) bei Pristina benannt. Das Wort kosovo ist ein besitzanzeigendes Adjektiv („zur Amsel gehörig“) und daher ohne zusätzliches polje („Feld“) eigentlich unvollständig. Die Abkürzung hat sich jedoch in dieser Form eingebürgert, während Kosovo Polje das Amselfeld im engeren Sinne sowie die dort gelegene gleichnamige Stadt etwa fünf Kilometer südwestlich der Hauptstadt Pristina bezeichnet.
Die Bezeichnung Metochien für den Westen des Kosovo leitet sich vom griechischen ab. Dieser Name, der eine von vielen Kirchen und Klöstern geprägte Landschaft beschreibt, wurde in Jugoslawien ab 1974 von staatlicher Seite nicht mehr verwendet. Die Kosovo-Albaner nennen diese Region Dukagjini oder Rrafshi i Dukagjinit.
Dardanien oder Dardania ist unter Albanern eine verbreitete historisierende Bezeichnung für den Kosovo. Sie leitet sich vom antiken illyrischen Volk der Dardaner ab, die im Gebiet des heutigen Kosovo lebten.Heinrich Tischner: Völker-, Länder- und Gruppennamen – Dardaner Es umfasste das heutige Territorium des Kosovo, ferner einige Gebiete im Süden Serbiens sowie in Nordmazedonien. Im Oktober 2000 präsentierte der spätere Präsident Ibrahim Rugova seinen Vorschlag für eine zukünftige Flagge des Kosovo. Auf ihr befand sich ein Spruchband mit der Bezeichnung „Dardania“, die Rugova als Landesnamen eines unabhängigen Kosovos vorschlug.
Bevölkerung mini|Fast die Hälfte der Bevölkerung des Landes ist unter 18 Jahre alt (2006). Im Bild Mädchen in traditioneller albanischer Tracht.
Statistische Daten (2006) / *(2023) LebenserwartungJahre 79,7* Sterberateje 1000 Einwohner 3,56 Geburtenrateje 1000 Einwohner 16,7 BevölkerungsdichteEinwohner pro km² 166,7 Städtische Bevölkerung 35–40 % Bevölkerung unter 18 Jahren 46 % Bevölkerung über 65 Jahren 6 % mini|Der Kosovo hat die jüngste Bevölkerung in Europa