Es gibt mehrere Hundert Stämme der Aborigines in Australien, auch als Aboriginesvölker bezeichnet. Die Zahl der Stämme vor der Besiedlung Australiens durch die Briten, also vor 1788, wird je nach Quelle auf über 200 bis 700 geschätzt.Tindale N. (1974): Aboriginal Tribes of Australia. ISBN 0-520-02005-7
Aborigines sprechen im Allgemeinen von ihrem Volk und ihrem Land; im östlichen Australien bezeichnen sich einige Stämme auch als Nation. In ihren ethnographischen Gebieten, die teilweise die Größe eines durchschnittlichen europäischen Landes erreichen, wird ein Dialekt gesprochen. Im wissenschaftlichen Diskurs werden Gruppen, die denselben Dialekt sprechen, tribes oder bands bezeichnet, dem am ehesten die Übersetzung in Stamm gleichkommt. Eine Landkarte der Stämme wurde erstmals 1940 von Norman Tindale publiziert und 1974 überarbeitet.Karte von Tindale (1974) Tribal Boundaries in Aboriginal Australia
Nicolas Peterson hat die australischen Stämme nach jeweils übereinstimmenden Kulturmerkmalen in 17 unterschiedliche Kulturareale der Aborigines gegliedert.N. Peterson (1974): The natural and cultural areas of Aboriginal Australia. In Tribes and boundaries in Australia. ISBN 0-85575-048-0
Vergleiche dazu auch Australische Sprachen.
Größte Stämme Der größte Stamm der Aborigines sind heute die Pitjantjatjara. Sie leben in der Umgebung des Uluṟu (Ayers Rock) und südlich davon im Bezirk Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara in South Australia. Die zweitgrößte Gemeinschaft von Aborigines sind die Arrernte in der Umgebung von Alice Springs. Die drittgrößte Population stellen die Luritja, deren Siedlungsgebiet sich zwischen den Gebieten der Pitjantjatjara und der Arrernte befindet.
Innerhalb eines Landes lebten Menschen in ihren Clans, die Großfamilien mit unterschiedlichen Verwandtschaftssystemen waren. Kontakte zwischen den Clans wie auch zwischen den Völkern waren üblich, allerdings gab es strikte Protokolle für diese Begegnungen.
Lebensformen Allgemein bekannt ist, dass die Aborigines als Jäger und Sammler nomadisch im Inland und an den Küsten Australiens lebten.
Weniger bekannt ist, dass beispielsweise die Gunditjmara ein ausgeklügeltes System einer Aquakultur und Aalzüchtung beherrschten und dass sie steinerne Wohnstätten bauten. Sie bauten eine Aquakultur mit Steindämmen, um das Wasser in den Sümpfen zurückzuhalten, wo sie Aale und andere Fische züchteten. Sie leiteten das Wasser über Wehre und fingen dabei Fische in Reusen.Anna Salleh, Aborigines may have farmed eels, built huts, News in Science, Australian Broadcasting Corporation, 13. März 2003. Abgerufen am 26. November 2008, The Age, 13. März 2003. Abgerufen am 25. November 2008
Ebenso wenig bekannt ist, dass der ausgestorbene Stamm der Ngaro im Seegebiet der Whitsunday Islands auf Inseln lebte und als einziger seefahrender Aboriginesstamm Australiens mittels Auslegerkanus von Insel zu Insel nomadisierte. Dabei entwickelten sie Fähigkeiten, sicher auf See zu navigieren.Fiona Dickson: The Ngaro people of the Whitsundays auf abc.net vom 25. Juni 2008, abgerufen am 23. Mai 2010
Australian Capital Territory Ngunnawal waren die ersten Bewohner des Gebietes, in dem heute Canberra und das Australian Capital Territory liegen. Sie sprachen Ngunnawal. Die Stadt Canberra ist nach dem Ngunnawal-Wort „Kambera“ benannt. Auch viele andere Plätze um Canberra haben Ngunnawal-Namen, so zum Beispiel Tuggeranong, Ginninderra, Murrumbidgee, der Stadtteil Ngunnawal und viele Straßennamen.
New South Wales mini|hochkant|Porträt von Bennelong vom Volk der Eora, dem man eine Backsteinhütte am Bennelong Point gegeben hatte, wo heute das Sydney Opera House steht. Bennelong reiste nach 1792 nach England.
Die Cammeraygal, auch Awabakal genannt, waren ein Volk, das am nördlichen Ufer Sydneys lebte, im Gebiet des heutigen North Sydney Council. Der Name „Cammeraygal“ ist Bestandteil des Emblems von North Sydney und gab dem Bezirk Cammeray den Namen. Die Awabakal lebten auch in der Gegend des heutigen Newcastle.
Die Eora waren 1788, als die ersten europäischen Siedler ankamen, die Bewohner im Raum von Sydney. Einige Wörter des heutigen australischen Englisch stammen aus der Sprache der Eora, zum Beispiel Dingo, Woomera, Wallaby, Wombat, Waratah, Boobook Owl und Wallaroo. Bennelong war ein Älterer aus dem Volk der Eora. Er diente als Vermittler zwischen Briten und Eoras. Bennelong reiste nach England und kehrte 1795 nach Australien zurück. Er starb am 3. Januar 1813 in Kissing Point, heute als Ryde bekannt. Bennelong Point, wo heute das Sydney Opera House steht, ist nach ihm benannt. Dort lebte er, als er den Gouverneur von New South Wales, Arthur Phillip, überredet hatte, eine Backsteinhütte für ihn zu bauen.
Die Anzahl der Yuin betrug 1788 etwa über 11.000 Personen, die sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wegen Pocken-Epidemien von 1789 und 1830 auf 600 reduzierte, wie auch durch Stammeskriege und durch Infektionskrankheiten, die europäische Walfänger mit sich brachten und gegen die die Aborigines keine Abwehrkräfte hatten. Sie lebten an der Südküste von New South Wales und ihr Land reichte von Cape Howe bis zum Shoalhaven River und ins Inland bis zur Great Dividing Range.
Kamilaroi ist ein Volk, das aus einem Gebiet zwischen Tamworth und Goondiwindi, westlich von Narrabri und Lightning Ridge im Norden von New South Wales lebte. Ihre Mythologie schließt Baiame, den Gott der Vorfahren oder Patrone, ein. Er war verheiratet mit Birrahgnooloo und mit ihr Vater von Daramulum. Der Kamilaroi Highway wird nach diesem Volk benannt.
Die Tharawal waren eine Untergruppe der Dharug sprechenden Nation in der Gegend um Wollongong südlich von Sydney. Aus ihrer Sprache stammt das Wort Boomerang.
Wiradjuri oder Wiradhuri sprechen eine Sprache desselben Namens. Sie besitzen im Zentrum von New South Wales ein großes Gebiet. Es erstreckt sich von den Blue Mountains im Osten bis Hay im Westen, nördlich von Nyngan und südlich von Albury. Dieses Gebiet umschließt heutige Städte wie Wagga Wagga, Bathurst, Griffith und Dubbo.
Die Wonnarua, das „Volk der Hügel und Ebenen“, haben ihr Gebiet im oberen Hunter Valley.
Northern Territory Alyawarre leben nordöstlich von Alice Springs. 1980 machten sie ihren Anspruch auf Land geltend, das ihnen am 22. Oktober 1992 zurückgegeben wurde. Das Land ist 2065 km² groß.
Anmatyerre kommen aus der Umgebung des Mount Leichhardt, von Hann und den Reynolds Ranges sowie nordöstlich vom Central Mount Stuart. Zu den Anmatjera gehören Emily Kngwarreye und der Künstler Clifford Possum Tjapaltjarri.
Arrernte bezeichnet ein Volk, eine Sprache und ein Gebiet im zentralen Australien. Die Bevölkerung wird einschließlich jener, die in Alice Springs wohnen, auf 25.000 geschätzt, womit es nach den Pitjantjatjara das zweitgrößte aller zentralaustralischen Völker ist. In den meisten Schulen von Alice Springs ist Arrernte, zuweilen auch Western-Arrernte, neben Französisch oder Indonesisch Pflichtsprache für Schüler aller Völker und Nationalitäten. Außerdem kann Arrernte in den meisten High Schools von Alice Springs sowie im Centralian College als Teil eines Berufsschulkurses als gesondertes Fach gelernt werden. Für die Zukunft ist geplant, ein Fach an der Universität einzurichten. Etwa 25 Prozent der Bevölkerung von Alice Springs sprechen Arrernte als Muttersprache.
Die Gunivugi leben am Liverpool River in Arnhem Land. Sie sprechen die Sprache Ndjébbana. Sie jagen Dugongs, Schildkröten und Fische.
Die Gurindji streikten im Wave Hill Walk-off zunächst für bessere Löhne und sozialere Verhältnisse. Im Laufe dieser Auseinandersetzung entwickelte sich der Kampf für ihr angestammtes Land. Als die Regierung der Australian Labor Party unter Gough Whitlam 1972 an die Macht kam, setzte sie sich für die Gurndji ein und diese erhielten einen Teil ihres Landes zurück. Das war ein Meilenstein in der Bewegung der australischen Landrechtsbewegung der Aborigines. 2020 erhielten die Gurindji einen Native Title.
Luritja ist eine Bezeichnung, die sich auf verschiedene Dialekte der Sprache der Western Desert, aber auch auf die Menschen, die diese Dialekte sprechen sowie deren traditionelles Land bezieht. Das Land der Luritja schließt Gebiete im Westen und Süden von Alice Springs ein und dehnt sich bis zum Land der Arrernte, das grob zwischen Alice Springs und Uluṟu liegt, aus. Die Gesamtbevölkerung der Luritja einschließlich der Papunya Luritja umfasst wahrscheinlich mehrere tausend Personen und macht sie zum drittgrößten zentralaustralischen Volk. Im Luritja-Gebiet befindet sich die Stadt Papunya, die eine Künstlerkolonie der Aborigine beherbergt.
Die Murrinh-Patha stellen eine kleine Gruppe, die landeinwärts von der Siedlung Wadeye zwischen den Flüssen Moyle und Fitzmaurice lebt, dar. Ihre Sprache, das sogenannte Murrinh-Patha, wird noch von etwa 900 Menschen gesprochen. Ihre Kultur ist von einer für Aborigines typischen Sozialstruktur, die ein komplexes Verwandtschaftssystem und umfassende Verhaltensnormen für das Zusammentreffen der verschiedenen Verwandtschaftsgruppen beinhalten, gekennzeichnet.
mini|Die Pitjantjatjara oder Anangu leben in der Umgebung des Uluṟu. Pitjantjatjara bezeichnet sowohl ein Aborigine-Volk in der zentralaustralischen Wüste als auch deren Sprache. Ihr Einflussgebiet erstreckt sich vom Uluṟu im Northern Territory bis zur Nullarbor Plain in South Australia. Ihre Sprache ist eine der am häufigsten gesprochenen Sprachen australischer Aborigines.
Nahezu 2500 Tiwi leben auf der Bathurst-Insel und der Melville-Insel, die zusammen als Tiwi-Inseln bezeichnet werden.
Warlpiri ist eine große Gruppe im Northern Territory. Es gibt etwa 5000 bis 6000 Warlpiri, hauptsächlich in Siedlungen, die auf ihrem traditionellen Land verstreut sind. Ihre größte Gemeinschaft ist in Yuendumu. Im Gegensatz zu vielen anderen Völkern und Gruppen der Aborigines sprechen viele Warlpiri kein Englisch. Warlpiri sind für ihre Volkstänze bekannt, mit denen sie in England, Japan and Russland auf Tour gingen.
Die Yanyuwa leben auf der nördlichsten der Sir-Edward-Pellew-Inseln.
Die Yolngu bewohnen das nordöstliche Arnhem Land. Nachdem sie durch den Kontakt mit Makassars lernten, Boote zu bauen, die im Gegensatz zu den traditionellen Baumrinden-Booten seetüchtig waren, begannen einige Gemeinschaften der Yolngu mit dem Fisch- und Schildkrötenfang. Einige Aborigines begleiteten die Makassars zurück in deren Heimat auf der anderen Seite der Arafurasee. Die Yolngu erinnern sich aber auch mit Trauer an die Entführung und den Handel mit Yolngu-Frauen sowie die Einschleppung der Pocken, die auf Java epidemisch waren.
Queensland Die Guugu Yimidhirr gehören einer anderen Sprachgruppe an. Es gibt immer noch einige Hundert Sprecher ihrer Sprache, vorwiegend um Hopevale, Cooktown und Wujal Wujal auf der Cape York Peninsula im Norden Queenslands. Am Ort des heutigen Cooktowns trafen zwei weitgehend unterschiedliche Kulturen aufeinander, als sich die ansässigen Guugu Yimithirr 1770 vorsichtig James Cooks angeschlagenem Segelschiff, der HM Bark Endeavour, das sich die Küste entlang schleppte, um einen sicheren Hafen zu finden, näherten. Der Begriff „Känguru“ wurde in die englische Sprache aufgenommen. Es entstammt dem Wort der Guugu-Yimidhirr für das Graue Riesenkänguru, das gangaroo hieß.
Die Kalkadoon lebten in der Umgebung von Mount Isa im Westen Queenslands. Im 19. Jahrhundert kam es zu Kämpfen zwischen den Kalkadoon und der Polizei. 1884 wurden je nach Quelle etwa 100 bis 800 Kalkadoon bei dem Massaker von Battle Mountain im Kampf mit der Polizei getötet.Chris Coulthard-Clark: The Encyclopaedia of Australia’s Battles; St. Leonards, Crows Nest, East Melbourne, Auckland: Allen & Unwin, 2001; ISBN 1-86508-634-7; S. 52 (Textausschnitte bei Google Books)